Posts Tagged ‘ Brief ’

Brief an die übersorgte Verwandte

Sehr gerne, liebe MitleserInnen,  würde ich euch an dieser Stelle mit ästhetischen Halbnackten beglücken, was aber wegen des Jubiläums noch nachgeholt werden soll, aber leider muss ich zuerst den Weisungen eines meiner Alter Egos Folge leisten. Jenes Ego heißt Steffen und hat einen Brief erhalten.
Die saftige Antwort hat, schätze ich, Unterhaltungswert und das Tippen hat Therapiewert. Und keine Sorge, die reale Verwandte bekommt nur eine abgemilderte Version. Sie heißt auch nicht Hedwig.

Liebe Oma Hedwig,

vielen Dank für die Postkarte vom Balaton, das Geld und die Visitenkarte der Personalvermittlerin. Schön, dass du dich beim Kururlaub erholt hast, gleichwohl 14 Stunden Busfahrt sicher unangenehm sind und du lieber geflogen wärst.
Solcherlei Probleme haben wir, wie du dir denken kannst, nicht. Zudem scheinst du zu denken, dass wir todunglücklich sein müssen, da wir keiner bürgerlichen Vollzeit-Erwerbstätigkeit nachgehen.
Ich darf dir allerdings sagen, dass unsere wirtschaftliche Situation durchaus ausreichend ist und wir mit Zugreisen nach Mittel- und Norddeutschland vollkommen zufrieden sind. Wir verspüren kein Bedürfnis, uns von osteuropäischen Badangestellten durchkneten zu lassen. (Viel mehr hätten wir Lust auf eine kleine rothaarige Japanerin, die wir durchkneten können, aber für sowas hast du sicher kein Verständnis.)
Vor dem Hintergrund deiner DDR-Sozialisation ist einzusehen, dass du die abhängige Lohnarbeit für höchst wichtig befindest und befürchtest, wir könnten gesellschaftlich abgehängt sein, da wir keine solche vorzuweisen haben.
Ich werde mich aber demnächst bewerben, sobald mein selbstbezahlter Lehrgang abgeschlossen ist. Mir schwebt da etwas mit flexiblen Arbeitszeiten im Onlinebereich vor und ich brauche keine vermeintlich generöse private Jobvermittlung dazu.
Im Übrigen empfinde ich es als Verstoß gegen mein Recht der informationellen Selbstbestimmung, wenn du fremden Damen auf Kurreisen meinen Namen und meine Jobsituation preisgibst. Schon klar, du hast nur aus Mitleid gehandelt. Und bildest dir nun ein, eine besondere Chance für mich aufgetan zu haben, da du doch nur einer Frau begegnest bist, die Kunden für ihre Agentur sucht. Jobvermittlungsagenturen bekommen ihr Geld von den Arbeitgebern und teilweise sogar vom Zuvermittelnden. Es handelt sich mitnichten um einen sozialen Akt, wenn sie anbietet, ich könnte mich bei ihr melden, denn das könnte ohnehin jeder, der verzweifelt genug ist.

Mit Verzweiflung hattest du seit Jahrzehnten nichts mehr zu tun, denn du hast es dir erst im Vorruhestand, dann im Rentenstand bequem eingerichtet und speist schon 22 Jahre auf Staatskosten, sicherlich länger als vom Erfinder des Generationsvertrages vorgesehen.
Dass du nun mir unterschwellige Vorwürfe darüber machen möchtest, dass ich seit drei Jahren neben diversen Teilzeit- und Minijobs auch Geld vom Staat beziehe, halte ich für gelinde gesagt unangebracht. Ich gebe nämlich der Gesellschaft sehr wohl etwas zurück, und meine Frau trägt ihren Teil dazu bei.
So haben wir zum Beispiel doppelt soviele Kinder wie du und können sie nicht einfach bei Verwandten abgeben, weil schlichtweg keine ortsnah leben. Wenn wir Verwandten und Freunden begegnen, versuchen wir zu helfen und zuzuhören und nicht, gleich deiner, primär zu prahlen, wie gut es uns geht.
In diesem Brief muss ich allerdings doch prahlen, damit du endlich aufhörst, uns wie Katastrophenopfer zu behandeln. Mir haben genug Geld und, im Gegensatz zu vielen Doppelverdienern, auch Zeit, die wir in Kindsbetreuung, Kultur, Politik, Freunde und brotlose Kunst stecken können. Kunst, ja, brotlose Kunst ! Wir sind nämlich auch sensible Seelen, meine Frau und ich, und es leid, von oben herab behandelt zu werden.

