Archive for the ‘ Poetisches & Abstraktes ’ Category

Notiz voller Vorurteile

Eine Notiz von neulich, wegen der kyrillischen Buchstaben als Foto.
*ja, das ist schon meine Sonntags-Ausgeh-Schrift
*Geminoid F ist das.
*nein, die Konklusion ist NICHT, dass alle Russinnen Roboterinnen wären.
gemini grün

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6 Wochen (Schnipsel! Juhu!)

(I)

lange in zahlreichen Läden rumsuchen
Für das Sahnehäubchen auf dem Dessert
für Plätzchen ist die Auswahl mittlerweile riesig
für viele Menschen beim Mittagessen
Ein feines Dessert krönt jedes Menü.

Hanf hingegen ist eine Nutzpflanze
Experten halten Bambusgarn
wie Polyester aus alten Plastikflaschen

auch Werkaufträge für Medien
erhalten weltweit großen Zulauf.
bekannte Figuren säumen die Wege
die es bunt und actionreich mögen
wie in alten Zeiten von Kaltblutpferden

(II)
Für eine anschließende süße Pause
Inneren Sie das Märchen
Familienmitglieder suchen im Kerker
von liebevoll gestalteten Figuren

es ist ratsam, sich für kurze Zeit zu trennen
dem fliegenden Elefanten
durch ein Labyrinth voller Überraschungen
gegen eine Extragebühr auf gezeichnete Figuren
in allen anderen Toiletten vorhanden sein

Was aber ist mit den Netbooks
entfallen diese Probleme
mittels eines Emulatorprogrammes
mitunter etwas mühselig

Menschen und Mythen 2

C: „Sag mir, als Mann, ob Pia Plastic die direkte Folge von Werbewahnsinn und Feenbarbies ist !“

T:“Äh.. bitte was ?! Haste dir wieder stundenlang nen Satz zurechtgelegt ?“

C:“Ich habe so überlegt, warum dieses Amateur-Erotikmodell sich selbst als Puppe bezeichnet..“

T:“Viele Frauen werden doch als Puppen angesehen, das ist doch nichts neues.“

C:“Doch schon, du verstehst nicht. Pass auf, ich zeig sie dir mal..“

T:“Ohhh…“

C.“Sie bezeichnet sich auch selbst als Silikonfee. Da schau !“

T:“Ich sehe..“

C:“Als pinke Silikonfee. Versteh doch mal!“

T:“ Also ich steh ja weder auf Silikon noch auf Pink, aber irgendwie..“

C:“Das… ist das Surreale ! Ein ganz gewiefter Verkaufstrick!“

T:“Und was ist jetzt mit Barbie?“

C:“Dasselbe: große Flügel, auf die man Blüten schießen kann, schmale Taille, alles pink und gut geschminkt.“
T:“Ich habe irgendwie Lust auf einen T***en**ck. Du hast damit angefangen, also lass uns doch..“

C:“Moooment, ich muss mich erst zu Ende aufregen. Gestern in der Tram nämlich, da hatte jemand..“

T:“Och, kommt wieder so eine Verschwörungstheorie..“

C:“.. ein Blatt vor die Werbemonitore geklebt, auf dem stand, dass Wissenschaftler bestätigen, dass Hirne, die mit Werbereizen bombardiert werden, schlechter lernen können, als solche in reizarmeren Umgebungen. “

T:“Was lernen wir denn jetzt daraus ?“

C:“Das wollte ich dich doch fragen. Mein Hirn ist schon zu sehr mit pinken Botschaften voll. Aber ich habe so eine leise Ahnung, dass…“

T:“..du nicht mehr richtig denken kannst, weil du befürchtest, aus allen Barbiefans könnten Silikonfeen werden ? “

C:“Nee, so nun auch nicht.“

 

Menschen und Mythen 1

C: „In diesem Onlineshop steht: Schuhe sind Teil einer eigenen Identität. Ich habe es dir ja vorhin schon gesagt..“

T: „.. der Mensch braucht keine mechanische Solidarität. Die Mode ist der postmoderne Identitätsgeber. Jaja.“

C: „Nee echt mal, wer braucht noch Nationen, wenn er Schuhe hat..“

T:“ Menschen brauchen Mythen, meine Liebe. Lass sie ihnen.“

Monarchiekitsch

In Potsdam muss mensch in diesem Jahr viel schmissige Musik hören, um nicht im Monarchiekitsch zu ersaufen. Ich schlage Westernkitsch zur Ablenkung vor.

