Sätze vom Band

Die Vorweihnachtszeit mit der Konsumfrage ist am Start. Auch ich bin daher gezwungen, mich durch verfügbare Spielprodukte zu wühlen. In einer Rezension zu einer batteriebetriebenen Puppe finde ich die Sätze: „Die einzige Negativkritik ist, dass die Puppe leider kein „Bitte“ und „Danke“ in den Sätzen ausspricht. Somit klingen die Sätze sehr fordernd. Ich finde das nicht gut, denn mit diesen 2 einfachen Wörtern kann man ein lebenlang sehr viel bewirken. Und wenn man diese mit so einem einfachen Trick, wie beim zuhören einer Puppe, festigen kann, dann sollte dies der Hersteller auch umsetzen.“

Gütige Götter, welche biederen Kategorien stecken da wieder dahinter ? Kann ein Mensch, der absichtlich Gegenstände, die aufgenommene Sounds abspielen, kauft und verschenkt, überhaupt ernstlich am Wohl der Mitmenschen interessiert sein ? Oder will jener das beschenkte Kind nur auf mehr Kommunikationserfolg trainieren ?
– mir kommt eine grausige Erinnerung: da bin ich im Kinderkrankenhaus und in einem Zimmer hat ein Junge einen Bären, der auf Druck Sätze von sich gibt. Immer dieselben Sätze und alle wollen mal drücken. Mit abnehmender Batterieleistung werden die Sätze lahmer und brechen ab, wie bei einem bewusstloswerdenden Wesen. Sehr gruselig.
Als angehende Animistin möchte ich dieser Zwangs- und Pseudobeseelung von Götzen gern irgendwas entgegensetzen. Aber ich ahne, die phantasieverklemmten Kinder wollen bitte mehr Sätze aus Weichkörperpuppen drücken. Und der Markt bedient die Nachfrage. Danke auch.

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„Komm erste ma an, Ronny!“

Die ganze Woche prokastriniert. Immer gedacht: ich mach es, wenn ich vorher mal lachen konnte. Leider amüsierte mich einfach nichts, also blieb nur die Verschnarchheit. Heute dann war ich so verzweifelt, einem Humortipp nachzugehen, der über Dritte zu mir gelangte. Es handelt sich angeblich um eine Metalband aus dem Mansfelder Land, aber offenbar machen die Typen nicht nur Musik, sondern überhaupt Comedyzeug. Ist nicht neu, die Idee, aber manchmal doch ganz gut, das Dialekt-Synchroniseren.
Minute 1 ist drög, aber nach dem Vorspann, doch ja.. ich musste mitunter grinsen.

Geben-und-Nehmen-Markt

Nippes loswerden

Am Samstag noch
einen Menschen glücklich gemacht,
der hielt ein Schaf
hoch und frug:
Wieviel

Und eine Dame
nahm meine Dampflok
und die Dame
von der Stadtverwaltung
die mit dem Schaf gefragt war:

Da können Sie mal sehen
wir hier im Osten!
Welches Glück, sagt der Schäfer:
in Heilbronn gibts nur Flohmarkt.

Vom Berühren und Kaltlassen

T: Du hast doch geheult.
C: *schnieft*
T:  Also ja.
C: Stell dir vor, sogar meine Mutter.. ist fetziger als ich.
T: Naaajaa…
C: Ich hab ihr doch dieselbe Cd geschenkt wie mir. Und sie sagt: zu langsam. Zu langweilig. So weit ist es schon.
T: Und dann ?
C: Jetzt will sie mir eine Cd schicken, ein Liedermacherduo, sagt sie, der eine ist neulich gestorben, und das sei wenigstens auf deutsch und fetzig.
T: Hast du ihr diese Cd geschickt ? *zeigt auf eine rumliegende*
C: Ja, ich find die total schön.
T: Na wenn schon, kein Grund zu heulen.
C: Ja aber.. hast du in zwei Wochen Zeit ? Du musst mich begleiten. In ein großes Konzert. Sind wirklich mal zwei Bands, die ich mag.
T: Wenn der Preis okay ist..
C: Oder bist du auch zu unsensibel ? Und findest das Gejaule dröge ? *macht Youtube an*
T: Naja, also… – und deshalb hast du jetzt geheult ? Wegen eines überbelichteten Videos ?
C: Duuu… Buuhuuuu…
T: Ach, komm mit raus. Ich geb dir einen Wein aus. Du musst ja dringend mal ins Stadtleben.

