Posts Tagged ‘ Hunde ’

Und dann ging die Zeit

Die Zeit hat nur eine Richtung, sagten mir einige. Sogar meine Mutter fing an, Kierkegaard zu zitieren. Nach vorne leben, nach hinten verstehen. Ja ja. Aber die Angst blieb. Was, wenn die Zeit schneller ist, als man selbst. Verheddert man sich dann ? Stolpern, verheddern, wie mit der Hundeleine bei Pongo und Perdita und dann küssen sich Dalmatinerherrchen und Dalmatinerfrauchen und die Hunde kichern. Das würde implizieren, dass die Zeit auf Kuppelei steht. War das nicht vor einigen Jahrzehnten in der BRD noch strafbar ? Der Kuppelei-Paragraf. 

Neulich besuchte ich ein Konzert (da ging es textlich um Kuppelei), denn ich muss sehr viel aufholen, Events mit Menschenbeteiligung und Gruppendynamik und all diesem. Die Hauptband war früher erheblich beliebter, aber ich stellte mir vor, dass in der jetzigen Zeit mir deren Konzert besser bekam als es damals wäre. Beliebte Bands führen zu Gedrängel. Und mir ist unklar, was am Gequetschtsein zu Musikgenuss oder entspanntem Performancegucken führen kann.
Ich horchte also und guckte und fand es sehr beruhigend, auch Menschen zu sehen, die erheblich älter waren als ich. Alles bleibt unberechenbar. Vielleicht lange angenehme Diagonale, vielleicht morgen plötzlicher Schmerz und Bemerken eines Tumors.

Warum dieser Beitrag ?
Trivial: Ich mag nicht mehr den November ganz oben in diesem Blog stehen sehen, den ich doch aus Nostalgie und Archivarinnentum bestehen lassen mag. Außerdem, ein Tipp für mich und Lesepassantinnen für später, helfen vier Dinge gegen Wut, Melancholie und Unsicherheit: Schreiben, Sport, Sex und Schlafen.

In diesem Sinne ist noch immer Frühling. Fressen, Saufen und Wand anstarren übrigens helfen nicht.

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Egon und der April

Eine Begebenheit direkt aus Egons Kopf !

„Elegant sieht se ja aus, die Mausi mit der Zichte. Trotzdem find ich’s ätzend, wenn Leute ihren Qualm unterm Haltestellendach sammeln. Egozentrische Tussi ! Wozu hab ich denn mit dem Rauchen aufgehört, wenn ich jetzt hier mitrauchen muss ? Du kannst noch so adrett die Fingerchen abspreizen, Gift bleibt Gift und stinkt.
Lass die 28 sein, oder 31, viel Lebenserfahrung hat se wohl trotzdem nich. Und den Köter da neben der Bank, den hat se nur weil se sich sonst allein fühlt. Sind ja alle neurotisch, die Frauen heutzutage. Nicht mehr beziehungsfähig, mit nichts zufrieden, so wie meine Alte damals.“
Der Hund ist mittelgroß, ein rotbrauner Mischling.
„Umso größer der Hund, desto größer der Dachschaden der Frau, das hat mir der Richard damals erklärt.
Da hilft es dir auch nicht, Mausi, dass deine orange-braunen Klamotten gut zum Hundefell passen. Ja ja, es sieht schon lässig aus, wie die Leine locker durchhängt, aber so Wolfsviecher gehören einfach nicht in Städte. Das ist Anmaßung und Tierquälerei. Hörst du, Tierquälerei ! Und das als Gutmenschin und Freiberuflerin, die du bestimmt bist ! Oder Studentin, mir doch egal. Hör endlich auf zu quarzen, ich will mich auch mal auf die Bank setzen.
Denkst wohl, du darfst alles, nur weil du schick bist ? Da haste dich aber getäuscht. Ich bin auf Promedingsbums, bei mir regt sich nix mehr. Deine Titten lenken mich nich mehr ab. Das hat dieser Psychodoc gut hinbekommen. Ist gut gegen Einsamkeit und Aggressionen, hat er gesagt.
Naja, besser Bußgeld und Therapie als Knast, wa ? War’n bissel peinlich vor Gericht, vor sechs Wochen. Aber ich mein, ey, die Alte hat mich doch provoziert, als ich die Vase in der Hand hatte, damit hätte die doch rechnen müssen, was kommt die mir so blöd … „
„Egon, Eeeegoooonnnn …“ spricht die Tulpe auf dem Kopf der Frau leise. Egon nähert sich der Blume und knurrt: „Was willst denn du, hä ?“
Die Frau schreit: „Charles ! Runter !“
Egon versteht nicht, spürt aber einen reißenden Schmerz in der Wade.
„Charles!“ keift die Frau.