Aber eigentlich begann das mit der allgegenwärtigen Monarchie schon im letzten Jahr. Da wollten wir einen Ausflug mit einer befreundeten Familie machen, so ganz peacig bürgerlich und im Grünen. Wir verabredeten uns an der Fährstation zur Pfaueninsel und waren voller naiver Vorfreude. Aber Fortuna ist selten auf der Seite der Uninformierten und informiert waren wir wahrlich nicht. Luise überraschte uns, sie hatte den Eintrittspreis geschwind verdoppelt und sich einige Kunst-und Schnick-Stelen auf die Insel stellen lassen. Oha, sagten unsere Freunde, das ist nicht in unserem Budget. Naja, sagten wir, sicher braucht das ungebildete Volk die königliche Inspiration und manchmal ist ein bisschen Dynastie- und Diplomatieklatsch ja auch ganz unterhaltsam.
Dann gingen wir in einen nahen Biergarten und ließen Luise Luise sein.

Doch das nächste Jahr fing sofort kaiserlich an:

Dann kam Ostern und wir beschäftigten uns mit Politik:

Die Monate vergingen, die Kinder kletterten auf einem riesigen Friederisiko-Schriftzug rum, diverse uninformierte Touristen ließen sich von mir beraten – „Was können wir denn jetzt hier machen, in diesem Park ? Gibt’s denn hier keine Bimmelbahn ?“, ich wollte in die Friederisiko-Ausstellung gehen, aber es kam nicht dazu, stattdessen las ich fast täglich in der Tageszeitung, was halbprominente Potsdamer täten, wären sie König. Das war mitunter unterhaltsam, aber nicht so lustig, wie manche Kinderbücher, die ich mir monarchiepausierend reinzog:

Dann kam der Sommer. Die regionalen Medien und Diskussionen hatten mich mittlerweile soweit beeinflusst, dass ich zwei Gitarrenakkorde lernte, um nicht ganz so proletarisch zu sein. Immerhin, was diese MonarchInnen alles konnten, da will die Bürgerin nicht ganz so weit hinten anstehen.

Friedrich II wurde mein großes Vorbild und ich versuchte verkrampft, eine aufgeklärte und gebildete Preußin zu werden: Trieb mich in Galerien rum und diskutierte antike Philosophien. Aber es half alles nichts. Fritzens Glanz wollte nicht auf mich herabscheinen.

Ich flüchtete in das provinzielle Umland und widmete mich Proletarischem. Sammelte Mut für eine Begegnung mit dem Monarchie-Merchandise.

Und dann war es soweit, ich ging in den Monarchiemerchandisepavillon. Unvermittelt hatte mich der Herr Bathurst reinmotiviert und ich guckte wahrscheinlich so:

In meinem Kopf lief unter anderem das ab:

Von Cyberkatzen und Liebeskatzen.

Gestern war es wieder soweit: die Eindrücke von Vortag und Vorvortag hatten mich in die Knie gezwungen und ich schob die Moralstimme in mir zugunsten gnadenlosen Stubenhockens ab.
Gezieltes Stubenhocken und Faulenzen schafft Platz für Schaffenslust an folgenden Tagen, finde ich. Jedenfalls klappt das bei mir meist.
Jedenfalls..

