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Arroganz in der Volkshochschule

Volkshochschule 1

Mit euren Mäppchen geht ihr Zeichnenlernen
eure Ambitionen sollen von der Hausweile ablenken
Vom faden Leben im Büro und den Elternabenden :
Hier, glaubt ihr, ruft das kreative Abenteuer !

Malreise in die Toskana: Aquarelle von Klostern
und zu Hause, wenn ihr mutig seit, die Tochter zeichnen

Mit euren Mäppchen sinniert ihr im Laienkurs
ein Austausch über Variablen und Gleichungen
Geht eure Rechnung auf ?
Macht das Zeichnen erfüllt ?
Oder ist es mutlos beruhigend ?

Volkshochschule 2

Ich erfuhr vom *Werteverzehr* der Dinge
und die Dinge wurden Zahlwerte
In meinem Kopf entstanden Geschichten
und das Blut floss darin und spritzte

Im Nebenraum tönten Frauen wie Gebärende
und ihre Töne klangen nach Blut und Schleim
Einführung in die Meditation im Nebenraum
und der Flur war voller Toskana-Aquarelle

Einmal, in der Kirche in Brehna
war H.R.Giger neben Encausticwerken alter Damen.


*Werteverzehr = AfA = Abschreibung für Abnutzung*

Toastbrotkatze

Toastbrotkatze wunderbar
mach mir meine Träume wahr


Alle Menschen, alle Katzen
reisen in dein Land aus Watte
und sie sehen deine Tatzen,
die der Toaster beschrieb’n hatte.

Den Rauten die Welt

„Den Depressiven gehört die Welt !“, hast du gerufen.
„Können sie sich die überhaupt leisten ?“, habe ich gefragt.

„Es ist eben eine kleinere Welt.“ sagte da eine Raute von oben.

Fabuliertes Hinterhausgetier

Im Prospekt zur Dresdner Ausstellung über die „Neue Sachlichkeit“ sprang mir dieses bemerkenswerte Gemälde ins Auge:

„Hinterhäuser in Dresden“ (1931) von Franz Radziwill

– weil es Platz für viele Blicke lässt, nicht nur für den ersten und den zweiten. Und weil sich mein Goldgaul von neulich dort wohlfühlen würde:

Irgendwo dazwischen würde auch dieser putzige Geselle sitzen:
Und vereinter Kräfte würden sie sich wünschen, einem solchen Schauspiel beiwohnen zu können:


Ja. Das muss man sich mal vorstellen.

Von Holzwesen bedroht

Im Leben muss mensch sich gegen viele Holzwesen behaupten.

Manche bedrohen einen amöbenhaft:


Andere aggregieren in bekannten Formen, um den Mensch zu erschrecken:


Allen gemein ist, dass sie einen zu Kleinholz verarbeiten wollen, um die Menschen zu assimilieren.

Schläft dann auch noch die Beschützerin, so gibt es keine Rettung.
Schade.

Realität fliehen, Augen funkeln

Es war der sechste September, als sich mir der Eindruck aufdrängte,

manche IT-Fachmenschen, aber auch Online-Marketing-Fans, wären die größeren Realitätsflüchter als hauptberufliche Künstler.

Nur : mit der Flucht in abstrakte Ideen und virtuelle Oberflächen lässt sich tendenziell mehr Geld verdienen, als mit dem Schaffen von Gebilden, die man haptisch konsumieren kann und die der Zerstreuung und Inspiration dienen.

Das erstaunte mich. Ich hatte das Gefühl, jener „schöne, neue Welt“-Aspekt wäre nicht „gut“. Aber das war natürlich nur ein temporärer Gedankenschweif.

Dieser wurde provoziert von Heike und Arnim.

(alle Namen geändert oder eh vergessen)

Heike, Absolventin der Burg Giebichenstein, hatte sich gegen ein Biologiestudium entschlossen und fertigt nunmehr Viren und andere Organismen in Übergröße aus Ton. Dafür braucht sie einen riesigen Ofen, für den erstmal Platz und Stromanschlüsse gefunden werden müssen. Weil sich die Keramiken nicht doll verkaufen, bietet Heike in der Innenstadt Kreativkurse für Kinder an. Damit kann sie die Werkstattmiete decken. Das hört sich doch versponnen an. Es ist wahrscheinlich gut, dass sie mit einem Verwaltungsfachangestellten liiert ist. Aber de facto entstehen doch anfassbare Dinge, von der realen Welt inspiriert.


Arnim hat sein Herz der sogenannten SEO (Search Engine Optimisation) verschrieben. Von seiner Agentur betreute Netzseiten haben einen super Pagerank, sagt er. Er spricht schnell und viel Denglish. Ob es an der Faszination des Wettbewerbs liegt, dass er hektisch Lehrsätze alá „Content ist King“ reproduziert ?
Alles, was seine Agentur fabriziert, wird unnutzbar, kappt man viele Kabel oder zerstört einige Server. Nichtsdestotrotz hat er ein Funkeln in den Augen, dass alle Künstler im Haus (mit Ausnahme eines temperamentvollen Malers) nicht haben.

Als ob die harte Lebensrealität Maler und Musiker eher abstumpft als Webdesigner. Nach dem Gedankenschweif lauschte ich noch eine Weile gebannt Arnims Ausführungen über Templates und css, dann ging ich wieder ins andere Stockwerk und nüchterte beim Blick auf zwei düstere Gemälde aus.

Selektive Wahrnehmung (Männerabend)


Eine Auftragszeichnung, als Geburtstagsgeschenk. Soll heißen : die vorliegende Pauschalisierung ist nicht auf meinem Mist gewachsen, ich denke, auch Frauen wollen mitunter nur zocken, trinken, schweigen. Oder zu lauter Musik über das System motzen. Oder sich Umbra et Imago – Konzertaufnahmen geifernd anglotzen.