Der frühe Vogel vor verschlossenen Türen

Zu Schulzeiten wurde mir versichert, dass der Unterrichtsbeginn um 7.10 Uhr auf das spätere (Berufs-) Leben vorbereite. Die Deutschen (und besonders Anhaltiner, wo ich Schülerin war) sind ein Volk der Frühaufsteher, das musste ich leidig verinnerlichen.


Just um 7.10 Uhr wurde ich heute vom Kind geweckt und überredete mich (biorhythmische Morgenslangeschläferin), den kühlen Morgensonnenschein zu nutzen und so einiges zu erledigen, was von der letzten Woche übrig blieb.

Freitags hat das Rathaus, Abteilung Bürgerservice, von 8 – 14 Uhr offen. Na klar, die Angestellten wollen ins Wochenende. So weit erwartbar. Aber was hättet ihr als Montags-Öffnungszeit erwartet ?

Ich jedenfalls dachte an die Amtsangestellten, denen der Ruf voraus eilt, früh morgens bereit, aber nachmittags geschlossen zu sein, und schleppte mich und das Kleinkind zum Rathaus. Das macht nicht so Spaß und dauert knapp eine halbe Stunde. Aber im Rausch des morgendlichen Käffchens..

Nach einem kleinen Heulanfall in der Straßenbahn eilte ich die Rathausstufen hinauf und begegnete.. einem Dornröschenschlaf. Um 8.47 Uhr.  Drei verwirrte und tatendrängige Bürger fluchten vor sich hin,  drei Putzfrauen schrubbten munter vor sich hin und ein Plakat erklärte mir, dass ich für den neuen Pass auch einen Fingerabdruck hinterlassen müsse.

Sonst nichts zu sehen. Keine Öffnungszeitentabelle, kein offener Warteraum.

Ich geriet in Rage. Sprach eine rumstehende Dame ein, die offenbar das selbe Problem hatte und bereits mit den Putzfrauen gesprochen. „Ja,“ rief die Putzfrau aus der Ecke, es stimme, montags habe der Bürgerservice erst um 10 auf.

toller Service ! Manch Arbeitsloser wird zu 7.30 Uhr zur Fallmanagerin bestellt, manche Ärztin hat nur Termine zu 7.45 Uhr, aber ein Bürgerservice schafft es nicht, um 9 Uhr zu öffnen, ja nicht einmal, das an die Tür zu schreiben ???

Natürlich bin ich selbst Schuld an der  Misere, hätte ja nicht so naiv sein müssen, an konsequente Zeiten zu glauben.. als Alleinstehende Person wär ich eine Stunde ins Café gegangen, aber mit Wuselkind ist das ja nur Stress.

Einmal in der Innenstadt hätte ich vielleicht die Spezialsachen ausm Bioladen besorgen können, aber machte der nicht auch erst um 10 auf  ?

Und plötzlich ergibt auch Sinn, dass die Fotografen erst 10 Uhr aufmachen (worüber ich mich in der Vorwoche ärgerte, als ich das biometrische Bild gern machen wollte, bevor die Mittagskoch- und Schlafzeit beginnt)..

Hart traf mich auch die Erinnerung an den Tag, an dem ich meine Diplomarbeit ausdrucken und abgeben wollte. Letzteres musste bis 12 Uhr geschehen sein. Ich war hypernervös gegen 8.30 Uhr in der Innenstadt und wieder… ging nichts. Toller Preußennachfolgestaat.

Ich hockte eine halbe Stunde auf dem Gehweg, denn auch die Bank, wo ich das nicht wenige Geld für den Ausdruck vom Sparbuch am Schalter abheben wollte, machte erst 9 Uhr auf.

Dafür ist es dann meist schön voll, wenn eine Institution endlich offen hat.

Dafür ist die Bahn zwischen 9 und 10.30 immer besonders voll und die Taktverdichtung ging nur bis 9 Uhr.

So gleicht sich alles aus im Leben, so muss ich mich auch mal über Alltägliches auslassend beschweren…

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  1. Hach, wie ich die Landeshauptstadt manchmal vermisse… 😀

    • mavy
    • 8. März 2011

    Die Quelle öffnet sich um neun.

  2. Wieso ist SA ein Land der Frühaufsteher? Sind doch alles Schnarchnasen da!

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