Literaturtipp für die Beruhigung

ein Text, den zu lesen beruhigt, weil er so schleifenhaft aufgebaut ist: Unterirdische Tauben

Im postantibiotischen Zeitalter – eine Rezension zu „Der Weizen gedeiht im Süden“ von Erik. D. Schulz

Dies ist ein Buch über die Apokalypse: Nach einem Atomschlag wird es kalt und dunkel in Europa. Ein Krieg als Folge einer USA-China-Krise hat die Zivilisation hierzulande zerstört. Macht(wunsch) macht alles kaputt, befürchtet man oft, und hier kann man lesen, was passieren kann, wenn sich einige Staatenlenker falsch entscheiden.

Wir lernen eine Heldengruppe kennen, die den Atomkrieg in einem Bunker überlebt hat. Im Bunker tauchen Fragen auf: Ist das Wasser wirklich verseucht? Ist der angebaute Weizen von einem Pilz befallen? Was ist mit dem Diktatorgebahren des Bunkerchefs?

In solidem Schreibstil nimmt Erik D. Schulz seine Leser mit auf eine Reise in eine beinahe aussichtslose Zukunft. Viel Wert wird auf eine nachvollziehbare Charakterentwicklung gelegt. Der Autor beherrscht hier sein Handwerkszeug. Dabei fällt auch positiv auf, dass verschiedene Charaktere unterschiedliche Sprachstile haben. So spricht etwa der unangenehme Bunkerchef erwachsener und abgebrühter als die unschuldige Teenietochter des Helden. Manchmal wird die Persönlichkeitsentwicklung über Träume und Metaphern dargestellt, das ist ein nettes Stilmittel.

Teilweise realistisches Abenteuer aus einer postnuklearen Zukunft

„Der Weizen gedeiht im Süden“ überzeugt unter anderem mit seinem Helden Oliver. Dieser ist ein recht normaler Mensch und kein unrealistischer Macker wie in manch anderem Buch zur Apokalypse. So wartet er lieber ein wenig länger, bis er mit einer Gruppe von unterschiedlichen Menschen aus dem Bunker ans trübe Tageslicht aufbricht.
Reiseszenen wechseln sich in diesem Roman von Erik D. Schulz mit romantischen Einlagen und actiongeladenen Kampfszenen ab. Allein dass beim ersten Kampf ausgerechnet der Vater der Frau, in die der Protagonist verliebt ist, stirbt, wirkt ein wenig unplausibel und zufällig.

Die Heldengruppe ist ständigen Gefahren und Anstrengungen ausgesetzt. Neben mehreren machthungrigen Despoten kommen auch Freundschaften zur Geltung, was einen gewissen Trost spendet. In dieser Rezension soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass dieses Buch einem ziemlich zu denken gibt. So ein Atomkrieg wird seit Jahrzehnten gefürchtet, aber wer von uns ist darauf vorbereitet, sich durchzuschlagen, wenn Pazifismus und Alltagswissen nicht mehr ausreichen?

Eine subtile Botschaft in „Der Weizen gedeiht im Süden“ ist: Schulmedizin-Ablehnende bringen sich und andere in Gefahr, wie es die Geliebte des Helden tut. Ich bekam beim Lesen direkt Angst vor einem postantibiotischen Zeitalter – etwas, worüber ich zuvor noch nicht nachgedacht hatte, was aber realistisch erscheint: eine Zeit, in der Menschen wieder an Lungenentzündungen oder Wundinfekten sterben.

Die Dynamik der Geschlechter in „Der Weizen gedeiht im Süden“

Lawinen, Maschinengewehre und verstrahlter Schnee machen dem Helden das Leben schwer, daher muss dieser, als wenig trainierter Arzt, mit der Zeit lernen, sich sowie die Frauen und Kinder mit Gewehr und Pistole zu verteidigen. Vielen Mitüberlebenden geht es schließlich nur um das eigene Wohlergehen, es wird getrickst und gekämpft, das ist bedrückend, auch wenn es für Spannung sorgt.

