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Eine Auswahl an Bahnbegegnungen : Hauptteil 2

das ist der letzte Teil, hier gehts zum vorherigen

  • der Gitarrenpoet : ist eine wirklich schöne Erinnerung und muss erwähnt werden, damit der Text nicht zu nörglerisch daher kommt. Der gute Mann hatte sich vor dem „Wolke Sieben / 1.Klasse-Abteil“ platziert, wo also kein normaler 2.Klassereisender sich hinsetzt, es sind ja auch keine Sitze da, mehr so eine Halbwand mit Metallgeländer. Obwohl der Zug sehr voll war, sonntags Richtung Berlin, fuhr nur alle zwei Stunden und so. Möglicherweise traute sich auch einfach niemand, so nahe an die Gitarrenklänge ranzugehen, wie ich es tat. Wild entschlossen, auf jener doch recht ätzenden Zugfahrt (zu voll, zu lange dauernd, schlecht gelaunter Begleiter) noch etwas Schönes zu ergattern,schob ich das Kind vor („guck mal, hier kannst du klettern und zur Musik tanzen“) und stellte mich lässig und halbleise daneben. Stören wollte ich den Künstler dann doch nicht, auch direkten Blickkontakt wollte ich vermeiden. Er varierte ein Melodiethema die ganze Fahrt lang, von sanft gezupft bis wild auf den Korpus gehämmert, das gefiel. Es war auch eine sehr hübsche Gitarre, ganz dunkles Grün, und ein Bernstein hing dem Spieler aus der Hosentasche, das sind so Details, die mich faszinieren. Jenes angenehme Erleben dauerte relativ lange, dann sah er mir irgendwann mitten (und mit entwaffnendem Lächeln) ins Gesicht und ich eilte lieber wieder zu Chantal runter.
  • der moderne Mann : fuhr in einem mittelvollen RE mit seiner zweijährigen Tochter und einigen Erzeugnissen aus Omas Garten nach Hause. Die Tochter hing wartend und vor sich hin singend auf der Halbwand mit dem Metallgitter davor, der Mann stand daneben und war noch nicht so entnervt wie ich, also noch reaktionsmöglicher. Gewandt ging er auf töchterliche Probleme ein und bot auch meiner Tochter Sauerkirschen aus Omas Garten an. Sehr gut. Ich sah beide groß an und ließ die Charmeoffensive meiner Tochter wirken. Dann kamen die Kirschkerne aus dem töchterlichen Mund wieder raus, ich versuchte eine halbleise, optimistisch-heitere Bemerkung: „toll, dann müssen die Kerne nicht den Weg bis in die Windel gehen !“ und konnte mich zur Belohnung den Rest der Reise durch Kauen auf Kirschkernen beruhigen. Ich bin dem Mann recht dankbar und hörte noch, wie er einem zufällig getroffenen Ex-Kommilitonen erläuterte, er sei angestellter Rechtsanwalt geworden, ihm seien kurze Arbeitswege wichtiger geworden als die freie Selbstständigkeit.. das sind so diese Leute, die Nutznießer der Gentrifizierung sind und kann man es ihnen übel nehmen ?

Zum Abschluss ein Bild mit einem schwäbelnden 16-jährigen, der Mutter und Welt mittels World of Warcraft-Magazin ignorierte, und der sich in besprühten S-Bahn-Fenstern spiegelt. Ein schönes (Sinn-)Bild, wie ich finde.

Eine Auswahl an Bahnbegegnungen : die Vorrede

Das Sitzen in Eisenbahnen ist ein beliebtes literarisches Motiv, viele schöne Romanstellen sollen in Zügen geschrieben wurden sein.
Aber nicht nur deshalb fahre ich gern in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich finde einfach, dass es eine schonende Methode ist, „unter Leute zu kommen“, obwohl ich die Argumente der modernen Individualisten auch verstehe, wonach es viel angenehmer ist, im eigenen Auto die eigene Luft zu atmen und so weiter. Ich hatte sogar sehr intensive Freuden- und Freiheitsgefühle in eigenen Autos, aber jeweils nur solange, bis Wildschweine meinen Weg kreuzten, Kühlwasser stinkend verpuffte und ähnliches.
Wie ich dann dastand, arg verschüchtert im Umgang mit routinierten Polizisten und verrohten Abschleppdienstmännern, war viel schlimmer, als so eine Mitfahrt im Öffentlichen im Allgemeinen ist.
Manchmal wird mir im Bus übel, manchmal ist es sehr ärgerlich, dass kein Klo in der S-Bahn ist, ja und manche Male machten mir auch schon Mitfahrer Angst oder Abscheu, aber im Allgemeinen muss man sich doch nur Zurücklehnen und Abwarten, Beobachten und Musikhören.

Zugfahren kann sehr meditativ sein, mit der richtigen Einstellung und den richtigen Begleitern.

Und dann gab und gibt es auch immermal wieder herausragende Charaktere, die ich in Verkehrsmitteln bzw. beim Warten darauf legitim und in Ruhe betrachten und analysieren kann. Hier einige Beispiele der letzten Wochen :

Fotorätsel: Klassifikationssuche

Wie heißt der Ordner, aus dem folgendes Foto stammt:

Der Ordnername hat drei Wörter. Es gewinnt der Vorschlag, der entweder der Realität entspricht oder mich durch Kreativität und Poesie am meisten beeindruckt. Das Quizzo bleibt offen, bis die üblichen Verdächtigen Vorschläge abgegeben haben oder halt bis zum 4.8.

Die Titelstruktur ist so:

[zusammengesetztes wort] – [subjekt] [verb]

und das ist vom selben  Tag:

Aussage zu erraten

Was sagte das knapp zweijährige Kind, als ein restalkoholisierter Herr ihr dies zeigte und fragte: „Und, was ist das ?“

(nachgestellte Szene)

Vom Eingebildeten und Ausgebildeten

Anmerkung :Ausgebildet hat hier nicht mit Berufsbildung zu tun, sondern (her)ausgebildet hat sich dieses:

Grips ohne Schlips : Nippel in Gips


„Three Imaginary Boys“

Walk across the garden
In the footsteps of my shadow
See the lights out
No one’s home
In amongst the statues
Stare at nothing in
The garden moves
Can you help me?

Close my eyes
And hold so tightly
Scared of what the morning brings
Waiting for tomorrow
Never comes
Deep inside
The empty feeling
All the night time leaves me
Three imaginary boys

Slipping through the door
Hear my heart beats in the hallway
Echoes
Round and round
Inside my head
Drifting up the stairs
I see the steps behind me
Disappearing
Can you help me?

Close my eyes
And hold so tightly
Scared of what the morning brings
Waiting for tomorrow
Never comes
Deep inside
The empty feeling
All the night time leaves me
Three imaginary boys sing in my
Sleep sweet child
The moon will change your mind

See the cracked reflection
Standing still
Before the bedroom mirror
Over my shoulder
But no one’s there
Whispers in the silence
Pressing close behind me
Pressing close behind
Can you help me?
Can you help me?
Can you help me?