Sozial-kulturelle Eutopie

„Erfolgreiche sozial-kulturelle Arbeit soll jeden erreichen“, man müsse „die Stärken des Einzelnen betonen“, sich die Erfahrungen und Kompetenzen „auch Sozialschwacher“ zu Nutze machen, die Leute zur Selbsthilfe motivieren, las ich neulich.

Wie eutopisch, herrlich. Ich wurde endlich mal wieder illusioniert und bemerkte doch zugleich, dass ich stets zur Gruppe der schlecht Motivierbaren gehörte, zu der, die zu erreichen besonders schwierig sei, weil sie selbst niedrigschwellige Angebote noch aus Scheu ignoriere.

Das „Handbuch sozial-kultureller Arbeit“ ist ein sehr kluges Buch, das treffend menschliches Funktionieren beschreibt und gesellschaftliche Tendenzen der letzten paar Hundert Jahre analysiert. Man muss nach der Lektüre einfach einsehen, dass der soziobiologischen Determiniertheit * nicht zu entkommen ist.
Dass man eine Gruppenidentität braucht, um sich wohlzufühlen und nicht wahnsinnig zu werden.
Die große Herausforderung der sozial-kulturellen Zentren liegt darin, solche Gruppen zu kreieren, die sich durch innere Gemeinsamkeiten definieren und nicht durch die, womöglich aggressive, Abgrenzung nach außen.
Das ist, finde ich, Manipulation in Reinform. Man durchschaut die Leute und setzt ihnen sozialverträgliche Aktivitäten vor, damit sie ihre Bedürfnisse an Kreativzirkeln, Subbotnik-Verschnitten oder Tanzgruppen abarbeiten können, anstatt in destruktiv-politisierten Bünden. Das erscheint regimeerhaltend – und passend dazu stellt das Handbuch auch fest, dass in der DDR sozial-kulturelle Maßnahmen in breitem Maße von oben bestimmt stattfanden.
Aber es ist auch friedenserhaltend. Selbst wenn dem Rap-Duos, wie die vermeintlichen Ghettokids aus meinem Stadtteil, mit mir unsympathischen Liedern entspringen, bin ich aktuell davon angetan.

* das ist nicht der Fachbegriff, den kenne ich nicht. Das ist so ein Konstrukt von mir.

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