Die Geschlechterrollen nach dem Atomkrieg sind hier eher altbacken verteilt: Frauen und Jugendliche sind kränklich und ängstlich, Männer wachsen über sich hinaus. Trotz aller Selbstzweifel, die Oliver manchmal hat, kann er das Waisenkind Marcelina adoptieren und fürsorglich versorgen.
Es wird viel gestorben wegen Kämpfen und Krankheiten. Daher dürfen mit Fortschreiten der Handlung auch Frau und Jugendliche aktiver agieren – gelegentlich sogar mit Waffengewalt. Sie packen dann mehr mit an und sind manchmal weniger ängstlich oder zögerlich als Oliver. Damit soll wohl die wachsende Verzweiflung zum Ausdruck gebracht werden.

Anstatt sich in einem Boot über das Mittelmeer zu begeben, haben die Protagonisten in diesem Buch von Erik D. Schulz Glück und können ein altes Flugzeug nutzen. Dieser Buchabschnitt machte mich besonders unruhig. Beim Fliegen hätte viel schief gehen können, zumal der Pilot schwer verletzt war. Am Steuer saß der Elitesoldat Haemmerli, der im Prinzip der zweite Held des Buches ist. Ob es wohl realistisch ist, derart verwundet und halb bewusstlos ein Flugzeug präzise steuern zu können?
– Nun, es ist eine fiktive Geschichte und vielleicht sind solche Szenen für die Spannung nötig. Für meinen Geschmack könnten auch weniger Action und Wendungen auf manchen Seiten sein, ganz so viele Hindernisse nacheinander braucht mein leises Gemüt nicht unbedingt.

Apokalypse-Buch mit Flüchtlingselend nach Atomkrieg

Beim Überflug Italiens zu lesen, dass z.B. Mailand nur noch ein schneebedeckter Krater sei, sorgte für ein gewisses Gruseln vor der Macht von Atomwaffen.
Abschuss drohte danach durch die ägyptische Luftwaffe. Ungewollt zu sein dürfte für viele heutige Bewohner von hochindustriellen Ländern ein ungewohntes Gefühl sein – dabei kann sich das Blatt innerhalb weniger Kriegshandlungen wenden und dann sitzen auch wir womöglich in einem Fluchtfahrzeug und werden fast nirgendwo hineingelassen.

Bei der Ankunft in Afrika muss die Heldengruppe feststellen, dass die Halbwüste sich ein wenig abgekühlt hat. Trotz der weniger als 30 Grad Celsius dort kommt es im Verlauf des Fußmarsches beinahe zum Verdursten. Hier bietet das Buch den impliziten Appell: Niemals aufgeben! Vorwärts und dabei die Menschenwürde nicht vergessen! Reden, Umarmen oder möglichst ordentliche Beerdigungen bleiben wichtig, auch wenn der Tod von allen Seiten droht.

Gut kann sich die Leserin in heutiges Flüchtlingselend einfühlen, als die übriggebliebene Heldengruppe in ein Migrantencamp muss. Wie etwa deren Passdokumente bei der dortigen Registrierung einfach weggeworfen werden, ist ein anschaulich symbolischer Vorgang, der für das demütigende Leben als unfreiwilliger Migrant steht.

Zuvor lesen wir aus der Perspektive abgewiesener bzw. ungewollter Flüchtender, wie sich eine Reise darstellen kann, bei der sich selbst andere Europäer nur manchmal solidarisieren. Allerdings kommt es mir ein bisschen unglaubwürdig vor, wenn bei Erik D. Schulz‘ Buch Spanier „radioaktive Wolke“ auf deutsch sagen können – aber wer weiß schon, wie die Bildung der Zukunft sein wird. In jedem Fall erscheint es realistisch, dass sich vor Verzweiflung und Durst nach einem Atomkrieg selbst ehemalige Europa-Bewohner gegenseitig ausrauben wollen. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund realer Migrationsdebatten beklemmend.
Oder wie die Protagonistin Carolin sagt: „Die Welt ist so unbegreiflich geworden. So gefährlich und fremd.“

