Gespräche unter Patrioten ?

Es war ein guter Tag gewesen. Die Frau Panther war ausgeschlafen und ohne Kopfschmerz gewesen, darum geriet sie bereits am Frühstückstisch in Plauderstimmung. Sie verlas einen Zeitungsartikel, in dem eine Asta-Dame zitiert wurde, die eine Besetzung von Villenräumen durch wohnungslose Studierende fordert. Das sei doch ziemlich undiplomatisch und geeignet, den Willen städtischer und wohnungselitärer Menschen, mit Studierenden zu verhandeln, herabzusetzen, fügte die Pantherin hinzu.

Darauf entspann sich eine kleine Debatte, die mit den Worten endete: „Potsdam ist eine Garnison, mehr nicht. Sie war es stets gewesen und wird es immer bleiben.“

„Was spricht eigentlich gegen einen ’neopreußischen Erlebnispark für die Oberschicht‘ ?“, hatte sich die Pantherin beim Weggehen gefragt, „warum sollen nicht die unter sich bleiben, die es sich leisten können, und die anderen ziehen weg ? Gibt doch auch noch andere schöne Städte und Dörfer.“ – es war die vermeidende Persönlichkeitsnote, die aus ihren Gedanken sprach.


Auf dem Tisch lag ein Brief von Jeanette Platzeck, wenn ich recht verstehe der Frau des hiesigen Ministerpräsidenten, der ungefähr so ging: „Sehr geehrte Frau Panther, es ist in Potsdam Tradition, in vorweihnachtlicher Peacigkeit einen Stehempfang für Wehrdienstleistende, Reservisten und Bundesfreiwilligendienstleistende zu veranstalten, bei dem schnell rege Gespräche in Gang kommen sollten.“

Auch das Wort Glühwein kam in der Einladung vor. Das Ganze soll 17 Uhr stattfinden, zu einer Zeit also, da ich lieber ins  Kino ginge, hätte ich eine Kinderbetreuung für eine solche Zeit. Was ja aber mein Problem ist, was andere Dienstleistende nicht unbedingt haben.

Tradition, Garnison, was reimt sich noch ?

– ich sehe es glühend vor mir:

Obergefreiter A: „Na, tuste ooch deine Pflicht ?“

Hauptgefreiter B: „Die is doch ne Frau, die leistet bestimmt nich.“

icke: „Ach wat, in der heutijen Zeit muss jeder seinen Anteil zur Friedenswahrung leisten.“

Reservist C: „Weise Worte. Nehmt noch nen Glühwein !“

Obergefreiter A: „Sach ma, die Kleene da, is det deene ?“

icke: „Joar, ick leeste sogar doppelten Beitrach zum Nationalwohl.“

Hauptgefreiter B: „Und sieh ma, hat janz blaue Augn, die Kleene.“

Reservist C: „Och, schee !“

icke: „Sa ma, kommste oos Sachsen ?!“

Reservist C: „Na, früher ma, aber als alter Preußenfan isset hier eenfach scheener. Nu gucke ma, ich wohne gleech da drieben, inne alte Kaserne !“

usw. usf.

Hoch die Tassen, lang lebe Friedrich, 300 wird er ja schon nächstes Jahr !

—- aber im Ernst: was sollen solche Gespräche bringen ? Hat jemand eine Idee oder so was schon mal mitgemacht, als Zivi oder Wehrdienstleistender vielleicht ?

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  1. Ick hab ma wieda überhaupt nich vastanden worum det hier jeht, wa?

    • Falls es ernst gemeint war (meinen Dialekt habe ich im Moment im Schrank versteckt):
      – ich bekam einen Brief, der mich verwunderte.
      – ich war zuvor über einen Zeitungsartikel verwundert.
      – beides hatte auf wundersame Weise mit preußischer Tradition zu tun.

  2. Jupp, det war ernst jemeint. Habs wirklich nich vastanden.

  1. 7. Januar 2012

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