Doch noch ein paar Worte über Houellebecq. Weil der Eindruck noch ist.

Es ist jetzt einige Tage her, dass ich „Karte und Gebiet“ zu Ende gelesen habe und einmal seit Langem das Gefühl bekam, mit einem Romanende zufrieden zu sein. Bei fast allen Büchern, die ich in den letzten Jahren zu lesen versuchte, schaffte ich es entweder nie zum Ende oder war pikiert bis angepisst vom abrupten, übertriebenen Schluss oder aber das Ende war mir nicht endgültig genug, es stellte sich ein Bedürfnis nach weiteren Seiten ein, die aber leider nicht vorhanden waren.

Ausnahmen davon bildeten „Axolotl Roadkill“ und „Gemma Bovery“. Beides auch Bücher, mit denen ich heitere Momente hatte, obwohl sie einen psychologisierenden Anstrich haben.

Und so ist es auch mit „Karte und Gebiet“, einem Roman, dessen Hauptprotagonisten desillusionierte Künstler sind, isolationserprobte Denker. Der Leser kann möglicherweise viel über Architektur, Malerei, Literatur und Kriminalisten lernen – darüber bin ich mir nicht sicher, weil ich nicht beurteilen kann, ob die dargebotenen Fakten sachlich korrekt sind -, mit Sicherheit aber einige beruhigende (oder auch beunruhigende, je nach Vorabmeinung des Lesers) Charakteristika des „westlichen Menschen“ besehen.

Darin liegt für mich der optimistische Erkenntnisgewinn : eine Bestätigung meiner These, dass alles Menschenleben im Grunde gleich banal und überflüssig ist, es aber doch ganz schön sein kann, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten angenehme Momente zu verschaffen.

Mit dieser, wenn man so will, „Quintessenz“ können die neokonservativen Anthropozentriker der  Wochenzeitung „Junge Freiheit“ wohl nicht mitgehen, sodass mir jetzt klar ist, woher mein Unbehagen gegenüber Houellebecq stammte : ich hatte vor Jahren eine Rezension über eines seiner Werke in eben jener Zeitung gelesen und keine gegenteilige Meinung danach mehr zu Gesicht bekommen.

Mittlerweile bin ich aber gewillt, mich weiter zu belesen und habe bereits „Ausweitung der Kampfzone“ im Hause.

Hier noch der Link zu einer lobhudeligen Seite.

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  1. glückwunsch, ich habs auch durch. muß sagen es fiel mir schwerer als sonst. bin eigentlich mehr ein festsauge leser und somit meist in null komma sonstewas durch mit den schwarten.

    ich hab von disem herrrn noch mindestens drei weitere bücher gelesen…die machten mich, ich erwähnte es bereits eher stink sauer und wütend. lag vermutlich an der absolut gegenteiligen haltung des autors undseinen so destruktiven betrachtungsweisen.
    trotzalledem irgendwie fesselnd. seine gedichte kann ich sehr empfehlen…..

    dieses buch ist anders, als die vorherigen. ich hab es ruhiger empfunden. seine betrachtungen über kunst fand ich ganz interessant. die schilderungen über den westlichen menschen witzig, treffend und auch irgendwie erschreckend. will nicht hoffen, dass ich nach 37 jährigem optimismustaumel langsam in die misanthropie abgleite….

    nachgefragt: wieso eigentlich destruktiver künstler ? in meiner wahrnehmung war dies einer der „es geschafft hat“…. aber vll sollte man mal über das „ES“ philosophieren ….

    • Nicht unbedingt destruktiver, aber desillusionierter Künstler, wenn ich mich recht an Jed Martin erinnere. (und der Buchform-Houellebecq auch)
      weil eben ihm das „es“ nichts mehr gibt. Weil beide Protagonisten sich keine Illusionen mehr machen, was das Leben anbelangt.
      Und das mal in aller Ausführlichkeit zu lesen, empfand ich als sehr beruhigend.

    • mavy
    • 25. August 2011

    Jeff Koons und Damien Hirst teilen sich den Kunstmarkt auf. – schlimm genug, wenn man da überhaupt von Kunst reden kann. Ansonsten muss ich kein Buch über fehlende Illusionen lesen. Die Zeit spar ich mir und lebe mal einfach: atmen, essen, lieben, sehen, hören, fühlen. Und träumen. Aber, hin und wieder eine kleine Selbsttäuschung kann auch Frieden geben. Im großen und ganzen bringt sie tatsächlich nichts. Außer, dass man vor der Realität flüchtet, was helfen kann, langfristig aber auch ganz schön daneben.

    • Ist Selbsttäuschung nicht Illusion ?
      Wirfst du mir gerade Realitätsflucht mittels desillussionsbestätigender Literatur vor ? (ahh, ein mittägliches Denkproblem, irgendwas haut in deiner oder meiner Überlegung nicht hin)

      bei dem kunstMARKT geht es um Kritik am Markt, gleichzeitig eingesehen, dass der Künstler den Kommerz nicht ändern kann. Schien mir sinnvoll.

    • mavy
    • 25. August 2011

    Yep.
    Nein. Außer Du siehst es so [dann ist dies Deine Sache]. Was ich aber nicht tue. Und auf keinen Fall so gemeint war.

    Halte die Kunst der genannten Künstler für keine Kunst, sondern nur für Befriedigungsobjekte für Anschaumassen. Und leider wird das rege wahr genommen. Das der Künstler diese billige Geilheit durch eine Produktionsüberflut an ‚Kunst‘ nutzt: wer kann es ihm verwehren.

    • eigentlich fand ich die idee ganz gelungen der koons für die spaßanteile einer verblödetet amerikanisierten überzivilisation und der damien hirst für das „phatologische“ im aktellen zeitgeist und der aus dem alten europa, ganz schicke vergleichsschleife…. hab in den letzten jahren einige sachen von damien hirst gesehen da waren richtig klasse stücke dabei;

      Damien Hirsts monumentale Pillen-Vitrine (2002) hängt im Untergeschoss des Museum Brandhorst.

    • Mit dem Damien weiß ich ehrlich gesagt nichts anzufangen, ich könnte den googeln, aber .. nö.
      Bzgl. Jeff Koons: selbst stand ich mal zwischen riesigen Figuren (Plastiken etc. ) von ihm und obwohl mich manche zum Schmunzeln brachten, fand ich daran nichts sonderlich künstlerisches. Der Fuchs sieht das anders. Er empfiehlt eine Serie „made in heaven“.

      • wer ist denn der fuchs? aber so ist das immer mit der kunst entweder sie spricht mit einem oder eben nicht. und das bedeutete dann nicht das mensch ein banause ist, wenn manche stimmen eben nicht gehört werden……den koons hab ich übrigens auch nie verstanden obwohl der ja ziemlich laut brüllt aber wahrscheinlich nicht in meiner sprache

        • Der Fuchs wohnt auch hier im Menschenzoo.
          Mir gefallen aber nur die Hunde aus der Serie, die gucken so schön naiv-doof.
          Die Idee, verkitschte Sachen in übergroß darzustellen, finde ich ja nicht übel, aber eben auch nicht sooo einzigartig.

          • ….NEIN…ich bin begeistert, da diese ganz „spezielle serie“ kannte ich noch gar nicht. die sprechen schon mit mir…..ich werd jetzt gleich mal losgoogeln wo die in echt zu bestaunen sind. da soll mir noch mal jemand mit sinnlos verdaddelter zeit vorm rechner kommen, dem werd ich…..

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