Onanieautomat 2 (ohne Reime)

Von den schwachen und den starken
Orgasmen umgeworfen verstummt
er kurzzeitig

Durch die Moderne sind die Fantasmen
ihm verhagelt, von Datensammlung ersetzt
zur Masse geworden

Die Daten wirft er der Leere hinter sich
in den Rachen damit sie kurz schnurrt
und mehr will

Hinter den Trieben verschwindet die Mitwelt
und bei den Trieben erscheint eine Schwere,
ein Massendefekt

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    • Arnold Bathurst
    • 18. März 2012

    Ich wollte zu diesem Gedicht immer was schreiben, aber ich verstand es, muss ich mir eingestehen, einfach nicht und verstehe es noch immer nicht. So wäre auch eine Kritik oder eine Anregung sicher blöde, wenn ich nichts schnalle. Aber vielleicht bist du trotzdem scharf drauf, darum hier:
    Ich halte das eigentlich gar nicht für ein Gedicht, weil es zu sehr gedanklich und essayistisch ist. Es wird, möchte ich sagen, nichts dargestellt. Es nichts Artifizelles in ihm, nichts Artistisches. Etwas, das ich übrigens an deinen Gedichten oft beobachte. Was ich irgendwie schade finde. Du meintest ja mal, dass deine lyrischen Schriften eher memoristischen Charakter haben und haben sollen, aber das haben meine, die ich eigentlich für darstellend und aritifiziell und damit auch irgendwie für allgemein halte, auch. Darüberhinaus wirken Reime, wenn sie sich nicht in darstellenden Gedichten befinden, irgendwie fehl am Platz. Ist ungefähr so als unterhielt man sich übers Wetter in Hexametern.
    Na ja, weißt du wie ich meine oder war das ein Schuss in den Ofen von mir?

    • Akzeptiert, aber die Geschmäcker sind eben unterschiedlich.
      Mir ist, als ob ich auch eine metrisch-gereimte Wolkenbeschreibung gegebenenfalls nicht übel fände 🙂
      Aber ja, vielleicht ist diese Automatensache schon wieder zu kryptisch für nicht-Ich-seiende.
      Ich denke mir aber oft: personenbezogene Texte machen es Lesern leichter sich in Personen reinzuversetzen und oft ähneln sich ja Schicksale und Ansichten und durch das Kryptische bleibt es ein Rest für Fantasie übrig, also irgendwie so.

      Weiters fällt mir der angebliche Unterschied Männerhirn-Frauenhirn dazu sein:
      die Weibchen interessieren sich angeblich eher für Einzelschicksale, die Männchen eher fürs Globale.
      Außerdem hab ich die Automatenverse im VHS-Kurs notiert, also in Gesellschaft, ohne kreative Athmosphäre, darauf könnte ich den Mangel an ARS schieben 😛

        • Arnold Bathurst
        • 18. März 2012

        Kreative Atmosphäre? Brauchst du so was eigentlich? Ich habe mein größtes Gedicht verzweifelt auf dem Bahnhofsklo im Hbf Berlin geschrieben: Umkehrung. Du müsstest es kennen.

        • ich komme jedenfalls besser „rein“, wenn ich mich nicht beobachtet fühlen muss – und das sollte ja in so einer Klokabine der Fall sein.

        • FrauWunder
        • 18. März 2012

        hm,prinzipiell sehe ich es wie beuys; jeder mensch ist ein künstler. aber ( meine meinung) nicht alles was aus dem sich entäußern entsteht, ist auch kunst oder gute kunst, hochkultur, weltliteratur, der ganze feuilletonistische kram halt….
        kunst ist immer mehr als ein abbild der umgebung, mehr als ein beschreiben von fakten und mehr als ein erklären von gefühlen. in allem aber was kunst ist steckt immer die perönliche ebene… die ist schon ganz grundsätzlich notwendig, auch in erster linie für das entstehen von „entäußerungen“ vernatwortlich. es sollte schon etwas aus einem herausdrängen, dass noch in form gebracht werden muss, vom künstler selbstredend……er besitzt das talent und die kreativität das persönlichste, besondere auf seine ganz bestimmte art neben sich zu stellen, sichtbar zu machen für sich und für andere. zieht man dann das persönlichste wieder ab und es behält trotzdem seine gültigkeit für all die leser, betrachter, zuhörer und einlasser, dann spricht man vll von weltkunst oder großer kunst, wie auch immer.

        wenn ein mensch es schafft sein innerstes der allgemeinheit so zum fraße vorzuwerfen, dass sie gar nicht anders können als immer weiter zu fressen und zu fressen, weil es ihnenn so bakannt und doch so neu vorkommt, dann hat es dieser jemand geschafft. dann hat er sich in den künstlerischen gourmethimmel eingeschrieben…

        ja, es ist wie beim kochen, ich nehme alt bekannte zutaten und variere und probiere solange dran herum bis etwas anders entsteht das neu und einzigartig ist, aber doch an alte geschmäcker erinnert….

          • FrauWunder
          • 18. März 2012

          zum formalen; gedicht? was ist ein gedicht, ursprüngliche bedeutung; alles schriftlich abgefasste. was ist lyrik? versmaß, strophen, rhytmik, reime?
          ich bin für ein durchbrechen von strukturen und gesetzmäßigkeiten. dies taten auch schon der jandl, schwitters, schönberg, stockhausen undsoweiter. wenn man rückwärts geht eigentlich alle.