Rezension zu „Der Weizen gedeiht im Süden“: das Zwischenmenschliche

Jeder, der ein wenig Empathie empfinden kann, bekommt, denke ich, bei den Szenen, die im Sudan spielen, Sympathien für derzeitige reale Flüchtende und Geflüchtete. Auch, warum Prügeleien in Lagern und Heimen ausbrechen, wird hier flüssig dargestellt, denn Olivers Wut auf die Gesamtsituation entlädt sich beim Zeltnachbarn in der deutschen Kolonie des Flüchtlingscamps.
Zuvor fühlte sich der Held hilflos und machtlos, während er unter anderem angeblich – mit seinem „gebrochenen Arabisch“ – komplizierte Schimpfsätze der Sudanesen verstand.
Damit es aber nicht zu trostlos wird, lässt Erik D. Schulz im Camp einen netten Sprecher bzw. Manager mit einem Hund auftreten und Carolin freundet sich mit einer Französin an. Und durch helfende Taten entsteht doch so etwas wie Solidarität unter den Geflüchteten, man begräbt zum Teil alte Streits.

Dieses Buch erinnert mich wieder daran, dass hinsichtlich der Apokalypse handwerkliche oder medizinische Berufe eine bessere Absicherung wären. Dienstleistungen oder Internetjobs sind schließlich nicht mehr gefragt, wenn die Welt in Scherben liegt. Dieser Gedanke ist einer von vielen, die mich nicht so vertrauensvoll in die Zukunft blicken lassen.
Vielmehr bekam ich beim Lesen Lust, einen Wildnis-Survival-Kurs zu besuchen.

Im letzten Viertel kommen krasse Wetterphänomene auf die Heldengruppe zu, gefolgt von Typhus. Oliver und seiner kleinen Familie bleibt offenbar nichts erspart. Der Held verzweifelt. Man fragt sich nun wirklich, wie das noch gut ausgehen soll.
Es kommt einem zudem ins Bewusstsein, wie gut ein funktionierendes Notarztsystem ist. Viele heutige Selbstverständlichkeiten sind im Grunde sehr wertvoll und nicht zu unterschätzen.

Weil es also im Lager keine vernünftige Krankenversorgung gibt, entschließt sich Oliver zu einem finalen heldenhaften Auftritt: Er flieht erneut. Dabei kann sich die Leserin erneut in reale prekär lebende Personengruppen einfühlen, denn Oliver ist mit dem Verlassen des Lagers ein „illegaler Migrant“.

Selbst auf den letzten Seiten von „Der Weizen gedeiht im Süden“ wird noch Wert auf Spannung gelegt: Die mit krassem Glück und alten Verbindungen beschafften Medikamente schlagen nicht gleich an.
Oliver hat insgesamt sehr viel Glück. In der Realität wäre die Protagonistengruppe bei einer solchen Apokalypse-Reise wohl x-mal gestorben. Aber es ist ja oft in Büchern oder Filmen so: Der Held schafft es gegen alle Widerstände.

Potsdam verkloppt Tempelhofer Feld

Madia Potsdam - Gemeinschaft, Cafè und Familienwohnzimmer

Ein essbarer Garten, ein Café, Eis und Limo – alles auf der Dachterasse der alten FH? Die Rutsche runter zum Abenteuerspielplatz. Zur Sauna geht es später… Erst noch in die Werkstatt das Fahrrad reparieren. So ähnlich könnte es sich schon 2019 im Haus der Stadtgesellschaft abspielen. In gewisser Weise ist es das Tempelhofer Feld von Potsdam.

Bitte teile diesen Beitrag. Denn schon im April soll abgerissen werden! Die Stadt steht kurz davor das Haus mit dem größten Potential für ihre Einwohner zu vernichten!

