Schule später anfangen – AddOn

Der Artikel über die Schulanfangszeiten ist einer der am häufigsten angeklickten in diesem Blog. Das lässt auf ein gewisses Interesse seitens der ’stinknormalen Suchmaschinenbenutzer‘ schliessen.
Das kommt ein bisschen spät, dass ich mich zu diesem Addon durchringe, aber da das Thema immer noch nicht durch ist:
So wurde mein Brief abgedruckt:

Das ist natürlich eine gekürzte Fassung der relativ emotional aufgeladenen Mail, die ich damals an die Redaktion schrieb.
Ursprünglich hatte ich mich auch noch über Koffein und Taurin ausgelassen, das sich die 13- bis 20-jährigen Schüler en masse morgens reinknallen müssen, um ihrem Biorhythmus ein Schnippchen zu schlagen, und dass das wohl kaum gesund sein könne.
Weiterhin jammerte ich über meine persönlichen Probleme mit Brechreiz, Hektik und Schulbussen. Das ist schon gut, dass das nicht abgedruckt wurde 😉

Aber nach wie vor ist mir unklar, warum es sinnvoll sein sollte, Menschen, die nachgewiesenermaßen 9 bis 10 Schlaf binnen 24h benötigen, nämlich Teenager, zu zwingen zwischen 5 und 7 Uhr aufstehen, zu Zeiten also, da die innere Uhr auf Tiefschlaf eingestellt ist. Nur weil es für die Lehrkräfte vielleicht problemlos möglich ist, 6 Uhr mit dem Auto loszufahren (Pendeln ist da ja auch verbreitet), muss man doch nicht diese Leistungs- und Gesundheitseinbußen in Kauf nehmen ?

Einmal fragte ich eine Lehrerin. Sie meinte: „Das frühe Aufstehen soll auf das Studium vorbereiten.“ Was ja kein gescheites Argument ist. Es fangen wohl kaum alle Uni-Veranstaltungen um 7 oder 8 Uhr an – alle Berufe übrigens auch nicht.

Wer ein Frühaufsteher ist, als Schulmitarbeiter oder auch als Schüler (gibt es den frühaufstehenden Teenager überhaupt ? kann mich an keinen erinnern.), der kann ja gern vor der  Schule noch Hausaufgaben machen oder die Freizeit genießen. Aber warum alle zwingen ??

Weiterführende Literatur:

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  1. Naja, ich bin da etwas im Zwiespalt. Im Prinzip hast Du ja recht. Aber in der GS meines Jüngsten haben die jetzt den Unterricht dem Biorhythmus der Kinder angepasst(keine Ahnung wie der typischerweise verläuft). Das geht morgens los mit „Gleitzeit“ Unterrichtsbeginn von 7.45 – bis 8.15 Uhr möglich. ( Da frag ich mich dann doch was das noch mit Unterricht zu tun hat. In der Zeit dürfen die Kinder aus den bereitgestellten Materialien Aufgaben erledigen. )
    Dann Blockunterricht 1,5 h. Eine lange Frühstückspause eine Stunde. Und die Mittagspause ist 1,5 h lang. Das Ergebnis, das Kind ist nie vor 15.30Uhr mit dem Unterricht fertig. Wenn die nervöse Mutter dann doch mal so gegen 14.oo Uhr vor der Schule steht und dass Kind eher mitnehmen möchte dann geht das nicht, weil noch Unterricht. Früher war da Hort. Und im Hort hat das Kind auch Hausaufgaben gemacht. Die heißen jetzt Übungsaufgaben und können auch schon mal in den endlos langen Pausen erledigt werden. Nur wo bleibt da die Erholung? Der Schulbus fährt kurz nach Schulschluss, also ist es Essig mit den „jetzt nicht mehr Hausaufgaben“ die erledige ich dann am Abend, wenn das Kind beim Abendessen noch nicht in die Bemme gekracht ist……Also irgendwie ist das ooooch nicht recht rund finde ich. Obwohl mir fällt gerade ein, der Jüngste erledigt die „jetztnichtmehrHausaufgaben“ auch gerne morgens in der Gleitzeit. Naja vll sollt ich mich auch locker machen, alle paar Jahre wird hier eine andere Binsenweisheit zum Non plus Ultra erhoben.

    • GS heißt ja sicherlich Grundschule ?
      Darum rankt sich mein Artikel nicht, der erhöhte Schlafbedarf bei gleichzeitigem abends wach bleiben geht erst mit der Pubertät los. Dann legen so Hormon sich ins Zeug, und die coolen Fernsehdinger wollen 20.15 oder 21.15 geguckt werden.
      Grundschulkinder, wie auch Kitakinder sind noch auf früh wach gepolt, selbst mir hat das damals nix ausgemacht, um 6 aufzustehen. (das Modell, das du da schilderst, klingt mir eh sehr wirr und wie „faule Kompromisse“ bzw. übertriebene Pausen und so. Wer braucht denn eine Stunde zum Frühstücken ? )
      Aber 12-jährige aufwärts können ja elternunabhängig zur Schule bzw. Bushaltestelle laufen, da spielt doch Hort keine Rolle mehr..

