Studentensmalltalk (mit Zweifeln)

Frau Huhn sagt, dass doch jede/r zwischendurch mal an seinem/ihrem Studium zweifelte. Sie zum Beispiel fragte sich oft, ob sie denn wirklich Musik hatte studieren müssen, denn die hätte sie ja auch unstudiert nebenbei machen können.
Zudem wären die universitären Proberäume ohne Fenster und man müsse in der stickigen Luft der vorherigen Nutzer rummusizieren, das ginge ja gar nicht. (Ach, Frau Huhn, du sagtest auch mal, dröger Filterkaffee ginge gaaar nicht, dein Magen rebelliere da. Wer haben jetzt ein Espressomaschinchen.)
Ich erzähle, wie mir in einem fensterlosen Archivmagazin das Wachbleiben schwer fiel, weil ich dort tagelang Fischereikonzessionen von 1800-nochwas sortierte. Dass es solche und solche Archivstudenten gibt, manche seien so langweilig, dass es nicht Wunder nähme, dass sie mit 30 noch Jungfrauen sind, andere hätten mächtige Arme vom Rudern bekommen.
Diese Aussage tut mir im Nachhinein leid, denn sie ist ganz schön gehässig. Was spannend und was langweilig ist, ist doch nicht objektiv festgelegt.

Vielleicht kann ich dem rumhaltigen Cocktail die Schuld geben, vielleicht war ich nur heftig an sozialem Anschluss interessiert, jedenfalls faselte ich ziemlich viel unqualifiziertes Zeug. Aber das gehört dazu, wenn man aus der „lieber gar nichts sagen“-Nummer raus will, nicht wahr ?

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    • frauWunder
    • 1. April 2012

    existentielle frage: sollte ich an mir zweifeln, da ich mit dem zweifel nichts anzufangen weiß?

    es tut mir furchtbar leid ( vor wem rechtfertige ich mich hier eigentlich) aber es ist mir so fremd, dieses zweifeln und dieses sich selbst in frage stellen.
    überall wird betont, das wahres echtes leben aus zweifeln besteht. wer nicht zweifelt ist kein mensch der lebt, sondern einer der vegetiert.

    nur macht leider gerade der zweifelnde mensch auf mich oft den eindruck eines vegeTier- ers, vll auch noch dahinn vegetierers.

    es ist doch nicht zweckmäßig, für mich und mein seelenheil, wenn ich jede getroffene entscheidung im nachhinein anzweifle.

    oder wenn ich nicht fähig bin überhaut entscheidungen zu treffen, weil ich immer nach „der einzig wahren“ „der optimalen“ „der allumfassenden lösung“ suche.

    liegt es daran, dass ich blond, blauäugig, naiv und unverwüstlich bin, dass es mir nie in den sinn kommt mein handeln in frage zu stellen? nein ich bin nicht größenwahnsinnig, ich weiß, dass ich fehlerhaft bin, das ist alles einkalkuliert, in meine kosten – nutzen- rechnungen. ABER, es stört mich nicht, dass fehler vorkommen können.
    bei offensichtlichen „fehlenstcheidungen“ betrachte ich das immer wie beim roulett auf die falsche gesetzt und verloren. abgehakt, verlust ich kann es nicht ändern aber das nächste mal richtig tippen. gibt es überhaupt fehlentscheidungen oder nur entscheidungen? es gibt doch gar kein richtig oder falsch, nur möglichkeiten……

    warum hadere ich nicht? geht es mir auch objektiv zu gut? es wird viel gehadert in meinem umfeld, da werden bildungsabschlüsse, lebensmodelle, partnerwahlen, kaufentscheidungen….alles mögliche in frage gestellt. und diesen haderern ist es immer suspekt wenn man laut betont „alles richtig gemacht, bis hierher“ denn sie befinden sich in guter gesellschaft, die haderer, all die traurig melancholischen helden des kunstraumes waren verZweifelte sinn sucher…..

    ich bin einfach zu platt für diese welt und nicht mal das lässt mich verzweifeln…..ein vollkommen hoffnungsvoller fall.
    -amen-

    vll sollt ich mal auf pilgertour gehen; von einer die auszog das zweifeln zu lernen.

  1. Ich gebe dir vollkommen Recht in:
    „es ist doch nicht zweckmäßig, für mich und mein seelenheil, wenn ich jede getroffene entscheidung im nachhinein anzweifle.

    oder wenn ich nicht fähig bin überhaut entscheidungen zu treffen, weil ich immer nach “der einzig wahren” “der optimalen” “der allumfassenden lösung” suche.

    – denn das ständige Zweifeln und Perfektionierenwollen gipfelt im „lieber gar nichts sagen“ und ist ziemlich pathologisch. Aber ich komme ein wenig daraus, wie man liest.
    ————————————-
    – übertriebenes Zweifeln kann sicherlich zum Vegetieren führen, aber gerade Tiere zweifeln ja nicht so oft, machen angeblich viel instinktiv..
    ——————————-
    – wissen, dass jeder Fehler macht und das akzeptieren klingt doch ganz vernünftig und gesund. Das muss dir wahrscheinlich nicht leidtun oder Rechtfertigungen abverlangen.
    ————–
    Anscheinend ein flott geschriebenes Buch zu der Entscheidungsproblematik, habe gestern einen Auszug gelesen, der mich überzeugt hat:
    http://www.fischerverlage.de/buch/ich_weiss_nicht_was_ich_wollen_soll/9783100383037

    • FrauWunder
    • 1. April 2012

    was hat dich denn überzeugt?

  2. Das gefühl sonst nicht gelebt zu haben sondern nur gewartet !

  3. Was ich manchmal für unqualifiziertes Zeug rede, da war Deine Unterhaltung dagegen nur ein unbefangener Small Talk 🙂 Archivarbeit? Stellt sich irgendwie jeder „spannend“ vor. Hab ich auch mal gemacht. Beim Umweltamt / Wasserbehörde 🙂

    • da warst du dann sicherlich eher in der Registratur, die die Dokumente nach Ablauf einer festgesetzen Zeit an das zuständige Archiv (Kreis~, Landes~ oder Staatsarchiv) weitergibt, die dann wiederum sieben, was davon aufbewahrungswürdig ist, optimaliter 2% des Bestandes.
      (oh, ein bisschen was erinnere ich doch noch, toll)

      • Na ja nicht ganz… Habe Daten kartiert und diese nach Zeitkriterien in einer Excel Tabelle + CMS Datenbank festgehalten. Haufenweise Aktenordner wälzen und digitalisieren… Damals schaffte ich noch ca 250 Anschläge/min 🙂

        • Ah, okay, naja, dann ist es ja eher Aufbereitung gewesen. Und wurden die analogen Daten dann trotzdem noch genutzt oder war die Digitalisierung quasi um die Originale zu schützen ?

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