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Geschützt: Herzen brechen

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Die neue Variobahn

Ein Mann stieg mit einer Dreijährigen in die neue Bahn, welche der ganze Stolz der Potsdamer Verkehrsbetriebe (VIP) ist. Da Feiertag war, befand sich lediglich eine überschaubare Anzahl Reisender im Fahrgastraum.
Doch die Einsteigenden konnten nur noch zwei freie Sitze ausmachen und entschieden sich lieber für zwei stabile Stehplätze.
Drei Rentner im Fond der Trambahn beobachteten die Szene.
Rentnerin 1: „Da wärn do noch zwee Sitze jewesen.“
Rentner : „Aber da will doch keener sitzen.“

Es handelte sich um Plätze mit Rückenlehnen, ohne Polster, dafür mit erhobenen Plastestreifen. Wahrscheinlich für Gepäck und nur zur Not für Menschen gedacht.
Rentnerin 2: „Ich hab noch nie jesehn, dass eener sich damit einvorstann jezeicht hädde!“ (die drei betrieben eine seltsame Dialektmischung zwischen Berlinerisch und Ostthüringisch)
Rentnerin 1: „Un die wolln noch mehr davon bauen, die sinn doch bescheuert !“
Rentner: „Immerhin hatse mehr Stehplätze.“
Rentnerin 2: „Wat ? In dem engn Jang kann doch keener stehn!“


Wo se Recht ham, ham se Recht. Die neue Bahn, die also eine andere Baureihe als die bisher eingesetzten ist, könnte man wohlwollend als „hell und geräumig“ bezeichnen. Sie funktioniert m.E. als Synonym für unsere Gesellschaft: alles muss schick und sauber sein, behindertengerecht, kinderwagenfreundlich, mit Platz fürs Zubehör (Koffer!) und großen Glasfronten. Dass darüber kein Platz mehr für die Grundfunktionen (ausreichend Sitzplätze, wir befinden uns in einer wachsenden Stadt!) ist, haben die Planer anscheinend nicht bedacht.
Das ist wie in den neu gebauten oder sanierten Bahnhöfen: enge Gänge, viel zu wenig Sitzplätze, dafür aber Sockenläden und Fitnesscenter. Wer will schon im Bahnhof im Warmen sitzend auf den Zug warten, wenn er in der selben Zeit auch shoppen kann ?

Realität fliehen, Augen funkeln

Es war der sechste September, als sich mir der Eindruck aufdrängte,

manche IT-Fachmenschen, aber auch Online-Marketing-Fans, wären die größeren Realitätsflüchter als hauptberufliche Künstler.

Nur : mit der Flucht in abstrakte Ideen und virtuelle Oberflächen lässt sich tendenziell mehr Geld verdienen, als mit dem Schaffen von Gebilden, die man haptisch konsumieren kann und die der Zerstreuung und Inspiration dienen.

Das erstaunte mich. Ich hatte das Gefühl, jener „schöne, neue Welt“-Aspekt wäre nicht „gut“. Aber das war natürlich nur ein temporärer Gedankenschweif.

Dieser wurde provoziert von Heike und Arnim.

(alle Namen geändert oder eh vergessen)

Heike, Absolventin der Burg Giebichenstein, hatte sich gegen ein Biologiestudium entschlossen und fertigt nunmehr Viren und andere Organismen in Übergröße aus Ton. Dafür braucht sie einen riesigen Ofen, für den erstmal Platz und Stromanschlüsse gefunden werden müssen. Weil sich die Keramiken nicht doll verkaufen, bietet Heike in der Innenstadt Kreativkurse für Kinder an. Damit kann sie die Werkstattmiete decken. Das hört sich doch versponnen an. Es ist wahrscheinlich gut, dass sie mit einem Verwaltungsfachangestellten liiert ist. Aber de facto entstehen doch anfassbare Dinge, von der realen Welt inspiriert.


Arnim hat sein Herz der sogenannten SEO (Search Engine Optimisation) verschrieben. Von seiner Agentur betreute Netzseiten haben einen super Pagerank, sagt er. Er spricht schnell und viel Denglish. Ob es an der Faszination des Wettbewerbs liegt, dass er hektisch Lehrsätze alá „Content ist King“ reproduziert ?
Alles, was seine Agentur fabriziert, wird unnutzbar, kappt man viele Kabel oder zerstört einige Server. Nichtsdestotrotz hat er ein Funkeln in den Augen, dass alle Künstler im Haus (mit Ausnahme eines temperamentvollen Malers) nicht haben.