Das Fest der MögLICHTkeiten am 24. Februar an der ehemaligen FH hat mit zahl­reichen Liedermacher-Bands, Workshops, Poesie und einem “Markt der Mög­lich­keiten” gezeigt, wofür das altehrwürdige Bildungs- und Wissenschafts-Gebäude noch nützlich wäre, wenn die Potsdamer Stadtverordneten dies nur wollten. Doch auch so kann Bürgerbeteiligung in Potsdam aussehen: bei einem ersten „Szenario-Workshop“ im sogenannten Traumzelt erträumten sich 10…

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Faszination Dating-Games

Wie kann das sein ? Die Frau Panther datet überhaupt gar nie und für Styling und One-Night-Stands hat sie auch nur ein amüsiertes Kichern übrig. Sind Spiele, deren Hauptmotiv menschliche Beziehungen sind, wirklich was für rationale Leute ?

– aber ja. Wir möchten doch im Grund alle Humor, Drama und Romantik. Zur richtigen Zeit und im richtigen Maße. Außerdem sind die meisten Dating Sims unter Casual Gaming einzuordnen, dem Genre für Menschen, denen Zeit und Muße für stundenlanges Am-Stück-Spielen abgehen.
Ich habe deshalb vor Jahren schon allerlei gratis Flash-Browser-Spielchen ausprobiert, die sich alle gut zum Prokrastinieren eignen, aber selten für besondere Gefühle oder Dazulernen sorgten.
Mit den Jahren öffneten sich dank Steam, Gamersgate und Appstore neue leicht zugängliche Welten.. Mensch muss sich nicht mehr CDs aus Amerika schicken lassen oder auf kaum verständlichen japanischen Seiten rummachen. Großartig. Hier zwei (von vielen, aber das Leben ist noch lang) Perlen.

HuniePop

Ein PC-Spiel, das alles hat, was die dauermüde Hochschwangere möchte! …. Aber auch Menschen, die länger als 20min in einer Sitzposition verharren können und ein echtes wildes Leben führen, könnten Spaß an dem Mix aus Match-3-Game und klassischer Dating-Sim haben. Es gibt sogar Musik, die sich länger als 10min am Stück ertragen lässt – eine genreübergreifende Rarität.
Aber weg von meinen speziellen Befindlichkeiten, solide Fakten:

Die spielsüchtige Professorin ist nur eine der unterhaltsam vertonten Protagonistinnen.

Der Spieler oder die Spielerin wird von einer „Liebesfee“ angeleitet, um.. nun ja, die Damen in der virtuellen Stadt rumzukriegen. Es findet das übliche Datenmerken und Gegenstände sammeln statt, aber auch jede Menge leicht herausfordende Match-3-Games. Positiv fällt auf, dass die Damen kein Problem mit lesbischen Varianten haben und sich nicht verbiegen. Die ungeschminkte Gamerin tusst sich nicht für einen auf und so weiter. Natürlich, die Realität ist alles in allem anders, aber da gibt es auch keine witzigen, selbstironischen Feen. Zum Abschluss gibt es Cybersex in Form einer Klickorgie, der dann doch albern ist, aber wie gesagt, Lachen ist gesund und gut.

C14 Dating

.. Alle Winter Wolves Spiele sind gut. Die neueren aber noch besser, und ja, kaufen lohnt sich. Ich empfehle Nicole und Roommates für den PC, kann aber nun, da der Nachwuchs zwar über ein Jahr auf der echten Welt ist, aber abends nicht allein oder in Ruhe schläft, nur smartphonetaugliche Spiele angehen… von denen es zum Glück viele gibt.
Ich hebe das Game mit dem Archäologiesetting hervor, weil das per se schon einzigartig ist und weil es in Sachen Diversity weit vorne liegt. Man ist Melissa, eine junge amerikanische Diabetikerin auf Grabungspraktikum in Belgien. Es gibt sudokuartige Buddelspiele und blackjackartiges Fundstückputzen, die Musik ist nicht sooo doll, aber die Charaktere sind knorke und die Neandertaler- und Geologie-Fakten tiefschürfend.
Schön auch die Verquickung von Sprachbarrieren (die Protagonistin spricht wenig französisch) und Behinderungen, die ohne Aufwand dabei sind. Selbst das Statraising ist hier unnervig und unlangweilig, obwohl es notwendigerweise repetitiv ist.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, für die mir die Zeit fehlt:

Ob das der beste Freund oder das love interest wird oder lieber jemensch ganz anderes, steht zu entscheiden..

