Schon wieder Klavier: Angizia

Nach dem vorgestern veröffentlichten disharmonischen Klaviergemurks habe ich nun das Bedürfnis, etwas Harmonischeres vorzustellen, indem auch das Klavier eine tragende Rolle spielt. Sowohl Klavier als auch die Musikgruppe „Angizia“ haben mich viele Jahre begleitet, mal stärker, mal schwächer.

Vom Genre her ordnet man Angizia mittlerweile unter der hehren Bezeichnung „Avantgarde“ ein, jedoch wurden die frühen Werke (die ersten drei bis vier Alben) noch unter Gothic Metal geführt. Man bewegt sich in der Tat desöfteren an der Grenze zum Kitsch, aber das ist wohl meist so, wenn etwas besonders berührend sein soll.

Ich habe mal ein Stück aus dem Debütalbum „Die Kemenaten scharlachroter Lichter“ (aufgenommen Winter 1996/97) ausgewählt, das recht ruhig ist und erst nach dreieinhalb Minuten Grunzgesang bietet. Das wirkt vielleicht für den ersten Eindruck nicht so abschreckend – erinnere ich mich doch, dass ich einst auch erst zwei bis drei Albumdurchläufe brauchte, bis ich nicht mehr verwirrt war.

Zum Thema „Avantgarde, Überheblichkeit und epische Ausmaße“ schreibt der Oberdichter der Gruppe im Nachwort des Albums : „Die Ablichtungen werter Textstellen sind nur Exzerpte eines existierenden Gesamtwerkes […], die Klänge vorauseilender Noten die musikalische Vertonung eines klassischen und theatralischen Projektgedankens.“

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  1. hm! selten, sehr selten geschieht es dann doch, das ich keine innere haltung zu einem thema entwickeln kann. so geht es mir mit mancher hier vorgestellter musik, aus gothik und neofolk…….

    ich kann mit dem pathos und der überzeichnung der gesangstimmen nichts anfangen. man könnte meinen die stimmen sind eine stärke dieser musik, meistens sind sie aber eher schlecht.

    und dann die inhalte, die scheinen ja den komplette weltschmerz, alle fragen des universums auf den stimmbändern tragen zu wollen, genau wie atlas das universum. da diese barden aber eher mit dünnen, zarten, selten geschulten stimmbändern gesegnet sind, müssen sie natürlich unter der last des universums brechen…..ja ihre stimmen brechen wirklich recht häufig.

    diese musik erschließt sich mir nicht wie sonst über ohr und bauch, sie will zuerst durch den kopf in die hirnwand und dies auf ziemlich penetrante art und weise. sie versucht sofort am intellekt anzudocken, mit lateinischen floskeln und zitaten der weltliteratur. so billig bin ich nicht zu haben. iese musik epfinde ich als phrase, ein ewiges wiederkäuen, mit phatetischem gesichtsausdruck vorgetragen, kostümierung und beleuchtung bühnentauglich darauf abgestimmt. diese musik, sagt mir nichts.

    seltsamerweise fühle ich mich immer an einen gottesdienst erinnert. eine handvoll gewillter laien preiset den herren auf die ewig gleiche weise, mit den immer gleichen floskeln und liedern. sie geben ihr bestes und dies völlig leidenschaftslos, man singt halt mit det war schon immer so und wird auch noch tausend sonntage in folge so sein.

    sorry, aber vll gibt es ja auch hier ausnahmen, immerhin nicht nur bach war ein großer kirchenmusiker…..

    • Liebe Fr.,
      deine Ansicht passt nicht zu deiner geografischen Nähe zur Gothic-Hauptstadt Europas 😉
      Absatz 2 bis 4 mag auf viele Combos zutreffen, in der Tat habe ich schon öfter ähnlich gedacht. Generalisieren würde ich das aber nicht.
      Und textlich sind Angizia nicht dem plumpen Weltschmerz verhaftet. Nein, es geht mehr um Theater, würde ich sagen.

      (Exkurs: depressives Gejammer kann man aktuell bei vielen Mitmenschen erleben, die sessionale D. schlägt da voll zu. Heute musste mich sogar ein Kollege „mal umarmen“, sein Zimmer sei so kalt, düster und groß.)

      Hier noch ein zeitlich-späteres Angizia-Stück, gänzlich frei von Metal:

  2. Ha, und weil ich grad gelaunt bin, noch ein flotter Zusatz. Theater ! Rocken !

      • flaschengruen
      • 16. Oktober 2011

      Ich kenne nur letzteres Lied und liebe es. (inkl. des Albums).

      Du hattest mich damals angesteckt. Allerdings mag ich Gegrunze nicht – halte das immer noch für Zerstörung der Restmusik.

      Angizia muss man mindestens dreimal hören. Anfangs fand ich es schrecklich, schief gesungen (vor allem die Frau!), aber irgendwie passt es dann doch alles. Tolle Sache. Aber ich mag nur die Alben „Das Schachbrett des Trommelbuben Zacharias“ und „39 Jahre für den Leierkastenmann“ (siehe oben)

  3. Sieh mal, ein ganz frühes Stück. Welch fröhliche Melodei 😉
    nur den angeblichen Text, den hör ich da überhaupt nicht:

    Raum an dies hellblau Stechlin,
    sah ich Miazer casten,
    Sach ich mir Finsen nutzlich merden,
    schwebt die Sorge mie im
    Griffel Letzt da ich im Schreiden.

    Rcoh raub ich in Traumen, she ich eine gelbe Mand.
    Roch lak Sonne ich beglauzen, she ich ihn in Mallung treten.

    Meines Lebens zu genieken,
    vergak ich suke lane Lufte,
    Vergab ich Furchen zu besuchen,
    machst mie Fulle nun im Herze,
    Letzt da ich im Scheiden.

    Roch raub ich in Troumen, she ih eine gelbe Mand.
    Roch lak Sonne ich beglauzen, she ich ihn in Mallung treten

  4. sehr schön!

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