Homo homini lupus

Einmal gingen wir durch das ‚Center um die Ecke‘,
da erblickten wir dieses Schaufenster:

„Der Mensch ist des Menschen Wolf. Thomas Hobbes.“, sagte mein Begleiter sogleich. „Leviathan. Muss man kennen.“

Ich erinnerte mich düster. Leviathan, das Wort finde ich ganz hübsch und es gibt auch ein gleichnamiges Akercocke-Lied, das finde ich ganz fetzig. Zudem befand sich ein monströses Bild im Geschichtsbuch, damals in der Schule, das sollte wohl den Leviathan darstellen.
Den Inhalt des Schriftwerkes habe ich jedoch nie nachhaltig kapiert. Es geht da irgendwie um Staatenbildung und den Urzustand des Menschen. Ich halte von solchen Überlegungen nichts. Als ob der „Naturmensch“ grundsätzlich morallos und ungesittet und kannibalistisch und verfressen wäre. Ach, komm.

Da können wir auch gleich über die drei kleinen Schweinchen reden, die vom Wolf ihrer Behausung beraubt werden. Und dann so einen philosophischen Kurzschluss versuchen.
(I) Manche Menschen sind Schweine. (das erfahren wir aus Liedern wie „Männer sind Schweine“ [Die Ärzte] oder „Du musst ein Schwein sein in dieser Welt“ [Die Prinzen] )
(II) Wölfe zerstören Schweinehäuser. (das erfahren wir aus genanntem Märchen)
(III) Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. (das sagt das titelgebende Zitat)
daraus folgt (Konklusion):


Bloß gut, dass das Zitat ursprünglich von hier ist und so geht :

MERCATOR : Fortassis. sed tamen me
numquam hodie induces, ut tibi credam hoc argentum ignoto.
lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit.

Also ist nur der Mensch raubtierböse, den man nicht kennt und der einem vielleicht ans Tafelsilber möchte.

Wie erleichternd.

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  1. Als ob der „Naturmensch“ grundsätzlich morallos und ungesittet und kannibalistisch und verfressen wäre. Ach, komm.

    Ja etwa nicht? Wenn man mal alle Zivilisationskleider ablegt, so schön ist das dann bestimmt nicht.

    • Da herrschte sicherlich eine andere Ästhetik, so im Urtümlichen.
      Aber ob die modernen Sitten nun jedenfalls besser sind, ich weiß ja nicht.
      Klar ist es beruhigend, zu sagen : „bei uns, hier und heute ist es am Besten“, aber hat doch auch was Überhebliches.
      So wie manche Christen, die ernsthaft behaupten, vor den zehn Geboten hätte es gar keine Sittlichkeit, keine Regeln, gegeben.

      • Aber ob die modernen Sitten nun jedenfalls besser sind, ich weiß ja nicht.

        Ja klar sind sie das. „Besser“ heißt ja nicht gleich „am besten“. Aber ist doch offensichtlich, dass es gegenüber bloßem Rudelverhalten und Totschlagen von Feinden in der Buntkreidesteinzeit gewisse moralische Fortschritte gab. Z.B. dass es eine weltweite Erklärung von universellen Menschenrechten gibt (ob sich alle daran halten, ist eine andere Frage), dass Autoritäten kritisierbar sind, ohne dass man um sein Leben fürchten muss, dass es demokratische Verhältnisse gibt usw. Alles Fortschritte.

        • Klingt erstmal einleuchtend. Aber zu Hobbes und erst recht Plautus Zeiten gab es noch keine universellen Menschenrechte, eher gingen die beiden wohl davon aus, dass ihre jeweils praktizierte Zivilisation die bessere als die zur selben Zeit in anderen Gegenden und Ländern existierenden war, oder ?
          Und da wird es seltsam. Die eigenen Maßstäbe auf andere übertragen zu wollen, birgt Gefahren.
          Dann doch lieber animalisch, aber ehrlich, bleiben..

          (naja, man merkt, dass ich nie auch nur ein Philosophieseminar besucht habe. Mein Humor und Lästern hat wahrscheinlich was Hilfloses. Wat solls.)

          • Klingt erstmal einleuchtend. Aber zu Hobbes und erst recht Plautus Zeiten gab es noch keine universellen Menschenrechte, eher gingen die beiden wohl davon aus, dass ihre jeweils praktizierte Zivilisation die bessere als die in zur selben Zeit existierenden anderen Gegenden und Ländern war, oder ?

