Warum man besser Kopfhörer dabei hat

Dafür hatte ich zwar schon mal eine ausführliche Beispielerklärung, die das Fokussieren durch Musikhören pries –
aber hier noch zwei weitere Situationen, in denen sich die Mitnahme eines Musikabspielgerätes als praktisch erwies.


Ich saß am frühen Abend im Bus und der war sehr voll, weil der Bus Studenten abtransportiert, aber eben auch meine Strecke abfährt, als ich vom Familienschmaus kam. Das Kind schlief vorm Bauch, das andere in der väterlichen Wohnung und mein Hirn war auf Standby. Ich sehnte mich nach Ruhe und fummelte die Kopfhörer rein. Ich höre zu Hause im Bett auf Lautstärke 1 (von 30), in der Tram auf Stufe 10-15 und das reicht eigentlich aus. Ich achte auch immer penibel darauf, nicht so laut zu drehen, dass Musik für Mitmenschen mitzuhören wäre.
Aber an diesem Tag reichte Stufe 15 nicht aus und Stufe 16 auch nicht, denn Mensa-Man stand im Gang und erzählte einigen jungen Männern von den interkulturellen Problemen bei der Anbahnung eines Dates mit einer Türkin. Er machte das recht sachlich-kompetent und es wäre vielleicht ganz unterhaltsam gewesen, wenn man denn in dem Moment unterhalten werden gewollt hätte.
Da ich aber das Gefühl hatte, kein Neues mehr erfahren zu wollen, drehte ich lieber die altbekannten Lieder (derer ich 460 im mp3-Spieler habe, die mir langsam zum Halse raushängen) noch lauter, bis ich an einem Punkt war, wo noch lauter schmerzhaft geworden wäre, Mensa-Man aber immer noch zu hören war.


Das war ein bisschen ärgerlich. Eine schönere mp3-Spieler-Episode hatte ich diese Woche, als ich mich in einem Anflug von Nostalgie und Paarungsbereitschaft neben einen 17-jährigen drängelte und diesem unverhohlen aufs Display und auf den Runenring starrte. Ja, das hört sich seltsam an und das war es auch !
Es war in einer der neuen Variobahnen, wo bekanntlich stets Sitzplatzmangel ist und der Azubi (erkennbar an der Arbeitskleidung) sowie eine Dame mittleren Alters saßen zunächst so, dass der mittige Platz halb blockiert war. Und hier nahm ich all meinen Mut zusammen, um gestisch um Freimachung zu bitten, mich dann eben dazwischen zu quetschen.
Dadurch hat der Mut dann nicht mehr gereicht um z.B. zu fragen: „Du, sag mal, was steht da auf deinem Ring, zeig doch mal !“ oder auch:“ Lese ich da Sargeist auf deinem Musikgerät ? Die sind doch gar nicht odinistisch ?!“ Oder gar: „Wohnst du noch bei deinen Eltern ? Was sagen die zu deinem Viking-Nerdismus ?“ (na, das hätte man besser formulieren müssen!)
Diese und noch mehr Optionen durchspielend war ich sehr aufgeregt und hatte meine Kopfhörer abgenommen, um voll und ganz meine Jugenderinnerungen auszukosten, indem ich dem zu laut gestellten Metal-mit-Akustikpassagen des Nebensitzers lauschte.


Ach, diese Individualisierungsmöglichkeiten durch moderne, kleine Abspielgeräte und Kopfhörer, toll !

Advertisements
    • blitzmerkerin
    • 29. Januar 2012

    Kopfhörer. Ein wichtiges Symbol unserer Generation. Hinhörmonumente 🙂

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: