Unromantisches Potsdam

Für den Fernlehrgang soll ich einen Text über meinen Wohnort schreiben, der sich an Touristen richtet. Man hatte mehrere Themen zur Auswahl, aber dieses schien mir naheliegend, wohne ich doch in einer Touristenhochburg.

Beim Sinnieren über den zu schreibenden Text fiel mir jedoch nochmals auf, wie unbegeistert ich über Potsdam bin. Obwohl ich nunmehr sieben Jahre hier wohne, stellt sich kein heimeliges Gebundenheitsgefühl ein, kein romantisches Heimkehrenwollen, wenn ich mal unterwegs bin.

Das könnte dreierlei Gründe haben :

– Mir fehlt der mittelalterlich-gemütliche Teil. Potsdam war bis ins 17. Jahrhundert eine bedeutungslose kleine Ortschaft. Folglich mangelt es an Gässchen und verwinkelten kleinen Häuschen. Die vielbeschworenen Weberhäuschen sind nichts gegen die Hutzelhäuser, die manch andere Ortschaften bieten. So ohne echte Berge im Umland lohnte sich wohl der Bau von Burgen nicht.

– Es gibt keine Künstler, die ich mit Potsdam verbinden würde und die landschaftsbezogen und mir gefallend arbeite(te)n. Romane, die hier spielen, sind stadtskeptisch (aber vielleicht sah ich nur noch nicht den ultimativen potsdambejahenden Roman). „Subway to Sally“ sind berühmt, aber nicht stadtbezogen. Für mich ist die Stadtband darum „Napalm Entchen“. Die sind ulkig, aber laut und hart. Sie haben einen Alphatypen an der Gitarre, der nett und hübsch ist. Damit sehe ich Parallelen zur Stadt in dieser Band (*kicher*) :

(ja gut, das Charisma des Gitarristen kommt in der Aufnahme nicht ganz rüber, aber das geht ja Jann Jakobs auch oft so)

– Und der dritte Punkt ist mir sehr wichtig:

Der Stadt mangelt es an Verfall, an Brüchen, an morbidem Charme, an Unsaniertem und zunehmend am DDR-Bauerbe.

Alles soll so werden, wie die Häuser links. In der Mitte das "Haus des Fisches" (meine inoffizielle Bezeichnung). Das Gebäude rechts hinten soll auch weg.

Abgerissen. Wer will schon zentrumsnah und preisgünstig wohnen.. Die jetzige Brache sieht doch viel preußischer aus.

Aber das ist ja alles nicht unbedingt schlimm. Mensch kann ja Wegziehen. Wann sich wohl meine Gelegenheit bietet ?

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    • mavy
    • 24. August 2011

    Schon ’ne sehr komische Aufgabe…aber mir schwant gerade etwas. Wie wäre es mit dem alternativen P.? Da kann man doch eine vertrauenswürdige Quelle zur reinen Informationsgewinnung anzapfen. Man könnte aber auch die Beliebigkeit, das vergängliche Interesse oder die Unkultiviertheit der aus den Bussen strömenden Menschenmassen als Leitmotiv wählen. Das wäre dann die ganze Wahrheit.

    • Schöne Ideen, aber es soll kein Unterhaltungsartikel sein, sondern „die Touristikzentrale gibt Ihnen den Auftrag..“ – naja, man soll eben einen neutralen, knackigen Sprachstil bieten, das wird mein Hauptproblem werden… ich bin ja die Königin der Verzettelung :-S

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