Damit schließt, verbunden mit dennoch freundlichen Wünschen,

Dein Enkel Steffen

einer der Potsdamer Streitfälle: Garnisonkirche

Link zum vollen Artikel

Herr Professor Huber bemüht sich nach Kräften dem Nachbau der Garnisonkirche ein Image der Versöhnung und des Widerstandes anzudichten. Zugleich vernebelt der Bischof a.D., ebenso wie die Stiftung für den Wiederaufbau, jegliche Klarheit über Finanzierung und Machbarkeit des umstrittenen Projektes.

Die Bürgerinitiative nimmt den Vortrag Herrn Professor Hubers am Donnerstag (siehe separate Einladung der BI dazu) zum Anlass, von ihm mehr Transparenz und eindeutige Positionen zu fordern.

Der hier veröffentlichte Brief wird Herrn Professor Huber persönlich übergeben, zugleich wird er bundesweit den Medien zur Verfügung gestellt.

Wir fordern dazu auf diesen Brief zu unterschreiben. Unterstützen Sie unsere Forderung nach Offenheit und Transparenz im Umgang mit öffentlichem Geld und gemeinschaftlichem Gut. Schreiben Sie uns unter aktion@ohne-garnisonkirche.de ihren Namen und, wenn möglich, Ihren Beruf und Ihren Heimatort. Wir fügen die Unterschriften dem Brief fortlaufend hinzu.

Volkshochschuldogge

Diese Woche erlerne ich Layoutgrundlagen in der Volkshochschule. Das ist spannend und lässt mich meinen Traum vom eigenen Printprodukt nicht vergessen.
Ich erstellte flott diesen Beispielbrief (mit Falzstrich und DIN-formatiertem Adressfenster):

Ein wenig langweilte ich mich aber auch. Das liegt an meiner raschen Auffassungsgabe. **
Vielleicht ist das sogar ein Grundsatzproblem, weshalb ich häufiger im Leben den Anschluss verpasste – ich war gedanklich schon sonstwo, während die Umgebenden sich noch das Vorherige fragten.
Jedenfalls notierte ich u.a. diese Prosaminiatur, deren Fortsetzung ich kenne, weil ich ja dabei war, aber so als offenes Ende ist es spannender. Naja. „Spannend“…

So eine Dogge war das, eine Plattgesichtdogge, die hieß Charlie und: der tut nichts, der ist nur ein bisschen neugierig. „Wie der Herre, so’s Gescherre“, sagt man.
„Wie der Charlie, so sein Herrchen.“, dachte Clara-Mila. Das Herrchen, so hatte es gesagt, spricht alle Hundehalter an. Und offensichtlich vorsichtshalber auch alle anderen Passanten. Clara-Mila fand das irritierend, aber trug ja den Morgensternschen Entschluss als Schild vor sich her, vom Menschen lernen zu wollen, um nicht an ihm zu verzweifeln.
Dass der Doggenmann sie just in dem Moment aus ihren Gedanken gerissen hatte, da ihre Gedanken eh bei ihm waren, hätte ein Fachmann sicher logisch erklären können.

** die Auffassungsgabe spricht nicht unbedingt für Klugheit. Es handelt sich eher oft um ein verfrühtes Assozieren und Reagieren, obwohl mitunter mehr Ruhe und Denken geboten wäre. Oft assoziere ich aber auch richtig und das führt dann zum schnell fertig werden.

Hier schwor ich der Konzentration ab. Das Ergebnis ist entsprechend verhuscht. Aber irgendwie witzig.

Hier schwor ich der Konzentration ab. Das Ergebnis ist entsprechend verhuscht. Aber irgendwie witzig.

