Mit den Ohren voran auf dem Weg ins Ausgeschmücktere

Dieses Jahr hat sich die Pantherin vorgenommen, wieder mehr mit Schmuck und Gestaltung zu machen. In der Wohnung Rumzudrapieren hat so etwas Schöpferisch-Beruhigendes, deshalb legen so viele Frauen (und auch Männer, aber eher Singles und Jüngere, schätze ich) so oft damit los.

Aber auch an Frauen und Mädchen rumzudrapieren hat etwas Schönes für sich. (ja, mensch kann auch Männchen schmücken, aber leider verweigern die das meist und sind nicht zugänglich für inspirierende Ratschläge wie „probier doch das mal an“ oder „lass mich doch mal hier zwei Zöpfe ranmachen“)

Als „junges Mädchen“, wie man so sagt, war die Pantherin gern mächtig behangen und verbrachte jeden Abend 30 min. mit so Überlegungen, welches Armband vielleicht zu jenem passen könnte und welche Haarspange mit welchem Zopf harmonieren könnte. Wöchentliches Lackieren sämtlicher Nägel war selbstverständlich. Ketten blieben immer um (soweit badewannentauglich), Ohrstecker immer drin..

Ach, das waren noch unbeschwerte Schmuckzeiten, regelrecht verspielt.. — solcherlei nostalgische Verklärungen im Kopf stießen die schmuckzentrierten Artikel einer Karin Koller auf fruchtbaren Boden und der Beschluss stand, nach jahrelanger Abstinenz wieder mal (oder gar „vermehrt“) Ohrhänger zu nutzen. Schließlich ist Kind 2 langsam verständig genug, nicht mehr an allem trotz Verbotes zu ziehen – leider waren jedoch alle Ohrhänger von Kind 1 vor knapp drei Jahren verwurschtelt worden und der Blick in die Schatulle, in der wahrscheinlich die guten Stücke ineinander verknotet ihr Dasein fristen, kam  der Pantherin einfach zu deprimierend vor.

Darum kaufte sie sich auf weibisch-elsterliche Weise ein neues Paar, sich einredend, noch nix im Steampunkstil zu haben.

Das erworbene Exemplar gefällt der P. schon ganz gut, ist aber noch nicht das Optimum. Dieses kann wahrscheinlich erst erreicht werden: an einem, möglicherweise fernen, Tag, an dem sich das verklemmte Real-Ich in eine Goldschmiede, Schmuckmanufaktur etc. traut und freimütig kreative Wünsche bekennt.

Womit wir beim elenden Thema „ängstlich-vermeidende Persönlichkeit“ wären – ob sich der nicht unerhebliche Schmerz des Ohrloch-erneut-Durchfummelns gelohnt hat, hängt maßgeblich davon ab, ob sich die Pantherin überhaupt mal ein Herz fassen wird und mit den Dingern rausgeht und ob es dann ein Draußensein sein wird, dass von Freude u.ä. bestimmt sein wird und nicht (wie bei einstigen Versuchen mit Lidstrichen, Ersatzbrillen, ungewohnter Kleidung etc.) wieder nur von Gedanken wie „aaahh, alle Leute starren auf meine Ohrbammel; ein Fremdkörper hängt an mir und versetzt alle in Kichern“.


Die Chancen dafür stehen schlecht. Die Idee zu diesem Artikel und die Fotos oben stammen vom 27.6. und seither trug ich die Hänger nicht einmal in der Wohnung. Das Lochlabyrinth in meinen Ohren wächst bestimmt bereits wieder zu.

Anstatt mir also ein Herz zu fassen, lebe ich meinen metallische-Farben-Fimmel lieber auf den Füssen aus (auf den Händen sähe zu nuttig-freakig-edel-je nach Farbe- aus) und bestaune Aufmachungen von Künstlerinnen. Der Kopfputz ist großartig, das Kleid schick und das Lied erinnert mich auf angenehme Weise an irgendein anderes.. Habe das Video bereits sieben Mal oder so durchgehört, aber das andere fällt nicht ein, dafür erinnern mich das Gesicht und die Haltung der guten Polly Jean an meine Schwiegermutter, seltsam..

