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Der kleine Heuler ist wieder da

(11/08/2011)

Kleine Kinder passen nicht in die moderne Gesellschaft.

Das ist so ein Grundproblem, das mir immer mal wieder zu schaffen macht. Auch heute hatte ich wieder einen ätzenden Tag und wünschte mich in die Stammesgesellschaft zurück. Jetzt ist Abend und die eigenen Kinder verträumen selig ihre mittagsschlaflosen Tageserlebnisse, um morgen früh wieder fit zu sein und einen bereits beim Frühstück mit putzigen bis kritischen Äußerungen zu konfrontieren.

Zu ruhebedürftig um mir Musik anzumachen, lausche ich den abendlichen Alltagsgeräuschchen, da kommt mir ein Jaulen und Weinen dazwischen, von dem ich längst dachte, es nicht wieder hören zu müssen, weil doch jeden Moment stille Rentner in die Wohnung unter mir ziehen würden..

Es ist der Sohn von unter uns, der wohl so 3 Jahre und ein bisschen sein dürfte, und er wehrt sich, wie bis vor einem circa halben Jahr fast jeden Abend, gegen das Einschlafenmüssen. Was habe ich für Schimpf- und Schreitiraden mitangehört damals. Dann sah es so aus, als zöge die kleine Familie aus. Die redefreudigen Rentner von ganz unten wissen sicher mehr darüber, ich weiß nur, was ich mithörte, versteckt im Wäschekeller, als die Mutter des Einschlafunwilligen diversen Rentnerinnen des Hauses ihr Leid erzählte- und was die junge Frau mir selbst mitteilte bzw. meiner Oma, der sie einst völlig arglos ihren Sohn in die Hand drückte. (Obwohl ich dafür Verständnis hatte. Wäscheaufhängen und gleichzeitig einen knapp Zweijährigen vom Klettern auf dem Wasserrohr, dem Schlitten und dem anderen Kellerkram abzuhalten, ist ätzend bis technisch nicht machbar.)

Nun hätte ich schon diverse Möglichkeiten gehabt, zu genaueren Informationen zu kommen – denn im Grunde möchte ich ja verstehen und helfen -, da die gute Frau mich schon mehrfach ansprach. Sie duzt mich und will immer abgetragene Spielzeuge, Jungsklamotten und Damenbekleidung verschenken. Dummerweise bin ich in diesen Momenten grundsätzlich in meinen ärgerlichen Verhaltensmustern gefangen und kriege keine Frage, die Informationen vom Gegenüber fordert oder ein Treffen anvisiert, heraus. Ich will den Kram auch nicht, bin selbst Messie genug.  Stattdessen täusche ich immer vor, dass mir das Kind auf dem Arm schwer würde, ich schnell zur Tram müsse usw.

Nach allem, was ich mitbekommen habe, heult der Junge allabendlich, weil er nicht müde ist, aber morgens gegen 6 Uhr aufstehen muss (dann wird wiederum geheult, weil noch müde, zum Glück schlafe ich da fast immer und hörte das selten) und wenigstens 9 Stunden Nachtschlaf haben soll.

Das frühe Wecken muss sein, damit er rechtzeitig in der Kita ist, damit Mutti rechtzeitig auf Arbeit sein kann. In der Kita wird garantiert zwei Stunden Mittagsschlaf gemacht, dann sind gewisse Kinder nicht um 20 bis 21 Uhr müde.

Ein aasiger Kreislauf, der bestätigt, was ich, wie oben angedeutet, schon länger denke – Menschenkinder sind nicht für die räumliche Teilung von Wohnen und Arbeiten gemacht, Menschenkinder sind auch nicht für den längeren Transport gemacht. Das Leben auf dem ländlichen Hof in früheren Zeiten oder auch das Gruppieren um Höhlen und Lagerfeuer funktionieren besser für sie. Immer ein paar Leute da, die an Hof und Höhle bleiben, während andere ackern oder jagen. Aber auch : immer jemand da, der sich ums Kind kümmert, wenn die Eltern zu erschöpft sind.

Konsumtempel, die X.