Nostalgische Romantik

Susanna,
du solltest stark werden und selbstbestimmt,
doch die Ehe ist dir heilig.

Fünf Wochen Weinen,
Susanna,
ist das nicht genug, um zu wissen ?

Du warst immer anhängig,
die Helfende, maskiert Starke,
_ :_ du.

Achtest noch immer den Gatten,
es ist genug Liebe für alle da,
Susanna.

Triff mich nicht allein,
sagt Susanna :
deine Berührung verbrennt mich sonst.

Fünf Wochen Weinen,
Klavier verbrennen und sterben wollen.
Susanna ?

Werde doch modern,
Susanna,
ich flehe und begehre dich.

Deinen anachronistischen Ehrbegriff,
den kannst du doch …. Ach !
Nimm mein Fegefeuer als Initiator für dein neues Leben …

schreibt : dein N.*

* : das kann Nemo heißen, oder Nemesis, wer weiß das schon.

Eberhard und Engelhardt erben alles. Oder ?

Das war’n noch Zeiten ! Sowohl die des Briefes, als auch die des Transkriptionsversuches..

Fundstücke mit C

Neulich fand ich eine kleine Kiste, darin lauter Dinge mit C.

Cigaretten, die jemand zur Verwahrung gegeben hatte, um Herr seiner Sucht zu werden (aber ich vermute, es gab einen Rückfall.)

und diese beiden fotografierten Dinge

Ich schob die Kassette rein, freute mir einen Ast, eine alte Interpretation von „play for today“ zu hören, rauchte eine und begegnete Carlette.
Nikotin und freudige Überraschung hatten meinen Kopfschmerz vertrieben und ich las den Zettel, lachend dabei:

„Potzblitz“ dachte der Baron für sich, „welch ein Vollweib – welch ein herrliches Frauenzimmer ist diese Madame Carlette“ und im stillen gewahrt er bewußter denn je ihren üppigen Busen und ihre prallen Schenkel.
Er hat aber auch ein bisschen Angst, muss man leider sagen. Es ist ihm nicht sicher, ob er am Ende rotgeschlagen heimgeht. Der Graf ist nicht unbedingt unterwürfig, er schaut lieber zu. Das bringt gewisse Probleme, sehen Sie ? Und der Thronfolger, wie soll der entstehen ? Ob er sie ermuntern soll.. nein, niederes Blut kommt ihm nicht in die Wiege.. aber seine Mutter drängt !

[Es sind zwei verschiedene Schreiber, einer in kursiv, der andere in normal. Graf, Baron.. alles das Gleiche ! *kicher*]

Dann rutscht der Gräfin die Hand aus und die Bediensteten warten aufs Trinkgeld.
Rosenknöspchen oh du mein Rosenknöspchen zwitschert der Baron von der Galerie und zwinkert spitzbübisch mit dem auge in der offenen hand einen cognacschwenker balancierend.

[ich editier’s nicht. Diese Adelshierarchie ist ja völlig falsch. und die Orthografie.. ]

Das war ein ganz köstliches Fest, wie du das wieder arrangiert hast, Carlette ! – der Baron ist immer entzückt von den Events, die in seinem Hause stattfinden, insbesondere die Backpfeifen von Carlette von den Ähren sind ein Kracher. Das lässt er gern sich gern einige Bauernlümmel kosten.

[Versteh ich nicht. Warum lässt er eine Dame in seinem Hause Feste ausrichten, und das Personal prügeln, die ihm eigentlich von zu niedrigem Stand ist ? Kann das jemand erklären ?]

In Memoriam : meine lebensfroh gewesene Schulfreundin

[ Ein pathetischer Nachruf. Vornamen nicht geändert, weil mir das unangebracht scheint. Es wird ja niemand beleidigt.

Hat jemand Ähnliches erlebt oder einen Verarbeitungstipp ? ]

Liebe Ulli,

fünf Jahre ist es jetzt her, dass ich einen unerwarteten Anruf aus meiner alten Heimat erhielt. Unsere gemeinsame Freundin D. (mit der du mich überhaupt erst bekannt gemacht hattest, danke dafür) fragte mich, wann ich dich das letzte Mal gesehen hätte. Ich antwortete, dass ich dich vor Monaten mal fast in Halle getroffen hätte, du aber an jenem Abend dann doch lieber zu deinem damaligen Geliebten gegangen wärst. Bei der Gelegenheit hätte ich das letzte Mal mit dir telefoniert.

