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Menschen und Mythen 2

C: „Sag mir, als Mann, ob Pia Plastic die direkte Folge von Werbewahnsinn und Feenbarbies ist !“

T:“Äh.. bitte was ?! Haste dir wieder stundenlang nen Satz zurechtgelegt ?“

C:“Ich habe so überlegt, warum dieses Amateur-Erotikmodell sich selbst als Puppe bezeichnet..“

T:“Viele Frauen werden doch als Puppen angesehen, das ist doch nichts neues.“

C:“Doch schon, du verstehst nicht. Pass auf, ich zeig sie dir mal..“

T:“Ohhh…“

C.“Sie bezeichnet sich auch selbst als Silikonfee. Da schau !“

T:“Ich sehe..“

C:“Als pinke Silikonfee. Versteh doch mal!“

T:“ Also ich steh ja weder auf Silikon noch auf Pink, aber irgendwie..“

C:“Das… ist das Surreale ! Ein ganz gewiefter Verkaufstrick!“

T:“Und was ist jetzt mit Barbie?“

C:“Dasselbe: große Flügel, auf die man Blüten schießen kann, schmale Taille, alles pink und gut geschminkt.“
T:“Ich habe irgendwie Lust auf einen T***en**ck. Du hast damit angefangen, also lass uns doch..“

C:“Moooment, ich muss mich erst zu Ende aufregen. Gestern in der Tram nämlich, da hatte jemand..“

T:“Och, kommt wieder so eine Verschwörungstheorie..“

C:“.. ein Blatt vor die Werbemonitore geklebt, auf dem stand, dass Wissenschaftler bestätigen, dass Hirne, die mit Werbereizen bombardiert werden, schlechter lernen können, als solche in reizarmeren Umgebungen. “

T:“Was lernen wir denn jetzt daraus ?“

C:“Das wollte ich dich doch fragen. Mein Hirn ist schon zu sehr mit pinken Botschaften voll. Aber ich habe so eine leise Ahnung, dass…“

T:“..du nicht mehr richtig denken kannst, weil du befürchtest, aus allen Barbiefans könnten Silikonfeen werden ? “

C:“Nee, so nun auch nicht.“

 

Suchbegriffe letztes Quartal

Ja ! Juchu ! Endlich wieder Suchbegriffe ernten ! Das ist eine echte informationswissenschaftliche Freude. Vielleicht ist es auch nur Schnullibulli, der von den wichtigen Dingen des realen Lebens ablenkt. Ach, selbst wenn, manchmal will mensch auch einfach gern mal abgelenkt sein.

Also: die putzigsten Suchbegriffe, mit denen Leute hierher gelockt wurden und Tipps von mir, wie da geholfen werden kann.

1. „was ist mit meinem reservierten platz“:  Ja, was soll schon sein ? Er wartet auf dich oder ist illegal besetzt.
2. „ziegenmilch kitz töten“:  Ja, Milch trinken heißt als Kind leben. Leben bringt Sterben. Und ?
3. „unterwäsche alter ego“ : Meine anderen Ichs haben Unterwäsche an. Und deine ?
4. „oma hedwigs titten“: Ähneln eventuell Oma Lieschens Titten. Frag sie doch einfach.
5. „pornodarstellerinen aus dem raum magdeburg“: Würde mich auch interessieren. Anhaltinerinnen vor !
6. „alle drehorte irgendwie“:  Sehr poetisch. Irgendwie, irgendwo, ..
7. „nackideischule preußen von wann bis wann“: Äh ?? ich google das auch mal. Tut mir leid, laut Google gab es nur Kartoffeln an Preußens Schulen.
8.“ficke meine bekannte“: Ja, ist wohl besser als deine Unbekannte zu poppen.
9.“gedicht für einen mühlwühler“: Am Mühlenteich da wühlt er heiß, der Wühler kuhliefumdenteich, der wühlte immer um den Teich, der mahlt wenn Spaniens Blüten blühen… herrje.

Ach, das Leben hält viele Überraschungen für einen bereit, die Suchmaschine auch.

Von Cyberkatzen und Liebeskatzen.

Gestern war es wieder soweit: die Eindrücke von Vortag und Vorvortag hatten mich in die Knie gezwungen und ich schob die Moralstimme in mir zugunsten gnadenlosen Stubenhockens ab.
Gezieltes Stubenhocken und Faulenzen schafft Platz für Schaffenslust an folgenden Tagen, finde ich. Jedenfalls klappt das bei mir meist.
Jedenfalls..