Blumenhund auf BMW

Vor so etwa drei Wochen hatte ich auf dem KOW-Blog zwei putzige Kurzgeschichten gelesen und mir vorgenommen, das dortige Konzept der Suchwortverwendung auch mal zu probieren, weil es sehr nach Schreibvergnügen aussah. Und tatsächlich, es ging fluffig von der Hand:

Wenn man jede Woche ein anderes Wallpaper verwendet, wird dann der Desktophintergrund zur Werbewand ? Zur nabelschauenden Diashow, weil es die schönsten Bilder des eigenen, schönsten Lebens sind, oder zur aussenwelterinnerlichen Plakatstrecke, weil es die beliebtesten Bilder der fremden, beliebtesten Wünsche sind ?
Wird man anfangen, sich einen Mercedes zu wünschen, nachdem man drei Tage lang beim Tippen und Internetsurfen auf die Teile eines Mercedes sah ? Ist ein BMW eigentlich tatsächlich die kleine, kühle Schwester eines Mercedes ? Und stimmt es, dass Menschen länger über Autos nachdenken als über Hunde ? Jedenfalls wurde die meistbenutzte Internetsuchmaschine im letzten Jahr öfter nach „Auto“ als nach „Hund“ befragt, und man gibt doch Suchbegriffe ein, weil man Informationen braucht, wenn das Bauchgefühl nicht ausreicht und das Denkenwollen Input zur Entscheidungsfindung braucht.
Für mich bleibt BMW jedenfalls weiterhin primär eine Spottformel Präpubertierender, die sich ein Tattoo wünschen, aber Angst vor Liebe haben und zu ihren Freunden sowas rufen wie:“Ey, die Marie hat doch nur’n BMW, die kannste doch nich geil finden!“ Ein „Brett Mit Warze“ ist schliesslich voll uncool.
Und Coolness ist wichtig. Nur Mädchen finden Babys, Blumen und pinken Kram attraktiv. Und auch nur die uncoolen Mädels. Die coolen malen sich selbst ein Wallpaper, das Liebe, Blumen, Autos und Tattoos in Einklang bringt. Die ganz besonders coolen Mädels schaffen es sogar, noch Hunde in dieses Bild einzubringen, ohne dass es kitschig wirkt.

Gleich heute fange ich mit Zeichnen an. Das wird so cool, dass ich mich dabei 14 Jahre jünger fühlen werde ! Ach was, sogar 16 Jahre: so als ob ich noch „nur ein BMW“ hätte.

Mentalitätsfrage (um Antwort wird gebeten)

Hundementalität,
ist das
‚mit Knopfaugen betteln‘?

Hundementalität,
ist das
‚dem Frauchen hinterherlaufen‘?

Hundementalität,
ist das
’sein Häufchen an jede Ecke setzen‘?

Hundementalität,
ist das
‚an allem schnüffeln zu müssen‘?

Hundementalität,
ist das
wirklich was für Männer ?

Realtheater: 3 Uhr nachts in Potsdam-Süd

Heute (10.10.2011, ich veröffentliche längst zeitversetzt zum Schreiben)
hatte ich einen schlimmen Traum. Nicht dass mich das beunruhigen würde, dazu bin ich viel zu sehr auf dem Standpunkt, dass mensch nachts einfach verarbeitet, was ihn so umtreibt, und dass da nichts Prophetisches darin ist. Aber es war mal ein merkwürdiges Erlebnis. Im Grunde eine Verknüpfung dreier merkwürdiger Ereignisse.

