Archive for the ‘ Informationen & Debatten ’ Category

Carol, die Post !

Antike, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Moderne, Postmoderne. Und dann, hä ?
Dieser Postbegriff ist mir zu apokalyptisch. Nach uns ein neues dunkles Zeitalter, oder was ?
Post Black Metal und Postpornografie sind feine Dinge und auch nachvollziehbare Begriffe, aber Postmoderne.. das schreit ja gerade zu danach, dass die später Lebenden sagen werden: wir machen eine ganz neue Einteilung, weil die Apokalypse doch nicht kam.
Oh, ich höre den Aufschrei der Geisteswissenschaftler: deine Dialektik ist grober Unfug ! So kann man das nicht denken, geschweige denn schreiben ! Schweig, törichtes Weib !

Aber, ätsch, ich schreie zurück:
Hört, was die Sozialpädagogen sagen:
„Bildung ist LASS:
Lustvoll, aktiv, sinnlich, sozial“

Und nun überprüft doch mal, ob eure Vorschulbildung so war, bevor ihr verkündet, Hegelianer zu sein !
Bildung ist nämlich auch loslassen. Fliehende Stürme und so.

Zwei Sätze frei assoziert. Nicht vorher gedacht. Schon wieder. Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass nichtlineare Texte verständlicher würden als lineare. Kraft meiner Archivarsbildung wäre mir das Entschwinden jeglicher Ordnungsinstanzen auch ein Graus. Vielmehr könnte doch versucht werden, anarchische/hippieske/what ever-Elemente mittels linearer Strukturen ins bürgerliche Denken hineinzupflanzen. So wie der Hitler mit der Demokratie So wie die Dota, die mittels Niedlichkeit und melodischer Kriegsführung Konsumverzicht und Selbstverantwortlichkeit in die Hirne auch rebellionsverweigernder Spießerkinder haucht.

Heute morgen fragte ich meinen Philosophieberater, welche Richtung ich eigentlich vertreten habe in unseren Diskussionen. Immerhin acht Jahre sind wir nun schon gute Freunde und heiße Feinde, da würde eine Kenntnis vorhanden sein. „Höflich ausgedrückt bist du eklektizistisch.“, grinste der Fachmann. „Außerdem finde ich gut, dass du das materialistische Denken überwunden hast und auch nicht teleologisch argumentierst.“ Aha, sagte ich, nun immerhin ein paar Eckdaten wissend.

Während Subjekte wichtig bleiben, gilt es, den Dingen Stimmen zu geben. Mir jedenfalls. Und ich lebe in einer Wohnung mit tausenden Papierseiten voller subjektloser Texte, ich weiß, wohin das führt, wenn mensch Heiner-Müller-Fanat ist. In einem dieser Texte meines Mitbewohners handeln Farben. Es gibt, glaube ich, auch ein Theaterstück, darin physikalische Erscheinungen miteinander in Beziehung treten. Die Idee, sage ich meistens, obwohl eigentlich gar kein Feedback gewünscht ist, ist gut und schön, aber was nützt sie, wenn nur eine Handvoll Kenner sie kapieren und interessiert sind ?
Nein, tut mir leid, ich finde eher, man müsste die Menschen mit ihren eigenen Waffen schlagen. Und die Physik auch. Mensch zerstört Physik durch selbsterzeugte Entropie, das wär was.

Bis dahin aber heißt es:
– Karl, die Brieftaube ist da !
– Frau Panther, öffnen Sie die Post !

einer der Potsdamer Streitfälle: Garnisonkirche

Link zum vollen Artikel

Herr Professor Huber bemüht sich nach Kräften dem Nachbau der Garnisonkirche ein Image der Versöhnung und des Widerstandes anzudichten. Zugleich vernebelt der Bischof a.D., ebenso wie die Stiftung für den Wiederaufbau, jegliche Klarheit über Finanzierung und Machbarkeit des umstrittenen Projektes.

Die Bürgerinitiative nimmt den Vortrag Herrn Professor Hubers am Donnerstag (siehe separate Einladung der BI dazu) zum Anlass, von ihm mehr Transparenz und eindeutige Positionen zu fordern.

Der hier veröffentlichte Brief wird Herrn Professor Huber persönlich übergeben, zugleich wird er bundesweit den Medien zur Verfügung gestellt.

Wir fordern dazu auf diesen Brief zu unterschreiben. Unterstützen Sie unsere Forderung nach Offenheit und Transparenz im Umgang mit öffentlichem Geld und gemeinschaftlichem Gut. Schreiben Sie uns unter aktion@ohne-garnisonkirche.de ihren Namen und, wenn möglich, Ihren Beruf und Ihren Heimatort. Wir fügen die Unterschriften dem Brief fortlaufend hinzu.