Familienfreundliche Krankenkasse? – Die Salus BKK und die Rufbereitschaftspauschale für Hebammen

Ein Päckchen mit Bärensocken, Frauentee und noch irgendwas. Briefchen für ein Babyalbum, die an die Vorsorgeuntersuchungen erinnern sollen. FamilyCare-Newsletter. BabyCare-Programm. Da wird der Anschein einer Rundum-Versorgung für Schwangere und Eltern gepflegt. / Wie so viele andere Krankenkassen auch versucht die Salus BKK mit Familienfreundlichkeit zu punkten. Ich hatte mich letztendlich vor Jahren nur deshalb für diese Kasse entschieden, weil sie irgendwie exotisch klang und eine Filiale in meiner Wohnstadt hat (im Gegensatz zur vormaligen Krankenkasse). Mittlerweile aber zeigte sich die Salus BKK in einem für mich wesentlichen Punkt als schlechter als viele andere Krankenkassen. /
„Früher war das nicht so, aber jetzt übernehmen die meisten Kassen die Kosten für die Rufbereitschaftspauschale.“, sagte die betreuende Hebamme. „Meine anscheinend nicht.“, antwortete ich nach einer Anfrage bei der Kassen-Sachbearbeiterin. „Aber“, ergänzte ich hoffnungsfroh, „meine Anwältin macht einen Widerspruch. Kann ja nicht sein, dass fast alle das übernehmen, nur meine nicht. Die Salus BKK stellt sich doch als so besonders schwangerenfreundlich dar, die bieten lauter komische Zuschüsse, die ich nicht in Anspruch nehme, überhaupt bin ich ein sehr sparsames Kassenmitglied. Da wird es doch wohl bei genauerer Nachfrage möglich sein, mir die 300 Euro rückzuerstatten.“ Die Hebammen wissen, dass ich nicht gutverdienend bin und erklären, warum sie das Geld brauchen. Ich zeige mein Verständnis und bin ja auch zahlungswillig, denn die Leistung ist mir sehr wichtig, führen willkürlich erscheinende Krankenhaushebammen bei mir doch zum Wehenstillstand.
/ Ich schrieb einen Antrag auf Kostenübernahme, zwischen all den anderen Unmengen Papierkram, die für meine selbstbestimmte Geburt wie auch überhaupt rund um eine Geburt und kurz danach nötig sind. Es kommt ein Paket von der Salus BKK: darin oben beschriebener Schnulli. Ich denke: Meine Güte, dafür haben die also Geld, was ein Quatsch, nur der Tee ist gut für die Verdauung (und bestimmt auch gegen Menstruationsschmerzen, aber was nützt das einer Schwangeren?). Später kommt die Ablehnung, noch später die Ablehnung des Widerspruchs. Ich verstehe die Begründung so, dass der Ermessensspielraum im Rahmen einer „zusätzlichen Leistung bei Schwangerschaft“ in der Satzung gegen Null geht, obwohl das Nichtbezahlen offensichtlich gegen meine im Grundgesetz befindliche Wahlfreiheit des Geburtsortes geht.
/ ich persönlich konnte die Rufbereitschaftspauschale zwar zahlen (dann spare ich eben anderswo), aber es soll ja ärmere Menschen geben, denen durch solche Kassenentscheidungen das Krankenhaus und die dortige Willkür aufgezwungen wird. Wäre dies generell kostensparender, so könnte man verstehen, dass die Salus BKK nur Krankenhausgeburten bezahlen möchte. Ökonomisierung des Gesundheitswesen und so. Jedoch kosten Nächte im Krankenhaus, die dortige Technik, mehr Personal vor Ort erheblich mehr als zwei Hebammen für einige Stunden bei mir zu Hause. Von den immer mehr werdenden Operationen und Aktionen, die bei Krankenhausgeburten angesetzt werden, obschon unnötig bis schadend, ganz zu schweigen.
/ Wer also nicht nur eine „irgendwie familienfreundliche Krankenkasse“ sucht (denn so einen Anschein vermitteln letztendlich die meisten Kassen), sondern eine Hausgeburt, Beleggeburt, Geburt in der Hebammenpraxis oder Geburt im Geburtshaus plant, lasse lieber die Finger von der Salus BKK. Auch wenn das Geld in der Familienkasse ist, um die Rufbereitschaft selbst zu zahlen. Es geht auch um die Wertschätzung von Hebammenarbeit und die Wahlmöglichkeit für weniger Betuchte. Auf dass alle Krankenkassen irgendwann ein Einsehen mit der Rufbereitschaft der Hebammen haben.

