Realtheater: 3 Uhr nachts in Potsdam-Süd

Heute (10.10.2011, ich veröffentliche längst zeitversetzt zum Schreiben)
hatte ich einen schlimmen Traum. Nicht dass mich das beunruhigen würde, dazu bin ich viel zu sehr auf dem Standpunkt, dass mensch nachts einfach verarbeitet, was ihn so umtreibt, und dass da nichts Prophetisches darin ist. Aber es war mal ein merkwürdiges Erlebnis. Im Grunde eine Verknüpfung dreier merkwürdiger Ereignisse.

Geträumt habe ich eine Evakuierung. Meine Wohnung war zugleich meine Schule, wie das eben in Träumen mitunter so verwischt ist; der Grund war irgendein Endzeit-Naturkatastrophenkram, von dem unklar war, wie lange er anhalten würde. Ich sah, wie meine Oma über die Balkonbrüstung nach unten gereicht wurde (von einem Rettungsservice) und bekam selbst die Auskunft, ich sei zu jung und könne doch flott die Treppe nehmen. Dann habe ich lange rumgebastelt (im Traum Strategie gespielt, toll), was ich im Rucksack mit runter nehmen möchte, welches Einpacken oder Anziehen wie lange dauern könnte und welche Reihenfolge wohl dafür am besten sei..

Irgendwann war das dann geschafft und in einem Schulbus ging es weg vom Katastrophengebiet. Leider mussten wir sehr lange im Bus ausharren und.. Na, das ist nicht so spannend. Am Morgen danach habe ich überlegt, was mich zu einem solchen Traum inspiriert haben könnte und mir fiel die merkwürdige Begebenheit ein, wie wir einmal auch nach dem Unterricht die Schule nicht verlassen durften, weil angeblich ein Verbrecher ausgebüchst war, der erst mal per Hubschrauber und Sondereinsatzkräften gesucht werden musste, bevor die Kinderlein wieder auf die Straße durften. Das war recht witzig, so im Frühteenageralter. Wir saßen halt kichernd bis aufregt im Raum rum. Oder in den Fluren. „Aber auf keinen Fall die Gebäude verlassen, das Böse kann überall lauern !“

Aus heutiger Sicht erscheint mir das ziemlich schwachsinnig. Aber es war wohl nicht der Traumanlass, denn das liegt schon so lange zurück. Realistischer und zeitnaher war der Lärm, der mich kurz nach 3 Uhr geweckt hatte. Der Lärm war ein nicht enden wollendes Bellen, dass durchs geschlossene Fenster und fünf Stockwerke nach oben drang. Ich war davon leicht angepisst: da ist das Kind endlich wieder soweit gesund, dass es sich nicht jammernd umherwälzt und Hilfe braucht, dann kommt sowas.

Ich meine, ich bin einiges gewöhnt, an dem Wohnungsstandort. Tatütata, grölende Jugendliche aufm Weg zur Tanke, das Absingen von nationalen Liedern auf dem Gehweg gegenüber, illegale Straßenrennen etc.

Also wollte ich mich von einem Tiergeräusch nicht am Weiterschlafen hindern lassen. Doch was war das für eine Männerstimme.. mit wem redete der da ? Warum kriegte er soviel Bellen als Antwort ? Ich wurde immer neugieriger und wacher. Das Bellen nahm immer nur dann ein Ende, wenn der Mann „Hilfe, Hilfe“ rief. Dann wurde der Hund kurz still. Bellte dann aber unter großem Zetern des Mannes weiter. Vielleicht war hier Zivilcourage gefragt ?

Mühsam und mit brennenden Augen schleppte ich meine Sensationslust ans Fenster. Ich sah eine Zigarette auf dem Balkon nebenan glimmen (aha ! Andere Zuschauer !), dann einen Golden Retriever (aha ! der ungezogene Bruder des beigen Labradors !), dann einen Mann ohne besondere optische Merkmale. Beide machten wirre Bewegungen auf dem Rasen vor dem Haus. Dann sah ich noch ein Sixpack Bier auf dem Gehweg stehen. Bevor ich lange „hääää?“ denken konnte, gingen flotten Schrittes zwei oder drei junge, gewaltbereit wirkende Männer auf den ersten Mann zu. Sie sagten auch irgendwas. Der erste und der Retriever trollten sich daraufhin nach links aus der Szenarie. Die jungen Typen nahmen daraufhin das Sixpack an sich und verschwanden nach rechts aus der Szenarie. Zum Schluss lief noch ganz, ganz schnell ein Dackel von rechts ins Bild und verschwand eilig Richtung Retriever.

