Fickpieschen und die Vorurteile

„Hier ist neulich mein Bekannter hingezogen, ans Rathaus Fickpieschen.“, hatte der Freund gesagt. „Und jetzt fickt er den ganzen Tag ?“, fragte meine arglose Laune. „Hahaha, genau !“, sagte mein Gegenüber.

Den Spruch mit Fickpieschen kannte ich schon ein oder zwei Jahre, den Freund schon sieben Jahre. Es war also nicht von ungefähr, dass ich so arglos und unreflektiert reagiert hatte.

„Aber“, so hatte ich beim Schauen auf die Pieschener Straßen überlegt, „stimmt dieses Klischee eigentlich noch, dass die Einwohner von Pieschen so gelangweilt wären, dass ihnen nur die ‚Freuden des kleinen Mannes‘  blieben ?“ – dass nur Sex, Schnaps und Schlager für den Pieschener erschwinglich wären ?

Ich konnte es mir nicht vorstellen. Eigentlich sahen die Häuser sehr bürgerlich und mittelschichtig aus, auf den Gehwegen befanden sich nicht übermäßig viele Kinder.

Die ortskundige Bekannte hatte am Vortag gesagt, dass die Gentrifizierung viele Neustadt*bewohner in Richtung Pieschen verdrängt hätte. Auch das passt nicht ins Bild des „kleinen Mannes, der in Pieschen all day long fickt“, denn der Neustadtflüchter an sich hat zwar auch zu wenig Geld, interessiert sich aber für Punk statt Schlager oder für vegane Soljanka statt Schnaps. Die Weltbevölkerung um fünf oder zwölf Leute zu erhöhen, liegt nicht in seinem Sinne.

Deshalb, so wurde mir schmerzlich bewusst, hatte ich wohl ob eines überkommenen Vorurteils gescherzt und gelacht. Und das ist ja eigentlich etwas, was ich vermeidenswert finde. Aber eben nur eigentlich.

*: gemeint ist Dresden-Neustadt, das ist gleich neben Pieschen.

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  1. witzig; meine bekannte arbeitet in „fickpieschen“, von ihr hört ich auch erstmals die schöne spezifizierung eines stadtteils, der sich mehrere von schlage meiner freundin leistet muß, solche mit dienstfahrad, funktionsunterwäsche und gooretexjacken welche sich oft und gern auf bauwagenplätzen herumtreiben und der jugend beim biertrinken und ficken zusehen. oh gott die wohnt jetzt auch dort…..ach du scheiße.

    • Eduard
    • 10. Juli 2013

    Der Begriff Fick-Pieschen war schon von altersher bekannt und mag vielleicht die Neu-Dresdner überraschen. Seinen Ursprung hat es vielleicht durch das Obdachlosenasyl Altpieschen 9, wo kinderreiche, asoziale Familien untergebracht waren.

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