Stundenlang mit Kaffee und Keksen am PC gehockt und „Cthulhu saves the world“ endlich mal weitergespielt. Besonders das Characterdesign hat es mir angetan, neben der SNES-Grafik natürlich.
Hinter mir hörte ich immer wieder schauriges Getröte und Gefiepe, das „lehrreiche Buch über Musikinstrumente“ war ein Fehlkauf. Es hat nämlich so chinesische überlaute Tonmodule, die der Albtraum jeden Elternteils sind.
Aber ich hatte mir ja einen moralfreien und faulen Tag vorgenommen, also drück doch noch ein zehntes Mal die Saxophontaste, Kind! Du wirst ja sicher nicht gleich hörgeschädigt von einem Tag und wenn schon, ein bisschen abgestumpfte Sinne sind nützlich in der Reizüberflutung der Moderne.
Ich bin leider noch nicht genug abgestumpft und begann mich nach meinen Ohrstöpseln zu sehnen. Mist, die sind im Rucksack. Den im anderen Raum suchen verträgt sich nicht mit Faulheit.
Also mehr auf Cthulhu und seine Gefährten konzentrieren. Nach vielen Stunden befanden die sich in einem Raumschiff, eine grüne Katze mit ausfahrbaren Tentakeln schloß sich an und es galt unter anderem Kühe, die mit Maschinenpistolen ausgestattet sind („Bovinator“, hihi), zu bekämpfen. Ich musste feixen und verlief mich ständig in dem Raumschiffdungeon, aber egal.
Nach weiteren Stunden mit grünen Katzen im Blick und Getröte im Nacken war Kinderschlafenszeit und mein Hirn lila Matschepampe.
Ich fing an, unkontrolliert durchs Netz zu klicken und lernte dabei u.a. dass in der Nähe von Magdeburg neuerdings Holzdildos („splitterfrei durch Lackversiegelung“) hergestellt werden. Dann fand ich einen Verlag, dessen Name wie ein Nagellackprogramm klang. Ich sah schwülstige Coverbilder und ein programmatisches „Erotik von Frauen für Frauen“, las mir die Manuskriptbedingungen durch und dachte: Ja !
Dann ging ich auf die Couch und fing kichernd an, mir einen Buchinhalt auszudenken, die Zielgruppe „einsame Frauen 45-65 J.“ fest im Sinn. (Heute habe ich noch mal das Verlagsprogramm angeguckt, vielleicht ist es gar nicht so schubladenhaft, aber egal, gestern war es schön mit der Schublade:)

Da ist die geschiedene Mutter, die mit ihrem Kater ein gesetztes Leben führte, bis der Kater verschwand. Und da ist der Mann aus der Nachbarschaft, der ein dröges Leben mit seiner Katze hatte, bis selbige nicht mehr in die Wohnung kam.
Hauptteil:
Mann und Frau treffen sich wegen Suchzettel und zeigen sich gegenseitig den Kater, der auf der Katze, welche rollig war, klebt. Es foglen verbale Streitigkeiten am Küchentisch. Die Katze wirft acht Junge. Deshalb müssen sich Mann und Frau noch mehrfach treffen, um die Modalitäten der Jungtiervergabe abzusprechen.
Happy-End (vom Verlag verlangt):
Während eines erhitzten Gespräch am Küchentisch („Sie haben Schuld, weil Ihre Katze nicht sterilisiert war!“ – „Nein, Sie mit Ihrem Casanovakater sind schuld!“) macht es plötzlich plopp und die Menschen verstummen, es liegt ein Flirren in der Luft, der Mann sagt: „Ach, Sabine, lass es uns wie die Katzen machen!“ Sabine errötet und haucht: „Aber Peter, ich kann doch keine acht Jungen kriegen!“
Sodann ziehen beide Menschen und zehn Katzen zusammen in eine Wohnung.
Herzallerliebst ! Und wie dazu erst ein schwülstiges Cover aussähe..

Kann mal passieren.

So. Ich habe keine Lust mehr auf Realitäten. Geht mir vom Leib, Kausalitäten.
Kommt heute nicht und morgen nicht und übermorgen …
gehen wir Tee trinken. Schon gut, ihr Alles, ihr Möchten und Werden. Ich weiß ja, ihr seid auch nur Entitäten. Blabla.

Ging ein Mann in den Schneeladen und schrie: Hände tiefer, ihr Wichser ! So nicht, das reicht nicht, ihr Flachwichser !
Die Verkäuferin verstarrte wild und frug: Wie kann man denn flach wichsen, wer legt denn da die Richtung fest ?
Ist das denn mein Problem ?, wieherte der Mann und griff den ganzen Schnee ab.

Fläche ab, Kaufen ab.

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