Als ob die harte Lebensrealität Maler und Musiker eher abstumpft als Webdesigner. Nach dem Gedankenschweif lauschte ich noch eine Weile gebannt Arnims Ausführungen über Templates und css, dann ging ich wieder ins andere Stockwerk und nüchterte beim Blick auf zwei düstere Gemälde aus.

Es nützt ja nix : Konfrontationstherapie, Teil x

(es ist noch nicht so weit : ich bin noch nicht wieder ganz klar im Kopf. Wobei, wer ist das schon. Jedenfalls ist das noch so ein Intermezzo-Verarbeitungs-Tagebuch-Artikel, sorry.)

Mittlerweile kann ich schon viel besser „mit unbekannten Menschen“ als vor wenigen Jahren noch. Der zu beschreibende Tag fing auch ganz positiv an, diesbezüglich. (Spoiler: aber er steigerte sich ins Unerträgliche. Auf Seite 2 )

Viertel zehn: ich sehe einen circa 19-jährigen wirr vor dem Campus rumlaufen, den Plan studieren, verloren aussehend. Ich kenne mich in der Gegend aus, wie man so sagt, außerdem ist mir aufgefallen, dass Leute mich gern nach dem Weg fragen, ich strahle wohl geballte Harmlosigkeit und Hilfsbereitschaft aus. Ich stufe den Typen kraft seines Blutengelshirtes als „ebenfalls harmlos“ ein und verlangsame meine Schritte.

Nach einigen genuschelten Wegerklärsätzen raffe ich mich innerlich auf und fange an, laut zu sprechen und lächeln, was ein souveränes Gefühl ! Der Typ lächelt zurück und scheint aufgemuntert, toll.

Zehn vor Zehn : Wie als Vorwarnung passiere ich diesen FDP-Typen, mit dem ich vor Jahren in einer Gruppe war, bei einer Art Assessmentcenter – dort musste man sich zu zehnt in einen Kreis stellen und plötzlich mit Bällen bewerfen, sollte den Gruppensinn schärfen und die Aufmerksamkeitsfähigkeit erhöhen. Die ganze Veranstaltung damals war ausgelegt, normal sensible Leute zu motivieren, mir wurden die vielen Anreize allerdings nach zwei Tagen zu viel. Ich gab am dritten Tag Migräne vor und war damit raus.

Dysthymia, mon amour oder: das verwirrende Gefühl zufriedenen Optimismusses

Am Tag nach dem Springreitparcour begann eine Phase der Ausgeglichenheit und Zufriedenheit, wie ich sie seit schätzungsweise 2004 nicht mehr erlebte. Ein milder Optimismus steckt seit nunmehr sechs Tagen in mir, es ist, salopp gesagt „der Hammer“. Es ist nicht diese manie-nahe Euphorie, wie ich sie früher immermal ein, zwei, drei Tage lang hatte, nein, es ist ein gediegenes Gefühl von „so wie es jetzt ist, ist es gut und es wird sogar noch besser, bestimmt“.

Bildlich versucht dies jenes Photo darzustellen, man sieht unten den Rand von Amygdala, oben eine Wettererscheinung.


Ich bilde mir einfach ein, ein richtiges Leben im Falschen zu leben und all das Aggressions- und Depressionspotential des Falschen geht mir am Allerwertesten vorbei. (an der Stelle bin ich kurz geneigt, aus Gewohnheit zu sagen. „mal sehen wie lange“, aber quatsch, selbst wenn ein, zwei Eklats kämen, die würde ich schon irgendwie lösen oder aussitzen, ha !)

Dieses Triumphieren gönne ich mir (und durch dieses Festhalten hier gerade kann ich mich später sehr leicht rückbeziehen), schließlich habe ich lange und verlustreich darauf hingearbeitet. Denn mit der nützlichen Selbstsezierung begann ich zu Zeiten, da ich im Rahmen des Verstehen-Wollens derartige Photos schoss,
[wegen derer ich gestern den Artikel lieber passwortgeschützt hatte, weil ich sie zwar inhaltlich passend und noch immer ästhetisch finde, aber vielleicht doch zu narzistisch und seltsam. Auf Anfrage verschicke ich den jeweiligen Bild-Link per Mail, denn hochgeladen und im WordPressspeicher sind sie ja nun schon.]
dass sie die Titel tragen: (1) Zweifel ums Verrecken
(2) Wunden lecken
(3) einfach erstechen

Religiös-philosophische Notiz

aus: Alain de Benoist : „Heide sein zu einem neuen Anfang“  Buch von 1982, S.30 ff.