6 Wochen (Schnipsel! Juhu!)

(I)

lange in zahlreichen Läden rumsuchen
Für das Sahnehäubchen auf dem Dessert
für Plätzchen ist die Auswahl mittlerweile riesig
für viele Menschen beim Mittagessen
Ein feines Dessert krönt jedes Menü.

Hanf hingegen ist eine Nutzpflanze
Experten halten Bambusgarn
wie Polyester aus alten Plastikflaschen

auch Werkaufträge für Medien
erhalten weltweit großen Zulauf.
bekannte Figuren säumen die Wege
die es bunt und actionreich mögen
wie in alten Zeiten von Kaltblutpferden

(II)
Für eine anschließende süße Pause
Inneren Sie das Märchen
Familienmitglieder suchen im Kerker
von liebevoll gestalteten Figuren

es ist ratsam, sich für kurze Zeit zu trennen
dem fliegenden Elefanten
durch ein Labyrinth voller Überraschungen
gegen eine Extragebühr auf gezeichnete Figuren
in allen anderen Toiletten vorhanden sein

Was aber ist mit den Netbooks
entfallen diese Probleme
mittels eines Emulatorprogrammes
mitunter etwas mühselig

Sich über kleine Dinge freuen, Teil x

Mein kleines Spießerglück ist perfekt:

es gibt seit kurzer Zeit ein Bäckercafé mit Kinderspielecke im Viertel. Endlich gibt es einen Ort, an den ich ohne Verkehrsmittel gelangen kann und der auch sonntags offen hat. Langweilige Sonntagnachmittage sind nun nicht mehr ganz so trübe. Wär zwar fetziger, wenn es so ein Hipstercafé wäre, wo ich ohne zu zögern ein WLAN mit dem Notebook nutzen könnte, aber so ohne Technik unter adretten Rentnerinnen, das ist ja auch schon mal was. Ich könnte mir Romane mitnehmen oder Rezensionsexemplare anfordern, die ich dann dort durchläse, weil mich zu Hause das Internet zu sehr lockt. Ja, man muss sich die Urlaubsgedanken auch in die beginnende Herbstdepression holen. Jetzt noch ein Sommerurlaubsbild von vor zehn Jahren, als wir (auch irgendwie spießig) die Straße der Romanik mit der Bahn abklapperten.

Menschen und Mythen 2

C: „Sag mir, als Mann, ob Pia Plastic die direkte Folge von Werbewahnsinn und Feenbarbies ist !“

T:“Äh.. bitte was ?! Haste dir wieder stundenlang nen Satz zurechtgelegt ?“

C:“Ich habe so überlegt, warum dieses Amateur-Erotikmodell sich selbst als Puppe bezeichnet..“

T:“Viele Frauen werden doch als Puppen angesehen, das ist doch nichts neues.“

C:“Doch schon, du verstehst nicht. Pass auf, ich zeig sie dir mal..“

T:“Ohhh…“

C.“Sie bezeichnet sich auch selbst als Silikonfee. Da schau !“

T:“Ich sehe..“

C:“Als pinke Silikonfee. Versteh doch mal!“

T:“ Also ich steh ja weder auf Silikon noch auf Pink, aber irgendwie..“

C:“Das… ist das Surreale ! Ein ganz gewiefter Verkaufstrick!“

T:“Und was ist jetzt mit Barbie?“

C:“Dasselbe: große Flügel, auf die man Blüten schießen kann, schmale Taille, alles pink und gut geschminkt.“
T:“Ich habe irgendwie Lust auf einen T***en**ck. Du hast damit angefangen, also lass uns doch..“

C:“Moooment, ich muss mich erst zu Ende aufregen. Gestern in der Tram nämlich, da hatte jemand..“

T:“Och, kommt wieder so eine Verschwörungstheorie..“

C:“.. ein Blatt vor die Werbemonitore geklebt, auf dem stand, dass Wissenschaftler bestätigen, dass Hirne, die mit Werbereizen bombardiert werden, schlechter lernen können, als solche in reizarmeren Umgebungen. “

T:“Was lernen wir denn jetzt daraus ?“

C:“Das wollte ich dich doch fragen. Mein Hirn ist schon zu sehr mit pinken Botschaften voll. Aber ich habe so eine leise Ahnung, dass…“

T:“..du nicht mehr richtig denken kannst, weil du befürchtest, aus allen Barbiefans könnten Silikonfeen werden ? “

C:“Nee, so nun auch nicht.“

 

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