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Familienfreundliche Krankenkasse? – Die Salus BKK und die Rufbereitschaftspauschale für Hebammen

Ein Päckchen mit Bärensocken, Frauentee und noch irgendwas. Briefchen für ein Babyalbum, die an die Vorsorgeuntersuchungen erinnern sollen. FamilyCare-Newsletter. BabyCare-Programm. Da wird der Anschein einer Rundum-Versorgung für Schwangere und Eltern gepflegt. / Wie so viele andere Krankenkassen auch versucht die Salus BKK mit Familienfreundlichkeit zu punkten. Ich hatte mich letztendlich vor Jahren nur deshalb für diese Kasse entschieden, weil sie irgendwie exotisch klang und eine Filiale in meiner Wohnstadt hat (im Gegensatz zur vormaligen Krankenkasse). Mittlerweile aber zeigte sich die Salus BKK in einem für mich wesentlichen Punkt als schlechter als viele andere Krankenkassen. /
„Früher war das nicht so, aber jetzt übernehmen die meisten Kassen die Kosten für die Rufbereitschaftspauschale.“, sagte die betreuende Hebamme. „Meine anscheinend nicht.“, antwortete ich nach einer Anfrage bei der Kassen-Sachbearbeiterin. „Aber“, ergänzte ich hoffnungsfroh, „meine Anwältin macht einen Widerspruch. Kann ja nicht sein, dass fast alle das übernehmen, nur meine nicht. Die Salus BKK stellt sich doch als so besonders schwangerenfreundlich dar, die bieten lauter komische Zuschüsse, die ich nicht in Anspruch nehme, überhaupt bin ich ein sehr sparsames Kassenmitglied. Da wird es doch wohl bei genauerer Nachfrage möglich sein, mir die 300 Euro rückzuerstatten.“ Die Hebammen wissen, dass ich nicht gutverdienend bin und erklären, warum sie das Geld brauchen. Ich zeige mein Verständnis und bin ja auch zahlungswillig, denn die Leistung ist mir sehr wichtig, führen willkürlich erscheinende Krankenhaushebammen bei mir doch zum Wehenstillstand.
/ Ich schrieb einen Antrag auf Kostenübernahme, zwischen all den anderen Unmengen Papierkram, die für meine selbstbestimmte Geburt wie auch überhaupt rund um eine Geburt und kurz danach nötig sind. Es kommt ein Paket von der Salus BKK: darin oben beschriebener Schnulli. Ich denke: Meine Güte, dafür haben die also Geld, was ein Quatsch, nur der Tee ist gut für die Verdauung (und bestimmt auch gegen Menstruationsschmerzen, aber was nützt das einer Schwangeren?). Später kommt die Ablehnung, noch später die Ablehnung des Widerspruchs. Ich verstehe die Begründung so, dass der Ermessensspielraum im Rahmen einer „zusätzlichen Leistung bei Schwangerschaft“ in der Satzung gegen Null geht, obwohl das Nichtbezahlen offensichtlich gegen meine im Grundgesetz befindliche Wahlfreiheit des Geburtsortes geht.
/ ich persönlich konnte die Rufbereitschaftspauschale zwar zahlen (dann spare ich eben anderswo), aber es soll ja ärmere Menschen geben, denen durch solche Kassenentscheidungen das Krankenhaus und die dortige Willkür aufgezwungen wird. Wäre dies generell kostensparender, so könnte man verstehen, dass die Salus BKK nur Krankenhausgeburten bezahlen möchte. Ökonomisierung des Gesundheitswesen und so. Jedoch kosten Nächte im Krankenhaus, die dortige Technik, mehr Personal vor Ort erheblich mehr als zwei Hebammen für einige Stunden bei mir zu Hause. Von den immer mehr werdenden Operationen und Aktionen, die bei Krankenhausgeburten angesetzt werden, obschon unnötig bis schadend, ganz zu schweigen.
/ Wer also nicht nur eine „irgendwie familienfreundliche Krankenkasse“ sucht (denn so einen Anschein vermitteln letztendlich die meisten Kassen), sondern eine Hausgeburt, Beleggeburt, Geburt in der Hebammenpraxis oder Geburt im Geburtshaus plant, lasse lieber die Finger von der Salus BKK. Auch wenn das Geld in der Familienkasse ist, um die Rufbereitschaft selbst zu zahlen. Es geht auch um die Wertschätzung von Hebammenarbeit und die Wahlmöglichkeit für weniger Betuchte. Auf dass alle Krankenkassen irgendwann ein Einsehen mit der Rufbereitschaft der Hebammen haben.