Um „muschepupu, der dritten“ vorzubeugen,
in argem Erinnern an „muschepupu zwei“
und schlimmen Gedanken von „muschepupu eins“ –

Stand ein Kätzchen verloren im Trüffelladen
spätgestern am Abend, elefantenumgeben.
Flusspferde schnarrten, Vögel starrten,
dem Kätzchen wurde heiß und kalt.

Plappertiere suchten Geschenke,
Katze, klein, suchte und suchte

Nougatschlecken, Trüffel entdecken
das ist siebzig cent das stück wert
und verirrte dialoge mit der verkäuferin
katze, ganz klein, spürte schwere blicke
ungeduldiger elefantenpassanten, rüsselswilde.

Mit den Ohren voran auf dem Weg ins Ausgeschmücktere

Dieses Jahr hat sich die Pantherin vorgenommen, wieder mehr mit Schmuck und Gestaltung zu machen. In der Wohnung Rumzudrapieren hat so etwas Schöpferisch-Beruhigendes, deshalb legen so viele Frauen (und auch Männer, aber eher Singles und Jüngere, schätze ich) so oft damit los.

Aber auch an Frauen und Mädchen rumzudrapieren hat etwas Schönes für sich. (ja, mensch kann auch Männchen schmücken, aber leider verweigern die das meist und sind nicht zugänglich für inspirierende Ratschläge wie „probier doch das mal an“ oder „lass mich doch mal hier zwei Zöpfe ranmachen“)

Als „junges Mädchen“, wie man so sagt, war die Pantherin gern mächtig behangen und verbrachte jeden Abend 30 min. mit so Überlegungen, welches Armband vielleicht zu jenem passen könnte und welche Haarspange mit welchem Zopf harmonieren könnte. Wöchentliches Lackieren sämtlicher Nägel war selbstverständlich. Ketten blieben immer um (soweit badewannentauglich), Ohrstecker immer drin..

Ach, das waren noch unbeschwerte Schmuckzeiten, regelrecht verspielt.. — solcherlei nostalgische Verklärungen im Kopf stießen die schmuckzentrierten Artikel einer Karin Koller auf fruchtbaren Boden und der Beschluss stand, nach jahrelanger Abstinenz wieder mal (oder gar „vermehrt“) Ohrhänger zu nutzen. Schließlich ist Kind 2 langsam verständig genug, nicht mehr an allem trotz Verbotes zu ziehen – leider waren jedoch alle Ohrhänger von Kind 1 vor knapp drei Jahren verwurschtelt worden und der Blick in die Schatulle, in der wahrscheinlich die guten Stücke ineinander verknotet ihr Dasein fristen, kam  der Pantherin einfach zu deprimierend vor.

Darum kaufte sie sich auf weibisch-elsterliche Weise ein neues Paar, sich einredend, noch nix im Steampunkstil zu haben.

Das erworbene Exemplar gefällt der P. schon ganz gut, ist aber noch nicht das Optimum. Dieses kann wahrscheinlich erst erreicht werden: an einem, möglicherweise fernen, Tag, an dem sich das verklemmte Real-Ich in eine Goldschmiede, Schmuckmanufaktur etc. traut und freimütig kreative Wünsche bekennt.

Womit wir beim elenden Thema „ängstlich-vermeidende Persönlichkeit“ wären – ob sich der nicht unerhebliche Schmerz des Ohrloch-erneut-Durchfummelns gelohnt hat, hängt maßgeblich davon ab, ob sich die Pantherin überhaupt mal ein Herz fassen wird und mit den Dingern rausgeht und ob es dann ein Draußensein sein wird, dass von Freude u.ä. bestimmt sein wird und nicht (wie bei einstigen Versuchen mit Lidstrichen, Ersatzbrillen, ungewohnter Kleidung etc.) wieder nur von Gedanken wie „aaahh, alle Leute starren auf meine Ohrbammel; ein Fremdkörper hängt an mir und versetzt alle in Kichern“.


Die Chancen dafür stehen schlecht. Die Idee zu diesem Artikel und die Fotos oben stammen vom 27.6. und seither trug ich die Hänger nicht einmal in der Wohnung. Das Lochlabyrinth in meinen Ohren wächst bestimmt bereits wieder zu.

