Gutmenschen, rosa Halstücher und Projektmenschen (III)

Tag 4 war ein Schlechtfühltag bei mir, aber ich hatte die Info, dass inmitten eines Villenviertels ein Projekthaus nun einen Tag der offenen Tür mache. Das Wetter war sehr einladend und das Kind musste eh an die frische Luft. Ich selbst hatte zwar eher das Bedürfnis, mal ganz lange Tropico 3 zu spielen, aber nachdem Windoof für die Installation ein Adminpasswort verlangte, dass ich nie gesetzt hatte, fügte ich mich der Vernunft.

Der Weg zum Mehrgenerationenhaus mit offenen Werktstätten war für meinen Geschmack zu schnell gefunden und mir reichte deshalb der Außenanblick (ökomodern gekleidetete Elternteile beim Beaufsichtigen eines Holzspielplatzes), aber mein Kind rief nur „Kinder !!“ und rannte aufs Grundstück. Ich schlich also hinterher, setzte mich auf einen schmutzigen Campingstuhl und lauschte. Der Mutismus lächelte mir zu, ich nickte zurück. „Anouk ! Merle ! Ihr schafft das bestimmt nicht ! Gefährlich! Nicht da klettern!“ Die Bäume dort waren sehr hoch, in einem Wipfel eine Empore. Wie in Myst, dem legendären frühen 3d-Spiel.

„Diese eine Mutter lächelt mich immer so an, gleich spricht sie mich an, wenn ich weiter so freundlich-zugänglich wirke.“ dachte ich und reichte fachkundig meinem Begleiter mein Portmonee, gestikulierte nach hinten und whisperte ein „egal was“. Nach zehn Minuten kam er mit seinem Bier und meinem Kuchen wieder. Brav. Wer nämlich engagiert speist, wird nicht angesprochen.

Später noch die Werkstätten besichtigt, dabei den jüngeren der beiden Rosa-Schal-Typen entdeckt. Und einen appetitversprühenden Backofen in Betrieb. So ein Fladendings wär es gewesen, aber dazu hätte man in den Backraum gehen müssen. Und reden.

Ich bin dann lieber gegangen und habe den Schaukasten am Außenzaun ausführlich studiert. Der Verein bietet u.a. Handwerkskurse für „MigrantInnen und Flüchtlinge“ sowie eine Speisung im Asylheim. In meinen Überlegungen, ob Menschenliebe und Gleichheitswille vielleicht doch nicht naiv seien, wurde ich von einem Pärchen im schwarzbunten Weltverbessererlook unterbrochen.

Mein Begleiter erklärte den beiden den Weg zu einer anderen alternativen Einrichtung und wollte bereits den Weg zur Touristinfo erläutern, da brach es aus mir heraus: „Ihr meint doch so was Alternatives, mit ‚infoladen‘ ?! Dann klopft doch mal in der Zeppelinstraße, im besetzten Haus.“

Dort ist man gegen Sexismus und jeglichen Götterglauben, fällt mir jetzt ein. Die sogenannte Ökodiktatur finde ich gut, aber ein grundsätzliches Verbieten von Religion und dominanten Männern, das ist doch irgendwie unmenschlich.

So wird das nichts mit der Weltrettung, wenn man den Menschen umerziehen will. Und sich nicht alle Eutopisten und Illusionierten einig werden können, welche Erziehungsziele es werden sollen.

Ah, da habe ich die Antwort auf die Frage aus Teil 1 :

es lohnt sich nicht, an die Weltrettung zu glauben. An die Weltverbesserung lässt sich lokal und quantitativ begrenzt glauben.

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  1. …..verbessern wir mal gleich drauf los. 😉 eine rettung halt ich eh nicht für sinnvoll. vor wem oder was den retten. manchmal glaub ich die welt lacht sich schlapp, über ihre wintzig aber größenwahnsinnigen naivlinge……milliarden jahre gings ohne die gut und nun haben die sich permanent ins hirn gesetzt die gute alte erde retten zu müssen…

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