Kotzen, Resignieren, den Optimismus suchen

– das habe ich heute schon alles hinter mir. Ich schreibe mal davon, um innerlich ein wenig ruhiger zu werden und ja, auch um vielleicht einige mitleidige Worte zu erhaschen.

Im Moment bin ich bei dem Schluss, dass die Misere meine Schuld sei, weil ich quasi im Strategiespiel des Lebens versagt habe. Könnte ja sein, schliesslich kacke ich auch beim spielerischen Taktieren regelmäßig ab. Und spiele dennoch irgendwann immer weiter.

Ich wollte ja mit der ganzen Familie ein verlängertes Wochenende in Neubrandenburg verbringen. Dann würden wir uns nicht zu Hause auf die Ketten gehen und die befreundete Familie, die es nach Mecklenburg verschlagen hat, würde sich auch freuen. Das war so mein Plan.

Den hatte ich auch detailliert ausgearbeitet, mit Ferienwohnung buchen (und der Vermieterin in mehreren Mails klarmachen, wie wir die Betten brauchen etc.), Zugkarten buchen, Busplan von NB ausdrucken, Haltestellen eruieren.. alle Pferde scheu machen also.

Dass ich mich nun in einer Situation parallel zu jener befinde, kam ungefähr so:

Bereits beim Warten auf den Bus war mir schon recht übel, ich schob das auf Nervosität und Anspannung. Im Bus knabberte ich an einer Birne und schaffte es, nicht im Bus zu reihern. Bei der Ankunft am Bahnhof sagte ich mir allerdings: „lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, es sind ja noch acht Minuten bis zur Zugabfahrt..“ und spie beherzt ins Gebüsch, in der Hoffnung, dass ich mich danach wieder besser fühlte.

Meine bisherigen männlichen Mitbewohner vertraten jeweils die These, dass der Kotzvorgang so unangenehm sei, dass es sich lohne stattdessen diszipliniert zu bleiben und sich das auf jeden Fall zu verkneifen. Mit dem Resultat, dass jenen stets dreimal so lange krank zu mute war, wie mir.

So stieg ich also, ermutigt vom eigenen Mut, in den Zug gen Berlin Hbf ein und saß da bis kurz vor Wannsee, dann musste ich einsehen, dass der Optimismus („ich war nur nervös, wenn die Reise erst richtig im Gange ist, dann legt sich das Unwohlsein wieder“) unberechtigt war.

Wie ich vom Zugklo wiederkam, vernahm ich zudem ein Stimmchen neben mir: „mir ist viel zu warm. und mein bauch tut weh“ – daraufhin setzte die vollkommene Resignation bei mir ein.

In Charlottenburg stiegen wir dann aus und gingen auf den Zurückzu-Bahnsteig. Dort spie meine Tochter einen großen Batzen und  ich fühlte mich bestätigt in der Annahme, dass ich die Neubrandenburgreise jetzt vergessen könne.

Nachdem das heute also schon die zweite Aufgabe des NB-Besuchsvorhabens war, sage ich mir, dass es wohl nicht sein soll und möglicherweise irgendeine Göttlichkeit mich lediglich vor Schlimmerem bewahren wollte, indem sie uns die Übelkeit schickte. Okay, das ist seeehr optimistisch, aber wie soll ich sonst werten, dass – zu Hause angekommen – auch noch die andere Tochter kurz spuckte, dann aber niemand bei mir im Bettchen bleiben wollte, sondern stattdessen Vitalität demonstriert wurde ?

(nur ich traue mich noch nicht ganz an Essen und Kaffee heran.)

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    • shortstoryexchange
    • 13. August 2011

    … das ist wahrlich eine Eingebung höherer Mächte.
    Ich wünsche euch dreien gute Besserung, bzw. mehr, bzw. weniger Vitalität.

    • Namenslos
    • 13. August 2011

    Geht es dir heute besser? 🙂

    • danke, ich trinke schon wieder Kaffee °-°
      offenbar handelte es sich wirklich um kurzfristige Übelkeit.
      Blöd nur, dass die Vermieterin mich animieren wollte, dann doch heute noch zu fahren, was ich jetzt auch nicht mehr will. (das macht mir aber ein schlechtes Gewissen gegenüber der armen Frau, die da alles umsonst vorbereitet hatte. Naja, werde es wohl per Ausgleichszahlung ausbügeln..)

        • Namenslos
        • 13. August 2011

        Klingt sehr gemütlich, das mit dem Kaffe, obwohl mir Kaffee nicht schmeckt. 😛
        Ich denke, diese Dame wird sich für die Zahlung freuen.^^

        • ich glaube, sie hatte mehr Bock auf kleine Kinder, weil sie doch “ 8 Enkel und eine Menge Erfahrungen hat “ – ehrlich gesagt bin ich froh, nun nicht an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben zu müssen.
          Von 90 Euro kann sie denen allerdings 180 Tüten Goldbären kaufen.
          Ich habs ja. *hüstel*

            • Namenslos
            • 13. August 2011

            Gummibären? Doch lieber Nachos mit scharfem Dip. 😛

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