Wie ein Sonnenstrahl für uns alle

Die halbe Welt verfällt in Trauer, denn es ist ein Trauertag heute, so heißt es über den Karfreitag. Mich aber stimmt so schnell nichts mehr traurig, denn ich habe einen Textblock entdeckt, der in solchem Maße herzallerliebst ist, dass nichts Negatives dagegen anstürmen kann.

Es ist eine Antwort von einer Rentnerin namens Ursula auf die an sich eher schlichte Frage, welche Musikgruppen für das diesjährige Stadtwerkefest gewünscht werden.

Ursula wünscht sich Nana Mouskouri und wird dabei philanthropisch bis pathetisch: „Musik und Gesang gehen uns tiefer ins Herz als Worte. […] die jüngere Generation gibt uns Kraft und ist wie ein Sonnenstrahl für uns alle. “

Wie einfach mensch dem erfolgreichen Generationendialog eine Hand reichen kann ! Seltsam nur, dass es andersrum nicht geklappt hat, als ich nämlich den Damen im Seniorentreff mehrfach anbot, ihre Wünsche für ein musikalisches Sommerfest weiterzuleiten, hatten die auch bei mehrfacher Nachfrage keinerlei Wunsch.

Vielleicht ist man als körperlich recht fitte 65- bis 85-jährige einfach nicht mehr auf Eventhilfe angewiesen und kauft sich eh jede gewünschte Konzertkarte ?

Die Umfrageergebnisse jedenfalls sind auf Seite 74 in diesem E-Paper mit Fotos zu sehen. Anklicken und auf die Dame in der Mitte zoomen.

Und dieses Lied fiel mir auch wieder ein, wegen der Aussage von Ursula:

Prämissensuche

Frage:

„Abwechslung und Menschenkenntnis“ führen zu was ?

Was hat man davon, wenn man sich beides aneignet ?

Ich müsste das mal wissen, um meine Prämisse zu formulieren …

Buchempfehlung zum Kennenlernen der ACT

Die Acceptance und Commitment Therapie (ACT) kann niemanden vor der Welt schützen, sie kann aber verdeutlichen, dass Arm in Arm mit dem Schrecken auch Freude und Liebe möglich sind. Die Angst soll einfach aufhören, Leben einzuschränken. Obwohl man ein ängstlicher Mensch ist, kann man handeln und farbenfroh leben –
das möchte ein sehr motivierendes Buch von Kelly Wilson und Troy DuFrene dem interessierten Laien vermitteln. Es trägt den bildhaften Titel „Und wenn alles ganz furchtbar schiefgeht? / Lernen, mit Ängsten umzugehen“ und ist im Junfermann-Verlag erschienen.

Ausgehend von der These, dass zusammen mit Furcht, Angst und Panik auch Spannung, Zufriedenheit und Vergnügen verschwinden würden, wird angestrebt, Ängste nicht wegzutherapieren, sondern zu akzeptieren – schließlich will kaum jemand ein farbloses und flaches Leben führen. Vielmehr ist es ratsam, alle Aspekte des Lebens anzuerkennen und zu bejahen, also auch Furcht und Leid zuzulassen.
Weiterhin animiert das Buch den Leser, sich der Aspekte, die ihm wichtig im Leben sind (sogenannte Werte), gewahr zu werden und diese zu artikulieren. Den Weg zu diesen Selbsterkenntnissen gestalten die Autoren angenehm unesoterisch, selbst Atemtechniken und Meditationen werden weitestgehend nüchtern vorgestellt.
Wilson und DuFrene gehen bei ihren Ratschlägen und Ausführungen undogmatisch vor und plädieren für eine Betrachtung der jeweils konkreten Situation. Entsprechend wenden sie sich auch gegen starre Kategorien und Diagnosen.

Die Angst und ihre Kameraden zu akzeptieren bedeutet nicht, sie in jedwedem Fall für angebracht zu halten, aber es bedeutet zu verstehen, dass sie einen evolutionären Nutzen hatte, der jedoch in der heutigen Zeit mitunter nicht mehr gegeben ist. Es handelt sich also bei der Angst um eine Nebenwirkung elementarer menschlicher Eigenschaften wie der Abneigung gegen uneindeutige Situationen oder der Angewohnheit, in Ermangelung ‚echter‘ Probleme neue zu kreieren. Manche Furchtreaktionen sind durchaus angebracht, wie z.B. instinktives Handzurückziehen bei Berührung heißer Gegenstände – die Kunst besteht in der Unterscheidungsfähigkeit und man kann sie erlernen.
Eine solche „Flexibilität des Denkens“ umzusetzen ist eines der Ziele der ACT.

