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Alles und zwar gleich: Ehehygiene

Das Cover ist ja schon ein wenig putzig und auch peinlich in der Öffentlichkeit: mit einem rosa Vibrator in der Hand grinst eine Dame aus den 1960er Jahren dem Betrachter entgegen. Aber es unterstreicht auch das gewiefte Marketing des Ullstein-Verlages. Im pink-modernen Design, post-Feuchtgebiete sozusagen, verkauft sich Anja Stiffels zeitgenössisch-humoriger Roman „Ehehygiene“ sicher besser als mit einem unauffälligeren Cover.

Erst die Unterhaltung, dann das Nachdenken

Mit voller Absicht hatte ich mich im November auf „Blogg dein Buch“ für seichte Lektüre entschieden. Hochintellektuelle Literatur habe ich zu Hause schon genug rumliegen und sie passt nicht zu meinem Adventsstress. Das Lesen über die Leiden einer Protagonistin, der das schöne Leben nicht heiß genug ist, schon. So saß ich denn mit dem Roman im Bus und kicherte vor mich hin. Um die 200 Seiten im lockeren Bridget-Jones-Stil warteten auf mich. Der Ausgangskonflikt beinhaltet die Ehefrau Mitte 30, die feststellen muss, das zwar ihre Mutter Sex hat, sie selbst aber vor Mutterpflichten, Sohn und kreativem Beruf nicht mehr dazu kommt. Oder durch allerlei konsumistische und soziale Ersatzbefriedigungen vielleicht auch gar keinen Bedarf mehr hat. „Warum will sie eigentlich unbedingt ficken wie eine Frischverliebte, wenn sie doch die Gemütlichkeit schätzt?“, fragte ich mich beim Durchlesen mehrfach. Ansätze zu Antworten werden mehrfach geboten, aber keiner überzeugt mich so richtig. Mitleid und Staunen über die esoterischen und luxuriösen Möglichkeiten, die den besseren Einkommensschichten geboten werden, ziehen beim Lesen mit Gebimmel und Gebammel durchs Hirn.

Vom Liebhaben und Lebenlassen

Aber nein, ich wollte mich doch amüsieren, also muss ich die gar nicht sooo oberflächlichen und wahrscheinlich auch nicht sooo fiktiven Ausführungen schätzen und nicht immer rumgrübeln. Die Heldin schätzt sich als sensibel und schwierig ein und bietet damit vermutlich vielen Frauen Identifikationspotential. Zudem erinnert sie sich, eigentlich schon immer eher prüde gewesen zu sein und sieht folglich auch erst nach vier Monaten ohne ehelichen Geschlechtsverkehr Handlungsbedarf. Es kommen diverse Methoden ins Spiel, die in den titelgebenden Ratgeberschriften sicher nicht angeführt wurden. Da wird ins Vier-Sterne-Hotel gefahren, eine Paartherapie angefangen, ein Kamasutra-Quartett gekauft oder eine Tantralehrerin besucht. Alles sehr lustig beschriebene Episoden, keine Frage. Das Ziel „weniger denken, mehr spüren“ wird jedoch selten erreicht und das Heldenpaar muss erst einen Seitensprung pro Person erleben, damit sich der Dauerkonflikt ums unerfüllte Sexualleben auflöst. Wir lernen beim Lesen, dass Zwang nicht funktioniert, sondern die lange Leine, Humor, Spontanität und manchmal auch Alkohol oder Esoterik zum Einklang von Hirn und Yoni führen. Schon allein deshalb würde ich das Buch weiterempfehlen, denn nicht jede möchte mit trockenen Fakten gegen den gesellschaftlichen Druck zur Selbstoptimierung überzeugt werden. Der Ton macht die Musik, das ist wie mit dem Wort Yoni, das viel schöner klingt als alle bisherigen Bezeichnungen wie Mumu oder Lustgrotte.

