Bibliotheken: Geld für Würmer, nicht für Menschen

Dieser plakative Titel bezieht sich nur auf Öffentliche Bibliotheken. Bei den wissenschaftlichen werden meines Wissens mehr qualifizierte Mitarbeiter eingestellt.
In der Stadtbibo um die Ecke hingegen wird statt fundierten Informationen folgendes verteilt:
Menschliche Bücherwürmer freuen sich natürlich, für einen geringen Monats- oder Jahresbeitrag so viele Medien sichten und leihen zu dürfen. Ich bin also fraglos froh, dass diese Institutionen existieren.
Aber nach so einigen Episoden, die eine gewisse Missgunst auf die 40+Mausis aufkommen ließen, wirkt es doch seltsam, wenn eben jene Bibliotheksangestellte sich einen Ast freuen, wenn meine Tochter im Raum erscheint, und ihr gleich zwei Merchandiseprodukte in die Hand drücken:

Nicht dass ich es schlecht fände, wenn das töchterliche Lächeln auf Gegenliebe stößt, im Grunde gönne ich den Damen auch ihren ruhigen Arbeitsalltag und die Sicherheit eines unbefristeten Vollzeitsjobs.. Letzterer ist für 50% meiner Generationsgenossen ja ein Traum, dessen Erfüllung nicht in deren Händen liegt..
Aber es hinterlässt dann schale Gefühle, z.B. Dialoge wie diesen mit anhören zu müssen:
9-jähriger: „Äh, haben Sie auch dieses Buch da.. es hieß irgendwas mit roter Klee.. mein Kumpel hat mir das empfohlen, aber ich weiß nicht mehr genau.“ Bibofrau: „Weißt du den Autor?“ Junge. „leider nicht“ Frau: „hm, dann kann ich dir leider nicht helfen“ ich, dahinter, denke mir: „Nee, oder ? Warum tippt sie nicht in ihre Bibliothekssoftware die Titelstichwörter ein?“
oder den Ausrufer zur Kollegin: „ist heute wieder viel los ! Meine Güte!“ (es stehen an jedem Tresen 3 Leute. Weitere 3 sind im Lesesaal verstreut.)

Gerade vor dem Hintergrund, dass die Kommunen Lohngelder sparen möchten und zunehmend auf RFID-Technologie setzen oder (in kleineren Gemeinden) Arbeitslose mit Maßnahmen in die Bibos setzen, würde ich mir doch als Angestellte ein bisschen mehr Mühe mit dem Service geben, um sich evt. beliebt und unersetzlich zu geben.

Auch die Erschließung und Aufbereitung ist verbesserungsfähig. Das mag zwar den Belletristikleser von nebenan nicht so stören, aber bei fachlichem Interesse ist es schon doof, wenn z.B. ein Roman mit einer historischen Figur als Helden unter Biographie einsortiert bzw. ausgepriesen ist.

Junge Menschen können in den ÖB höchstens noch als FSJ arbeiten, dann müssen sie aber auch in der Lage sein, fetzige Kindervorleseabende abhalten zu können. Unbezahlte Schüler- und Studentenpraktika sind natürlich auch noch möglich.

aber egal, Hauptsache das Merchandise stimmt.

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  1. Ja, das ist in der Tat ganz lustig, das Jammern auf hohem Niveau. Ich erinner emich noch wie meine Kollegin, ausgestattet mit einem 2-Jahresvertrag, gegen Ende dieser 2 Jahre das nachvollziebahre Bauchgrummeln bekam und sich bei ihrer Mutter, einer unkündbaren Staatsanwältin, ausweinte. Die daraufhin dann meinte, dass das Gefühl doch jeder kennt, ihr wurde auch schonmal angedroht aus dem Jugendrecht ins Scheidungsrecht versetzt zu werden….dumdidum und dammdidam…

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