Wenn der Onlinehandel nützt

Das Online-Shopping ist für seine zahlreichen bösen Seiten bekannt. Das Sterben des lokalen Einzelhandels, die Verpackungsmassen, die CO²-Bilanz usw. – Für Nicht-Soziophobiker ist es manchmal schwierig, die Paketbestellung zu rechtfertigen. Häufig waren ähnlich faule Argumente zu hören, wie wenn es um den motorisierten Individualverkehr geht. Plötzlich wohnte jeder auf dem Land, war gebrechlich und würde ja gern vernünftiger sein, hatte aber eh schon ein so unbarmherziges Leben.

Für den gesunden Mitbürger und die nicht verschüchterte Mitbürgerin gibt es eigentlich nur ein valides Argument zum Bestellen im Netz: Das Produkt ist analog nicht zugänglich. Das trifft, soweit ich weiß, auf alles mit ISBN und ISSN nicht zu. Ihr könntet also durchaus auch in den kleinen Buchladen eurer Stadt gehen und euch den netten Gedichtband von Herrn Hanack und Frau Pannier bestellen, der zwar nicht so preisgünstig ist, aber die Independent Verlagszene unterstützt und top als Geschenk für Verwandte und Freunde mit Hang zu Melancholie, Intellektualismus und Psychologisieren geeignet ist. Das wäre ganz gut, da Frau Pannier bereits seit Langem am Manuskript zu einem weniger gedichtlastigen Werk sitzt und wenigstens ein paar Käufe dem Verlag suggerieren würden: Da geht was, auch ohne analoges Marketing.

Dafür ist die Autorin nämlich zu schüchtern. Sie hat aber wohl kein ADS oder Asperger, wie die AutorInnen des N#MMER-Magazins. Dieses lässt sich mit ein wenig Geduld online anfordern und bietet wirklich mal innovatives Gedankengut. Je nach Zustand der eigenen Neurotransmitter kann mensch sich in den Beiträgen wiederfinden oder einen faszinierenden Einblick in andere Köpfe und Geister erhalten. Ein bisschen Hang zu Intellektualismus und Psychologisieren ist hier aber auch wieder ganz gut.

Wer es pragmatischer, aber doch irgendwie verwinkelt-technisch mag, sollte die Death Metal Band Incremate aus Dresden im Auge behalten, die nach vielen Jahren des Grübelns und Verbesserns endlich ein Album aufgenommen hat, das… Genau, bald online zu beziehen ist. Für jene, die nicht vor Ort wohnen. ADS und Melancholie scheinen mir hier weniger im Spiel zu sein, aber der Dauertrend Individualismus winkt durchaus. Von seiner Meta-Ebene aus.

Hippe junge Stadtmenschen vor allem, also Über-Individualisierte, wie es heißt, legten in den letzten Jahren vermehrt Wert auf gesundes und aufregendes Essen. Ein Trend, der allerdings schon wieder so verfestigt ist, dass er sich selbst in der industriellen Kleinkindnahrung zeigt. (off topic: da wird stilles Wasser in bunten Flaschen verkauft, die Einjährige gut greifen können sollen, da werden Guave-Kiwi-Mischungen in bunten Kunststoffquetschtüten verkauft.. hallo?!)
Diesem Trend hänge ich an, ohne hip, jung oder großstädtisch zu sein, ich vermute, es liegt am Sternzeichen. (Stier: gefräßig, hedonistisch und stur) Deshalb bringt die Lucky Vegan Box gedankliche und geschmackliche Abwechslung in meinen Alltag und ich schaffe es, das schlechte Gewissen wegen des Paketversands zu überwinden. Ich glotze jeden Monat die Produkte an und denke: Nein, aufregend! Oder: Das ist also Food-Trend!