            • Arnold Bathurst
            • 18. März 2012

            Aber das Durchbrechen der Formen kann auch zum Selbstläufer werden. Irgendetwas in der großen Kunst bleibt vielleicht immer klassisch.

              • FrauWunder
              • 18. März 2012

              natürlich gibt es das immer gleiche in der kunst. es ist dieser besondere blick auf die dinge da draußen die alle umgeben und die von allen wahrgenommen werden können. aber nur ein künstler vermag sie sich so einzuverleiben und zu übersetzen das sie gleichzeitig in einer ganz persönlichen aber auch wieder universellen sprache daherkommen.
              kunst, die beim menschen ankommt, offenbart diesen immer etwas über sie selber, obwohl sie natürlich in keinster weise damit gemeint waren, spricht es sie an. so wie jerder verliebte glaubt, dass alle libeslieder nur für ihn geschrieben sind, so nehmen menschen kunst wahr( denk ich mal, ich jedenfalls). und je größer die masse der sich selber wiederfinder in dem künstlerischen „produkt“ desto „bedeutender“ die kunst……vielleicht kann man es so sehen? an irgendwas muß man es ja festmachen.

                • FrauWunder
                • 18. März 2012

                kunst ist eine haltung und keine technik(.)

  1. ein logischer Kurzessay, Frau W.,
    Respekt !

      • FrauWunder
      • 18. März 2012

      kann ich durch die überschaubare anzahl von buchstaben und satzzeichen hindurch die ironie winken sehen?

      • nein. Da ist keine Ironie, ich fand deine Ausführung schlüssig !

    • FrauWunder
    • 18. März 2012

    warum fällt mir zum thema selber bloß gar nichts ein? scheint ja hier ein echter dauerbrenner zu sein. vll sollt ich mal eine weiterbildung besuchen „heimwerken für anfängerinnen“ , „auch das kann ich allein“ oder „hilf dir selbst, dann hilft dir gott“

    • Hihi,
      putzige Idee, ich glaub es gibt sogar solche Seminare – von so Feministinnennetzwerken die drollige Namen wie „rote Flussfeder“ tragen. Der echte Name ist mir grad entfallen.

      Die Automatentexte sollen aber auch warnen: Masse ist nicht Klasse, ohne Fantasie keine erfolgreiche Onanie. Obwohl, das kann man auch nicht so pauschal sagen. Also, wie immer: im Mittelweg liegt das Glück. Aber wenn man einmal den Weg übertreten hat, ist man leicht gestört und hat so Rückfälle.

        • FrauWunder
        • 18. März 2012

        ich glaub, ich weiß das gedicht ganz gut einzuordnen…kontextbezogen
        😉

  2. Sind die Formen die „Technik“ ?
    So wie meinetwegen Blanchieren können allein noch kein aufregendes Gemüsegericht macht, aber keinen Herd haben einen auf Rohkost limitiert ?

      • FrauWunder
      • 18. März 2012

      ja schon. das gemüsebild passt ganz gut.

      obwohl ich natürlich auch sagen muss, das zerkochtes gemüse absolut scheiße schmeckt, ebenso wie versalzene kartoffeln und angebranntes fleisch. schwierig, ein bissel handwerk (technik, formalien – quark) gehört halt doch dazu. auch wenn ich das als intuitionsfanatikerin immer mal gern verdränge.
      schon wieder ein mittelweg….wie langweilig.

    • Arnold Bathurst
    • 18. März 2012

    Aber um Geld geht es auch viel. Ich fand das so sympathisch von Georg Baselitz, als er sich eingestand, dass er eine große Retroperspektive des Geldes wegen macht.

    • Natürlich, der Maler (den ich anderweitig erwähnte) malt z.B. Hunde von reichen Leuten fürs Geld und abstrakt-vergeistigtere Dinger für den Lebenslauf und das eigene Gewissen.

      • FrauWunder
      • 18. März 2012

      hatte ich vorhin auch kurz in betracht gezogen, den gedanken; das kunst ist, was teuer ist.“ für die bildende kunst das ausschlagkriterium schlechthin. leider. und es ist nur stringent auch als künstler nicht nur eine sondern beide hände aufzuhalten.

      aber bevor jemand durch millionenbeträge zum ritter des kunsthypes geadelt wurde, muss ja irgendwer schon mal irgednwas über das gewöhnliche hinausgehende an diesem künstler erkannt haben. also es müssten da schon mehrere zu dieser erkentniss gelangt sein.
      und damit wären wir wieder beim ursprünglichen statemante, meinerseits…kunst beTrifft

    • Arnold Bathurst
    • 18. März 2012

    Irgendwie passend. Ich machte mal einen Vers, den ich betitelte: Aus der Jugend Ezra Pounds. Ist schon ganz schön alt, aber ich will ihn hier bringen:

    Bevor er alles in die Flammen schmeißt,
    schreibt er täglich ein Sonett
    und zeigt damit was Formaufreisen heißt:
    Nur wem das Alte tief im Schädel beißt,
    der wirft es aus den Tiefen weg.

    • Vers gefällt – auch wenn ich den Ezra nur als Namen kenne und nicht weiter einordnen kann.

    • Arnold Bathurst
    • 18. März 2012

    Ich habe es jetzt tausendmal versucht, noch ein Kommentar dranzuhängen. Jetzt ist es der letzte Versuch.

    with usura hath no man a painted paradise on his church wall (Ezra Pound)

    • Wie optimismusversprühend:
      manchmal zahlt sich der 1000. Versuch aus !

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