Nicht aufgeben jetzt : Durchhalteparolen wider das soziophobe Ich.

Liebes Teil-Ich,

in den letzten Tagen hast du angefragt, ob wir nicht vermeidend agieren könnten. Ich hatte dir diesbezüglich mitgeteilt, dass ein Fliehen vor den momentanen Pflichten, wie auch vor den spontanen geselligen Aktivitäten der letzten fünf Tage, nicht im Sinne unserer Planungsbemühungen der letzten acht bis zwölf Monate wäre.

Du gabst uns zu bedenken, dass nunmehr ausstehende zwei Anrufe nicht vorweg geplant waren und somit der Gipfel der Überraschungen durch die Tagesmutter (TM) wären. Ebenfalls teiltest du uns mit, dass uns sowohl TM, als auch die andere Kleinkindmutter für eine undisziplinierte, hippieske Öko-Verwöhnmutter halten könnten. Zugeraunt hast du uns auch, dass die Kita-Damen uns für den totalen Erziehungsloser hielten, weil der Abschied von der größeren Tochter vier Tage in Folge nur unter Geschrei und Tränen möglich war.  Wie nebenbei hast du uns routiniert auch noch einige weitere Vorhaltungen gemacht, die zu hässlich sind, um sie hier nochmals zu erwähnen.

Wenig geschätztes Teil-Ich,

warum willst du uns immer alles kaputt machen ? Ist denn der Stillstand deine Absicht ? Möchtest du die ewige Lethargie ?

– Jetzt reiß dich mal zusammen, verängstigter Teil;

natürlich ist es v.a. erlerntes Denken, was du betreibst; aber hilft uns das jetzt weiter ? Wirken wir nicht nur noch unsouveräner und damit angreifbarer, wenn wir uns unsicher sind ? Strahlt nicht unser innerer Fluchtimpuls auf die Kinder ab, sodass diese auch kein Vertrauen in die Situation empfinden möchten ? Bemerken die nicht (im Gegensatz zu nicht-näher-bekannten Gesprächspartnern), dass unsere Gelassenheit nur aufgesetzt ist ?

Und selbst wenn all das wahr ist, was du behauptest, Teil-Ich – zwingt uns das, den Status beizubehalten ? Darf eine Feuchttuchhasserin keine Tagesmutter frequentieren ? Gehören nicht Trennungskinder erst recht zu Gleichaltrigen, mit denen sie unbekümmert reden können ? (auch wenn das Kind bei jedem Besuchsende der „besten Freundin“ völlig austickt ? )

Wenn du weiterhin so kontraproduktiv daherredest, im Grunde doch geliebtes Teil-Ich, dann werden wir dich übergehen und uns der Konsumtrance zuwenden. Zumindest dem hemmungslosen Durchblättern der prächtigen, frisch ins Haus geflatterten Herbstkataloge.

Dann könntest du in einigen Wochen darüber spotten, wie rückgratslos wir sind, aber wir hätten wenigstens einige Tage vor dir Ruhe.

Einen schönen Tag noch.

Get lost.

gez.:

Anna Panther, Frederike Mainschön und Oekomonia Dessigratia

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    • Natal Na Drach
    • 18. August 2011

    Sehr interessante ausführung ….vielleicht solltest Du beginnen ein buch zu schreiben …

    Wobei mir ein altes ( evtl. CN ) Sprichwort einfällt : Erfolge im Leben hängen sehr wesentlich davon ab, was man aus seinen Mißerfolgen macht…

    Ob es hierzu paßt , mag der geneigte leser selbst entscheiden …

    • Irgendwann würde ich gern mal ein Buch schreiben, ich habe mir allerdings sagen lassen, dass es immer besser ist, erst mit kleinen Beiträgen in Anthologien und dergleichen anzufangen.
      All das wird jedenfalls nie möglich sein ohne Kinderbetreuung.

    • shortstoryexchange
    • 19. August 2011

    Hut ab, dass du deine inneren Widerstreiter so eindeutig an die Hand nehmen und des Bewusstseins verweisen kannst. Bei mir ist das eher ne Schar von Vorschulkindern, die allesamt die gleiche Einheitsklamotte tragen und unterschiedliches Zeug von sich geben, nur versteht man sie nicht, weil alle durcheinander schreien… Vielleicht sollte man sich öfter mal selbst Briefe schreiben, vielleicht kommt ja mal ne brauchbare Antwort zurück…

    • es war mehr nur ein Versuch des An die Hand nehmens und das alles ist sooo anstrengend, dass ich gestern 22 Uhr in den Schlaf fiel – als Nachteule !
      Immerhin habe ich die beiden Anrufe erledigt. Schade nur, dass sich darüber weder sonderliche Erleichterung, noch großer Stolz oder Freude einstellt. Denn natürlich sagt die eine Angerufene: „da müsstet ihr schon in der Praxis erscheinen, aber es ist immer voll bei uns und wir haben auch nur die paar Stunden offen“..

    • Jänner
    • 21. August 2011

    Versuch aufzuhören, viel über mögliche Konsequenzen oder Reaktionen Beteiligter nachzudenken. Einfach tun. Dann siehst du ja, welche Reaktionen kommen.
    Man kann sich noch so viel ausmalen – letztendlich kommt es ja doch anders, da kann man’s auch lassen. Das macht jedenfalls einiges einfacher.

    (Ansporn einer ehemals verschüchterten Person, die dann im Kundenumgang den Umgang mit Fremden lernen MUSSTE. Es geht: Du kannst denken, du kannst sprechen, und die anderen sind auch nur Menschen. Kein Problem. 🙂 )

  1. ( Man kann sich ja mit Facebook einloggen! O.ô Erschreckt mich diese Vernetzung jetzt? Ich weiß noch nicht…)

    • naja, check lieber nochmal deine Privatsphäreeinstellungen. Und schön harmlose Äußerungen machen, unter Klarnamen ^^

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