Geträumt habe ich eine Evakuierung. Meine Wohnung war zugleich meine Schule, wie das eben in Träumen mitunter so verwischt ist; der Grund war irgendein Endzeit-Naturkatastrophenkram, von dem unklar war, wie lange er anhalten würde. Ich sah, wie meine Oma über die Balkonbrüstung nach unten gereicht wurde (von einem Rettungsservice) und bekam selbst die Auskunft, ich sei zu jung und könne doch flott die Treppe nehmen. Dann habe ich lange rumgebastelt (im Traum Strategie gespielt, toll), was ich im Rucksack mit runter nehmen möchte, welches Einpacken oder Anziehen wie lange dauern könnte und welche Reihenfolge wohl dafür am besten sei..

Irgendwann war das dann geschafft und in einem Schulbus ging es weg vom Katastrophengebiet. Leider mussten wir sehr lange im Bus ausharren und.. Na, das ist nicht so spannend. Am Morgen danach habe ich überlegt, was mich zu einem solchen Traum inspiriert haben könnte und mir fiel die merkwürdige Begebenheit ein, wie wir einmal auch nach dem Unterricht die Schule nicht verlassen durften, weil angeblich ein Verbrecher ausgebüchst war, der erst mal per Hubschrauber und Sondereinsatzkräften gesucht werden musste, bevor die Kinderlein wieder auf die Straße durften. Das war recht witzig, so im Frühteenageralter. Wir saßen halt kichernd bis aufregt im Raum rum. Oder in den Fluren. „Aber auf keinen Fall die Gebäude verlassen, das Böse kann überall lauern !“

Aus heutiger Sicht erscheint mir das ziemlich schwachsinnig. Aber es war wohl nicht der Traumanlass, denn das liegt schon so lange zurück. Realistischer und zeitnaher war der Lärm, der mich kurz nach 3 Uhr geweckt hatte. Der Lärm war ein nicht enden wollendes Bellen, dass durchs geschlossene Fenster und fünf Stockwerke nach oben drang. Ich war davon leicht angepisst: da ist das Kind endlich wieder soweit gesund, dass es sich nicht jammernd umherwälzt und Hilfe braucht, dann kommt sowas.

Ich meine, ich bin einiges gewöhnt, an dem Wohnungsstandort. Tatütata, grölende Jugendliche aufm Weg zur Tanke, das Absingen von nationalen Liedern auf dem Gehweg gegenüber, illegale Straßenrennen etc.

Also wollte ich mich von einem Tiergeräusch nicht am Weiterschlafen hindern lassen. Doch was war das für eine Männerstimme.. mit wem redete der da ? Warum kriegte er soviel Bellen als Antwort ? Ich wurde immer neugieriger und wacher. Das Bellen nahm immer nur dann ein Ende, wenn der Mann „Hilfe, Hilfe“ rief. Dann wurde der Hund kurz still. Bellte dann aber unter großem Zetern des Mannes weiter. Vielleicht war hier Zivilcourage gefragt ?

Mühsam und mit brennenden Augen schleppte ich meine Sensationslust ans Fenster. Ich sah eine Zigarette auf dem Balkon nebenan glimmen (aha ! Andere Zuschauer !), dann einen Golden Retriever (aha ! der ungezogene Bruder des beigen Labradors !), dann einen Mann ohne besondere optische Merkmale. Beide machten wirre Bewegungen auf dem Rasen vor dem Haus. Dann sah ich noch ein Sixpack Bier auf dem Gehweg stehen. Bevor ich lange „hääää?“ denken konnte, gingen flotten Schrittes zwei oder drei junge, gewaltbereit wirkende Männer auf den ersten Mann zu. Sie sagten auch irgendwas. Der erste und der Retriever trollten sich daraufhin nach links aus der Szenarie. Die jungen Typen nahmen daraufhin das Sixpack an sich und verschwanden nach rechts aus der Szenarie. Zum Schluss lief noch ganz, ganz schnell ein Dackel von rechts ins Bild und verschwand eilig Richtung Retriever.

Dann war es wieder relativ ruhig draußen. Ich hätte jetzt weiterschlafen sollen. Das gelang mir aber nicht, weil ich das Gesehene nicht sinnvoll auflösen konnte und mich meinerseits nun wirr umherwälzte. Davon wachte das Kind freilich auf. Dann folgte circa eine Stunde von abwechselnd: Kind wach, ich schlafbereit – Kind schläft, ich zu aufgekratzt zum Schlafen. Irgendwann schlief ich dennoch ein und hatte diesen schlimmen Traum.