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  1. ganz bezaubernder ohrschmuck und ganz bezaubernde füße. erinnern mich daran, dass ich meine auch mal wieder metalic- blau grau nach gestalteten müsste. tja zum thema ängstlich und vermeidend kann ich vermutlich keine schlauen weisheiten von mir geben, da ich eher zu den leuten gehöre die in der schule schon jeden indianderblickwettbewerb von schräg nach quer in der mathestunde gewonnen hab…..auch mit den jungs, allerdings nicht mit denen die ich toll fand. allerdings kann ich dir schon mut machen dinge zu tragen die fetzen, die anders sind oder dinge zu machen die schräg und befremdlich sind. ich find es mittlerweile total geil wenn die leute glotzen. besonders schön ist es immer auf der straße wenn frauen einem entgegenkommen, wenn die dann indianerblickmäßig aufgeben, dann ist das ne bessere rückmeldung als wenn irgendwelche bauprols vom gerüst runterpfeifen. ich denke mittlerweile attraktivität ist keine frage des aussehens sondern eine frage der einstellung, der innerern haltung….mensch strahlt vermutlich genau das aus was er fühlt und so bekommt er auch positive rückmeldung, die dann wieder dafür sorgt, dass er noch mehr strahlt…..
    also dies darf durchaus als plädoyer für mehr „trau Dich“ verstanden werden

    • „attraktivität ist keine frage des aussehens sondern eine frage der einstellung“ – ja, das glaube ich auch (obwohl es so ein, zwei Äußerlichkeiten gibt, mit denen mensch, so man das Pech hat, sie an sich zu haben, trotz aller Ausstrahlung nicht als attraktiv wahrgenommen wird)
      – und gerade das scheint mir ja der Teufelskreis an dem Ganzen zu sein.. strahlt man Unsicherheit aus, so denken „die Leute“, da müsse dann auch was dran sein, an einem, worüber es sich lohnt, unsicher zu sein und gucken nochmal besonders kritisch nach.. das bemerkend, wird man noch unsicherer und so geht das dann ewig weiter..
      Und die Bauprolls.. och, was für olle Erinnerungen.. deren Pfeifen dereinst hat u.a. ausgelöst, dass ich lange eine große Skepsis gegenüber brustbetonenden Oberteilen hegte..

  2. ..ja es gibt auch die abwärtsspirale…aber ich denke die kann man postitiv um nutzen…..ich glaub männer stehen auf neurotische frauen, jedenfalls die interesannten männer.

    • hoffentlich !
      ich steh ja auch auf neurotische Männer und bin interessant ^^
      obwohl, naja.. zu schwierig darf es aber auch nicht sein 😉

    • shortstoryexchange
    • 28. Juli 2011

    Ähem …, um hier mal das Quotentestosteron zu Wort kommen zu lassen:
    Doch vorweg zunächst das hier: ich kann natürlich immer nur für mich sprechen, erst recht dann, wenn es um so höchst subjektiv bewertete Dinge geht wie Attraktivität, Schönheit und dergleichen. Und ich hoffe wirklich, dass ich mit meiner Meinung, dass mich an einer Frau weder Ohrschmuck, Armbänder, noch die Haarreiffarbe interessiert, nicht die Mehrheit der Männerschaft repräsentiere, denn dieser Umstand würde die von der „Weiblichkeit des Menschen“ abhängende Schönheitsindustrie ins bodenlos Lächerliche ziehen. Das klingt jetzt vielleicht chauvinistisch, dem Trieb nach Attraktivität primär weibliche Attribute zugrunde zu legen, doch ein Großteil der Industrie ist (m. M. n.) in der Tat von der Frauenwelt abhängig, entweder aktiv, indem sich (überwiegend) Frauen mal wieder von diversen Schwachsinnmedien einreden lassen, dieses und jenes wäre gerade besonders angesagt oder eher indirekt aktiv, indem sie den Männern diktieren, was nach Meinung der o.g. Diktatormedien gerade besonders angesagt wäre. Man möge mich dafür verurteilen, dieses Übel der Welt den Frauen in die Pumps zu schieben (da es mittlerweile genügend Männermodemagazine u.Ä. gibt), aber ich komme nicht umhin zu glauben, dass die gesamte Kosmetik- und Modebranche ohne die entsprechende, zumeist weibliche Abnehmerschaft niemals existiert hätte.
    Ja, natürlich, Männer haben auch eine Meinung zu Mode. So wie ich auch. Ich finde oben genannte Merkmale wie die Ohrringe nur insofern relevant, dass sie mir nicht offenkundig die Zugehörigkeit zu einer bestimmten (von mir wahrscheinlich zu unrecht diffamierten) „Gruppe“ suggerieren dürfen, wie z.B. diese riiiiesigen OhrRINGE für Kleinstvögel oder Stöckelschuhe jeglicher Art, Fingernägel mit dem Union Jack darauf oder Ähnliches. Also formuliere ich mich um: mich interessiert weniger die Anwesenheit „schöner“ Accessoires an Frauen als die Abwesenheit sog. „no-gos“, die natürlich genauso höchst subjektiv bewertet werden.
    Will also sagen: schade, dass man sich so viele Gedanken um die Wirkung des eigenen Äußeren auf die Mitmenschen macht (während ja so gut wie jeder halbwegs soziable Mensch behauptet, dass ihn das am anderen höchstens tertiär interessiert) und somit die eigene Unsicherheit (selbst-)verstärkt.
    Will sagen: ich bin kein Chauvi.
    Will sagen: das Interessantfinden ist wahrscheinlich genauso subjektiv, genauso wie eigentlich fast alles. Was sämtliche Nicht-Wissenschaften im Übrigen beinahe überflüssig macht.
    Doch ich weiß: wir geben nicht auf.

