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Menschen und Mythen 1

C: „In diesem Onlineshop steht: Schuhe sind Teil einer eigenen Identität. Ich habe es dir ja vorhin schon gesagt..“

T: „.. der Mensch braucht keine mechanische Solidarität. Die Mode ist der postmoderne Identitätsgeber. Jaja.“

C: „Nee echt mal, wer braucht noch Nationen, wenn er Schuhe hat..“

T:“ Menschen brauchen Mythen, meine Liebe. Lass sie ihnen.“

Kann mal passieren.

So. Ich habe keine Lust mehr auf Realitäten. Geht mir vom Leib, Kausalitäten.
Kommt heute nicht und morgen nicht und übermorgen …
gehen wir Tee trinken. Schon gut, ihr Alles, ihr Möchten und Werden. Ich weiß ja, ihr seid auch nur Entitäten. Blabla.

Ging ein Mann in den Schneeladen und schrie: Hände tiefer, ihr Wichser ! So nicht, das reicht nicht, ihr Flachwichser !
Die Verkäuferin verstarrte wild und frug: Wie kann man denn flach wichsen, wer legt denn da die Richtung fest ?
Ist das denn mein Problem ?, wieherte der Mann und griff den ganzen Schnee ab.

Fläche ab, Kaufen ab.

Der Jubiliäumsartikel..

.. ist in diesem Jahr eine Herausforderung. Ich habe nämlich keine Lust auf Verlinken, Taggen und Bildrecherche. Wenn schon im Alltag soviel Exaktheit verlangt ist, da möchte ich doch wenigstens auf meinem Privatvergnügenblog rumspinnen dürfen.

Also keine rassigen Rothaarigen suchen. Vielleicht mal Männchen präsentieren ? Man unkt ja, es gäbe da auch Exemplare mit adretten Nippeln. – Solcherlei Überlegungen stellte ich gestern auch an, als ich in der Tram saß, und auf göttliche Intervention wartete. Und tatsächlich, ein Fingerzeig materialisierte sich vor mir: Guck nach vorne, schrie er.

Mein Blick klebte daraufhin an der Frau fest, die mir gegenüber saß und auch wartete. Wartest du auch auf die Götter, wollte ich fragen, aber meine Lippen klebten so zusammen, wie mein Blick festklebte. 75D, rief die Wunderblume in mir; was für eine Bürde, rief das Mitleid aus mir. Runde Ausschnitte vergrößern die Brüste optisch, dachte ich mit dem Rest Ernsthaftigkeit, den ich noch hatte. Eine Frau soll ihre Vorzüge betonen, steht in den Magazinen.

Warum nur ?

Verpier (Pagess)

Eine hatte ihren Kopf auf dem Papier vergessen.
Abgetrennt. useless if dropped.

Folgt mir, Katzen, die Rettung muss hergelotst werden, sie ist ein Traktorschiff.


Habt ihr gesehen, Katzen, auf einem Papier steht:

Willkommen kleine Bürgerin
Im bunten Thal der Lügen!
Du gehst dahin du Lächlerin!
Dich ewig zu betrügen.


Das haben wir nicht gesehen, Mensch, weil es nämlich nicht wahr ist. Wir, mit unseren Katzenaugen, haben vielmehr von einem Bonsaigarten gelesen, und krude Entwürfe über Netzwerkspinnen und gefickte Fasern.


Psst, Katzen, die Rettung naht. Sie peilt mit Leuchten.

Egon und der April

Eine Begebenheit direkt aus Egons Kopf !

