Posts Tagged ‘ Philosophie ’

Menschen und Mythen 1

C: „In diesem Onlineshop steht: Schuhe sind Teil einer eigenen Identität. Ich habe es dir ja vorhin schon gesagt..“

T: „.. der Mensch braucht keine mechanische Solidarität. Die Mode ist der postmoderne Identitätsgeber. Jaja.“

C: „Nee echt mal, wer braucht noch Nationen, wenn er Schuhe hat..“

T:“ Menschen brauchen Mythen, meine Liebe. Lass sie ihnen.“

Carol, die Post !

Antike, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Moderne, Postmoderne. Und dann, hä ?
Dieser Postbegriff ist mir zu apokalyptisch. Nach uns ein neues dunkles Zeitalter, oder was ?
Post Black Metal und Postpornografie sind feine Dinge und auch nachvollziehbare Begriffe, aber Postmoderne.. das schreit ja gerade zu danach, dass die später Lebenden sagen werden: wir machen eine ganz neue Einteilung, weil die Apokalypse doch nicht kam.
Oh, ich höre den Aufschrei der Geisteswissenschaftler: deine Dialektik ist grober Unfug ! So kann man das nicht denken, geschweige denn schreiben ! Schweig, törichtes Weib !

Aber, ätsch, ich schreie zurück:
Hört, was die Sozialpädagogen sagen:
„Bildung ist LASS:
Lustvoll, aktiv, sinnlich, sozial“

Und nun überprüft doch mal, ob eure Vorschulbildung so war, bevor ihr verkündet, Hegelianer zu sein !
Bildung ist nämlich auch loslassen. Fliehende Stürme und so.

Zwei Sätze frei assoziert. Nicht vorher gedacht. Schon wieder. Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass nichtlineare Texte verständlicher würden als lineare. Kraft meiner Archivarsbildung wäre mir das Entschwinden jeglicher Ordnungsinstanzen auch ein Graus. Vielmehr könnte doch versucht werden, anarchische/hippieske/what ever-Elemente mittels linearer Strukturen ins bürgerliche Denken hineinzupflanzen. So wie der Hitler mit der Demokratie So wie die Dota, die mittels Niedlichkeit und melodischer Kriegsführung Konsumverzicht und Selbstverantwortlichkeit in die Hirne auch rebellionsverweigernder Spießerkinder haucht.

Heute morgen fragte ich meinen Philosophieberater, welche Richtung ich eigentlich vertreten habe in unseren Diskussionen. Immerhin acht Jahre sind wir nun schon gute Freunde und heiße Feinde, da würde eine Kenntnis vorhanden sein. „Höflich ausgedrückt bist du eklektizistisch.“, grinste der Fachmann. „Außerdem finde ich gut, dass du das materialistische Denken überwunden hast und auch nicht teleologisch argumentierst.“ Aha, sagte ich, nun immerhin ein paar Eckdaten wissend.

Während Subjekte wichtig bleiben, gilt es, den Dingen Stimmen zu geben. Mir jedenfalls. Und ich lebe in einer Wohnung mit tausenden Papierseiten voller subjektloser Texte, ich weiß, wohin das führt, wenn mensch Heiner-Müller-Fanat ist. In einem dieser Texte meines Mitbewohners handeln Farben. Es gibt, glaube ich, auch ein Theaterstück, darin physikalische Erscheinungen miteinander in Beziehung treten. Die Idee, sage ich meistens, obwohl eigentlich gar kein Feedback gewünscht ist, ist gut und schön, aber was nützt sie, wenn nur eine Handvoll Kenner sie kapieren und interessiert sind ?
Nein, tut mir leid, ich finde eher, man müsste die Menschen mit ihren eigenen Waffen schlagen. Und die Physik auch. Mensch zerstört Physik durch selbsterzeugte Entropie, das wär was.

Bis dahin aber heißt es:
– Karl, die Brieftaube ist da !
– Frau Panther, öffnen Sie die Post !

Thor-Björn – Dialoge (4)

Thor-Björn liegt auf der Couch und umarmt ein riesiges Kissen.

Clara-Mila sitzt am Fenster und starrt durch die Scheibe ins Nichts.

 

C: Glaubst du an die Liebe ?

T: Nein. Also, doch, schon, aber..

C: Ich glaube, dass sie ein sinnloses temporäres Vergnügen ist.

T: Ein Vergnügen ist sie ja nicht immer.

C: Dann ist es doch erst recht sinnlos.