Dann war es wieder relativ ruhig draußen. Ich hätte jetzt weiterschlafen sollen. Das gelang mir aber nicht, weil ich das Gesehene nicht sinnvoll auflösen konnte und mich meinerseits nun wirr umherwälzte. Davon wachte das Kind freilich auf. Dann folgte circa eine Stunde von abwechselnd: Kind wach, ich schlafbereit – Kind schläft, ich zu aufgekratzt zum Schlafen. Irgendwann schlief ich dennoch ein und hatte diesen schlimmen Traum.

Verdammter Hundemann. Oder war er ein Opfer ? Ich kann mir immernoch nicht recht erklären, was da abging.

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    • Namenslos
    • 14. Oktober 2011

    Tja, und ich hab von Sailor Moon geträumt (ohne Scherz) und dann noch von realen Menschen… es war ein Wischwasch.^^

    • ja, das ist oft sehr seltsam. Ich möchte, vor dem Hintergrund, gar nicht glauben, was manche Indianer dachten (oder waren es Aborigines ? heute bin ich wieder herzlich unkonzentriert), von wegen: das Wachsein ist nicht die wirkliche Welt, das Träumen ist das Echte.

        • Namenslos
        • 14. Oktober 2011

        Wenn das Träumen das Echte ist, weiß ich jetzt, warum ich so gerne träume…

        • Das kann in bestimmten Lebenssituationen tatsächlich ratsam sein, hm.

            • Namenslos
            • 14. Oktober 2011

            Ou ja, ein toller Zufluchtsort.

    • shortstoryexchange
    • 14. Oktober 2011

    … ich vermute, dass der „ganz, ganz schnelle“ Dackel des Rätsels Lösung ist, doch dazu gleich mehr.
    Sherlock Holmes würde das Ganze folgendermaßen auflösen: der Mann „ohne besondere optische Merkmale“ war mit seinem Hund spazieren, weil er ebenfalls seit Jahren an Schlaflosigkeit leidet (Ischias), sich das irgendwann auf seinen Köter übertragen hat und nun beide die Angewohnheit haben, nachts um drei um den Plattenbau zu dödeln. Zum Glück gibt es in unmittelbarer Nähe diese Tanke, wo man sich nochmal eben n Sixer Bier (3,49 €) holen kann. Dementsprechend wenig spektakulär war der Herr also bekleidet, wenngleich Holmes die Sicherheit, mit der sich dies nachts um drei aus dem fünften Stock beurteilen lässt, anzweifeln würde.
    Auf dem Weg begegnete er den „drei jungen, gewaltbereit wirkenden Männern“, die ebenfalls Bock auf Bier, aber keine Kohle hatten. Oldesloer Appelkorn oder Saurer wär natürlich noch geiler gewesen, weil er besser knallt und so. Der aber ist ja noch teurer. Jedenfalls pöbeln die drei jungen Atzen herum und der optisch unauffällige Biertrinker setzt sich verbal zur Wehr (hatte ja schon n Lüdden im Tee, äh Krug und sowieso kann man diesen Jugendlichen ja nicht alles durchgehen lassen…!) und provoziert somit die Eskalation der Auseinandersetzung, woraufhin das Ersatzherrchen des Golden Retrievers (gehört eigentlich dem älteren Bruder oder dem Stiefvater) den Hund zu wildem Gebelle anstachelt, was den optisch unauffälligen Mann wiederum so verunsichert, dass er den Sixer vorsichtshalber abstellt („ich kenn‘ das, nachher fliegt der miä wieder runtä!“). Nachdem sich die drei über die Szenerie lustig gemacht haben, beschließen sie schließlich, den Sixer Bier mitzunehmen („besser als nüscht!“) und ziehen lieber weiter, weil zwei der drei bereits vorbestraft sind (Körperverletzung; Diebstahl; Hehlerei und Widerstand gegen die Staatsgewalt), der dritte ist ein Mitläufer und kommt eigentlich aus gutem Hause. Als der Kampf („Beide machten wirre Bewegungen auf dem Rasen vor dem Haus“) beendet ist, traut sich nun endlich auch der Hund des Mannes zurück, der chronischer Schwanzeinzieher und somit schnell geflüchtet ist, als er Lunte roch. Das denken wir.