Es ist aber wichtig, dann die Kurve zu kriegen. Mesotes hieß das glaub ich. Nicht übertreiben, für Ausgleich sorgen. Also für jedes online bestellte Kokoskonfekt zehn regionale Saisongemüsen direkt kaufen. Oder so.

Das mal so als Update. Bevor ich dann doch mal lesen sollte, was alte und neue Bekannte so umtreibt. Nicht immer nur selber posten, auch mal kommentieren. So funktioniert das doch mit dem Zwischenmenschlich-Digitalen?

Apokalypsegeschichten

Nur noch wenige Stunden, dann geht es los, du musst da hin, Flucht ist nicht möglich, es wird furchtbar und… ohgottogott. Sinnvolle Taten sind nicht mehr – mit diesem Kopfmatsch, warum kann das nicht schon vorbei sein und überhaupt: aaaahhh. Ahhhhh !
/ Das gehört zum Leben dazu. Je nach Persönlichkeit häufiger oder seltener. Während man als Jugendlicher noch heulkrampft oder wirr wegrennt, weiß man als Erwachsener (oftmals), dass man nicht jede Panikschleife voll mitmachen muss, weil sie einfach nichts nützt und nur eine neurologische Fehlstellung ist. Aber da ist sie trotzdem immer mal wieder.
Und hier ein Tipp mit zwei Produkthinweisen!
Während fröhliche Geschichtchen oft zu oberflächlich und damit nicht mehr fesselnd daher kommen, helfen handwerklich gute Erzählungen mit dichter Atmosphäre, die thematisch irgendwie etwas mit Apokalypse zu tun haben.
Schon damals im Krankenhaus, Ärztinnen und Angehörige schoben Panik, beruhigte mich stundenlanges Nintendo DS daddeln mit einem kriegerischen Post-Apokalyse-Szenario. Man steckt irgendwie drin und man muss nachdenken und die Apokalypse und der ständige nahende Tod sind sowieso furchtbarer als die Wohlstandsproblemchen, wegen der das reale Hirn gerade Panik schiebt.
/ In der sozial herausfordernden Adventszeit nun habe ich erneut ein Spiel entdeckt, dessen Protagonisten nach dem großen Knall agieren müssen. Es ist aber keine Rundenstrategie, sondern von der Mechanik her eigentlich eine Dating-Sim, eine Art Abenteuerspielebuch, nur ohne doofes Würfelpech. (Abenteuerspielebuch: die analoge Variante, eklige Zeiten abzuwarten. Funktionierte gut in den 90ern.)
Das Spiel heißt: Aloners. Und man kann es für lau runterladen. Freeware. Indieszene. Es kommt also zusätzlich noch Freude darüber auf, dass die Welt vielleicht doch nicht schlecht, grau und gleichgeschaltet ist. Das Spiel ist verdammt spannend und schon auch beklemmend. Als ängstlicher Mensch landet man am Ende in einer sehr uncoolen Situation. Es dauert allerdings sehr lange bis zum Ende, zumal für ein unkommerzielles Spiel. Große Achtung vor so viel Disziplin der Autorin und Herausgeberin.
Ich bin mit meinem eigenen Buch nicht so diszipliniert, obwohl es auch sehr düster ist. Bis eben fragte ich mich, ob das dann nicht zu gekünstelt und gewollt wirkt, wenn immer alles düster ist, aber dann [=Überleitung zum letzten Produkthinweis) las ich „Vakuum“ und sah: Nicht nur lese ich gern durchgängig Schlimmes, auch wird diese Graphic Novel von Fachmenschen gelobt. Und es ist alles dabei, was auch in meinem Manuskript ist: Amoklauf, Suizid, Vergewaltigung, die große Langeweile.
Also: Kaufen oder in der örtlichen Bibliothek ausleihen: Vakuum von Lukas Jüliger.