Anstatt mir also ein Herz zu fassen, lebe ich meinen metallische-Farben-Fimmel lieber auf den Füssen aus (auf den Händen sähe zu nuttig-freakig-edel-je nach Farbe- aus) und bestaune Aufmachungen von Künstlerinnen. Der Kopfputz ist großartig, das Kleid schick und das Lied erinnert mich auf angenehme Weise an irgendein anderes.. Habe das Video bereits sieben Mal oder so durchgehört, aber das andere fällt nicht ein, dafür erinnern mich das Gesicht und die Haltung der guten Polly Jean an meine Schwiegermutter, seltsam..

Mir ist anders.

Das Zukunftsbefürchtkarusell dreht sich weiter, und mir kommt in den Sinn:

Ingeborg Bachmann – Schatten Rosen Schatten

Schatten Rosen Schatten
Unter einem fremden Himmel
Schatten Rosen
Schatten
auf einer fremden Erde
zwischen Rosen und Schatten
in einem fremden Wasser
mein Schatten

Es sind Neubeginne, die in mir Übelkeit erzeugen, weil ich zwar denke, dass es gut wird, wenn es endlich funktioniert / ich Räume und Menschen dann kenne und nicht mehr jede Kommunikation von Panik erfüllt ist, die zu verbergen ist, weil die Kommunikationspartner sonst denken, ich wolle nicht oder möge sie nicht und dann kurz angebunden werden und..
Gab es nicht auch so ein Gedicht, dass Anfänge als zauberhaft beschreibt ?

ach ja, „Stufen von Herrmann Hesse“, dort steht z.B. auch:

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.

Doch, ja, das baut mich ein wenig auf. Wenn der Weltgeist das meint, dann ist es wohl so. Obschon.. na, lieber erst mal Eskapismus mit dem passenden Gedicht, dann die olle Reise machen (die Organisation hab ich fertig, was hat mich die aggressiv gemacht), dann die Tagesmutter kennenlernen (ein Glücksfall, das Telefonieren voller Übelkeit hat sich gelohnt), dann die Einsatzgebiete mit dem Vereinsführer besprechen, wegen BFD (dazu müsste ich mal rausrücken, was ich kann und will, aaargh.),dann auf Verträge warten…

und huschdibuschdi ist September, dann noch einige nervöse Anfangswochen, dann wird es hoffentlich alles gut. Amen.

Als die Pantherin sich in den Schwanz biss – ein Selbstverriss

eine Anekdote, aus der man nur lernen kann.

„Heute abend Nocte Obducta – Konzert in Leipzig“ hatte die Pantherin irgendwie erfahren, damals, so 2004, und große Lust, dort hinzufahren. Musikalisch war (und ist) ihr die Band über jeden Zweifel erhaben, optisch machten die Jungs auch was her und als Mainzer mit Zeitknappheit gaben sie nicht gerade viele Konzerte in mitteldeutschen Raum – kurzum, es gab jede Menge Anlässe für die P. , sich in Gang zu setzen.

Sie verfügte über ausreichend Geld und Freizeit, auch das Auto stand bereit, keiner konnte ihr reinreden, die totale Freiheit, yeah !

Nur an Ortskenntnissen mangelte es etwas – wo genau der Veranstaltungsort „Hellraiser“ ist, das weiß die Pantherin bis heute nicht. Aber mittlerweile ist das ja auch egal, denn die Gelegenheit kommt nie wieder.

Jetzt ahnt der aufmerksame Leser schon dank der Formulierung, dass aus dem Konzert wohl nichts geworden war, fragt sich aber vielleicht: warum bloß, es war doch alles da ?

– ja,alles war da, nur kein Mitfahrer. Motiviert und mit zunehmender Verzweiflung rief die Pantherin erst Freunde an, dann Bekannte, dann sich selbst..  doch das Selbst funktionierte nicht korrekt.