    Soviel zu dem Rätsel.

    Was jedoch keiner wusste: der Dackel ist ein alter KGB-Hund und steckt damit in Wirklichkeit mit den jungen Männern unter einer Decke, weil er seit dem Zusammenbruch der UdSSR nicht mehr so günstig an Wodka kommt und daher alles für Alkohol tun würde, selbst einen Schulterschluss mit dem Teufel. Daher zog er das Herrchen mittels Leine zum vereinbarten „Übergabeort“ der Operation „Six green bottles“ und sitzt einen Tag später mit den Gangstern aufm Spielplatz um die Ecke und trinkt Bier, während Herrchen glaubt, der Kleine wär vor Angst mal wieder ausgebüchst, weil im TV mal wieder n Beitrag über den Euro-Rettungsschirm läuft und der Dackel fürchtet, im Falle eines griechischen Schuldenschnitts nach Rumänien versetzt zu werden, weil dort andere Staaten anderen Interessen nachgehen wollen, sobald Griechenland gestürzt ist… doch das gehört hier nun wirklich nicht her!

  1. Meine Güte !
    Aber, Watson, wo ist denn in der Tatnacht die Dackelleine geblieben ? Macht der unauffällige Schlaflose immer die Leine ab, wenn der Dackel ängstlich wird ?

    p.s.: gestern sah ich eine Yacht namens Cesare. Wer weiß, was die nachts macht.. (weil: die war doch bestimmt nach diesem Cesare benannt, dem hinteren, dem gruseligen Geschöpf)

  2. Mein lieber Schwan, was haben Sie für ein Panorama an sich vorbei laufen, Frau anniefee. Kein Wunder, dass Sie morgens immer so völlig verknarzt und unleidlich sind 😦

    • *Optimismus an*
      Der Ausblick ist wirklich sehr schön, ich sehe den Brauhausberg mit dem Landtag (ehemaliges Kriegsarchiv oder sowas) sowie die teuren Feuerwerke aus dem Volkspark zweimal im Jahr.
      *O. aus*
      Es gibt wirklich Schlimmeres. In Bitterfeld z.B. klopften Marktweiber und Besoffene direkt an mein Fenster, ich wohnte nämlich im Erdgeschoss.

      • Was wollten die denn von Ihnen?
        Nur mal so guten Tag sagen?

        • Verschieden. Manchmal passierte es ausversehens (Gleichgewicht verloren und so), manchmal kannte man sich und konnte sich so das Klingeln sparen.
          Jedenfalls beziehe ich Teile meiner fulminanten Menschenkenntnis aus den Gesprächen vor meinen Fenstern. Danach hatte ich nämlich im Erdgeschoss des Studentenwohnheims gelebt, direkt hinter dem Fahrradständer, auch super.
          (Naja, das hat auch Schattenseiten. Oft genug musste ich mich dann panisch unter meinem Schreibtisch verducken, um nicht gesehen zu werden.weil die Gardine etwas durchsichtig war. Und am helllichten Tag die Vorhänge zuzumachen, wie hätte das denn ausgesehen..)

            • ringelnitz
            • 16. Oktober 2011

            Was Sie nur für ein aufregendes Leben führen.
            Hier hingegen ist mal wieder gar nix los. Habe heute nur Kühe und Ziegen gesehen 😦

            • Ob ein Leben aufregend ist, kommt darauf an, wie der Lebende die Geschehnisse bewertet 😉
              Man kann sich auch über Ziegen fürchterlich aufregen.. oder andersrum stumpfen heftige Hauptstadt-Partygänger wahrscheinlich nach der 20sten Deliriumsgeschichte ab ^^

                • ringelnitz
                • 16. Oktober 2011

                Haaach, ja … und sonst?

  3. Und sonst allet schick (wie der Brandenburger sagt),
    und: die Glühweinsaison hat begonnen, fidirallala !

    • flaschengruen
    • 16. Oktober 2011

    Ich habe gestern Ostereier in der Kaufhalle gesehen. Wir sind vom Glühwein schon wieder weg!!

    • Ich trinke auch grad welchen vom letzten Jahr. Aber: Ostereier gibt es das ganze Jahr über. Und es sind ganz bestimmt Käfigeier. Und sie sind salmonellenanfälliger als nicht industriell gefärbte Eier.
      Fazit: nur Nupsis koofen färtsch bemalde Eijer !

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