Posts Tagged ‘ Mode ’

Notiz voller Vorurteile

Eine Notiz von neulich, wegen der kyrillischen Buchstaben als Foto.
*ja, das ist schon meine Sonntags-Ausgeh-Schrift
*Geminoid F ist das.
*nein, die Konklusion ist NICHT, dass alle Russinnen Roboterinnen wären.
gemini grün

Advertisements

Menschen und Mythen 1

C: „In diesem Onlineshop steht: Schuhe sind Teil einer eigenen Identität. Ich habe es dir ja vorhin schon gesagt..“

T: „.. der Mensch braucht keine mechanische Solidarität. Die Mode ist der postmoderne Identitätsgeber. Jaja.“

C: „Nee echt mal, wer braucht noch Nationen, wenn er Schuhe hat..“

T:“ Menschen brauchen Mythen, meine Liebe. Lass sie ihnen.“

Ah, der Wetterumschwung !

15:45 Uhr
So ein Befindlichkeits- und Smalltalkartikel muss mal sein, denn mir schwillt schon der Kopf vor Eindrücken. Die wechselhaften Ein- und Ausblicke sind bestimmt schuld an dem Nischeldröhnen, denn an Wetterfühligkeit wollte ich nicht mehr glauben. (Warum eigentlich nicht? Vergessen.)
Ein zufälliger Blick in das Zeitungwetter hatte mir bereits am Vorabend Temperaturen von über 17° versprochen. Ich konnte das kaum glauben und war modisch völlig von meiner bequemen Übergangsmantel-Winterstiefel-Kombination überzeugt, von der ich mich eigentlich auch noch gar nicht trennen möchte, weil es wie gesagt elegant und bequem zugleich war, und wann hat man das schon mal…
Aber manchmal muss mensch auch unbequemen Realitäten ins Auge sehen und darum machte ich mich heute morgen an die undankbare Aufgabe, modisch und gedanklich auf Frühling umzustellen. Es gibt Leute, die freuen sich einen Ast, wenn neue Saisonen anfangen und mir ist so, als ob ich das auch manchmal machte..
aber diesmal nicht. Kam mir alles zu plötzlich. Huch !
Also die guten, bequemen Stiefelchen beiseite gepackt und die proletigen starren .. [Sneaker ? heißt das so ? Also pseudosportliche Halbschuhe halt] angetreckt. Die sind ja vegan und handmade in Portugal und hatten so einen revoltigen Beipackzettel, in dem stand, dass der rote Punkt vorne an der Sohle symbolisch für ‚kicking the ass of evil Monopolkonzerne‘ steht. Schöne Idee, das mit dem fair trade frei von Knochenleim, aber trotzdem unbequem die Dinger, mir jedenfalls. Außerdem fühlte ich mich wie so ein Funpunker von 2001 mit den Botten in Verbindung mit meinem Cordblazer.
Letzteren weigerte ich mich in der Mittagspause auch auszuziehen, trotzdem um mich herum bereits Leute mit Kurzarmhemden und vereinzelt sogar halbnackten Beinen liefen. Mir war warm. Bäh. Das Klima treibt einen üblen Scherz mit mir. Dachte ich.

Im Kurs halb erstickt und dieses verdammte Kopfdröhnen !
Darum dann doch frühlingshafte Freude entwickelt, als wir den abgedunkelten Computerraum endlich verlassen konnten. Selbst ohne Blazer wirkte ich aber noch wetterverweigernd, so mit Rollkragen (nichts riskieren bei Husten !) und Rock über Samthose (keine kühlen Nierchen riskieren!) – dagegen viele andere schnell umschalteten.
Es gab u.a.:
kesse Studenten in Cabrios
Lederjackenradler und Lederjackenmotorradfahrer
einen Anstieg um 200% bei draußen Rumsitzenden vorm Neuen Palais
und eine junge Frau, die es übertrieben hatte mit dem Aufknöpfen. Der Bauarbeiter im Bus und ich starrten und staunten nicht schlecht: bestimmt BH-Größe 80D und er war rot mit Stickerei, der Büstenhalter. Ich musste schlagartig an Stillgruppentreffen denken und die Eutrigkeit der Menschenweiber.

Aber ich will nicht verächtlich werden und gehe jetzt lieber Springseilspringen. Oder Ball spielen.

