Gutes tun


Gutes tun ist gar nicht schwer und es muss nicht völlig uneigennützig sein.

Nach all dem Lesen von freundlich lächelnden Passanten und auch nach den paar Malen, da Dinge aufbewahrt wurden, die mir aus den Taschen gerutscht waren, kam heute die Gelegenheit, mich zu revanchieren.

:    ich saß in einer Tram, die (man staune!) fast ganz leer war, und sah so vor mich hin, da stieg der Herr Student aus, der bis dahin vertieft in Aufzeichnungen gewesen war. Er ging zwei Schritte, blickte wieder in die Aufzeichnungen, bekam dann eine Eingebung, ging zurück zur Tramtür und drückte den Öffnen-Knopf..

Aber wie das so ist: dem Fahrer war das wurst und die Bahn fuhr weiter. Der studentene Leserich biss sich auf die Lippe und trat grummelnd weg. Mir wurde klar: er musste etwas liegen gelassen haben.

Es war nichts von weitem Sichtbares, sondern eine schmale Mappe in grau-transparent.

„Steck sie ein, wie spannend!“, fauchte einer in mir.

„Wie sieht das denn vor den paar Mitfahrern aus, wie Diebstahl!“, zischelte ein anderer.

„Quatsch, das is ne gute Tat, bring es ins Fundbüro- wenn es liegen bleibt, dann kommen vielleicht destruktive Jugendliche oder ein rücksichtsloser Alki schmeißt die gesammelten Mitschriften weg.“, sprach der in mir, auf den schliesslich hörte.

Aber einfach ins Fundbüro bringen.. was wenn der Typ da nie hingeht ? Weil er vielleicht Pessimist ist, obwohl er nicht so aussah  ?

Und muss die Finderin die eigene Neugier ignorieren ?!

Nee: in der Mappe waren Aufzeichnungen aus einem Studium der sozialen Arbeit. Ich hatte also Recht mit „den Typen hatte ich schonmal an der FH gesehen.“ Leider finde ich den Herren langweilig (und seinen Schriftstil auch, sieht viel zu ordentlich und ehrgeizig und choleriknah aus), sonst wäre das ein prima Kennlernanlass gewesen: in der Mappe fand ich  nämlich auch seine Anschrift und hey: in der Straße habe ich vorher auch gewohnt, hinfinden und vorbeibringen wär also kein Problem.

Ich werde die Mappe in den Briefkasten schieben. Moment, sind die Kästen dort nicht im Haus ? Na, Klingeln werde ich nicht, den Überschwang der Dankbarkeit muss ich nicht erleben..

 

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  1. ordentliche choleriker? noch nie gehört. ABER was für eine tolle gelegenheit für, hm für was eigentlich aber da steckt alles drin vll sogar the beginning of a beautiful friendship

    entdecke die möglichkeiten…..also ich würd klingeln.

    • Ha, welche drollige Formulierung deinerseits !
      wirklich cholerisch kann man wohl als angehender Sozialarbeiter nicht sein, aber choleriknah. Pedantisch zum Beispiel.
      Mangelnde Ordnung ist oft ein Grund für Choleriker um sich zu schreien, wobei Ordnung bedeutet: „es funktioniert so wie ich es will“

      Und ich habe geklingelt und ein unerwarteter Glücksfall trat ein und nun freue ich mich. Maaaannn ! Das erste Mal so mit Gefühl freuen seit 3 Wochen ! Die Aktion hat sich gelohnt.

  2. mir wird ganz schlecht. du meinst mangelnde ordnung ist ein grund für ….oh, oh. aber na gut, manch einer braucht sein drama 😉

    und für das klingeln freu ich mich! und ich werd nicht weiterfragen, geht mich ja nichts an.

    • du gehst wahrscheinlich von dir aus: es hätte nach dem Klingeln eine urste Konversation gegeben und man sähe sich wieder und..

      für mich hieß Glücksfall in der Situation: „es wurde einfach der Öffnenknopf gedrückt, ohne zu fragen, wer da ist – und ich konnte zu den Kästen durchhuschen, die Mappe reinstecken und mir sagen: viel Gutes tun für wenig Überwindung“ 😀

  3. kennst mich doch die welt durch Meine rosa brille 🙂 aber vll bin ich desshalb eine so große menschenfreundin, weil ich es immer wieder verblüffend finde, wie andere in ähnlichen situationen reagieren. es scheint einen schier unerschöpflichen vorrat an menschlichem verhaltensrepertuar zu geben…..unglaublich.

    • Ja, das finde ich auch unglaublich interessant. Aufmerksamkeit bringt Unterhaltung 😉

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