„Wieso“, fragte ich D., „ist die Ulli jetzt nicht mehr ?“ –

daraufhin erzählte mir D. deine Krankengeschichte, die mit einem gutartigen Tumor im Kopf begann und mit einem Fall aus dem fünften Stock einer Magdeburger Klinik endete. Ich erinnerte mich, wie du bereits in unserem letzten gemeinsamen Schuljahr über Hörprobleme und unerklärliche Kopfschmerzen klagtest.

Nach dem Telefonat legte ich mich aufs Bett und starrte erinnerungsvoll vor mich hin. Dein Freitod durchbrach mein Muster von “ aus erster Hand beschriebenen Selbstmorden“, da es sich bis dahin stets um Mütter gehandelt hatte, oder um deren Mütter, sowas wird ja quasi vererbt.

Ich hatte nichts zu tun, war schon seit Wochen im Mutterschutz (nicht wirklich, als Studentin hat man den ja gar nicht offiziell) und wartete aufs Gebären. Das war auch der Grund, warum ich zu deiner Beerdigung nicht gefahren bin, wofür ich mir bis heute in den Ars** beiße.

Denn durch meine Abwesenheit bei deiner Trauerfeier blieb dein Tod ein abstrakter und bis vor einem halben Jahr erschienst du regelmäßig in meinen nächtlichen Träumen, um mir kurz zu erklären, du hättest den Suizid nur vorgetäuscht und wärst nun wieder da, um Abenteuer mit mir zu erleben.

Hätte mir nur jemand gesagt, dass Geburtswehen in den meisten Fällen erst dann einsetzen, wenn die Mutter in spe innerlich und äußerlich ausgeruht ist, oder überhaupt, dass die Geburt erst 8 Tage nach deiner Beisetzung stattfinden würde…

Ich hatte mir erhofft und ausgemalt, näher dran Wohnende und fittere Gutbekannte würden zur Trauerfeier gehen, aber niemand war gegangen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Vermutlich habe ich ein größeres Interesse an so Abschnittsfeiern als andere.

Schule später anfangen – AddOn

Der Artikel über die Schulanfangszeiten ist einer der am häufigsten angeklickten in diesem Blog. Das lässt auf ein gewisses Interesse seitens der ’stinknormalen Suchmaschinenbenutzer‘ schliessen.
Das kommt ein bisschen spät, dass ich mich zu diesem Addon durchringe, aber da das Thema immer noch nicht durch ist:
So wurde mein Brief abgedruckt:

Das ist natürlich eine gekürzte Fassung der relativ emotional aufgeladenen Mail, die ich damals an die Redaktion schrieb.
Ursprünglich hatte ich mich auch noch über Koffein und Taurin ausgelassen, das sich die 13- bis 20-jährigen Schüler en masse morgens reinknallen müssen, um ihrem Biorhythmus ein Schnippchen zu schlagen, und dass das wohl kaum gesund sein könne.
Weiterhin jammerte ich über meine persönlichen Probleme mit Brechreiz, Hektik und Schulbussen. Das ist schon gut, dass das nicht abgedruckt wurde 😉

Aber nach wie vor ist mir unklar, warum es sinnvoll sein sollte, Menschen, die nachgewiesenermaßen 9 bis 10 Schlaf binnen 24h benötigen, nämlich Teenager, zu zwingen zwischen 5 und 7 Uhr aufstehen, zu Zeiten also, da die innere Uhr auf Tiefschlaf eingestellt ist. Nur weil es für die Lehrkräfte vielleicht problemlos möglich ist, 6 Uhr mit dem Auto loszufahren (Pendeln ist da ja auch verbreitet), muss man doch nicht diese Leistungs- und Gesundheitseinbußen in Kauf nehmen ?

Einmal fragte ich eine Lehrerin. Sie meinte: „Das frühe Aufstehen soll auf das Studium vorbereiten.“ Was ja kein gescheites Argument ist. Es fangen wohl kaum alle Uni-Veranstaltungen um 7 oder 8 Uhr an – alle Berufe übrigens auch nicht.