Farbenzeiten, Lebensseiten. Assoziationen

Jeder hat ja so Assoziationen, wenn es um Outfits geht. (Was ist überhaupt das korrekte deutsche Wort zu Outfit ? Aussenausstattung ?)
Mancher denkt: wer schwarz trägt, lacht nie. Andere denken: wer knallfarbene Westen trägt, muss ein Spaßvogel sein.
Aber es ist alles ganz anders.
Man assoziere Kleider mit Fotoaufnahmen von anderem. In etwa so:

1 (zu A)


A (zu 1)


2 (zu B)

B (zu 2)

3 (zu C)


C (zu 3)

p.s.: Falls die Frage aufkommt: ja, mir war ein wenig langweilig. Gleichzeitig quoll der „Fotos für Blog“ – Ordner über.

erstes Dezember-Drittel (II)

Wir haben die Anschaffungen des Nikolaus fast aufgefressen. Obwohl, Moment.. *erinner*   da ist noch eine Kiste auf dem Schrank, da hatte ich noch einen Nikolausteil, der in hübschen Päckchen war, beiseite gelegt. Wie schön fürs Gewissen: man war doch nicht so verfressen, wie zunächst gedacht.

Aber dennoch, der Wohlstandszwiespalt ereilt in diesem Jahr auch mich:

einerseits will man irgendwie optisch fit und rank aussehen, andererseits ist Naschen so serotoninfördernd und mitunter auch gesellig und die Auswahl macht Spaß.. im letzten Jahr hatte ich eine klasse Motivation für mich:

ich stellte mir vor, wie die milchigen Bestandteile der Schoki und der Keksbutter von unsterilen Maschinen vakuumartig aus wabbeligen Eutern rausgepumpt wurden, während die Kälbchen, denen die Natur jene Milch zugedacht hat, irgendwo aus künstlichen Zitzen schlürfen und von diesem Gemisch aus unmütterlicher Milch und brasilianischem Gen-Soja schnell groß werden sollen, um Leistung oder Steak zu bringen… und prompt verging mir der Appetit und ich knabberte demütig an meiner fairgehandelten Zartbitterschoki oder einigen Nüssen rum. Manchmal sogar auf Trockenobst, obwohl ich das seit jeher wenig lecker und zu orientalisch fand. Datteln, bäh. Aladin, alberne Hütchen, blöde Äffchen, dazwischen getrocknete Feigen, bäh.

In diesem Jahr klappt das irgendwie nicht. Die Milchschoki kam ja kraft der Kinder sowieso ins Haus und irgendwann stumpfte ich dann doch wieder ab.

Das letzte Real-Gespräch mit meinem Vater ging etwa so:

V: „Hast du zugenommen?“

ich: „Nein, eigentlich nicht. Dafür trinke ich auch zuviel Kaffee, der Durchfall macht.“

dann war ich pikiert über soviel Oberflächlichkeit und verschloss mich für den Rest des Beisammensitzens.

Da bin ich vorbelastet durch die Jahre im Dorf, wo es stets gegenüber Mitmenschen hieß: „Du hast aber zugelegt, jetzt wo du ne Frau hast, harhar“ oder „Du bist ja dörr geworden, siehst ja aus wie aussem KZ !“ und es dazwischen nichts gab. Über die Jahre konnte ich bzgl. mancher Gesprächspartner regelrecht zusehen, wie sich das „Na, Jungchen, nimm mal nochn Teller, du brauchstes doch!“ in ein „Na, dir schmeckts ja auch, zwickts nich schon am Gürtel ? Bald biste so fett wie ich !“ verwandelte.

Die Fülligkeit von Leuten wurde als Direktindiz für ihren seelischen und sozialen Zustand behandelt. Als ob es keine andere Möglichkeit gäbe, jemanden nach Neuem aus seinem Leben oder seinem Gemütszustand zu befragen.

Ich meine, ja, da gibt es schon ein paar Zusammenhänge, aber das kann man sich doch denken und darauf aufbauend fragen: „Bist du zur Zeit viel am Arbeiten ?“ oder „Kommt ihr grad nicht viel raus?“ oder sowas.. Im Extremfall vielleicht auch: „Du wirkst erschöpft, wollen wir mal in Ruhe reden?“

– oder in meinem beschriebenen Fall auch konkreter fragen: „Dein Kleid ist so leger, hast du was am Bauch zu verbergen?“ – dann hätte ich gesagt: „Ja stimmt, das ist nicht tailliert, man sollte es mit Gürtel tragen, leider besitze ich keinen, der mir gefällt.“

Zurück zum Dezember: ein weiteres Vorhaben ist der Kauf eines Stoffgürtels. Nicht, um taillierter zu wirken, sondern um top organisiert und erreichbar und flott zu wirken, denn daran würde ich die niedliche Tasche hängen, in die genau ein Schlüsselbund und ein Mobiltelefon passen. Und ein Schoki-Riegel 😉

Gutmenschen, rosa Halstücher und Projektmenschen (I)

Ich bin nun irritiert. Lohnt es sich womöglich doch, an die Weltrettung und -verbesserung zu glauben ?