Stundenlang mit Kaffee und Keksen am PC gehockt und „Cthulhu saves the world“ endlich mal weitergespielt. Besonders das Characterdesign hat es mir angetan, neben der SNES-Grafik natürlich.
Hinter mir hörte ich immer wieder schauriges Getröte und Gefiepe, das „lehrreiche Buch über Musikinstrumente“ war ein Fehlkauf. Es hat nämlich so chinesische überlaute Tonmodule, die der Albtraum jeden Elternteils sind.
Aber ich hatte mir ja einen moralfreien und faulen Tag vorgenommen, also drück doch noch ein zehntes Mal die Saxophontaste, Kind! Du wirst ja sicher nicht gleich hörgeschädigt von einem Tag und wenn schon, ein bisschen abgestumpfte Sinne sind nützlich in der Reizüberflutung der Moderne.
Ich bin leider noch nicht genug abgestumpft und begann mich nach meinen Ohrstöpseln zu sehnen. Mist, die sind im Rucksack. Den im anderen Raum suchen verträgt sich nicht mit Faulheit.
Also mehr auf Cthulhu und seine Gefährten konzentrieren. Nach vielen Stunden befanden die sich in einem Raumschiff, eine grüne Katze mit ausfahrbaren Tentakeln schloß sich an und es galt unter anderem Kühe, die mit Maschinenpistolen ausgestattet sind („Bovinator“, hihi), zu bekämpfen. Ich musste feixen und verlief mich ständig in dem Raumschiffdungeon, aber egal.
Nach weiteren Stunden mit grünen Katzen im Blick und Getröte im Nacken war Kinderschlafenszeit und mein Hirn lila Matschepampe.
Ich fing an, unkontrolliert durchs Netz zu klicken und lernte dabei u.a. dass in der Nähe von Magdeburg neuerdings Holzdildos („splitterfrei durch Lackversiegelung“) hergestellt werden. Dann fand ich einen Verlag, dessen Name wie ein Nagellackprogramm klang. Ich sah schwülstige Coverbilder und ein programmatisches „Erotik von Frauen für Frauen“, las mir die Manuskriptbedingungen durch und dachte: Ja !
Dann ging ich auf die Couch und fing kichernd an, mir einen Buchinhalt auszudenken, die Zielgruppe „einsame Frauen 45-65 J.“ fest im Sinn. (Heute habe ich noch mal das Verlagsprogramm angeguckt, vielleicht ist es gar nicht so schubladenhaft, aber egal, gestern war es schön mit der Schublade:)

Da ist die geschiedene Mutter, die mit ihrem Kater ein gesetztes Leben führte, bis der Kater verschwand. Und da ist der Mann aus der Nachbarschaft, der ein dröges Leben mit seiner Katze hatte, bis selbige nicht mehr in die Wohnung kam.
Hauptteil:
Mann und Frau treffen sich wegen Suchzettel und zeigen sich gegenseitig den Kater, der auf der Katze, welche rollig war, klebt. Es foglen verbale Streitigkeiten am Küchentisch. Die Katze wirft acht Junge. Deshalb müssen sich Mann und Frau noch mehrfach treffen, um die Modalitäten der Jungtiervergabe abzusprechen.
Happy-End (vom Verlag verlangt):
Während eines erhitzten Gespräch am Küchentisch („Sie haben Schuld, weil Ihre Katze nicht sterilisiert war!“ – „Nein, Sie mit Ihrem Casanovakater sind schuld!“) macht es plötzlich plopp und die Menschen verstummen, es liegt ein Flirren in der Luft, der Mann sagt: „Ach, Sabine, lass es uns wie die Katzen machen!“ Sabine errötet und haucht: „Aber Peter, ich kann doch keine acht Jungen kriegen!“
Sodann ziehen beide Menschen und zehn Katzen zusammen in eine Wohnung.
Herzallerliebst ! Und wie dazu erst ein schwülstiges Cover aussähe..