Menschen und Mythen 2

C: „Sag mir, als Mann, ob Pia Plastic die direkte Folge von Werbewahnsinn und Feenbarbies ist !“

T:“Äh.. bitte was ?! Haste dir wieder stundenlang nen Satz zurechtgelegt ?“

C:“Ich habe so überlegt, warum dieses Amateur-Erotikmodell sich selbst als Puppe bezeichnet..“

T:“Viele Frauen werden doch als Puppen angesehen, das ist doch nichts neues.“

C:“Doch schon, du verstehst nicht. Pass auf, ich zeig sie dir mal..“

T:“Ohhh…“

C.“Sie bezeichnet sich auch selbst als Silikonfee. Da schau !“

T:“Ich sehe..“

C:“Als pinke Silikonfee. Versteh doch mal!“

T:“ Also ich steh ja weder auf Silikon noch auf Pink, aber irgendwie..“

C:“Das… ist das Surreale ! Ein ganz gewiefter Verkaufstrick!“

T:“Und was ist jetzt mit Barbie?“

C:“Dasselbe: große Flügel, auf die man Blüten schießen kann, schmale Taille, alles pink und gut geschminkt.“
T:“Ich habe irgendwie Lust auf einen T***en**ck. Du hast damit angefangen, also lass uns doch..“

C:“Moooment, ich muss mich erst zu Ende aufregen. Gestern in der Tram nämlich, da hatte jemand..“

T:“Och, kommt wieder so eine Verschwörungstheorie..“

C:“.. ein Blatt vor die Werbemonitore geklebt, auf dem stand, dass Wissenschaftler bestätigen, dass Hirne, die mit Werbereizen bombardiert werden, schlechter lernen können, als solche in reizarmeren Umgebungen. “

T:“Was lernen wir denn jetzt daraus ?“

C:“Das wollte ich dich doch fragen. Mein Hirn ist schon zu sehr mit pinken Botschaften voll. Aber ich habe so eine leise Ahnung, dass…“

T:“..du nicht mehr richtig denken kannst, weil du befürchtest, aus allen Barbiefans könnten Silikonfeen werden ? “

C:“Nee, so nun auch nicht.“

 

Fragile Pinkfeen

Neulich brachte meine Mutter Ü-Eier mit. Ich sah die Verpackung nicht, vielleicht war die rosa, aber darin waren zwei Plaste-Feen, die so dünn waren, dass nicht mit ihnen gespielt werden konnte, weil sie ständig in Mitte auseinander brachen. Meine vollschlanke Mutter, die eigentlich kein Problem mehr mit Rosa, Kitsch und Pink hat, ließ sich zu der Äußerung verleiten, die Feen seien ja so unrealistisch wespentaillig-dürr, dass gebe es in Echt nicht und sie hatte so einen seltsamen Wehklang in der Stimme, .. wie auch immer, es gibt eine Petition an Ferrero, sich das mit den Eiern „nur für Mädchen“ noch mal zu überlegen. Ich möchte auch darauf aufmerksam machen, weil es mich seit jeher nervt, wenn Handlungen/Spiele/Klamotten/Dinge/Orte nur für ein Geschlecht sind. Mag ja sein, dass die meisten Jungs/Mädels bestimmte Dinge eher mögen, aber ich habe eben auch immer gern ein Herz für die 10% abseits der Normalverteilung. Außerdem verstehe ich nicht, warum fliegende Fabelwesen Stöckelschuhe tragen.

Gedankensalat...

Silke Burmester über eine der Gründungsmitlieder von Pinkstinks, Stevie Meriel Schmiedel und ihre Aktivität gegen sexistische Werbung:

Wut-Mütter, wehrt euch!

Eine Kolumne von Silke Burmester

Wenn ein Beauty-Salon in Deutschland fünfjährige Mädchen zu Schönheits-Sklavinnen erziehen will, dann stimmt was nicht mit unserem Frauenbild. Zum Glück gibt es Menschen, die gegen diesen sexistischen Schrott vorgehen – und vor allem gegen frauenfeindliche Werbung.

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Der Jubiliäumsartikel..