Hm.. ich zünde einfach mal ein Räucherstäbchen an, das ist das erste seit fünf Jahren. Vielleicht kommt mir dann irgendwann die Erleuchtung. Oder irgendeine Erleuchtung, es muss ja nicht gleich die ultimativ wahre sein.

– Eine Notiz vom 29.10., die die zurückliegende Woche besieht. –

An Tag 1 sah ich zwei Männer, die keinen schwulen oder „Sissi“-Eindruck machten, sich beim Verabschieden ein rosa Halstuch bzw. einen rotpinken Schal umlegen. Bei dem ersten Mann ließ ich mir nichts anmerken und sagte mir: „Der Herr ist um die 40 und will so jugendlich-frischer wirken.“ Bei dem zweiten allerdings hätte ich beinahe laut gefragt ob es sich um das Tuch seiner Freundin handle.

Das wäre schließlich die naheliegendste Erklärung gewesen: er musste schnell los, um den Termin nicht zu verpassen, auf dem Rad ist es zugig, das eigene Tuch ist plötzlich weg..

Im Nachhinein finde ich jedoch eine weitreichendere Erklärung besser:

es handelt sich um ein bewusstes Zeichen der Männeremanzipation, beide Schalträger sind Mitglieder einer Bewegung, die mir nur noch nicht geläufig war. Den Vorwurf, die Frauen würden sich aus allen Möglichkeiten die besten rauspicken, während Männer verspottet werden, wenn sie weibliche Terrains entdecken, hat sicher jede/r schon mal gehört. Dagegen geht die evt. existierende Bewegung mit den Symbolschals nun an !

Bald wird so ein Schal zum guten Ton jedes Projekt- und Gutmenschen gehören ! So, wie bisher das Anti-Atomzeichen oder die (Anti?-)Aidsschleife. Oder auch: wie der Selbstständigenstatus und die ununstößliche Freundlichkeit.

Pia-neko-chan (Melange aus Fiktion und Ernst)


Mehrere Abende hatte Pia schon mit der Suche nach einer neuen, hübscheren Mütze verbracht. Die bisherige war altrosa-grau und immer nur in großer Kältenot getragen wurden.
„In dieser Zeit der großen Produktauswahl kann frau doch nicht einfach irgendeine Mütze tragen“, denkt Pia und sieht sich unter Druck, etwas zu repräsentieren. So eine Kopfbedeckung kann ja viel aussagen. Hat frau z.B. ein Barrett mit einer großen Blume an der Seite auf, so denkt der Betrachter vielleicht: „die Alte wär wohl gern Anais Nin“. Mit einem schwarz-roten Beanie gilt frau schnell als Anarchoschnalle. Vielleicht war der langweilige Strickbeanie vom letzten Jahr doch die richtige Wahl ?

Aber nein, die neue Mütze soll Pia ein buntes Leben suggieren oder wenigstens dem Betrachter vorgaukeln, dass die Trägerin verspielt und lebensfroh sei.* Deshalb würde sich vielleicht eine sogenannte Schapuze eignen. Sind dieses Jahr voll in Mode, diese Kapuzen-Schal-Hybriden.

Pia nennt aber bereits eine große Anzahl von Schals ihr Eigen, das wäre doch blöd, wenn die dann nicht mehr zum Einsatz kommen müssten.
Vielleicht sollte sie Yunus anrufen und fragen, ob er mal rumkommen** und einen Tipp geben möchte. Der sitzt bestimmt eh bloß vorm Rechner und schaut lechzend so Bilder an ..

„Der sollte sich lieber mal mit der realen Welt befassen, Nerd !“, murmelt Pia. In dem Moment kommt die Erleuchtung. Und zwar auf samtigen Pfoten, mit einem geschmeidigen Sprung in ihr Gesicht: „Katzenohren ! Das ist es !“

*Damit keine Zweifel aufkommen: Pia IST lebensfroh, quirlig und verspielt. Aber nicht, wenn die überwältigende Anzahl an Produktvorschlägen ihre Entscheidungsfähigkeit vor große Herausforderungen stellt.
**sie sitzt am Rechner und weiß nicht, welcher DaWanda-Näherin sie den Vorzug geben soll. Bewusst hatte sie sich gegen die asiatischen Massenwaren der Centerläden entschieden, um nun vor der Entscheidung, welche europäische Selberstrickerin ihr etwas schicken soll, fast zu scheitern.