Leben und Sterben, kurz über lang – ein Kinderbuch

Heute habe ich mir ein Kinderbuch in der Bibliothek mitgenommen, das mich in meiner Grübelphase ansprach. Der verständigen (und wahrscheinlich hochsensiblen) Tochter werde ich es aber nicht vorlesen, denn es ist zu lang, aber auch zu potentiell Tief- und Trübsinn verbreitend. Die Tochter scheint momentan zu glauben, das Tote in den Himmel kommen und man sich da bei Kuchen und Gummitieren wiedersehen kann. Das möchte ich ihr nicht kaputt machen.

Das Buch nämlich vertritt die These, dass man nach dem Ableben Staub wird und sonst nichts passiert, was man noch selbst bemerken würde.

Ich könnte jedoch mir vorstellen, wie sich etwas größere Kinder durchaus vom Buchende aufgeheitert fühlen, das geht nämlich so:

Der Endsatz „am nächsten Tag machten wir dann etwas ganz Anderes“ bezieht sich darauf, dass die kindlichen Protagonisten das ganze Buch lang, also einen Tag lang, Tiere beerdigt haben, quasi Bestattungsunternehmen gespielt.
Dabei gab es durchaus auch einigermaßen komische Momente:

Hier das Titelbild

Als ich las: „Ihr sollt verdammt nochmal ein bisschen traurig sein, ihr Versager!“ musste sogar ich grinsen. Es ist folglich nicht das allertraurigste Kinderbuch, das ich kenne, sondern es ist ein sehr gelungenes.

Das bislang traurigste Kinderbuch, das mir unterkam, ist allerdings vom selben Autor, von dem ich auch noch ein nicht sooo trauriges Buch besitze, in dem aber eine tote Maus aufgefunden wird von einem Kaninchenjungen, der daraufhin ein gruseliges Lied dichtet..

Jedenfalls (*tadaaa*) : der Titel „sentimentalstes Kinderbuch“ geht aaaannn:
„Adieu, Herr Muffin“ von Ulf Nilsson und Anna-Clara Tidholm
[Titelbild folgt unten]

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    • Namenslos
    • 9. Juli 2011

    Das sieht wie ein Kinderbuch aus, aber den Inhalt bezweifle ich sehr für Kinder oder kann man so etwas wirklich den Kindern zutrauen? Ich habe es ja nicht gelesen. Das erinnert mich, als ich damals noch ein Kind war (obwohl ich mich jetzt auch wie ein Kind fühle)… ich glaub, da war ich nicht mal im Kindergarten… na egal, jedenfalls überkam mich das Thema Tot, ganz von alleine, aber ich teilte diesen mit niemandem.

    • Doch, das kann man Kindern schon zutrauen und ist auch für sie gemacht, aber ich denke mal eher so ab 7 Jahre. Vielleicht eher später.
      Ich habe so eine Erinnerung, da muss ich circa 7 gewesen sein, da wurde mir die Endlichkeit menschlichen Lebens klar und ich wurde untröstlich. Oma immer so: „aber das dauert doch noch lange bis zum Sterben, mach dir doch jetzt keinen Kopf drüber, auch ich mache noch 20 Jahre oder so..“
      Deshalb naja.. ist schwierig mit dem Thema, aber das holt jedes Kind ein, ob man will oder nicht: tote Tiere am Straßenrand, tote Leute im Fernsehen.. dann ist es doch besser, man hat ein klärendes Buch in der Hinterhand ^^

        • Namenslos
        • 10. Juli 2011

        Wie gesagt, habe ich es nicht gelesen. Es kommt halt drauf an wie der Inhalt rübergebracht wird, und egal was diese Aufklärung besagt, diese gibt einfach nur die Überzeugung des Autors an das Kind weiter.
        Klar, mit dem Tod, egal wie, wird man in jungen Jahren konfrontiert, da gibt es keinen Umweg, aber wenn ein Atheist das Kind aufklärt ist es genau so Gehirnwäsche, wie wenn ein Religiöser das Kind aufklärt. Beide versuchen dem Kind die eigene Sichtweise zu servieren. Ich würde es viel lieber bevorzugen, wenn man beide Seiten mitgibt und sich dann das Kind selbst entscheidet. Ich hoffe dann, dass das Kind sich nicht irgendeiner Sichtweise anpasst, weil es der oder der so gesagt hat, sondern sich selbst überzeugt.

  1. Weshalb hat man mir diese Literatur vorenthalten? Vermutlich hätte ich dann heute ein gesünderes Verhältnis zum Leben, vor allem aber zum Sterben. Stattdessen gabs die Gummibärenbande via TV in die frühkindliche Membran gedrückt, immer und immer wieder quietschbunte Kuschelbären, die sich zwar immer irgendwie mit sich selbst, doch selten mit dem eigenen Ableben befasst haben. Da lobe ich mir doch Wilhelm Busch. Der würde nach moderner Auffassung von Kinderliteratur im Übrigen auch ein wunderbares Feindbild überengagierter Innen- und Familienminister abgeben, wenn mal wieder irgendwo einer seine vierundzwanzig Mitschüler hingerichtet hat. Daher: nicht die Themen machen uns einfältig und brutal, sondern lediglich die Perspektive darauf. Vermutlich ist das Teil aber auch deshalb kein Bestseller unter Waldorf-Muttis, weil das Schreckgespenst „Tod“ ja eh unpopulär ist wie die Kanzlerin herself. Und das ohne allzu große Negativschlagzeilen seinerseits (wie wurde der Tod in Zeiten der Pest gehandhabt?), zumindest bei uns hier, im sicheren Nest Europas. Naja, lässt sich halt auch nicht allzu effektiv mit werben/Spaß haben/eskapieren. Wobei mich das ja wundert. Der Götze „Markt“ erschließt sich doch sonst auch alles, was jeder Mensch einmal muss, der Tod ließ sich bislang aber nicht so richtig lukrativ ausschlachten. Obwohl ich kürzlich auch Werbung für individuelle Grabgestaltung sah, bei der ne tote Punkerin bunte, längs angelegte Kräuter aufm Grab hatte. Pfiffig, nicht?

    • hm.., „bunte, längs angelegte Kräuter“ klingt jetzt nicht so fetzig, das kommt nicht an das StarTrek-Grab ran, das ich jüngst sah.

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