    • Namenslos
    • 8. November 2011

    Früh aufstehen ist echt mühsam, aber noch mühsamer ist es, wenn man bis 18 Uhr Schule hat. Man sitzt den ganzen Tag lang in der Schule, die eine oder eine halbe Stunde Mittagspause ermüdet einen noch mehr, obwohl sie gut ist, damit man endlich mal etwas essen kann, aber somit verzögert sich die Schulzeit noch länger. Ab 12 oder 13 ist man geistig sowieso erschöpft und dann soll man noch paar Stunden mehr in der Schule Leistung erbringen. Wer denkt, dass Schüler sein bequem ist – gut, da ist schon etwas Wahres dran, aber das Sitzen ermüdet verdammt sehr und mal abgesehen von der geistigen Erschöpfung. Wenn man nach Hause kommt, ist es noch lange nicht gegessen. Hausaufgaben, lernen, irgendwelche Präsentationen vorbereiten – man hat ja nicht nur paar Fächer, sondern aber sowas von viele!
    Irgendwie bin ich lieber für den Beginn des Unterrichts am frühen Morgen, somit hat man es endlich bald hinter sich – aber dafür kein verdammtes Nachmittagsunterricht und egal wie lange wir in der Schule sitzen, wir müssen daheim alles selber lernen und uns Nachhilfestunden besorgen… ich frage mich echt, wozu wir dann diese verdammte Schule und diese verdammten Lehrer haben und das Lernen ist kein Lernen, was wir betreiben und wir werden nicht für die Realität vorbereitet. Wenn wir aus der Schule raus sind, können wir uns aber mächtig anschauen…

    • 15 / 16 Uhr sollte trotz Mittagspause Schluss sein. Was dann nicht in die Zeit passt, sollte aus dem Lehrplan rausgestrichen werden. Mehr Wahlfreiheiten dem Schüler lassen – nicht soviel reintrichtern, was nie gebraucht wird.
      Obwohl es mittlerweile (in größeren Städten, ha!) verschiedenere Schulformen gibt und gerade die freien Schulen haben zum Teil innovative Konzepte.
      Was hat der Jugendliche von der Nachmittagsfreizeit, wenn er durch das zeitige Aufstehen zu müde ist, um sie fröhlich zu nutzen ?
      Also ich beschuldige gerne den Gymnasialstundenplan für meine Koffeinsucht. U.a. deshalb bin ich da auch nicht zu wertfreien Diskussionen fähig 😉

        • Namenslos
        • 8. November 2011

        An dem „Was hat der Jugendliche von der Nachmittagsfreizeit, wenn er durch das zeitige Aufstehen zu müde ist, um sie fröhlich zu nutzen ?“ ist etwas Wahres dran. Wenn man von der Schule nach Hause kommt, ist macht fix und fertig, schläft oder isst vorher noch etwas und wenn man aufwacht ist es schon 5 oder 6 und dann wieder ran an die Arbeit! Ein Arbeiter hat wenigstens nach der Arbeit wirklich aus. Aber wenn der Unterricht später beginnen würde, müsste er auch später enden und ich bezweifle, dass meine Gehirnzellen spät noch arbeiten. Wenn man dann nach Hause kommt, ist es 7 oder 8 und man kann sich gleich ins Bett haun und in der Früh aufwachen und Hausaufgaben machen. Im Endeffekt kommt es auf dasselbe hinaus.

        Ich finde auch, dass unnötige Fächer gestrichen werden – und die wichtigen Fächer intensiver gestaltet werden sollen, denn was bringt mir weniger als eine Stunde Mathe, als zwei bis drei Stunden durch, wo man intensiv lernt?!
        In der Stadt hat man keine so tollen Möglichkeiten, außer vllt in einer Privatschule, denn man kann sich die Fächer nicht auswählen und die Schulauswahl nach der jeweiligen Richtung ist auch ganz, ganz, ganz bäh… da gibt es nicht viele Möglichkeiten, denn wenn man z.B. ne Sportschule besucht, hat man alle Fächer, wie alle anderen Schulen auch, nur dass man sich intensiver einer Sportart widmet. Ebenfalls sieht das so in einer Musikschule, Kunst- oder Modeschule etc. aus, nur dass man einen Zweig hat, in dem man sich spezialisiert, sonst bleibt alles gleich.

        • „Ein Arbeiter hat wenigstens nach der Arbeit wirklich aus.“
          Es sein denn, er hat Kinder 😛
          Aber ja, auch das für mich ein Grund, nicht weiter zu studieren, Master machen oder so. Ich bin diese nie endenden Aufgaben leid gewesen. Jetzt fülle ich zu Hause noch meinen Arbeitsstundenzettel aus, checke ab und an Mails und Onlinekalender, und das war’s und alles ist entspannt, was „tägliche Pflichten“ anbelangt.