.. ist in diesem Jahr eine Herausforderung. Ich habe nämlich keine Lust auf Verlinken, Taggen und Bildrecherche. Wenn schon im Alltag soviel Exaktheit verlangt ist, da möchte ich doch wenigstens auf meinem Privatvergnügenblog rumspinnen dürfen.

Also keine rassigen Rothaarigen suchen. Vielleicht mal Männchen präsentieren ? Man unkt ja, es gäbe da auch Exemplare mit adretten Nippeln. – Solcherlei Überlegungen stellte ich gestern auch an, als ich in der Tram saß, und auf göttliche Intervention wartete. Und tatsächlich, ein Fingerzeig materialisierte sich vor mir: Guck nach vorne, schrie er.

Mein Blick klebte daraufhin an der Frau fest, die mir gegenüber saß und auch wartete. Wartest du auch auf die Götter, wollte ich fragen, aber meine Lippen klebten so zusammen, wie mein Blick festklebte. 75D, rief die Wunderblume in mir; was für eine Bürde, rief das Mitleid aus mir. Runde Ausschnitte vergrößern die Brüste optisch, dachte ich mit dem Rest Ernsthaftigkeit, den ich noch hatte. Eine Frau soll ihre Vorzüge betonen, steht in den Magazinen.

Warum nur ?

3 Alpträume in 10 Stunden

„Ich bin zu spät. Habe verschlafen. Zehn Stunden geschlafen. Hätte auch drauf verzichten können.“
Chef: „Weil du dann auch die Kinder zu spät in die Kitas gebracht hast?“
ich: „Nee, die wurden schon weggebracht. Aber mich hat danach keiner geweckt, sodass ich noch einen dritten Alptraum haben konnte.“
Chef: „tsss.. Hilf doch erstmal Frau Huhn beim Laubharken.“

Gemacht. Dass Frau Huhn eine der most charming persons ever ist, hatte ich schon mehrfach erwähnt. Es gelingt mir, sie neidlos zu bewundern.
Ich vergaß meine Traumschrecken eine Weile. Aber es war alles so intensiv, dass ich trotz zu spätem Aufstehens erstmal eine Tasse Kaffee und 20min. Zeitunglesen brauchte, um in die Realität zu kommen.
Den zweiten Traum habe ich vergessen, aber er war mindestens so schrecklich wie der erste und der dritte. Jedoch ist das Menschenhirn so gestrickt, dass es primär den Anfang und das Ende abspeichert und erinnert – das habe ich als Grundschülerin in einem Zauberkasten gelernt, da stand im Beiheft, man solle die besten Zaubertricks deshalb am Anfang und am Ende machen.

In Traum 1 machte ich eine Schulfahrt und wusste längst, dass die verwendete Zugstrecke großer Murks ist, schließlich war die Endstation noch 7km von der Zielstadt entfernt. Wir gingen zwischen zwei Bahndämmen entlang, als von rechts Gefahr kam. Die meisten kletterten den linken Damm hoch, wo oben Gleise und Stromleitungen waren. Ich stand beobachtend, bis irgendwie Feuer ins Spiel kam, dann kletterte ich auch hoch und riss mir die linke Hand halb auf. An so Dornenranken und an der Handstelle, wo ich seit ein paar Echttagen einen Grind habe, von irgendeiner Lapidalienverletzung.
Um mich herum nur Panik und Verletzungen, weil eben Zeitdruck und Ratlosigkeit durch die nachrückende Gefahr war.
Aber ich erlebte auch noch mit, wie Krankenwagen und Feuerwehr kamen und die schwerer verletzten Mitschüler abtransportierten. Puh.

Im dritten Traum musste ich Hunger und Durst leiden, weil ich zu langsam und zu leise sprach – sehr leicht zu entschlüsseln.
Da war so eine Gasthoftante, die von mir eingeschnappt war, weil ich sagte: „Dann nehme ich eben KEINEN Kaffee, sondern…“ und sie schon EINEN Kaffee machte, weil sie mich schlecht verstand und der Satz zu lang war. Darum gab es für mich gar nichts mehr, bis ich nach 24 Stunden vor Durst und Hunger so jammerte, dass es diese Pensionsfrau erweichte. Das Ganze war auch wieder eine Fahrt, diesmal aber aber auch mit Familienmitgliedern..

