den Drehort irgendwie wiedererkennen

Jüngst sah ich einen Film, zu dem ich im Vorfeld nur heftig positive Rezensionen gelesen und gesehen hatte.  Es war immer die Rede davon, dass der Handlungsort irgendeine „ostdeutsche Kleinstadt“ sei.

Ein Beispiel für so einen Filmtipp kann man beim MDR sehen.

Bzgl. nationalistischer Tätowierungen und Jugendschlägereien war ich durch die konsumierten Filmtipps vorgewarnt. Sogar mit dem fast vollen Kinosaal hatte ich gerechnet, steht doch die Neonazi-Szene zur Zeit wieder im besonderen Interesse der Bürgerlichen.

Womit ich aber nicht rechnete, waren die Autokennzeichen, die im Film vorkommen. Angesichts der Brisanz des Spielfilminhaltes wäre es m.E. klug gewesen, Fantasiekennzeichen zu verwenden, um keinen Landkreis zu stigmatisieren.

Aber nein : unter den Motorhauben mit den nationalen Aufklebern befanden sich BTF-Kennzeichen.  Und einmal auch ABI, das Kürzel von nach der Kreisgebietsreform.

Ab diesem Erkenntnismoment achtete ich besonders auf die Schauplätze – und siehe da: die vertrauten hellblauen Bushaltestellen. Die Plattenbauten von Wolfen-Nord. Die Sowjetkasernen: vielleicht die zwischen Dessau und Oranienburg.

Ich war leicht geschockt, wobei es sich besonders gut geschockt sein lässt, wenn man von Rechtsrock beschallt Leinwandblut sieht – und zischelte zu meinem Begleiter: „Na, des hädden die ja ooch anners machen könn’n !“ (der Leinwanddialekt hatte auch den meinigen wiederbelebt.) Aber der Begleiter nuschelte nur: „hm, hm…“

Am nächsten Morgen war ich noch immer aufgekratzt und konnte mich nicht auf den Kostenfinanzierungsplan konzentrieren. Ich trug daher meinem Chef den Umstand vor und der meinte, weil er ein großer Kulturoptimist ist, dass das doch auch ein positives Zeichen für die Region sein könne.

Und so sehen das anscheinend auch die lokalen Medien:

die Gegend zur Verfügung zu stellen zeuge von Zivilcourage und man müsse keine Angst haben, nun als Rechtsextremenhochburg wahrgenommen zu werden.

Der braune Pullover ist doch kein Zufall ?!

Quellen:

http://www.wochenspiegel-web.de/wisl_s-cms/_wochenspiegel/7359/Bitterfeld_Wolfen/23871/_Kriegerin__kommt_ins_Kino.html

http://www.rbwonline.de/kultur.php?id=40196

http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1321007897849

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  1. Ich neige ja zu vehementen Widerspruch bei braunen Gesülze (so auch bei einigen meiner Dorfmitbewohner – womit man sich auch mal unbeliebt macht). Allerdings bei diesen gewaltbereiten, frustrierten Jugendlichen wie im Film ist jede Diskussion zwecklos, leider. Da hilft nur ein komplettes Umkrempeln der Gesellschaft, denn die Kids sind ja nur die Verlierer dieses Systems und ihre Gefühle etc nachvollziehbar.

    • Ich halte Prävention durch Bildung und Kultur für hilfreich.
      Und, na gut, davon gab es im LK Bitterfeld nicht so viel.
      Jugendbespaßung kam dann entweder von den Punkern, den Metallern oder den sektenartigen Evangelen. Wenn ich das mal so grobkörnig sagen darf.
      (natürlich darf ich, es ist ja mein Blog, hähä)

  2. Ich finde beide Aspekte wichtig. Bildung und Perspektive. In der Stadt vor zwei Stunden 4 solcher Quallen mit schwarz-weiß-rot Aufnähern gesehen, vielleicht der hießige NPD Ortsverband, oder schlimmer noch Stadtteilverband. Bei DENEN währe jedes Wort zu viel. Schon Ü 20, Ü 30…

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