Das Intoleranz-Elite-Faschismus-Problem (G. für V.5)

Ich habe mir in den letzten Wochen sehr viel durchgelesen, bevor ich den nächsten Teil der Veganismus-Überlegungen schrieb. Dies ist nun ein kniffliges Thema, weil Problem, insbesondere für mich philosophisch Unbewanderte. (Nicht dass ich nicht darüber gelesen hätte und mich anständig hab zusülzen lassen, aber es bleibt nix hängen und oft seh ich den Sinn auch einfach nicht. Damit habe ich etwas mit dem gewöhnlichen Volk gemein.)

Viele Veganer sehen sich nun überhalb des „gemeinen Volkes“ und möchten dieses missionieren. Das lässt sich nachvollziehen, wenn mensch -wie ich an sich- für „die Sache“ ist.  Aber es ist leider nicht sonderlich produktiv oder konstruktiv. Das lässt sich wohl psychologisch erklären, ist hier aber hinfällig, da mein Publikum wohl größtenteils omnivor ist und selber weiß, wie er oder sie auf Missionierungs-Elite-Gehabe reagiert.

Erwähnt jemand das allerdings gewissen Anti-Spezifistischen Individuen gegenüber, wird derjenige zumeist entrüstet verbal beschossen, vergrault usw. …….. und dieses „über-ethische“ Verhalten dient den sogenannten Anti-Veganern (u.a.) zur Rechtfertigung ihrer Standpunkte („Moralfaschisten“), nebenbei verschreckt es gemäßigte Vegetarier (die vielleicht nur zu 50 oder 80 % auf tierische Produkte verzichten), oder Omnivore, die vielleicht langsam über ihren Konsum nachdenken wollten und nicht sofort mit einer „Werd ganz oder gar nicht clean“-Debatte konfrontiert werden wollten.

Persönlich habe ich mir folgenden auf-dem-Teppich-bleibenden Gedanken entwickelt:

der planet ist sowieso am arsch, ob in 20 oder 100 jahren, ob nun atomschlag oder klimakatastrophe- die endzeit kommt

ich nibbel da gleich am anfang ab, ich bin nämlich degeneriert und überhaupt nicht robust

als einzelmensch hat jede/r wenig einfluss darauf, aber:

1.welt-länder haben vorbildfunktion für schwellen- und 3.weltländer

ich möchte nicht ganz so schuld sein, wenn’s berg ab geht, deshalb versuchen, den konsum zu öko-optimieren und andere informieren


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  1. Du sprichst mir aus der Seele. Allerdings gehör‘ ich auch zu der bösen Gruppe der Vegetarier, die es einfach nicht hinkriegen, ganz auf Käse & Co. zu verzichten.
    Ich hab‘ mir auch schon viel von Veganern anhören dürfen, das hat zwar nicht gänzlich seine Wirkung verfehlt und massive Schuldgefühle bei mir ausgelöst (und das Vorurteil, dass 90% aller Veganer militante arrogante Ärsche sind – weiterer Schluss: wer zufrieden ist, braucht sich so nicht zu benehmen, ergo macht Veganismus unzufrieden und mag zwar Tierleben retten, ist fürs eigene Seelenheil aber Gift), aber an meinem Verhalten hat’s auch nicht viel geändert.
    Und das ist eben der Punkt: Wer alles niedertrampelt, das sich nicht so ethisch korrekt verhält wie er, der verschreckt jeden, der nicht so extrem ist, aber durchaus gewillt wäre, sich in diese Richtung zu bewegen.

    Als ich gemerkt habe, dass ich vegan nicht hinkriege, hab‘ ich mich (obwohl eigentlich großer Anhänger von „ganz-oder-gar-nicht“-Mentalitäten) dann auch mal langsam mit meinem Gewissen ausgesöhnt, mit dem Argument, dass aus marktwirtschaftlicher Sicht auch 80%iger Verzicht auf Tierprodukte nicht das Gleiche ist wie 0%iger.
    Ehrlich gesagt, ich habe größten Respekt vor Veganern, aber ich habe auch keinen Bock mehr, mir bei jedem Bissen Schokolade (jaja, geht auch vegan, schmeckt mir aber nicht) wie der schlimmste und abartigste Verbrecher der Welt vorzukommen. Ich bin dessen wirklich müde. Und wenn die Faschisten 1000mal Recht haben. Ich hab’s „satt“.

    Da motivieren mich Menschen wie du, die mir nicht mit erhobenem Zeigefinger die Augen auszustechen drohen, viel viel mehr.

    • Fein.
      Seitdem ich letztes Jahr den Artikel schrieb, ist meine Ideologie auch aufgeweicht. Bin zu oft bei Leuten zu Besuch gewesen, die eben schon stolz sind, was ohne Fleisch anbieten zu können – da sag ich doch
      nicht zu deren Käsetaschen oder Sahneauflauf: „Na, dafür sterben aber Kälber, ich ess das nicht. Sorry für die Mühe“
      Morgen kommt ein Käse-Ess-Bild, welch Zufall. Das ist aber schon vor meiner „veganen Erleuchtung“ entstanden.

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