Blumenhund auf BMW

Vor so etwa drei Wochen hatte ich auf dem KOW-Blog zwei putzige Kurzgeschichten gelesen und mir vorgenommen, das dortige Konzept der Suchwortverwendung auch mal zu probieren, weil es sehr nach Schreibvergnügen aussah. Und tatsächlich, es ging fluffig von der Hand:

Wenn man jede Woche ein anderes Wallpaper verwendet, wird dann der Desktophintergrund zur Werbewand ? Zur nabelschauenden Diashow, weil es die schönsten Bilder des eigenen, schönsten Lebens sind, oder zur aussenwelterinnerlichen Plakatstrecke, weil es die beliebtesten Bilder der fremden, beliebtesten Wünsche sind ?
Wird man anfangen, sich einen Mercedes zu wünschen, nachdem man drei Tage lang beim Tippen und Internetsurfen auf die Teile eines Mercedes sah ? Ist ein BMW eigentlich tatsächlich die kleine, kühle Schwester eines Mercedes ? Und stimmt es, dass Menschen länger über Autos nachdenken als über Hunde ? Jedenfalls wurde die meistbenutzte Internetsuchmaschine im letzten Jahr öfter nach „Auto“ als nach „Hund“ befragt, und man gibt doch Suchbegriffe ein, weil man Informationen braucht, wenn das Bauchgefühl nicht ausreicht und das Denkenwollen Input zur Entscheidungsfindung braucht.
Für mich bleibt BMW jedenfalls weiterhin primär eine Spottformel Präpubertierender, die sich ein Tattoo wünschen, aber Angst vor Liebe haben und zu ihren Freunden sowas rufen wie:“Ey, die Marie hat doch nur’n BMW, die kannste doch nich geil finden!“ Ein „Brett Mit Warze“ ist schliesslich voll uncool.
Und Coolness ist wichtig. Nur Mädchen finden Babys, Blumen und pinken Kram attraktiv. Und auch nur die uncoolen Mädels. Die coolen malen sich selbst ein Wallpaper, das Liebe, Blumen, Autos und Tattoos in Einklang bringt. Die ganz besonders coolen Mädels schaffen es sogar, noch Hunde in dieses Bild einzubringen, ohne dass es kitschig wirkt.

Gleich heute fange ich mit Zeichnen an. Das wird so cool, dass ich mich dabei 14 Jahre jünger fühlen werde ! Ach was, sogar 16 Jahre: so als ob ich noch „nur ein BMW“ hätte.

Fenrisúlfr


Fenrisulfr mag keine Schiffe
ich mag sie auch nicht
man schwankt dort hin
und schwankt schlecht zurück

Es wird einem übel von einem Blick
und es nehmen übel die Blicke
der Schiffsfreunde, wie man wankt.
Da wo man plankt, da lass dich nieder
sagt der Volksmund
und dem verbietet niemand das Maul.

Literaturwettbewerbe

In Wettbewerbsstimmung durch eine Liste mit Literaturwettbewerben gesehen, lange Liste, ganz viel schon vorbei – aber auch kuriose Ausschreibungen, die noch aktuell sind. Manche Preise sind auch irgendwie nicht wert, dass man sich fünf A4-seitenlang hinsetzt. Für ein Brettspiel und eine E-Bookveröffentlichung oder ein Vorlesen in einer Spelunke. Na, vielleicht bin ich auch zu skeptisch.
– Aber witzige Themen zum Teil. „Brieftauben“. „Du und deine Lampe“.
Mir fällt zu alldem nur noch ein Satz ein:

Deine Lampe
schrumpft auf Brieftaubenformat
dann knipst du sie an
und sie sagt „Krah!“.


Wer sich einen Wettbewerb aussuchen mag und/oder viel Zeit hat:
die Liste


Auch schön:
„Karierte Maiglöckchen“
– zu gewinnen gibt es eine „originelle Buchstütze“

eine Stunde Euphorie

Wann habt ihr das letzte Mal

eine Idee gehabt, die ihr für furios und umsetzungsfähig hieltet ?
Wie lange hat die Euphorie gehalten ?

– ich hatte gestern eine. Habe gleich ein Konzept gemacht, das ich mir in den nächsten Wochen langsam zerreden lassen werde. Es hat mit Onlineredaktion, Kultur und lokaler Vernetzung zu tun. Hach, wie aufregend ! Den eigenen Job schaffen und für freischaffende Künstler gleich mit ! Wat’n Traum ! und was fürn‘ Schaum !