            Weiß ich nicht genau. Soweit ich informiert bin, war Hobbes moralischer Relativist. Er glaubte also, dass es keine universellen moralischen Werte gibt, sondern erstmal jeder sein Ding macht und das für moralisch gut hält, was ihm so erscheint. Und damit das irgendwie koordiniert wird, braucht man einen mächtigen Herrscher und Staat, der dann für Ruhe und Ordnung sorgt. – Zum Glück gab’s auch seit Hobbes noch moralischen Fortschritt.

            Die eigenen Maßstäbe auf andere übertragen zu wollen, birgt Gefahren.

            Definitiv. Wenn man allerdings davon überzeugt ist, dass z.B. die Menschenrechte universelle Geltung haben, dann sollte man m.E. auch danach streben, überall die Menschenrechte durchzusetzen. Wie man das dann macht, ob durch kriegerische Invasion, gutes Zureden oder Diplomatie usw., muss dann natürlich geklärt werden.

            Mein Humor und Lästern hat wahrscheinlich was Hilfloses.

            Humor und Lästern sind immer gute Optionen. Außerdem kommst du aus einer coolen Stadt, das gibt sowieso immer Bonuspunkte. Ist das Wolfs-Bild aus dem „Stern-Center“?

            • ja, aber da es sich um eine Ladenkette handelt, dürften ähnliche Schaufenster auch in anderen Städten zu beschauen sein.
              Gewiefte Idee, um trotz lahmer Mode Aufmerksamkeit anzuziehen, übrigens.

    • NatalNaDrach
    • 10. Oktober 2011

    „“Also ist nur der Mensch raubtierböse, den man nicht kennt und der einem vielleicht ans Tafelsilber möchte“““

    Sehr vermutlich haben unsere höhlenbewohnenden Vorfahren nur die Vorfahren aus anderen Höhlen gegessen und nur in sehr , sehr harten Wintern dann die älteren Mitbewohner ……….

    • Na, und ist das denn grundsätzlich verkehrt ? Nur nach kantschen Definitionen, scheint mir.

    • flaschengruen
    • 10. Oktober 2011

    Da fallen mir doch glatt die Grönländer ein… Bevor irgendwelche Europäer meinten, die „Zivilisation“ dorthin bringen zu müssen, lebten sie auch in Gemeinschaften und mit Gastfreundlichkeit, andere Leute gegessen haben sie nicht.
    Trotzdem haben sich alte Leute, sobald sie keinen Beitrag mehr leisten konnten, freiwillig bei irgendeiner Schlittenfahrt klammheimlich vom Schlitten fallen lassen, um mal eben zu erfrieren. Um der hart ums Überleben kämpfenden Gemeinde nicht zur Last zu fallen.

    Hart, aber auch irgendwie sinnvoll – wenn man sich das Dilemma mit den viel zu vielen Alters-Pflegefällen in Deutschland anschaut, für die wir eigentlich weder Geld, Zeit, Platz noch Pflegekräfte haben…

    Es ist die Frage also auch, wie viel „Menschlichkeit“ und „Moral“ ist sinnvoll fürs Überleben und Fortentwickeln der Menschheit?

    Und:
    Ist es nicht auch eine Moral der alten Grönländer gewesen, wenn auch anders als unsere, den Freitod zu wählen?
    Und ist die „modernere“, neue Moral hier besser?

    Heutzutage stecken die Grönländer ihre Alten in Heime oder Alterswohnsiedlungen, wo sie mit kaum Geld (weil hat sonst auch niemand) hinvegetieren oder halten es mit ihnen in der Familie aus. Ob das den Alten so gut gefällt, die letzten 10, 20 Jahre sinnlos zu sein?

    • Umso wohlhabender eine Gesellschaft, desto mehr Unfitte kann sie mit durchziehen. Diese Debatte habe ich schon mehrfach geführt, man wird da schnell als großer Zyniker beschimpft und aufgefordert, sich in die Lage der Krankenkassenkostenfälle reinzuversetzen.
      Ich breche den Ernst der Lage einfach mal auf, mit Leipziger Humor : (über den man auch wieder diskutieren könnte. „Ist das nicht Verharmlosung von Alkoholismus ? “ und so)

    • flaschengruen
    • 10. Oktober 2011

    Ist es nicht. Es ist immer die Frage, ob zuständiger Kritiker den unterschied zwischen Ernst und Satire erkennt.

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