Naja. Jedenfalls erwähnte ich am Nachmittag, dass ich Alpträume gehabt hatte und meine Tochter wandte dann astrein die Strategie an, die ich bei ihr versuche, wenn sie ungünstige Angewohnheiten hat oder sich in irgendwas reinsteigert: „Vergiss doch die Träume einfach, guck mal lieber hier und denk da dran!“ – ich sah auf ihre Zeichnungen. Mädchen mit langen blonden Haaren. Mädchen mit langen blauen Haaren. Rosa Wiese, weil kein Grün da war. Aha. Viel bunter als schlechte Erinnerungen, in der Tat.

Lieber eine gute Erinnerung:
gestern hat sich echt einer gefreut, mich wiederzuerkennen. Bei mir machte es aber lange nicht Klick, weil er damals (Anfang März) eine Kapuze aufhatte, die sein lustiges Zöpfchen verbarg. Damals dachte ich: ey, voll der subversive Eigenbrötler, spricht bestimmt nicht viel mit Leuten und so.
Gestern stellte er sich als Asta-Sozialpolitik-Referent vor und redete viel und entschlossen. Na, zumindest das ’subversiv‘ stimmte ein bisschen. Der hatte so einen Style, der ausdrückte: „gegen die heteronormative Geschlechterdualität“. Das sprach mich an, da hat mensch weibliche Niedlichkeit gepaart mit männlicher Entschlossenheit.
Ich lieh mir sogleich eine Emma Goldman – Biografie aus.

Fruchtbare Tage

Kann mensch das so schreiben, gibt es alle verwendeten Wörter ?
Und was, seufz, was bloß soll Pia tun ?

Pia sieht langgliedrige Finger, große Hände an einem zierlichen Körper. Große Hände, zu dem Schluss ist sie mittlerweile gekommen, sind sehr wichtig an Männern. Der Rest vom Körper braucht gar nicht so mächtig sein, hauptsache die Finger sind schön lang und vielleicht sogar ein bisschen eckig. Der eigentliche Körper darf gern schmal und fragil sein, das findet Pia auf künstlerische Art anziehend.

In einem Zimmer voller subversiver Plakate und neoarchitektonischer Fotos sitzen Pia und Adam am Schreibtisch: sie arbeiten einen Demonstrationsaufruf aus. Im Grunde immer für „die gute Sache“, hatte sich Pia zu einem linksalternativen Arbeitskreis begeben und sich sogleich bereit erklärt, mit diesem tief- und hellblickenden Burschen die stilistische Textüberarbeitung zu übernehmen.

Dabei ist Pia keine besonders gute Texterin, sie rät nur manchmal zur Verwendung von Doppelpunkten und Streichung von Kommata. Die überwiegende Zeit lässt sie Adam tippen und giert seine Hände an. Ob dieses Knistern im Raum liegt oder nur in ihrem Blick ? Pia wird das nie erfahren, wenn sie einfach abwartet. Schließlich ist in diesem Milieu männlicher Aktionismus herzhaft verpönt. Zu groß ist wahrscheinlich die Angst, als Chauvinist zu gelten.
Pia muss irgendwas tun, um in den Genuss der langgliedrigen Finger zu kommen. Aber was bloß ?

Mentalitätsfrage (um Antwort wird gebeten)

Hundementalität,
ist das
‚mit Knopfaugen betteln‘?

Hundementalität,
ist das
‚dem Frauchen hinterherlaufen‘?

Hundementalität,
ist das
’sein Häufchen an jede Ecke setzen‘?

Hundementalität,
ist das
‚an allem schnüffeln zu müssen‘?

Hundementalität,
ist das
wirklich was für Männer ?