Die ACT zielt also darauf ab, eine psychische Beweglichkeit zu entwickeln, die einer körperlichen Gelenkigkeit gleicht; Gedanken über das, was sein könnte, nicht wörtlich sondern leicht zu nehmen.
Durch die Lektüre ermutigt, die eigene Angst kennenzulernen, wird man freundlicher und gelassener gegenüber sich selbst und anderen. Das Buch verleitet zudem, ein Leben voll sogenannter „Achtsamkeit“ zu führen, in welchem man langsamer agiert und mehr Kleinigkeiten beachtet.
Bei alldem werden keine einfachen Ratschläge erteilt oder Techniken eingeübt, es gibt aber durchaus „Spiele“, die Übungen zum Veranschaulichen unterbewusster Prozesse sind.
Weiterführende Literaturtipps und eine Bibliographie runden dieses gelungene und empfehlenswerte Buch ab.
(ich habe es via ‚Blogg dein Buch‘ erhalten)

Arroganz in der Volkshochschule

Volkshochschule 1

Mit euren Mäppchen geht ihr Zeichnenlernen
eure Ambitionen sollen von der Hausweile ablenken
Vom faden Leben im Büro und den Elternabenden :
Hier, glaubt ihr, ruft das kreative Abenteuer !

Malreise in die Toskana: Aquarelle von Klostern
und zu Hause, wenn ihr mutig seit, die Tochter zeichnen

Mit euren Mäppchen sinniert ihr im Laienkurs
ein Austausch über Variablen und Gleichungen
Geht eure Rechnung auf ?
Macht das Zeichnen erfüllt ?
Oder ist es mutlos beruhigend ?

Volkshochschule 2

Ich erfuhr vom *Werteverzehr* der Dinge
und die Dinge wurden Zahlwerte
In meinem Kopf entstanden Geschichten
und das Blut floss darin und spritzte

Im Nebenraum tönten Frauen wie Gebärende
und ihre Töne klangen nach Blut und Schleim
Einführung in die Meditation im Nebenraum
und der Flur war voller Toskana-Aquarelle

Einmal, in der Kirche in Brehna
war H.R.Giger neben Encausticwerken alter Damen.


*Werteverzehr = AfA = Abschreibung für Abnutzung*

Donny hat ein neues Auto und fährt etwas zu schnell

„Heinrich hat auf den Boden geschissen, und es klebt Schokolade an der Decke.“ (S.83)
– las ich, an der Haltestelle entnervt sitzend. Ein provokativer Satz, der sofort ins Buch zog – und vom realen Leben ablenkte. Es ist also ein beruhigendes Buch, das mit den Kurzgeschichten von Arne Nielsen. Nebenbei bemerkt ist es auch das Buch, das dem Egon den Tag versüßt hatte.

Nun ist „Donny hat ein neues Auto …“auch ein recht dünnes Buch, das maßvoll gelesen werden möchte, und nicht an einem Abend auf der Couch durchgaloppiert werden will. Vielmehr eignet es sich perfekt für den Rucksack und den Einsatz im urbanen Dickicht. Zwischen den Sätzen kann man dann aufschauen und abzählen, welcher der Umgebenden einen Knall hat. Nach manchen Statistiken hat ja jeder dritte Mitteleuropäer ein psychisches Problem. Bei der Lektüre  von „Donny …“ findet man nur solche Typen – und zum Teil auch „tickende Zeitbomben“, wie es so schön heißt.

Der Herr Nielsen hat, laut Kurzbiografie auf dem Einband, in diversen Berufen gearbeitet, z.B. als Friedhofswärter und Tankwart, da nimmt es nicht Wunder, dass er sich in die schrägeren Gestalten, die zwischen oder neben uns leben, einfühlen kann. Herr Nielsen ist gebürtiger Däne und manche Rezensenten sehen darin den Grund für seine lakonische Sprache, für die eher knappen saloppen Sätze.

Mir kam, ganz kurz vor der Egon-Idee, der Gedanke, dass es sich stilistisch um eine Mischung aus Helge Schneider – Krimis und Thomas Bernhardt – Erzählungen handele. Und bei dem Gedanken musste ich lächeln, während die Frau neben mir telefonisch ihrer Zwangsneurose frönte.

„Der Tag hat also wunderbar angefangen, weswegen ich auch gegenüber Heinrich geduldig und großzügig auftreten kann. “ (S.84)