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Von Cyberkatzen und Liebeskatzen.

Gestern war es wieder soweit: die Eindrücke von Vortag und Vorvortag hatten mich in die Knie gezwungen und ich schob die Moralstimme in mir zugunsten gnadenlosen Stubenhockens ab.
Gezieltes Stubenhocken und Faulenzen schafft Platz für Schaffenslust an folgenden Tagen, finde ich. Jedenfalls klappt das bei mir meist.
Jedenfalls..

Stundenlang mit Kaffee und Keksen am PC gehockt und „Cthulhu saves the world“ endlich mal weitergespielt. Besonders das Characterdesign hat es mir angetan, neben der SNES-Grafik natürlich.
Hinter mir hörte ich immer wieder schauriges Getröte und Gefiepe, das „lehrreiche Buch über Musikinstrumente“ war ein Fehlkauf. Es hat nämlich so chinesische überlaute Tonmodule, die der Albtraum jeden Elternteils sind.
Aber ich hatte mir ja einen moralfreien und faulen Tag vorgenommen, also drück doch noch ein zehntes Mal die Saxophontaste, Kind! Du wirst ja sicher nicht gleich hörgeschädigt von einem Tag und wenn schon, ein bisschen abgestumpfte Sinne sind nützlich in der Reizüberflutung der Moderne.
Ich bin leider noch nicht genug abgestumpft und begann mich nach meinen Ohrstöpseln zu sehnen. Mist, die sind im Rucksack. Den im anderen Raum suchen verträgt sich nicht mit Faulheit.
Also mehr auf Cthulhu und seine Gefährten konzentrieren. Nach vielen Stunden befanden die sich in einem Raumschiff, eine grüne Katze mit ausfahrbaren Tentakeln schloß sich an und es galt unter anderem Kühe, die mit Maschinenpistolen ausgestattet sind („Bovinator“, hihi), zu bekämpfen. Ich musste feixen und verlief mich ständig in dem Raumschiffdungeon, aber egal.
Nach weiteren Stunden mit grünen Katzen im Blick und Getröte im Nacken war Kinderschlafenszeit und mein Hirn lila Matschepampe.
Ich fing an, unkontrolliert durchs Netz zu klicken und lernte dabei u.a. dass in der Nähe von Magdeburg neuerdings Holzdildos („splitterfrei durch Lackversiegelung“) hergestellt werden. Dann fand ich einen Verlag, dessen Name wie ein Nagellackprogramm klang. Ich sah schwülstige Coverbilder und ein programmatisches „Erotik von Frauen für Frauen“, las mir die Manuskriptbedingungen durch und dachte: Ja !
Dann ging ich auf die Couch und fing kichernd an, mir einen Buchinhalt auszudenken, die Zielgruppe „einsame Frauen 45-65 J.“ fest im Sinn. (Heute habe ich noch mal das Verlagsprogramm angeguckt, vielleicht ist es gar nicht so schubladenhaft, aber egal, gestern war es schön mit der Schublade:)

Da ist die geschiedene Mutter, die mit ihrem Kater ein gesetztes Leben führte, bis der Kater verschwand. Und da ist der Mann aus der Nachbarschaft, der ein dröges Leben mit seiner Katze hatte, bis selbige nicht mehr in die Wohnung kam.
Hauptteil:
Mann und Frau treffen sich wegen Suchzettel und zeigen sich gegenseitig den Kater, der auf der Katze, welche rollig war, klebt. Es foglen verbale Streitigkeiten am Küchentisch. Die Katze wirft acht Junge. Deshalb müssen sich Mann und Frau noch mehrfach treffen, um die Modalitäten der Jungtiervergabe abzusprechen.
Happy-End (vom Verlag verlangt):
Während eines erhitzten Gespräch am Küchentisch („Sie haben Schuld, weil Ihre Katze nicht sterilisiert war!“ – „Nein, Sie mit Ihrem Casanovakater sind schuld!“) macht es plötzlich plopp und die Menschen verstummen, es liegt ein Flirren in der Luft, der Mann sagt: „Ach, Sabine, lass es uns wie die Katzen machen!“ Sabine errötet und haucht: „Aber Peter, ich kann doch keine acht Jungen kriegen!“
Sodann ziehen beide Menschen und zehn Katzen zusammen in eine Wohnung.
Herzallerliebst ! Und wie dazu erst ein schwülstiges Cover aussähe..

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Verpier (Pagess)

Eine hatte ihren Kopf auf dem Papier vergessen.
Abgetrennt. useless if dropped.

Folgt mir, Katzen, die Rettung muss hergelotst werden, sie ist ein Traktorschiff.


