Das kleine Blaue versus das kleine Rosa

Wir hatten schon lange keine Buchbesprechung oder -diskussion mehr hier. (der Comic zählt nicht, hier sind reine Textbücher gemeint) Die letzten paar Bücher, die in dieser Pinte erwähnt wurden, habe ich dann doch nicht gelesen, weil sie mir nicht genügend Anreize boten.

Dann aber entdeckte ich gleich zwei Büchlein, die mir seichte bis thrashige Unterhaltung versprachen: eines mit rosa Außengestaltung und eines mit blauer. Die würden mich vor einer eventuell nahenden Herbstdepression beschützen, hatte ich spekuliert.

In der Tat ist es den beiden griffigen Taschenbüchern gelungen, mir so einige Emotionen abzuringen, was ja das Keyfeature erfolgreicher Medien heutzutage sein soll: dem abgestumpften Wohlstandsbürger Regungen abzuluchsen.

Allerdings waren es etwas andere Regungen als beim Erst-Buchkontakt erwartet.

Von dem Buch mit dem verlagsseitig passgenau gemachten Titel „Unanständig“ hatte ich mir erwartet, einige Stunden in hedonistischem Voyeurismus schwelgen zu können und einer sexy Sympathieträgerin durch spannende Episoden voller süffisanter Szenen und schwelgerischer Vorahnungen folgen zu können. Aufgrund des Coverbildes, dass eine puppenhaft geschminkte Blondine im Federbett zeigt, kamen mir zwar Zweifel, aber die wurden vom Editionsnamen „Anais“ abgefedert.

Von dem Buch mit dem ebenfalls provokanten Titel „Ich darf das, ich bin Jude“ hatte ich mir platten Humor und einen enervierenden Realitäts- und  Jetztbezug erwartet. War das nicht auch mal ein Bestseller, ein Feuilletonsliebling und so ?

Darüber hinaus sprach mich auch dieses Cover optisch nicht an.
Dieses Blau ist auch so überaus kumpelhaft.

Jetzt könnte man glauben, ich hätte mir den autobiographischen Spaßroman des Fernsehkomikers von einem Kumpel ausgeliehen und die autobiografische Fickschnulze  der Radioschnepfe aus der Bibliothek.

Das Gegenteil ist der Fall. Aber, um eine Brücke zu schlagen, das vorletzte rosa Buch, dass mir besagter Kumpel mit bester Empfehlung ausborgte, war tatsächlich ein kluges und gutes und es war von dem Verlag (KiWi), in dem nun der jüdische Olli mit einem blauen erschien.

Noch Fragen ? Sollte ich mich lieber aufregen oder freuen ? (= Rosa-Buch oder blaues ?)

Advertisements
    • ringelnitz
    • 22. Oktober 2011

    Fickschnulze 🙂
    Nicht aufregen, beide ins Altpapier!

    • aber die gehören mir doch beide nicht.
      Und die Fickschnulze regt mich ob des unemanzipierten Frauenbildes auf.

        • ringelnitz
        • 22. Oktober 2011

        Egal, weg mit dem Schund.
        Von mir aus auch in den Altglascontainer 🙂

  1. Schließe mich ringelnitz an.

    • Der Versuch einer unaufgeregten Kritik an der Rosa-Sophie-Schnulze folgt Ende der Woche 🙂

    • Namenslos
    • 22. Oktober 2011

    Der Titel „Ich darf das, ich bin Jude“ klingt für mich interessant.^^

    • Es ist aber vordergründig ein Kalauerbuch, also hintergründige thematische Auseinandersetzungen kann man nicht erwarten.
      Was aber gut so ist. An zwei von drei Tagen konnte mich das Olli-Buch zum Lachen bringen, toll !

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: