Aus analogen Archiven in digitale Redundanzen

… zurück ging Frau Panther von gestern nach heute.
Bedingt durch den Schrecken der unkontrollierten, also ungewollten, Netzabstinenz (siehe vorheriger Artikel) hatte sie beschlossen, den Heimrechner ganz auszulassen, bis das Netzproblem gelöst sein würde.
Der Leser bemerkt eventuell, dass diese Aus-Phase nicht eben lange dauerte, aber das hatte die Pantherin anders in Erwartung gehabt und war darum schnell auf Fatalismus gepolt, am gestrigen Nachmittag.


Nach einem mittelfristigen Ausblick in die papierne Moderne mittels Bibliothekszeitschriften und dem, im Shoppingcenter um die Ecke erstandenen, satte acht Euro kostenden, neuesten Kommissar-Schneider-Buch war es dann soweit:
Es ging mit voller Absicht und gespannten Erwartungen in die Medien der jüngeren Vergangenheit. An dieser Stelle darf verraten werden, dass die Pantherin nicht umsonst beinahe Archivarin geworden wäre: nicht nur neigt sie zum Sammeln potentieller Kulturgüter und Ego-Dokumente, auch bemühte sie sich stets um eine Bewertung und Erschließung derer, Neuverpackung und Kassation inklusive.


Da der Fuchs ausgegangen war, konnte kein „Fassen Sie da bloß nix an, Sie werden die Antenne verschieben, pfui, weg!“ sie vom Anschließen des Videorekorders abhalten. Da das anwesende Kind musikbegeistert war, gab es kein Gegenargument zum Spulen und Abhotten zu diversen Musikvideos aus der Zeit, als es noch Viva 2 und Onyx gab.

Wundern, Bewundern, Freude und mitunter auch Abscheu kamen auf. Dazu ein schlechtes Gewissen, als das Kind durch Unaufmerksamkeit beim Sofaklettern laut heulend nach hinten abkippte, nämlich just in dem Moment, wo die Rabenmutter gerade Napalm Death für Ektomorf hielt. Danach sah sich die Pantherin auf die Realität zurückgeworfen und blickte seltener auf den Bildschirm sowie öfter auf ein Tierpuzzle.


Zehn vor zehn brach dann der romantische Teil des Abends an, es war die ultimative Zeitmaschinenaktion geplant. Das kam davon, dass die Pantherin sich viele alberne Dinge ausmalen kann, während sie gaaaaanz ruhig neben dem Kind im Bett liegt.

Auf dem Programm standen erhaltene Briefe, eigene Teenagernotizen, seltsamer Weißwein, lang nicht gesehene Photos und schlussendlich der Versuch, sich noch einmal so zu fühlen, wie als 14- bis 18-jährige. Dass letzteres nicht gelang, können Vernunftperson nur positiv bewerten.


Zurück in die hypertextverknüpfte Gegenwart ging es dann über einen unrühmlichen Umweg. Der Telekommann hatte am späten Nachmittag mitgeteilt, dass das Modem daran Schuld sein müsse, dass die Leitung nicht synchron wird. Aufgrund der abendlichen Ereignisse eingeschüchtert, beschloss die Pantherin heute morgen, sofort und ohne erwachsene Begleitung ins Shoppingcenter um die Ecke zu eilen und eine neue Fritzbox zu erstehen. Mit einer anderen Modem-Marke hatte sie schlechte Erfahrungen gemacht – nämlich 70 Euro in einen Servicetechniker verpulvert, der nach zwei Stunden feststellte, dass das Modem einfach nix taugte.

Im Elektronikfachmarkt verschreckten die Fritzbox-Preise (99 Euro aufwärts) die Pantherin aber doch und sie ging zwei Spalten weiter links unter das Schild „DSL-Modems“ und schnappte sich (verkürzt ausgedrückt) die erstbeste Kiste.

In der Wohnung hielt das „ich hab etwas alleine geschafft, ohne Hilfe, es geht voran, yeaaah“-Gefühl aber nur solange, bis sich bei genauerem Packungslesen herausstellte, dass ein Router kein Modem ist. Frau Panther fiel es wie Schuppen von den Augen, das alte Netzwerkverständnisproblem, ja klar.

Schon ihr Einser-Abitur erledigte sich an der Stelle, als der Prüfer sie bat, doch mal was über Subnetmasken zu erzählen.

Um nochmal in das Center zum Umtauschen zu gehen, war sie zu erschöpft, aber – verflixt nochmal – noch zwei Tage ohne Netz, das musste doch nicht sein.. da half nur Anbiedern beim Mitbewohner und das Eingeständnis eigener Schwäche.

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  1. Ich glaub‘ ich hab da noch eins zwei Fritens rumliegen …

    • toll, da liegen sie gut 😉
      aber es musste ja schnell gehen,
      und die neue kann immerhin viel mehr als die Alte

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