„Elegant sieht se ja aus, die Mausi mit der Zichte. Trotzdem find ich’s ätzend, wenn Leute ihren Qualm unterm Haltestellendach sammeln. Egozentrische Tussi ! Wozu hab ich denn mit dem Rauchen aufgehört, wenn ich jetzt hier mitrauchen muss ? Du kannst noch so adrett die Fingerchen abspreizen, Gift bleibt Gift und stinkt.
Lass die 28 sein, oder 31, viel Lebenserfahrung hat se wohl trotzdem nich. Und den Köter da neben der Bank, den hat se nur weil se sich sonst allein fühlt. Sind ja alle neurotisch, die Frauen heutzutage. Nicht mehr beziehungsfähig, mit nichts zufrieden, so wie meine Alte damals.“
Der Hund ist mittelgroß, ein rotbrauner Mischling.
„Umso größer der Hund, desto größer der Dachschaden der Frau, das hat mir der Richard damals erklärt.
Da hilft es dir auch nicht, Mausi, dass deine orange-braunen Klamotten gut zum Hundefell passen. Ja ja, es sieht schon lässig aus, wie die Leine locker durchhängt, aber so Wolfsviecher gehören einfach nicht in Städte. Das ist Anmaßung und Tierquälerei. Hörst du, Tierquälerei ! Und das als Gutmenschin und Freiberuflerin, die du bestimmt bist ! Oder Studentin, mir doch egal. Hör endlich auf zu quarzen, ich will mich auch mal auf die Bank setzen.
Denkst wohl, du darfst alles, nur weil du schick bist ? Da haste dich aber getäuscht. Ich bin auf Promedingsbums, bei mir regt sich nix mehr. Deine Titten lenken mich nich mehr ab. Das hat dieser Psychodoc gut hinbekommen. Ist gut gegen Einsamkeit und Aggressionen, hat er gesagt.
Naja, besser Bußgeld und Therapie als Knast, wa ? War’n bissel peinlich vor Gericht, vor sechs Wochen. Aber ich mein, ey, die Alte hat mich doch provoziert, als ich die Vase in der Hand hatte, damit hätte die doch rechnen müssen, was kommt die mir so blöd … „
„Egon, Eeeegoooonnnn …“ spricht die Tulpe auf dem Kopf der Frau leise. Egon nähert sich der Blume und knurrt: „Was willst denn du, hä ?“
Die Frau schreit: „Charles ! Runter !“
Egon versteht nicht, spürt aber einen reißenden Schmerz in der Wade.
„Charles!“ keift die Frau.

Blumenhund auf BMW

Vor so etwa drei Wochen hatte ich auf dem KOW-Blog zwei putzige Kurzgeschichten gelesen und mir vorgenommen, das dortige Konzept der Suchwortverwendung auch mal zu probieren, weil es sehr nach Schreibvergnügen aussah. Und tatsächlich, es ging fluffig von der Hand:

Wenn man jede Woche ein anderes Wallpaper verwendet, wird dann der Desktophintergrund zur Werbewand ? Zur nabelschauenden Diashow, weil es die schönsten Bilder des eigenen, schönsten Lebens sind, oder zur aussenwelterinnerlichen Plakatstrecke, weil es die beliebtesten Bilder der fremden, beliebtesten Wünsche sind ?
Wird man anfangen, sich einen Mercedes zu wünschen, nachdem man drei Tage lang beim Tippen und Internetsurfen auf die Teile eines Mercedes sah ? Ist ein BMW eigentlich tatsächlich die kleine, kühle Schwester eines Mercedes ? Und stimmt es, dass Menschen länger über Autos nachdenken als über Hunde ? Jedenfalls wurde die meistbenutzte Internetsuchmaschine im letzten Jahr öfter nach „Auto“ als nach „Hund“ befragt, und man gibt doch Suchbegriffe ein, weil man Informationen braucht, wenn das Bauchgefühl nicht ausreicht und das Denkenwollen Input zur Entscheidungsfindung braucht.
Für mich bleibt BMW jedenfalls weiterhin primär eine Spottformel Präpubertierender, die sich ein Tattoo wünschen, aber Angst vor Liebe haben und zu ihren Freunden sowas rufen wie:“Ey, die Marie hat doch nur’n BMW, die kannste doch nich geil finden!“ Ein „Brett Mit Warze“ ist schliesslich voll uncool.
Und Coolness ist wichtig. Nur Mädchen finden Babys, Blumen und pinken Kram attraktiv. Und auch nur die uncoolen Mädels. Die coolen malen sich selbst ein Wallpaper, das Liebe, Blumen, Autos und Tattoos in Einklang bringt. Die ganz besonders coolen Mädels schaffen es sogar, noch Hunde in dieses Bild einzubringen, ohne dass es kitschig wirkt.

Gleich heute fange ich mit Zeichnen an. Das wird so cool, dass ich mich dabei 14 Jahre jünger fühlen werde ! Ach was, sogar 16 Jahre: so als ob ich noch „nur ein BMW“ hätte.

Fenrisúlfr


Fenrisulfr mag keine Schiffe
ich mag sie auch nicht
man schwankt dort hin
und schwankt schlecht zurück

Es wird einem übel von einem Blick
und es nehmen übel die Blicke
der Schiffsfreunde, wie man wankt.
Da wo man plankt, da lass dich nieder
sagt der Volksmund
und dem verbietet niemand das Maul.