Habt ihr gesehen, Katzen, auf einem Papier steht:

Willkommen kleine Bürgerin
Im bunten Thal der Lügen!
Du gehst dahin du Lächlerin!
Dich ewig zu betrügen.


Das haben wir nicht gesehen, Mensch, weil es nämlich nicht wahr ist. Wir, mit unseren Katzenaugen, haben vielmehr von einem Bonsaigarten gelesen, und krude Entwürfe über Netzwerkspinnen und gefickte Fasern.


Psst, Katzen, die Rettung naht. Sie peilt mit Leuchten.

Eskapismus mit Eugen Gottlob

Seit drei Tagen die Nase voll von Realität, was aber nicht schlimm, sondern vorübergehend ist. Flucht ins Vergangene, sehnsuchtsschwulstbeladene. Dabei Hilfe von den analysierten Schriften eines Eugen Gottlob Winkler bekommen. Wobei. Bekommen ist zu passiv, die Schriften sind ja nicht auf mich zugekommen, ich habe mir das Büchlein antiquarisch bestellt, darin ein Walter Jens den Winkler analysiert und zitiert*. Fischer Verlag 1960. Laminiert und übersäuert, also stofflich keine Wohltat.

Aber der Text und das was ich reindeute, sind stimmig. Zum Ende meiner Eskapismustage hin möchte ich deshalb versuchen, passende Fotos zu finden.

Der Winkler selbst wird ja als tragische Figur gehandelt.

[Er] kannte die Lage jener Gedanken-Wüste sehr gut, deren Schrecken er so wenig leugnet wie […] ihr geheimstes Mysterium, die Begegnung zwischen der Einsamkeit des Verfolgten und der großen Stille eines Nietzscheschen MIttags… hier halte aus, bete das Unbegreifliche nicht an, lerne den Sprung zu vermeiden und die Gnade des Nichts zu ertragen ! [S.11]

Nicht durch das Rätsel des Daseins, sofern es nicht deutbar ist, wird [die Schwermut] erweckt. Das Geheimnisvolle macht unruhig, rastlos und sehnsüchtig. Ein Unglück erregt im Gläubigen wie im Ungläubigen einen genau lokalisierbaren Schmerz. Der Schwermütige aber und sein Leiden stehen außerhalb eines als Macht und Wille empfundenen Schicksals. Er lebt in einem Reich zwischen Nichtsein und Sein, in einem Schattenbereich, zu wenig für ihn, um noch in ungebrochenem Sein zu verweilen, aber wirklich genug, um das Dasein als eine nun nicht mehr hinweisliche, sondern in Sublimatzustand übergegangene Last zu empfinden.


Aber die Beschäftigung mit E.G.Winkler kann auch Hoffnung machen, wenn mensch möchte:

Sei nie voreingenommen […], stelle ‚Erfahrung‘ höher höher als ‚Bildung‘ […], suche die Wucht des dich treffenden Schlags durch keine Reminiszenz an bereits ‚Gewußtes‘ zu schwächen, dann aber wage den Salto, repliziere mit äußerster logischer Schärfe und konfrontiere das Vage der Impressionen, deren Anprall dich bedroht, mit der Ordnung des Artifiziellen – nur so wird es dir gelingen, die Unmittelbarkeit des Gefühls ein zweites Mal, synthetisch gezüchtet, wieder erstehen zu lassen: das Leben wird Stil, das Chaotische verbirgt sich unter dem Schleiermuster der Kunst.

*:“Eugen Gottlob Winker. Aus den Schriften eines Frühvollendeten / Ausgewählt und eingeleitet von Walter Jens: Fischer Bücherei, 1960″

Blockierte Flamme

Unter Raubtieren

Sie soll ihn so verachten, wie er sich verachtet.
Aber das will sie nicht, das wäre zu einfach.
Sie möchte nicht auslöschen um zu benutzen.
Mutterboden will sie sein,
nach dem Leichenverbrennen fruchtbarer.

Jedoch:

umgeben von leeren menschen
angestarrt von leeren pflichten
kann die flamme nicht reinigen

Deshalb sollte sie auch keine Bücher lesen, die das Schreiben erklären, sagt er, weil sie noch Phantasie hat, obwohl sie die Erkenntnis mit ihm teilt, dass wir alle Leere sind.

Jedoch:

Er heult nur Verharren,
sie verlangt sich Neumut ab.

„Aus deinem Mund, aus deinen Fingern
kommt nichts mehr als Schelte.
Ist dies, Mann, die Leere, welche dir akuter ist?“

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