Komplexe Sachlage: Rechtsanspruch auf Krippenplatz

Jeder hat sicher schon mal irgendwo was gehört oder gelesen, wo alleinerziehende Mütter jammern, dass ihnen nur die Wahl bleibt, vom Väterlichen Unterhalt oder von der staatlichen Stütze zu leben, weil die Betreuungsangebote nicht da sind oder sie kein Anrecht darauf haben.

Ich hätte es nicht gedacht, bis vor kurzem, aber ich fürchte mich seit vorgestern davor, in einen ähnlichen Teufelskreis zu geraten und somit nicht vor dem 3. Geburtstag des jüngsten Kindes in ein Arbeitsverhältnis zu geraten, das mehr als 160 Euro bringt.

Und so kam es dazu:

(ja, das wird wieder so ein Endlos-Artikel, sorry)

In den letzten Wochen klapperten wir circa 10 Kitas ab und erhielten so 2 bis 4 vage Zusagen, d.h. Sätze wie „Wir führen keine Wartelisten, kommen Sie doch einfach im April mit dem Rechtsanspruch vorbei, das wird dann schon.“  oder „Im nächsten Jahr sind wir voll, aber es stehen nur ein paar auf der Warteliste und das sind sicher so doppelt angemeldete, das nivelliert sich.“

Ich hatte geplant, im September 2011 eine weitere Ausbildung anzufangen oder zumindest einer befristeten Tätigkeit nachzugehen, bis sich ein Azubiplatz findet. Im Moment leben wir von ALG2 und mein Lebensgefährte (LG) ist in einer 1-Euro-Maßnahme, die ihn sicher nicht auf den 1. Arbeitsmarkt führen wird. Da ich weiblich und jünger bin, sehe ich noch etwas höhere Chancen als bei ihm, dass karrieremäßig zumindest noch ein bisschen was kommt.

Deshalb (und weil mir das ständige Rechtfertigen vor berufstätigen Mitmenschen auf den Nerv geht) möchte ich eigentlich nicht satte 2 Jahre warten, um etwas über „stundenweise“  hinausgehendes zu machen im sogenannten Erwerbsleben.

Leider ist meinem LG auch nicht das völlige Hausmann-Dasein zuzumuten, indem ich einfach 8-10h täglich (Mo-Fr)  außer Haus ginge – mir aber auch nicht, die 2 Tage pro Woche, wo es etwa so ist, reichen mir völlig. (Man beachte, dass wir niemanden haben, zu dem wir mal tagsüber gehen könnten oder der dem Hausmensch per Besuch den Wochentag versüßte.)

Die Rechtslage

Bislang dachte ich:

mit Zusage einer Kita im Frühling 2011 könnte ich mich bewerben, um im Herbst irgendwo zu beginnen; im Juli oder so beantrage ich den Rechtsanspruch pro forma, weil ich vielleicht eine Zusage eines Arbeitgebers habe oder eine Bestätigung des Arbeitsamtes, dass ich arbeitssuchend sei…

Aber halt, das war zu naiv gedacht::
Ohne Rechtsanspruch keine Kita-Anmeldung, d.h. ich müsste einen solchen schon im April 2011 vorweisen. Den Rechtsanspruch gibt es für unter 3jährige nur, wenn nicht ein Elternteil arbeitslos (und nicht auf Erwerbssuche) ist. Das wusste ich und habe vorsorglich noch keinen Vater in die Geburtsurkunde eintragen lassen.

Gesetzzitat dazu:[Kinder haben einen Rechtsanspruch auf Außerhaus-Betreuung..]

..bis zum vollendeten dritten Lebensjahr und in der fünften und sechsten Schuljahrgangsstufe sowie mit einer erweiterten Betreuungszeit, wenn ihre familiäre Situation, insbesondere die Erwerbstätigkeit, die häusliche Abwesenheit wegen Erwerbssuche, die Aus- und Fortbildung der Eltern oder ein besonderer Erziehungsbedarf Tagesbetreuung erforderlich machen (bedingter Rechtsanspruch).

Ich hoffe, dass ich etwas missverstehe, aber

die“außerhäusliche Erwerbssuche“ soll streng genommen werden und es würde nur die Betreuungszeit für Vorstellungsgespräche bewilligt. Das reicht mal nicht für einen Kita-Platz, denn der muss mindestens für 6h / Tag gebucht werden. 

Wo bitte krieg ich einen Arbeitsvertrag her, der mir im April bescheinigt (nein, fürs Amt 2 Monate noch eher, für die Bearbeitungszeit), dass ich ab September mind. 30  Wochenstunden außer Haus bin ?

Oder erwarten die, dass ich im Frühling bereits etwas arbeite (ergo 6h plus 2h Pendelzeit), während mein LG (von dem das Jugendamt aber nichts wissen darf, sonst gibt es gleich gar keinen Rechtsanspruch) nach 3,4 Stunden allein mit lebhaftem Kleinkind zu Hause die Krise kriegt nur um der Bürokratie willen einen passenden Arbeitsvertrag anheften zu können, der uns dann im Herbst befähigen würde, ein normales, ruhiges Leben zu führen ?

Daneben gibt es noch die Möglichkeit eines pädagogischen  Betreuungsbedarfes (oder heißt ähnlich). Das wäre sowas wie „die Jugendamtsdame sieht eine Überforderung der Eltern und befiehlt daher einen Kita-Platz“ und soll in Einzelfällen schon von verzweifelten Eltern vorgespielt wurden sein, um in die Möglichkeit einer Arbeitsaufnahme vor dem 3. Geburtstag zu  kommen.

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    • mavy
    • 30. November 2010

    Im Text steht auch: ‚Aus- und Fortbildung der Eltern/Mutter‘. Das heißt meines Erachtens nach Vorlage eines Ausbildungsplatzes ist der Rechtsanspruch da. Wenn Du Dir schon was überlegt hast in Richtung Ausbildung (gebe zu, sehr daran interessiert zu sein, was Dich begeistert) vermute ich, da laufen die ersten Aktivitäten auch schon an. Sprich, ob es mit einer Ausbildung klappt, weißt Du schon vor September.

    • seufz.
      Wahrscheinlich ist das die einzige Variante, frühzeitigst einen Azubivertrag zu finden und wenn dann kein wirklicher Kitaplatz vorhanden ist eine Tagesmutter finden bzw. den Azubivertrag wieder kündigen.
      Mal sehen, inwieweit bewerben etc. möglich ist mit 1-2 Kletten. Ich müsste dann auch lügen beim Bewerben, weil ohne „gesicherte Betreuung“ nimmt einen doch keiner.

    • mavy
    • 30. November 2010

    Lügen ist so unschönes Wort. Eher Phantasie spielen lassen. Und so gesehen stimmt es ja nicht ganz, keine gesicherte Betreuung vorweisen zu können….und bloß nicht kündigen. Dann schon lieber den Kampf gegen die Windmühlen bestreiten. Ansonsten natürlich viel Erfolg und Glück beim anpreisen Deiner Persönlichkeit!

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