So biss und beisst sich die Katze in den Schwanz. Mut und Weltvertrauen würden durch erfolgreiche, vielleicht sogar ekstatische, Ereignisse außerhalb der eigenen vier Wände in die Katze krauchen und sie zu neuen Aktionen, die zu erfolgreichen Ereignissen führen könnten, bringen, aber dazu müsste erstmal ein erfolgreiches Ereignis durch Eigeninitiave begonnen werden..

Und die Moral von der Geschicht :

Spring´ rechtzeitig über deinen eigenen Schatten,

sonst ärgerst du dich den Rest deines Lebens.

Verreisen : ja, aber..

Wieder so ein Jammer-Artikel, so ein Tagebuchverschnitt. Aber das muss auch wieder sein. Weil nämlich…

… eine Reise geplant ist. Für in zehn Tagen schon. Eine Reise, der ich einfach nichts abgewinnen kann. Nicht Positives zum Vorfreuen jedenfalls. Stattdessen Vorauspanik,  ja toll.

Zwar habe ich seit knapp drei Wochen große Lust aufs Verreisen, regelrechtes Fernweh … aber  es sollte schon eine angenehme Reise sein. Jaha, auch noch Ansprüche, die Dame !

Anstehen tut allerdings eine Reise in die platte Ebene, in ein Dorf, zu einem runden Geburtstag, zu selten gesehenen bis völlig unbekannten Leuten, auf ein Bauerngehöft..  dank der mitreisenden Kinder wird es auch nicht möglich sein, die Zugfahrt zu genießen (nein, eher zwei Stunden auf und ab Laufen, von Fremden angegrinst)  oder gediegen Bücher zu lesen oder rustikale Hausmannskost in Ruhe zu speisen.

Alles passé dann ! Bereits jetzt vermisse ich meine heimischen Möglichkeiten und bekomme Magendrücken in Vorstellung der Geburtstagsfeier und all der hippen Provinzmenschen.. Sich durch die Alkoholika picheln ist auch keine echte Lösung, denn jemand muss ja achten, dass die Jüngste nicht in den Karpfenteich rennt, jemand muss auf das Babyphon achten, das ich extra ersteigerte.

Ich war immer eine Feindin der elektronischen Kinderüberwachung, aber tagelang auf dem Gehöft ab 20 Uhr einsam im Raum vor dem Raum mit den schlafenden Kindern zu hocken, während alle anderen Menschen 3 Zimmer und 3 Stufen weiter vor Bildschirmen hocken, muss ich mir dieses Jahr nicht wieder antun.

Mit Menschen, die mir seltsam oberflächlich erscheinen und deren Freundlichkeit oft aufgesetzt wirkt, fernzusehen ist dann auch nicht der Hit, aber es gibt dort auch einen internetfähigen Rechner, juhu.

Nun ist ein Computer aber kein Grund zum Verreisen, womit wir wieder beim Anfang wären: wo ist die Motivation ?

Sonntäglicher Eskapismus, historizierend

Gestern befand sich die Pantherin von kurz nach Mittag bis kurz vor der Nacht in der Innenstadt. Unter Leuten, sozusagen. Dort gab es laute Musik, die überwiegend krachig war, veganes Essen, gutes Wetter, eine ausgerollte Echtgraswiese vor der Hüpfburg.. kurzum, geballte Modernität und Eindrücklichkeit. Folglich brauchte die Pantherin einige Stunden und einige Biere, um von der unsicheren Anspannung abzufallen, was sich zwar gelohnt hat, aber dazu führte, dass heute ein Ausgleich her muss.


Nach langen Überlegen entschied sie sich für folgende Biedermeierlichkeiten: (obwohl, gilt das noch als B.?)

Fröhlich – belangloser Geschichtenerzähler-Reenactment-Metal der Gruppe Oedroerir, schwülstige Hohoooohoooo-Gesänge und getragene Riffs inklusive. Genau das Richtige, um auf die Leere jetztzeitlicher [Köpfe, Menschen, Möglichkeiten]  zu scheißen.

Dazu in aller Ruhe nach schwarz-weißen Postkarten suchen.. ob mir eine interessante begegnet ? Oder ob die verstorbenen Verwandten auch nur lahme Grüße versendeten ?!