Wer ein Frühaufsteher ist, als Schulmitarbeiter oder auch als Schüler (gibt es den frühaufstehenden Teenager überhaupt ? kann mich an keinen erinnern.), der kann ja gern vor der  Schule noch Hausaufgaben machen oder die Freizeit genießen. Aber warum alle zwingen ??

Weiterführende Literatur:

Nicht aufgeben jetzt : Durchhalteparolen wider das soziophobe Ich.

Liebes Teil-Ich,

in den letzten Tagen hast du angefragt, ob wir nicht vermeidend agieren könnten. Ich hatte dir diesbezüglich mitgeteilt, dass ein Fliehen vor den momentanen Pflichten, wie auch vor den spontanen geselligen Aktivitäten der letzten fünf Tage, nicht im Sinne unserer Planungsbemühungen der letzten acht bis zwölf Monate wäre.

Du gabst uns zu bedenken, dass nunmehr ausstehende zwei Anrufe nicht vorweg geplant waren und somit der Gipfel der Überraschungen durch die Tagesmutter (TM) wären. Ebenfalls teiltest du uns mit, dass uns sowohl TM, als auch die andere Kleinkindmutter für eine undisziplinierte, hippieske Öko-Verwöhnmutter halten könnten. Zugeraunt hast du uns auch, dass die Kita-Damen uns für den totalen Erziehungsloser hielten, weil der Abschied von der größeren Tochter vier Tage in Folge nur unter Geschrei und Tränen möglich war.  Wie nebenbei hast du uns routiniert auch noch einige weitere Vorhaltungen gemacht, die zu hässlich sind, um sie hier nochmals zu erwähnen.

Wenig geschätztes Teil-Ich,

warum willst du uns immer alles kaputt machen ? Ist denn der Stillstand deine Absicht ? Möchtest du die ewige Lethargie ?

– Jetzt reiß dich mal zusammen, verängstigter Teil;

natürlich ist es v.a. erlerntes Denken, was du betreibst; aber hilft uns das jetzt weiter ? Wirken wir nicht nur noch unsouveräner und damit angreifbarer, wenn wir uns unsicher sind ? Strahlt nicht unser innerer Fluchtimpuls auf die Kinder ab, sodass diese auch kein Vertrauen in die Situation empfinden möchten ? Bemerken die nicht (im Gegensatz zu nicht-näher-bekannten Gesprächspartnern), dass unsere Gelassenheit nur aufgesetzt ist ?

Und selbst wenn all das wahr ist, was du behauptest, Teil-Ich – zwingt uns das, den Status beizubehalten ? Darf eine Feuchttuchhasserin keine Tagesmutter frequentieren ? Gehören nicht Trennungskinder erst recht zu Gleichaltrigen, mit denen sie unbekümmert reden können ? (auch wenn das Kind bei jedem Besuchsende der „besten Freundin“ völlig austickt ? )

Wenn du weiterhin so kontraproduktiv daherredest, im Grunde doch geliebtes Teil-Ich, dann werden wir dich übergehen und uns der Konsumtrance zuwenden. Zumindest dem hemmungslosen Durchblättern der prächtigen, frisch ins Haus geflatterten Herbstkataloge.

Dann könntest du in einigen Wochen darüber spotten, wie rückgratslos wir sind, aber wir hätten wenigstens einige Tage vor dir Ruhe.

Einen schönen Tag noch.

Get lost.

gez.:

Anna Panther, Frederike Mainschön und Oekomonia Dessigratia

Aus analogen Archiven in digitale Redundanzen

… zurück ging Frau Panther von gestern nach heute.
Bedingt durch den Schrecken der unkontrollierten, also ungewollten, Netzabstinenz (siehe vorheriger Artikel) hatte sie beschlossen, den Heimrechner ganz auszulassen, bis das Netzproblem gelöst sein würde.
Der Leser bemerkt eventuell, dass diese Aus-Phase nicht eben lange dauerte, aber das hatte die Pantherin anders in Erwartung gehabt und war darum schnell auf Fatalismus gepolt, am gestrigen Nachmittag.


