Morgen: Bombe

Fliegerbombe. Auf einem Privatgrundstück entdeckt. Lässt sich nicht wegschleppen. Muss vor Ort entschärft werden. Die Stadtverwaltung informiert die Medien am Mittwochabend. Ich lese in der Donnerstagmorgen-Zeitung davon. Stelle entsetzt fest, im Sperrgebiet zu wohnen. Soll dieses bis 07:30 Uhr verlassen haben. Kriege ein bisschen Lust im öffentlichen Aufenthaltsraum abzuhängen. Frage mich, ob vor um 8 überhaupt jemand in der Kita ist. Wie komme ich von der Kita wieder zur Innenstadt oder Oberschule, wo Rentnerinnen und Arbeitslose sich aufhalten sollen ? Falle aus dem Muster der kurzen Sätze und will jetzt richtig lange Sätze machen, damit man auch die zeitweise Überforderung mit diesem Luxusproblem bemerkt, denn es ist ja ein Luxusproblem, natürlich bin ich froh, keinen aktiven Krieg vor der Haustür zu haben.

Nach einigem Rumgrübeln, ob vielleicht noch ein Bus fährt, wenn schon keine Trams mehr, weil mir auch eingefallen ist, dass ich vormittags einen Innenstadttermin habe, entschließe ich mich, den Bombenfund als glückliche Fügung für meine Kondition zu sehen und beschließe, mit dem Rad hintenrum über Felder und Dörfer in die Stadt zu fahren. Irgendwie kriege ich das Kind auch  mit, auch ohne Fahrradsitz , im Schieben. Wenn ich das Kind um 07:45 Uhr abgebe, muss ich es eigentlich bis 15:45 abgeholt haben, was theoretisch nicht drin ist, weil bis 16 Uhr niemand ins Sperrgebiet soll. Obwohl, ich könnte wieder über die Felder.. die Sache mit dem Rad den ganzen Tag dabeihaben wird mir langsam kompliziert. Immerhin muss ich dann den schweren Rucksack nicht schleppen, weil ich einen Fahrradkorb habe, denn ich werde meine Aufzeichnungen der letzten 15 Jahre mitnehmen, um sie zu schützen, falls das Haus einkracht. Kommt so etwa bei  jeder zwanzigsten Entschärfung vor. Ich habe meine immateriellen Werte dann aufm USB-Stick und im Rucksack dabei.

Hier kann jeder und jede mal überdenken, wie er/sie seine immateriellen Güter geschützt hat. Kriegt ihr eure Fotos und Tagebücher bei zum Beispiel einem Hausbrand schnell rausgetragen ?

 

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    • Aber nein, ich wurde von mecklenburgischer Pünktlichkeit und Untertänlichkeit gegenüber Behörden zunächst genervt, das Haus am besten schon um 7 Uhr zu verlassen. Konnte auf 7.10 Uhr verhandeln. Dann habe ich das Kind in der Kita platziert, wo immerhin schon 6 von 70 Kindern (oder so ähnlich) saßen. Eines davon erklärte mir, es sei in der Nacht schon in der Kita gewesen.
      Daraufhin graute mir vor der Winterzeit und der Dunkelheit. Brrr. Wieder nach Hause gekommen drehte ich zur Feier des Tages gleich das erste Mal in dieser Saison die Heizung auf. Die Freude am intakten Luxusheim zelebrieren !

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