Wohin mit der Plazenta ?

Ostern naht und damit auch wieder eine Frage, die mich seit über zwei Jahren beschäftigt:

„Wohin mit der Plazenta ?“

Die Stadt ist voller Fruchtbarkeitssymbole und die Böden sind nicht mehr gefroren.

Die Frage mit einem „ach, man kann jetzt eh nicht im Erdreich graben“ verdrängen geht also nicht mehr.

Das liest sich jetzt für Uneingeweihte vermutlich bisher merkwürdig. Es ist auch ein eher ungewöhnliches Problem, scheint mir. Deshalb finde ich auch bislang keine Lösung. Aber: ewig Aufschieben bringt es ja auch nicht.

Ich weiß einfach keinen Garten, von dem ich denken könnte: „Hier wird meine Tochter auch in 15 Jahren noch Zugang haben.“ Aber ich habe noch ihre (oder meine ? wie sagt mensch korrekt ?) Plazenta im Gefrierfach. In einer Art Tupperdose, versiegelt bei -30°.

Ich möchte das Ding nicht essen. (Ja, lacht nicht: das ist durchaus üblich, es gibt gute Gründe dafür, Plazenten zu verspeisen: sie sind das einzige vegane Fleisch und sie sollen sehr nährstoffhaltig sein und gar nicht übel schmecken) Allein bei dem Gedanken wird mir übel, pardon.

An Kosmetikfirmen verkaufen ist nicht mehr üblich, das habe ich recherchiert, die nehmen keine mehr. (Aber vielleicht im Ausland ?! Für den Erlös könnte ein praktikablerer Gegenstand gekauft werden.)

Einfach wegschmeißen bringe ich auch nicht übers Herz. Außerdem würden sich Müllsortierer im Recyclinghof oder Müllwühler der Nachbarschaft vielleicht alarmiert fühlen und einen Neonatizid vermuten und dann bräche ein überflüssiger Polizeieinsatz aus..

Ich bin in einer Zwickmühle. Hätte ich das Stück Glibber damals der Hebamme mitgeben sollen ?
Dann hätte die erst recht gedacht, ich wäre eine kühle, distanzierte Gebärerin. Noch nicht mal den Mutterkuchen behalten wollen, das hätte die esoterische Dame nicht nachvollziehen können.
Außerdem soll die Plazenta beim Rausflutschen geblinkt und gefunkelt haben, sagen Beobachter.

Seufz. In meinem Gefrierschrank ist ein spirituell aufgeladener Glibberbatzen, dessen weitere Verwendung mir verdammt unklar ist. Probleme kann frau haben…

Tragekinder provozieren

Hier geht es um das Lästerproblem, das mich vorwiegend in einer Montagsmigräne antrifft, einleitende Worte dazu hier .

Und es geht um das für mich beste Kleinkinderutensil der Moderne- die Trage. Auch als Tragetuch, „Komforttrage“, Babysling, Baby Carrier oder oder bekannt. Es gibt verschiedentliche Fabrikate und Trageweisen, aber wenn mensch erstmal eine für sich passende gefunden hat (fühlt Elter sich wohl, fühlt sich auch Kind wohl) und evt. mithilfe einer Hebamme oder Trageberaterin angepasst hat (auch ich bekam vorher Rückenschmerzen, weil Trage war zu locker gestellt) lassen die positiven Effekte nicht lange auf sich warten. Ich bin wirklich sehr euphorisch darüber, denn dieses Gerät hat mir ein wenigstens halb-normales Leben trotz Säuglings ermöglicht. Das Kind begann sich somit erst mit Krabbelalter zur Fussfessel zu enwickeln 😉

Meiner Meinung und Beobachtung nach ist ein klassischer Kinderwagen /Buggy nur bei eher phlegmatischen Kindern und in speziellen Situationen von Nutzen, so wie einem über halbstündigen, ununterbrochenen Spaziergang mit einem Laufkind (das aber keinen Laufbock mehr hat, sondern dann vielleicht tatsächlich Bücher guckend im Buggy abhängt) oder um der Fremdbetreuung den Mittagsschlaf zu erleichtern.