Nach einem mittelfristigen Ausblick in die papierne Moderne mittels Bibliothekszeitschriften und dem, im Shoppingcenter um die Ecke erstandenen, satte acht Euro kostenden, neuesten Kommissar-Schneider-Buch war es dann soweit:
Es ging mit voller Absicht und gespannten Erwartungen in die Medien der jüngeren Vergangenheit. An dieser Stelle darf verraten werden, dass die Pantherin nicht umsonst beinahe Archivarin geworden wäre: nicht nur neigt sie zum Sammeln potentieller Kulturgüter und Ego-Dokumente, auch bemühte sie sich stets um eine Bewertung und Erschließung derer, Neuverpackung und Kassation inklusive.


Da der Fuchs ausgegangen war, konnte kein „Fassen Sie da bloß nix an, Sie werden die Antenne verschieben, pfui, weg!“ sie vom Anschließen des Videorekorders abhalten. Da das anwesende Kind musikbegeistert war, gab es kein Gegenargument zum Spulen und Abhotten zu diversen Musikvideos aus der Zeit, als es noch Viva 2 und Onyx gab.

Wundern, Bewundern, Freude und mitunter auch Abscheu kamen auf. Dazu ein schlechtes Gewissen, als das Kind durch Unaufmerksamkeit beim Sofaklettern laut heulend nach hinten abkippte, nämlich just in dem Moment, wo die Rabenmutter gerade Napalm Death für Ektomorf hielt. Danach sah sich die Pantherin auf die Realität zurückgeworfen und blickte seltener auf den Bildschirm sowie öfter auf ein Tierpuzzle.


Zehn vor zehn brach dann der romantische Teil des Abends an, es war die ultimative Zeitmaschinenaktion geplant. Das kam davon, dass die Pantherin sich viele alberne Dinge ausmalen kann, während sie gaaaaanz ruhig neben dem Kind im Bett liegt.

Auf dem Programm standen erhaltene Briefe, eigene Teenagernotizen, seltsamer Weißwein, lang nicht gesehene Photos und schlussendlich der Versuch, sich noch einmal so zu fühlen, wie als 14- bis 18-jährige. Dass letzteres nicht gelang, können Vernunftperson nur positiv bewerten.


Zurück in die hypertextverknüpfte Gegenwart ging es dann über einen unrühmlichen Umweg. Der Telekommann hatte am späten Nachmittag mitgeteilt, dass das Modem daran Schuld sein müsse, dass die Leitung nicht synchron wird. Aufgrund der abendlichen Ereignisse eingeschüchtert, beschloss die Pantherin heute morgen, sofort und ohne erwachsene Begleitung ins Shoppingcenter um die Ecke zu eilen und eine neue Fritzbox zu erstehen. Mit einer anderen Modem-Marke hatte sie schlechte Erfahrungen gemacht – nämlich 70 Euro in einen Servicetechniker verpulvert, der nach zwei Stunden feststellte, dass das Modem einfach nix taugte.

Im Elektronikfachmarkt verschreckten die Fritzbox-Preise (99 Euro aufwärts) die Pantherin aber doch und sie ging zwei Spalten weiter links unter das Schild „DSL-Modems“ und schnappte sich (verkürzt ausgedrückt) die erstbeste Kiste.

In der Wohnung hielt das „ich hab etwas alleine geschafft, ohne Hilfe, es geht voran, yeaaah“-Gefühl aber nur solange, bis sich bei genauerem Packungslesen herausstellte, dass ein Router kein Modem ist. Frau Panther fiel es wie Schuppen von den Augen, das alte Netzwerkverständnisproblem, ja klar.

Schon ihr Einser-Abitur erledigte sich an der Stelle, als der Prüfer sie bat, doch mal was über Subnetmasken zu erzählen.

Um nochmal in das Center zum Umtauschen zu gehen, war sie zu erschöpft, aber – verflixt nochmal – noch zwei Tage ohne Netz, das musste doch nicht sein.. da half nur Anbiedern beim Mitbewohner und das Eingeständnis eigener Schwäche.