          Im Moment bin ich in diesem Schulfächerthema nicht so drin, weil ich keine schulpflichtigen Verwandten etc. habe.
          Freie Schule sind doch Privatschulen, nicht ?
          Daraus mal ein Beispiel für einen vollgestopften Stundenplan, aus dem man aber anscheinend Kurse wählen kann.
          http://www.schillergymnasium.de/index.php?id=172
          Hat mensch sich selbst für einen Kurs entschieden, ist doch die Wachbleibemotivation höher, als für aufgedrängtes, fremdentschiedenes..

          Hier ein Beispiel für „innovativere Schulformen“, wobei ich nicht weiß, inwiefern das fruchtet, die Meinungen gehen da zum Teil stark auseinander..
          http://www.potsdam-montessori.de/seiten/fragen_eltern.htm

            • Namenslos
            • 9. November 2011

            Freie Schulen sind bei uns staatliche Schulen, die nichts kosten. In solch einer Schule kann man sich keinen eigenen Stundenplan zusammenbasteln, also wird man mit jedem Fach zugedröhnt und nichts bleibt hängen. In einer Höheren Lehranstalt ist unter „Wahlfächern“ das zu verstehen: eine dritte Fremdsprache (Italienisch oder Französisch, aber eine davon musst du wählen) und alle anderen Fächer bleiben gleich, die du auf dem Tisch geklatscht bekommst. Entweder checkt man die oder man fällt durch und bekommt gesagt, dass man sich etwas anderes suchen sollte, was dem eigenen Niveau passt – gemein oder? Ich frag mich echt, wozu Lehrer und die Schule da ist, wenn man daheim wie verrückt lernen muss und Geld für Lernhilfe ausgeben muss, damit man ja einen ordentlichen Schulabschluss hat. Also, wenn ich nichts tun will, außer den Schülern Zetteln zu verteilen, dann werd ich Lehrerin. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber nur sehr wenige…
            Bezüglich der Privatschule: Es kommt drauf an, welche diese ist. Die Allgemeinfächer werden sowieso dabei sein, also kommt es wohl fast auf dasselbe hinaus, wie in einer öffentlichen Schule, nur dass die Lehrer in einer Privatschule vllt mehr auf die Schüler eingehen und alles so „elegant“ verläuft.

            Ich find die Montesorischule (oder wie man die schreibt) sehr gut, obwohl ich so eine nie besuchte. Man sollte junge Menschen nicht so früh mit Noten beurteilen und sie selbst als eine Note reduzieren.

            Es ist echt krass… ich bemerke selbst, dass die Firmen Leute mit Abitur viel eher bevorzugen…

            • Wie heißen denn dann in Österreich die staatlichen Schulen, die etwas kosten ?
              – in Dtl. ist mit „frei“ wohl gemeint: „in freier Trägerschaft“, nicht der Kommune gehörend.

      • ….JA, ein riesengroßer Vorzug der Großstadt, Wahlfreiheit bei der Schulform!!!. Obwohl meine gehen/gingen auch auf die Freie Grundschule und es gäbe auch noch die Freie Werksschule als Fortsetzung…..

        und über Gymnasien reg ich mich nicht mehr auf….da bin ich jetzt zur bockigen Protest Mutter geworden ich boykottiere alles und bin immer dagegen….

  2. mit Herz, Kopf und HAND; einmal in der Woche Praxis in einem echten Betrieb, zwei Betriebe im Schuljahr….kein schlechter Grundgedanke!

  3. Aus dem von Dir zitierten Interview zu der Frage: „Weshalb ­beginnt die Schule überhaupt so früh? Zulley: Es wurde einmal entschieden, also bleibt es dabei. Außerdem kommt es den Interessen der Erwachsenen entgegen: Die Lehrer wollen nachmittags freihaben, die Eltern wollen ihre Kinder vor der Arbeit in die Schule bringen.“

    Ich glaube, das ist der springende Punkt. Wobei man wohl noch genauer sagen müsste, dass die Interessen der Erwachsenen auch gesellschaftlich bedingt sind. Die frühen Schulzeiten sind vermutlich nur ein soziologisches Relikt des fordistischen Produktionssystems – also einer schichtförmigen Vollerwerbsarbeit in Betrieben. Die Kinder mussten so früh in die Schule, damit die Eltern so früh auf die Arbeit konnten, so wie es eben der Rhythmus der Maschinen vorsah. Gleichzeitig wurden (und werden) damit die Kinder bzw. Jugendlichen schon mal daran gewöhnt, was ihnen später blüht. Die Aussage Deiner Lehrerin ist damit wohl nur die halbe Wahrheit gewesen: Nicht Vorbereitung aufs Studium, sondern auf die Lohnarbeit.

    Heute, da sich die Strukturen der Erwerbsarbeit geändert haben (und noch immer ändern) – man spricht in dem Zusammenhang auch von einer „post-fordistischen Gesellschaft“ – fällt der zwingende Grund der frühen Schulzeiten zunehmend weg, weshalb sich dann immer drängender die Frage stellt, warum das so ist und weiterhin so sein muss.

    Ich glaube, ich hätte auch lieber immer um 9 Uhr angefangen… 😉

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