Ansonsten gilt für mich: wer sich die Schieberei (und ab Laufalter Diskutiererei, warum nicht Kind den Wagen schieben oder drauf rumklettern darf) antun möchte, bitte schön. Ich grinse eben in mich hinein, wenn ich Szenen erlebe (nicht selten), wo Mütter gestresst in der einen Hand den Wagen schieben(mitunter schwierig zu lenken), in der anderen Hand das Baby buckeln; oder in Gewissenskonflikte kommen, ob sie wirklich das schlafende Kind im Wagen vor der Tür des kleinen Geschäftes lassen sollen, oder lieber auf das Betreten selbigens verzichten sollten. Einmal wär mir fast rausgerutscht: „tja, vielleicht hättest du den Wagen lieber zu Hause gelassen“, als die junge Frau neben mir zu fluchen anfing, weil eine Straßenbahn mit Treppeneinstieg kam, statt der Niederflurbahn. [Ein anderes Mal war ich wirklich versucht, der hilflosen Frau, die aber nicht wirkte, als ob sie Ratschläge wolle, zu erklären, dass eng tragen und schuckeln bei verwirrt schreienden Neugeborenen helfen könnte- mehr als im Wagen liegen lassen und drauf einsäuseln]

Aber dann wäre ich nicht besser gewesen als die hier zu kritisieren uninformierten Personen, die (meist zu zweit) über mich und meine Trage lästern. Das passiert nicht in gentrifizierten Vierteln, aber oft in Form von 70+Damen.

Kampagne des deutschen Hebammenverbandes geht weiter

Und für alle, die gar nicht wissen, worum es geht, hier ein Auszug aus dem betreffenden Artikel der hiesigen Lokalzeitung, Autorin = Jana Haase

In ihren Händen fängt ein Menschenleben oft an: Jetzt fürchten Hebammen bundesweit um das Weiterleben ihres Berufsstandes. Dramatisch gestiegene Versicherungspolicen bei gleichzeitig kaum veränderten Honorarsätzen von den Krankenkassen machen den Beruf schon jetzt für viele zum Zuschussgeschäft. Im Juli 2010 steht eine weitere Erhöhung der Versicherungsprämien an. Mit Aktionen rund um den Welthebammentag am heutigen Mittwoch machen auch Potsdamer Hebammen auf ihre schwierige Situation aufmerksam.
[…] Ab Juli 2010 soll die Versicherungsprämie auf fast 3700 Euro steigen. Gleichzeitig hätten sich die Honorare für Geburten nur um wenige Euro erhöht – für Hausgeburten zahlen die Krankenkassen derzeit ein Bruttohonorar von 448,80 Euro, für die Entbindung im Geburtshaus 367,20 Euro, für eine Beleggeburt im Krankenhaus 224,40 Euro. „Nur mit Geburten arbeite ich im Minus“, erklärt Peggy Janner, die nach eigenen Angaben rund 45 Geburten pro Jahr betreut: „Ich muss mir durch Vorbereitungskurse und Wochenbett die Geburtshilfe selbst finanzieren.“ So wie ihr geht es den meisten selbstständigen Hebammen.
[…] Aber auch steigende Geburtenzahlen verbessern die Situation der Hebammen nicht: „Wenn man das durchkalkuliert, muss man so viel arbeiten, dass der Anteil von Vorsorge und Wochenbett zu kurz kommt“, erklärt Romy Wagner, Hebamme im St.-Josefs-Krankenhaus. Die Kollegen zweier Berliner Geburtshäuser hätten sich bereits zur Aufgabe entschlossen. Wenn sich an den finanziellen Bedingungen nichts ändert, würden sich immer mehr Frauen aus dem Hebammen-Beruf zurückziehen, glaubt Wagner.

Mit ihrer Befürchtung ist sie nicht allein. „Die Eltern sind letztendlich die Leidtragenden“, betont Peggy Janner. Ohne Hebammen könnten sie sich nicht mehr für eine Hausgeburt oder die Entbindung in einem Geburtshaus entscheiden und wären auf die Kliniken angewiesen. Dort werde es einen erhöhten Ansturm geben. „Die Welt braucht Hebammen“ stand auf den roten Luftballons, die Janner gestern auf der Brandenburger Straße verteilte.