[jetzt kommt ein sehr langes Zitat, das mir erstmal schön und schlüssig scheint. aber ich ließe mich gern belehren oder auf Diskussionen ein]

Unsere Epoche selbst ist äußerst jüdisch-christlich geprägt, selbst wenn Kirchen und Synagogen keinen Zulauf mehr haben; sie ist es aufgrund ihrer Geschichtsauffassung durch die wesentlichen Werte, auf die sie sich bezieht. Umgekehrt, man braucht nicht an Jupiter oder Wotan zu ‚glauben‘ – was jedenfalls nicht törichter ist, als an Jahwe zu glauben – , um Heide zu sein. Heutzutage besteht das Heidentum nicht darin, Apoll-Altäre zu errichten oder den Odinkult wiederzuerwecken. Es schließt vielmehr in sich, dass man, hinter der Religion und gemäß einer nunmehr klassischen Erkenntnisweis, das ‚geistige Werkzeug‘ aufdeckt, dessen Erzeugnis sie ist, auf welche Innenwelt sie verweist, welche Welterfassung sie verrät.

Kurzum, es schließt die Betrachtung der Götter in sich als ‚Wertzentren‘ und die ‚Glauben‘, die ihnen zuteil werden, als Wertsysteme: Götter und Glauben sind vergänglich, die Werte aber bleiben. Das Heidentum zeichnet sich bei weitem nicht durch eine Ablehnung des Geistigen oder eine Verwerfung des Heiligen, sondern vielmehr durch die Wahl (und die Wiederaneignung) einer anderen Geistigkeit, einer anderen Form des Heiligen aus.

Weit davon entfernt, mit dem Atheismus oder mit dem Agnostizismus ineinander zu verschwimmen, schafft es zwischen Mensch und Welt ein grundsätzlich religiöses Verhältnis – und von einer Geistigkeit, die uns viel mächtiger, viel ernster, viel stärker erscheint als diejenige, auf die sich der jüdisch-christliche Monotheismus beruft. Weit davon entfernt, die Welt zu entheiligen, heiligt es sie im eigentlichen Sinne : es hält sie für heilig […]

Der Sinn des Heiligen, die Geistigkeit, der Glaube, der Glaube an die Existenz Gottes, die Religion als Ideologie, die Religion als System und als Einrichtung sind recht unterschiedliche Begriffe, die sich nicht unbedingt decken. Sie sind auch nicht zweideutig. Es gibt Religionen ohne Gott (z.B. den Taoismus); der Glaube an Gott erfordert nicht unbedingt, dass es sich um einen persönlichen Gott handelt. Die Vorstellung, dass man dauerhaft den Menschen von jeglicher religiösen Beschäftigung sozusagen entleeren könnte, ist aber unseres Erachtens reine Utopie. Der Glaube ist weder ein ‚Verdrängtes‘ noch eine ‚Illusion‘, und die Vernunft muss einsehen, dass sie sämtliche inneren Bestrebungen des Menschen nicht zu erschöpfen vermag. Für Schopenhauer ist der Mensch das einzige Wesen, dass sich über sein Da-Sein wundert. Diese Verwunderung, die sich gerade gegenüber dem Tod und angesichts der Vernichtung oder des Dahinsiechens aller anderen Wesen äußert, ist die eigentliche Quelle unserer metaphysischen Bedürfnisse, durch sie ist der Mensch gewissermaßen ein metaphysisches Tier.

Amygdala-Akercocke-Assoziation

Ein Spitzen-Song, ja und das Gemälde mag ich auch.
Circa alle 90 Sekunden blendet sich im Video eine andere Malstufe ein.
Ich möchte eigentlich nicht zu viel verraten, nur soviel:
nach den ersten, etwas zähen anderthalb Minuten wird das Lied weltraumiger, neudeutsch „abgespaced“. Darum zur Not vorspulen, auch die Growls werden mit der Zeit weniger ^^

(und im Vollbildmodus wird das Ganze düsterer. Das ist der Youtube-Knopf mit den vier Pfeilen unten rechts. Höhere Lautstärke versprüht zudem mehr gute Laune)