Menstruierende Mittlerin mit Migräne

ein Teiltag voller Ms

Manchmal kommen alle Minderheiten auf einmal.

Zu Menstruation und Migräne gesellen sich Mitmenschen,

mit denen man politisch korrekt vorgehen muss

und man muss den richtigen Ton treffen,

damit das Mädchen nicht den falschen Ton sehr laut trifft.

„der Mann mit der nichthellen Haut gefällt mir nicht“ – „dir müssen ja nicht alle gefallen“

„ich will den aber nicht angucken“ – „Wir haben hier [in dieser Tram] freie Platzwahl und außerdem hört er alles, was du sagst und findet das nicht nett.“

(Panik steigt in mir auf. Was, wenn jetzt eine Trotzreaktion erfolgt, gelten wir dann als Rassisten ? Ich gebe ja zu, seine Kopfform ist seltsam und er hätte besser Haare über die seltsamen Nackenwülste wachsen lassen sollen, aber man darf ja niemanden mehr unansehlich finden, wenn er zufällig dunkelhäutig ist.

Puh, das Kind ist gedanklich schon weiter und macht eine „Maske aus Salat“)

„Wenn ich später eine Mama bin, kann ich auch ohne Mann leben ? “

„ähhh .. “ (gedacht: müssen wir denn Grundfragen der modernen Ethik im Bus diskutieren unter vielen Zuhörern?) .. „Wenn du Mama werden willst, musst du dir schon erstmal einen Mann suchen, um das Kind zu erzeugen. Aber du kannst als erwachsene Frau auch auf Kinder verzichten.“

„Kann ich denn, wenn ich erwachsen bin, auch eine Frau heiraten?“ – „ja. Aber wenn du Mama werden willst, brauchst du zumindest kurz einen Mann. “ (innerliches Erröten. Die eigentliche Aufklärung wird wohl auch einst im Bus erfolgen. Ich sehe es schon vor mir: ich in Erklärung des Zeugungsvorganges, parallel in die Augen eines feisten 50-jährigen blickend, der dann süffisant sagen wird: „is de Kleene nich nochn bissel zu kleen dafür?“ und ich werde erwidern: „nein, ich war auch fünf, als mich das erste Mal ein 16-jähriger küsste. Man muss die Kinder doch vorwarnen.“)

Doch damit noch nicht genug. Gleich neben dem Nackenwulstmann saß ein Mann, der eigentlich intelligent wirkte, aber alle paar Minuten laut und deutlich seltsame Worte von sich gab. Ich dachte immer, mit Tourettesyndrom würde man reale Schimpfwörter von sich geben.. Erstaunlich, dass da nicht nachgefragt wurde („mit wem redet der Mann? was sagt der da?“)

Später mit der Jüngeren Einkaufen gegangen. Die vierte Minderheitenproblematik binnen 3 Stunden entdeckt. Ein Haltestellensitzblockierer mit Kippe im Mund, Bier in der Hand und deftigen, ins Nichts gebrüllten Worten.

Verwirrt nach Hause gegangen.
Ein Ibuprofenpräparat meiner Wahl geschluckt. dann so blöd gewesen, mich schon wieder auf einige unproduktive Geschlechterdebatten einzulassen.

Mein Hirn wird immer matschiger. Ich bin sooo müde, weil ich der Tagesmutter zu liebe vor 7 Uhr aufgestanden bin. (ja, sehr müde trotz 8 Stunden Nachtschlafes) Der Tagesmutter, die einen großen Fimmel bzgl. „regelmäßiger Tagesrhythmen“ hat. Und die auch fest überzeugt ist, dass jedes kleine Kind immer Mittagsschlaf machen muss.

Die Jüngere indes verweigert den dritten Tag in Folge den Mittagsschlaf. Die Migränetablette schlägt nur halbherzig an. Ich gebe mittlerweile solche Sätze von mir: „Dieser Schlüpfer passt aber nur an Puppenpopos.“

Vielleicht wird der nächste Teiltag einer voller Ps ?

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  1. Glücklicherweise erledigen sich ja ein Teil der Fragen von alleine, je nach sexueller Ausrichtung.
    Aber ich finde es interessant, daß Kinder das andere Geschlecht mitunter vor einsetzen des Geschlechtstriebes blöd finden. Spricht für die Verschiedenheit der Geschlechter.

    • Sie findet ja nicht „das andere Geschlecht blöd“, nur eben manche seiner Vertreter.
      (und sorry für den blöd formulierten Trackback. Den kannst du gern löschen, bei dir.)

    • Namenslos
    • 22. August 2011

    Ich finde es toll, wenn sich Kinder tiefgründigere Gedanken machen. 🙂

    • taotanlin
    • 22. August 2011

    Hach, irgendwie freu ich mich auf eigene Kinder… ^^ Spannend, was ich denen dann alles erzählen soll… Ich muss euch mal wieder besuchen und dem Älteren Unsinn einpflanzen. ^^

    Tipp: gegen Migräne hilft besser Aspirin (stärkeres), weil verdünnt das Blut. Hatte der Tuff auch immer genommen. Und der war (ist) Chemiker. 😉

    • Das war einst auch eine meiner Motivationen für Kinder. Aber bis du zu den tiefgründigen Momenten kommst, kommen jahrelange oberflächliche Schreiorgien. Und unglaubliches Gewusel und Geschleppe.
      Wem welches Schmerzmittel hilft , soll recht unterschiedlich sein. Mir ist von Aspirin zu oft magenbäh geworden. Ibuprofen klappte eigentlich immer.

  2. Übrigens scheint es kein Teiltag mit Ps mehr zu werden.
    Nur einer vollen irrer Stimmen.
    Sind z.B. mit dem leicht verrückten Tierstimmenimitator Tram gefahren. Ein prächtiges Schauspiel für die Umsitzenden.
    Er sagt: borkborkbork
    Die Kleine sagt: kikeriki
    die Große sagt: *Wieher*
    ich sag: *augenroll*

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