Verdammter Hundemann. Oder war er ein Opfer ? Ich kann mir immernoch nicht recht erklären, was da abging.

politisch korrektes Nudelentsorgen

Ihr seid also gegen Wettbewerb. Warum kickert ihr dann ?

Da sind sie wieder. Mehrere schwarze Knopfaugen. Ich habe die Herzen ihrer Besitzer für einige Stunden erobert. Tolle Wurst. Sie blicken mich erwartungsfroh an und setzen mich damit unter Druck.

Ja, ich sehe schon auch, dass da noch fünf Nudeln auf meinem Teller sind und verflixt, ich will den Teller endlich los werden. Geraume Zeit schon balancierte ich das Ding auf meinem Schoss, während meine Arme einen Meter weiter ein Kleinkind beim Stuhlauf- und -abklettern unterstützen. Mehr Bewegungsfreiraum wär ein Knüller.

Nur, wohin mit dem verdammten Ding ? Es auf den Tresen zurückzustellen ist gerade verboten, die Lesung ist in vollem Gang. Auf den Boden stellen, ohne vorher die Hundebesitzer zu fragen, ob Nudeln Bauchdrücken im Hundemagen verursachen, könnte auch zu Ärger führen.

Scheiße, Zwickmühle. Ich sehe mal um mich, ist irgendeine Rettung zu sehen ? – alle Leute starren kichernd Richtung Bühne, bis auf einige, die belustigt auf mein wuseliges Kind gucken. Hier, der hat das Kind schon angelacht, der ist vielleicht nicht ganz so angepisst, wenn ich ihn anspreche. Aber es darf nicht zu laut sein (keine anderen Leute mitstören), auch nicht zu leise (eigentlich muss ich den Vorleser doch irgendwie übertönen). Ich komme mir sehr blöde vor. Was, wenn die bereits runtergefallenen Nudeln nur mühevoll toleriert wurden und eine Hasstirade losgeht, sobald ich meine Restnudelfrage gestellt habe ?

Tief durchatmen. Sich ins Gedächtnis rufen, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die den globalen Ponyhof fordern:

"für den Ponyhof: Kommunismus"


Böse Worte kommen doch jetzt und hier bestimmt nicht vor. Also: „Äh… können die Hunde die Nudeln fressen ? [oh gott, ist das eben eine spezifistische Äußerung gewesen?] Oder gibt das Bauchschmerzen?“
Antwort: „Hm, frag doch mal ihn, dem gehört er.“
„Ihn“ kann ich in keine Schublade einordnen, ich erinnere mich nur müßig an einen anderen Spruch vom Klo:

männlich-rigides Auftreten ist nicht erwünscht


Das ist allerdings eher schlecht, weil rigide Männlichkeiten könnte ich abschätzen, ich würde mein unterwürfigstes Gesicht machen und auf meinen Missstand hinweisen, an Beschützerinstinkte appellieren, zugleich meine Schuld einräumen (ich hätte ja besser auf die Kinder aufpassen können, dann hätten sie die Hunde nicht angefüttert).. Nun sehen mich zwei, drei große, schwarze Hunde als ihren Messias an und der verdammte Teller fällt mir gleich runter..
Ich sehe dem androgynen bunten Typen nicht ins Gesicht, während ich ihn kleinlaut nach den Verdauungsmöglichkeiten seiner Hunde befrage, ich verstehe seine Antwort auch nicht als 100%ige Zustimmung, aber, meine Fresse, weg jetzt mit dem Ding. Ab unter den Stuhl damit.
– drei schwarze Hunde lecken x-mal unter meinem Stuhl einen Teller sauber. Ich denke kurz an meinen Stiefvater, der mal ausgerastet ist, weil eine Katze einen Menschenunterteller ablecken durfte.
Was für ein Spezifist. Gut, dass es hier anders ist.

und dann reicht es mit dem bunten Haus.

Sonntag, 8 Uhr, Stadtplatz

[jemand zwang mich, zur unmenschlichen Sonntagszeit von 7 Uhr endgültig das Bett zu verlassen, nach über einstündigem flehentlichem Herumwälzen in selbigem – gleich lässt die Wirkung des ersten Kaffees nach. Um nicht einzuschlafen, versuche ich mich in einer kleinen Hommage an den großen Herrn Neumann.]


