Buchverriss : Nero Corleone kehrt zurück.

Große Verlage verlegen (fast) nur Bücher, die bestimmte Zielgruppen ansprechen, und / oder von etablierten Autoren stammen – diese Feststellung mussten die meisten Jungautoren machen und der ein oder andere dürfte sich auch ziemlich darüber geärgert haben.

Der Zufall hat mir jüngst ein Buch in die Hände gespielt, dass diesem Ärger Auftrieb geben kann – es sei denn, der Leser gehört selbst zur Zielgruppe der Erzählung, dann ist er vor lauter Katzenliebe des Ärgers vielleicht nicht mehr ganz fähig.

Wobei, was heißt „der Leser“…  Dieses Buch zielt eindeutig auf Frauen im hinteren Lebensdrittel, die sich mit der Heldin indentifizieren können und beim Lesen in ein schwelgerisches Zufriedenheitsgefühl abdriften können.

Wem dieser Blogtext gerade zu kurz und voller Wortwiederholungen ist, dem sei zusätzlich vom Buch abgeraten.

Warme Gefühle dürfte es hingegen bei jenen Frauen auslösen, die einst wilde Studentinnen waren, nun aber kein Problem damit haben, in ihrem Wochenendhäuschen in der Toskana egoistische Kater mit industriell vorgefertigten Nutztierabfällen anzulocken und sich einzubilden, die kleinen flauschigen Raubtiere kämen der Liebe wegen. Weil es schliesslich so … äh… romantisch literarisch fantastisch ist, wenn Tiere Menschen verkuppeln.

Obwohl im vorliegenden Fall nicht ganz klar wird, ob die Protagonistin („Isolde“) nicht vielmehr zoophil ist :  sie träumt stets von Katzen im Bett, der Kater Nero ist stets in ihren Gedanken, sie wird gar sprachlos in Betrachtung seines atemberaubenden Charismas..

Isoldes Wegzug vom Ehemann und nach Italien, das Versetzten eines verliebten neuen Mannes und die schließliche Rückkehr zu Mann und Land sind da nur Rahmenhandlungen, damit sich die Leserschaft geborgen fühlen kann.

Eine Leserschaft, die, so mutmaße ich angekotzt von der dargestellten Dekadenz, primär aus dicklichen Damen bestehen dürfte, die „ausgesorgt haben“ und sich ein gutes Gewissen durch das Durchfüttern streunender Katzen machen, die vielleicht nicht so begütert sind wie die Protagonistin, aber doch alle Zeit der Welt haben und keine Brüche im Leben mehr zu befürchten haben.

Klavierspielen, Weintrinken, Bücherlesen, Schwelgen, Kochen, Plaudern den ganzen Tag lang, dazu auf herrliche mediterrane Landschaften blicken .. das ist Isoldes Leben. Die im Buch dargestellten Konflikte lassen den Spannungsbogen eher mild anschwellen, der Leserkamm schwillt eher beim Betrachten von im Wort vergessenen Trennungsbindestrichen, einem Fauxpas, der, so dachte ich, bei etablierten Verlagen nicht vorkommen darf und der auf hektisches Veröffentlichen schließen lässt.

Titelbild


Die ganz nett anzusehenden Zeichnungen und der schlichte Sprachstil dieser konstruiert wirkenden Erzählung wären einem Jugendbuch angemessen. Unter 40-jährige werden auf das Thema allerdings kaum ansprechen, darum finde ich es reichlich ungerecht, dass Frau Heidenreich mit einem solchen Buchband so hohe Verkaufszahlen erreicht.
Die Gründe dürften im Erfolg des Vorgängerbandes zu suchen sein, sowie in dem Umstand, dass jeder irgendwie eine ältere Frau kennt, die Katzen mag und für die es vielleicht ein passendes Geburtstagsgeschenk wäre.. Man soll sich ja im Alter auch nicht mehr so aufregen.

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  1. heideFuchs, da hats aber ordentlich getroffen das buch. fragt sich wie und welchen nerv? eigentlich mag ich die heidenreich und stimmt sie schreibt für frauen, die älteren. aber vll liest es ja dann doch der eine oder andere jüngere mann mit mutterkomplex, wer weiß.

    das letzte buch das mich soooo angenevt hat, dass ich es hin und wieder mal vor quer nach schief durch den raum wedeln musste, war von einem herrn Michel Thomas, welcher eher unter seinem pseudonym bekannt geworden ist. ein buch voller sex und provokation, nein falsch eigentlich auch irgendwie antisex, auf alle fälle viel misanthrophie und vollkommen kruse vorstellungen vom zusammenleben von männern und frauen, eigentlich absolut krank…

    naj so einjeder braucht halt seine „Plattform“

    • Hm, ich nehme an, es handelt sich nicht um den Linguisten Michel Thomas.. sondern Pseudonym.. nee, kenn ich wohl nicht. Aber wenn es eh krude Vorstellungen bietet ^^

  2. kennst du bestimmt, michel houellebecq…..hat irgendwie was von der faszination der schreckens. oder vom eintauchen in einen sumpf den man selber nicht kennt, nie kennengelernt oder gesucht hätte….

    und von der seite betrachtet, war es schon interessantes neuland. und wenns zusätzlich wütend macht, egal…….dann zum erheitern eben wieder die elke oder die ildiko

    • mit der „faszination der schreckens“ hatte ich auch heute zu tun, siehe nächster Artikel…
      Houellebecq.. doch,sagt mir irgendwas, der kam wohl in der „jungen Freiheit“ oder einer anderen neukonservativen Publikation zu Wort, was ihn mir nicht unbedingt sympathisch machte..

    • shortstoryexchange
    • 22. Juli 2011

    Ach was, jetzt entdecke ich hier den Namen Houellebecq, nachdem ich nun selbst gerade zum ersten Mal eines seiner Werke konsumiere. Ich glaube, dass es wenige Bücher gibt, die für die meisten Menschen entweder empfehlenswert oder gänzlich unlesbar sind, der Großteil scheint mir mit dem Geschmack des Einzelnen zu stehen und fallen. Nicht selten habe ich nach Buch- oder auch Filmempfehlungen guter Freunde kopfschüttelnd darüber nachdenken müssen, ob mich der Mensch, der mir dieses und jenes ans Herz legte, denn wirklich kennen würde – ja ob er überhaupt existent wäre oder nur ein imaginärer Dialogpartner der niemals schweigenden Stimme in meinem Kopf sei.
    Ähnlich war es oft andersherum: meine Geheimtipps stießen auf Unverständnis, wenn daraus nicht sogar manchmal schwerwiegende Gründe zur Distanzierung zu meiner Person erwuchsen. Will sagen: meistens handelt es sich bei medialen Produkten um höchst subjektiv bewertete Schöpfungen. So vielleicht auch bei Houellebecq, wenngleich ich das Buch noch nicht durchgelesen habe und mir deshalb kein abschließendes Bild davon machen kann. Doch werde ich versuchen, dies nachzuholen.
    Dass das oben „verrissene“ Werk von Frau Heidenreich absoluter Schrott ist, bezweifel ich jedoch in keiner Weise.

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