    • „so gut wie jeder halbwegs soziable Mensch behauptet, dass ihn das am anderen höchstens tertiär interessiert“ –> das muss anscheinend in bestimmten Bildungskreisen behauptet werden, um nicht enthauptet zu werden, harhar
      es gibt schon Leute,denen die Optik wirklich schnuppe ist, aber das ist ja auch wieder eine Aussage, die man am (Nicht-)“Outfit“ des Jeweiligen ablesen kann. Frei nach Paul Watzlawick: man kann nicht nicht aussehen ! (was durchaus schade ist, denn unsichtbar zu sein wünscht sich der Unsichere öftermals)
      Deshalb: wenn man schon irgendwie aussehen muss, dann doch möglichst so, dass man richtig eingeschätzt wird. Ich verbringe z.B. gern viel Zeit damit, Leute auf der Straße einzuschätzen. Manchmal verhalten sie sich dann doch nicht so, wie kraft der benutzten Schublade vorgesehen, aber das kann ja auch interessant sein.

    • mavy
    • 28. Juli 2011

    Schönheit ist vergänglich, so wie das Leben vergänglich ist. Also schmücke und kleide Dich, wie Du willst, pfeif auf die anderen und ihre Meinungen. Fühl dich wohl mit Dir und steh zu Dir. Das was Du bist ist mehr als nur Dein Äußeres. Etwas entscheidendes hast Du nämlich vergessen: der Intellekt kann äußerst attraktiv sein und machen…sei dankbar.

    • witzigerweise spiegelt dein Outfit genau diese Einstellung wieder ^^

    • Namenslos
    • 28. Juli 2011

    Als kleines Mädchen war fast jeder meiner Finger mit mindestens einem Ring beschmückt und an manchen hatte ich mehrere Ringe drauf, natürlich Ringe für Kinder, also nichts Teures. Ich hab keine Ahnung wo diese hin sind, aber das ist egal. Heute liebe ich nur Armbänder und habe einen sog. Schuhkarton, wo ich unechte Perlen und anderen Zeugs habe, mit dem ich Armbänder machen kann. Es macht mir Spaß. Man bekommt dadurch eine gewisse Ruhe und Konzentration und schweift vom Alltag ab und taucht in die eigene Gedankenwelt ein.

    • oh ! mit „junges Mädchen“ meint man, dachte ich, so 12-19-jährige, daher sind unsere Aussagen grad nicht vergleichbar
      (als kleines Mädchen trug ich nur väterlich-authorisierten Fantasieschmuck, also: „Amulette mit 3d-Göttinen drin“ okay / rosa Fussnägel: „wenn du das hast, schneid ich dir die Zehen ab“)

      Aber ja, Schmuckbasteln ist noch so eine Steigerung von Beruhigendem-Drapieren..

  3. Mehr Farbe, mehr Schmuck = mehr Spaß. Nur weiter so.

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