erstes Dezember-Drittel (II)

Wir haben die Anschaffungen des Nikolaus fast aufgefressen. Obwohl, Moment.. *erinner*   da ist noch eine Kiste auf dem Schrank, da hatte ich noch einen Nikolausteil, der in hübschen Päckchen war, beiseite gelegt. Wie schön fürs Gewissen: man war doch nicht so verfressen, wie zunächst gedacht.

Aber dennoch, der Wohlstandszwiespalt ereilt in diesem Jahr auch mich:

einerseits will man irgendwie optisch fit und rank aussehen, andererseits ist Naschen so serotoninfördernd und mitunter auch gesellig und die Auswahl macht Spaß.. im letzten Jahr hatte ich eine klasse Motivation für mich:

ich stellte mir vor, wie die milchigen Bestandteile der Schoki und der Keksbutter von unsterilen Maschinen vakuumartig aus wabbeligen Eutern rausgepumpt wurden, während die Kälbchen, denen die Natur jene Milch zugedacht hat, irgendwo aus künstlichen Zitzen schlürfen und von diesem Gemisch aus unmütterlicher Milch und brasilianischem Gen-Soja schnell groß werden sollen, um Leistung oder Steak zu bringen… und prompt verging mir der Appetit und ich knabberte demütig an meiner fairgehandelten Zartbitterschoki oder einigen Nüssen rum. Manchmal sogar auf Trockenobst, obwohl ich das seit jeher wenig lecker und zu orientalisch fand. Datteln, bäh. Aladin, alberne Hütchen, blöde Äffchen, dazwischen getrocknete Feigen, bäh.

In diesem Jahr klappt das irgendwie nicht. Die Milchschoki kam ja kraft der Kinder sowieso ins Haus und irgendwann stumpfte ich dann doch wieder ab.

Das letzte Real-Gespräch mit meinem Vater ging etwa so:

V: „Hast du zugenommen?“

ich: „Nein, eigentlich nicht. Dafür trinke ich auch zuviel Kaffee, der Durchfall macht.“

dann war ich pikiert über soviel Oberflächlichkeit und verschloss mich für den Rest des Beisammensitzens.

Da bin ich vorbelastet durch die Jahre im Dorf, wo es stets gegenüber Mitmenschen hieß: „Du hast aber zugelegt, jetzt wo du ne Frau hast, harhar“ oder „Du bist ja dörr geworden, siehst ja aus wie aussem KZ !“ und es dazwischen nichts gab. Über die Jahre konnte ich bzgl. mancher Gesprächspartner regelrecht zusehen, wie sich das „Na, Jungchen, nimm mal nochn Teller, du brauchstes doch!“ in ein „Na, dir schmeckts ja auch, zwickts nich schon am Gürtel ? Bald biste so fett wie ich !“ verwandelte.

Die Fülligkeit von Leuten wurde als Direktindiz für ihren seelischen und sozialen Zustand behandelt. Als ob es keine andere Möglichkeit gäbe, jemanden nach Neuem aus seinem Leben oder seinem Gemütszustand zu befragen.

Ich meine, ja, da gibt es schon ein paar Zusammenhänge, aber das kann man sich doch denken und darauf aufbauend fragen: „Bist du zur Zeit viel am Arbeiten ?“ oder „Kommt ihr grad nicht viel raus?“ oder sowas.. Im Extremfall vielleicht auch: „Du wirkst erschöpft, wollen wir mal in Ruhe reden?“

– oder in meinem beschriebenen Fall auch konkreter fragen: „Dein Kleid ist so leger, hast du was am Bauch zu verbergen?“ – dann hätte ich gesagt: „Ja stimmt, das ist nicht tailliert, man sollte es mit Gürtel tragen, leider besitze ich keinen, der mir gefällt.“

Zurück zum Dezember: ein weiteres Vorhaben ist der Kauf eines Stoffgürtels. Nicht, um taillierter zu wirken, sondern um top organisiert und erreichbar und flott zu wirken, denn daran würde ich die niedliche Tasche hängen, in die genau ein Schlüsselbund und ein Mobiltelefon passen. Und ein Schoki-Riegel 😉

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