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Wohin mit der Plazenta ?

Ostern naht und damit auch wieder eine Frage, die mich seit über zwei Jahren beschäftigt:

„Wohin mit der Plazenta ?“

Die Stadt ist voller Fruchtbarkeitssymbole und die Böden sind nicht mehr gefroren.

Die Frage mit einem „ach, man kann jetzt eh nicht im Erdreich graben“ verdrängen geht also nicht mehr.

Das liest sich jetzt für Uneingeweihte vermutlich bisher merkwürdig. Es ist auch ein eher ungewöhnliches Problem, scheint mir. Deshalb finde ich auch bislang keine Lösung. Aber: ewig Aufschieben bringt es ja auch nicht.

Ich weiß einfach keinen Garten, von dem ich denken könnte: „Hier wird meine Tochter auch in 15 Jahren noch Zugang haben.“ Aber ich habe noch ihre (oder meine ? wie sagt mensch korrekt ?) Plazenta im Gefrierfach. In einer Art Tupperdose, versiegelt bei -30°.

Ich möchte das Ding nicht essen. (Ja, lacht nicht: das ist durchaus üblich, es gibt gute Gründe dafür, Plazenten zu verspeisen: sie sind das einzige vegane Fleisch und sie sollen sehr nährstoffhaltig sein und gar nicht übel schmecken) Allein bei dem Gedanken wird mir übel, pardon.

An Kosmetikfirmen verkaufen ist nicht mehr üblich, das habe ich recherchiert, die nehmen keine mehr. (Aber vielleicht im Ausland ?! Für den Erlös könnte ein praktikablerer Gegenstand gekauft werden.)

Einfach wegschmeißen bringe ich auch nicht übers Herz. Außerdem würden sich Müllsortierer im Recyclinghof oder Müllwühler der Nachbarschaft vielleicht alarmiert fühlen und einen Neonatizid vermuten und dann bräche ein überflüssiger Polizeieinsatz aus..

Ich bin in einer Zwickmühle. Hätte ich das Stück Glibber damals der Hebamme mitgeben sollen ?
Dann hätte die erst recht gedacht, ich wäre eine kühle, distanzierte Gebärerin. Noch nicht mal den Mutterkuchen behalten wollen, das hätte die esoterische Dame nicht nachvollziehen können.
Außerdem soll die Plazenta beim Rausflutschen geblinkt und gefunkelt haben, sagen Beobachter.

Seufz. In meinem Gefrierschrank ist ein spirituell aufgeladener Glibberbatzen, dessen weitere Verwendung mir verdammt unklar ist. Probleme kann frau haben…

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Zeugung. Ein Sanduhrgedicht für Hartgesottene

(Bitte nur lesen, wer kein Problem mit etwas härterer, sexuell konnotierter Sprache hat.)

Schwertquell. Acryl auf Leinwand. März 2011. Auf dem Photo röter als im Original.


Du rammst dein Schwert, ich bin die Scheide

Deine   Rute,    die  Wurzel

Dein Schwertquell

Ich        quelle

Kontraktionen,    Schmerzwellen

Per    aspera   ad   astra ;     Zeitkrieg


Kampagne des deutschen Hebammenverbandes geht weiter

Und für alle, die gar nicht wissen, worum es geht, hier ein Auszug aus dem betreffenden Artikel der hiesigen Lokalzeitung, Autorin = Jana Haase

In ihren Händen fängt ein Menschenleben oft an: Jetzt fürchten Hebammen bundesweit um das Weiterleben ihres Berufsstandes. Dramatisch gestiegene Versicherungspolicen bei gleichzeitig kaum veränderten Honorarsätzen von den Krankenkassen machen den Beruf schon jetzt für viele zum Zuschussgeschäft. Im Juli 2010 steht eine weitere Erhöhung der Versicherungsprämien an. Mit Aktionen rund um den Welthebammentag am heutigen Mittwoch machen auch Potsdamer Hebammen auf ihre schwierige Situation aufmerksam.
[…] Ab Juli 2010 soll die Versicherungsprämie auf fast 3700 Euro steigen. Gleichzeitig hätten sich die Honorare für Geburten nur um wenige Euro erhöht – für Hausgeburten zahlen die Krankenkassen derzeit ein Bruttohonorar von 448,80 Euro, für die Entbindung im Geburtshaus 367,20 Euro, für eine Beleggeburt im Krankenhaus 224,40 Euro. „Nur mit Geburten arbeite ich im Minus“, erklärt Peggy Janner, die nach eigenen Angaben rund 45 Geburten pro Jahr betreut: „Ich muss mir durch Vorbereitungskurse und Wochenbett die Geburtshilfe selbst finanzieren.“ So wie ihr geht es den meisten selbstständigen Hebammen.
[…] Aber auch steigende Geburtenzahlen verbessern die Situation der Hebammen nicht: „Wenn man das durchkalkuliert, muss man so viel arbeiten, dass der Anteil von Vorsorge und Wochenbett zu kurz kommt“, erklärt Romy Wagner, Hebamme im St.-Josefs-Krankenhaus. Die Kollegen zweier Berliner Geburtshäuser hätten sich bereits zur Aufgabe entschlossen. Wenn sich an den finanziellen Bedingungen nichts ändert, würden sich immer mehr Frauen aus dem Hebammen-Beruf zurückziehen, glaubt Wagner.

Mit ihrer Befürchtung ist sie nicht allein. „Die Eltern sind letztendlich die Leidtragenden“, betont Peggy Janner. Ohne Hebammen könnten sie sich nicht mehr für eine Hausgeburt oder die Entbindung in einem Geburtshaus entscheiden und wären auf die Kliniken angewiesen. Dort werde es einen erhöhten Ansturm geben. „Die Welt braucht Hebammen“ stand auf den roten Luftballons, die Janner gestern auf der Brandenburger Straße verteilte.

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