Leona Taube hatte gut geschlafen und konnte bereits die Menschen vor der Bäckerei erblicken. Die meisten von ihnen sahen irgendwie müde aus. Warum nur ?
Die Sonne war doch schon vor über zwei Stunden aufgestanden. Waren nicht auch diese ganz jungen Menschen dem Ruf der Sonne gefolgt und aus ihren Decken gekrochen, wenngleich sie am Abend weit nach Sonnenuntergang erst mit dem Schlaf begonnen hatten ?
Jetzt standen diese Menschen auf dem kleinen Stadtplatz. Sie sahen alle verloren aus. „Sie werden sich ein jeder seines Status bewusst sein und darum so kümmerlich dreinblicken“, dachte Leona.
Das Menschentier durchläuft mehrere Stadien, das ist bei Tauben nicht anders. Sie werden ungefragt geboren, müssen Nahrung suchen, schlafen und irgendwann sterben, letzteres geschieht zumeist auch ungefragt. Was die Menschen außerdem noch treiben, hat Leona noch nicht vollends durchschaut – sie ist eine noch junge Taube und das Menschentreiben erscheint ihr oft rätselhaft.
Zwei ältere Männer sitzen am Tisch vor der Bäckerei. Ein dritter kommt und sagt etwas, woraufhin der erste miesmutig aufsteht. Der dritte klopft dem zweiten auf die Schulter und setzt sich dann. Der zweite murmelt etwas und steht auf. So sind nun alle drei separiert.

Leider haben sie kein Gebäck zurückgelassen. Leona hat aber Appetit.
Im Bäckerladen drängt sich eine beachtliche Anzahl Menschen um die Theke, hinter der drei Frauen in Dirndln umherlaufen. Die eine Frau scheint noch keine dreißig Jahre alt zu sein und trägt zum bescheidenen Dekolleté einen doppelten Lidstrich, der den Blick auf ihr fahles, müdes Gesicht lenkt. Die beiden anderen sind älter und deshalb munterer, auch bieten sie üppigere Brustauslagen.
Die Menschen vor der Theke haben sich etwas aus der Gebäckauslage ausgeschaut und brüllen ihre Bestellungen durcheinander. „Zwei Kartoffelbrötchen, drei Schusterjungs, ein Franzbrötchen, zwei Pfannkuchen, und dazu noch eine Mohnstange !“
Leona kann nur bedingt nachvollziehen, warum sich die Leute nicht die Aufbackmasse selbst erhitzen („Fertigbacken“), etwas anderes tut der junge Mann ohne Dirndl rechts hinten im Bäckerladen doch auch nicht.
Vielleicht brauchen die Menschen einfach Gründe und Ziele, um ihre Nester zu verlassen, ist doch ihr Bewegungstrieb nicht mehr so stark ausgeprägt, wie bei manch anderen Tieren.
Deshalb halten sie sich womöglich auch diese Wolfsderivate, die so geduldig vor dem Laden warten. Sie wissen, dass sie nicht mehr jagen brauchen, bringt ihnen doch ihr Mensch mehrere Fressportionen täglich. Fast beneidet Leona diese Hunde, da fällt ihr auf, wie umständlich deren Überleben ist.
Warum halten sich die Menschen nicht lieber Tiere als Gefährten, die sich von Gras und Gemüseabfällen ernähren ? Finden sie es wirklich besser, Grasfresser in riesigen Hallen mit Mais und brasilianischem Soja fett zu füttern, um später deren Kadaver ihren Hunden vorzusetzen ?
Ein Mann steigt vom Rad ab und sagt zu der ebenfalls vom Rad abgestiegenen Frau: „Guck mal, auf der Zeitung ! Schon wieder so eine Somaliaschlagzeile ! Wann unternehmen die endlich was gegen das Verhungern?“
Leona ist verwirrt. Wenn Menschen sich um die Nahrungsnot anderer Menschen sorgen, warum verfüttern sie Nahrung an Tiere, welche wiederum von Tieren gegessen werden, die keiner essen mag, weil sie Hunde heißen ?