T: Sieh, der Mensch ist ein hochgradig generisches Wesen, er ist auf temporäre Zustände angewiesen.

C: Oh, der Herr Philosoph wieder ! Ich denke eher, dass der Mensch durch die Erkenntnis der Entität Zeit gebunden ist.

T: Jetzt schwafelst du. Soll ich dich nochmal an was anderes binden ?

C: Nein danke. Das letzte Mal war ich am Hyperventilieren.

T: Das hast du aber nicht gesagt.

C: Ich dachte, du siehst das.

T: Du hast doch gar nicht laut nach Luft geschnappt.

C: Mann, du verstehst echt nichts !

Thor-Björn – Dialoge (1)

Thor-Björn liegt auf der Couch und umarmt ein riesiges Kissen.

Clara-Mila schaut durch’s Fenster auf die Straße und den Rasen daneben.

 

C: Komm doch mal gucken ! Alle gucken aus den Fenstern !

T: (schweigt und verdrückt ein paar Tränen)

C: Die einen tragen’s auf die Wiese raus, die anderen in den Kleinbus rein.

T: Jaja, das alte Rein-Raus-Spiel.

C: Sei nicht so trübsinnig. Menschen mögen es dynamisch.

T: (kichert verächtlich): Ach, wirst du wieder philosophisch ?!

C: Warum ? Magst du keine Dynamik ?

T: Nee. Ich mag gar nichts mehr. Hast du die Valentinsgrüße in der Bahn gesehen ?

C: Da auf diesen Bildschirmen ? Warum fragst du, hast du mich da gegrüßt ?

T: Blödsinn, eine Egoistin wie dich will doch keiner…

C: ..ach doch, poppen schon.

T: Aber nicht lieben.

Philologensumpf

im Philologensumpf die Dichter gurren
kleine Stifte, viele, murren
und die Katzen, die sind wunderbar

im Philosophensand die Denker schreien
Hülsengedanken, rare, zu Breien
und die Mäuse, die sind wandelbar

Heidegger als Vorspiel (Anfang eines Pia-Kapitels)

Einmal schlief Pia bei einem Philosophiestudenten, da lag ein Heideggerbuch auf dem schwarzen Satinkopfkissen. „Sein und Zeit“ oder so ähnlich hieß es. Vielleicht auch: „Sein und Werden“- Pia war sich da nicht so sicher, auf jeden Fall ging es darin um Themen, die sie für ziemlich unerotisch hielt, weshalb sie sich wunderte, was sie damit anfangen sollte, während der Student im Bad war.

Aufgeklappt war Seite 427, auf der (nach Pias Interpretation) das Sterben beruhigend dargestellt war. Großspurige Substantive buhlten im Inhaltsverzeichnis um Pias Gunst, aber sie war entschlossen, sich nicht die genüssliche Laune von Prosa über Sinn und Wahrhaftigkeit zerstören zu lassen.

„Wem solche Bücher über seine Hyperintelligenz hinweghelfen, der soll sie gern lesen“, meinte Pia im Grundsatz und war nun gespannt, was so Herren mit bestechender Denkklarheit im Bett taugen.

Ob sie zu Komplimenten neigen ? Ob der Herr Philosophiestudent zum Beispiel sagen würde: „Ich mag dich nicht nur, weil du so eine weiche M*** hast, sondern auch für deine Lockerheit im Denken, die den Umgang mit dir recht angenehm macht ?“

Kann jemand einen dienlichen Hinweis geben, wie die Geschichte weitergehen könnte ? So in Stichpunkten oder rau formulierten Sätzen, egal..

Von Gurus, sinnsuchenden Deutschen und altindischen Geschichten

Wer sich schon immer gefragt hat, was manche Mitmenschen in Yoga-Studios, indische Bibliotheken und spirituelle Seminare treibt, findet in dem Buch „Yoga-Geschichten“ einige Antworten. Es ist im Schirner-Verlag erschienen, der sich auf Bücher spezialisiert hat, die „begeistern und das Leben ändern.“

Der Autor Bernd Balaschus berichtet darin von seiner eigenen Sinnsuche, die ihn in den 1980ern nach Indien verschlug und versucht nunmehr, dem geneigten Leser die während seiner Reisen gewonnenen Erfahrungen und Ratschläge näherzubringen. Als Herausgeberin fungiert dabei die freie Journalistin und Ethnologin Doris Iding, die dem Autor nur „kleine Kurskorrekturen“ empfehlen musste und eine schöne und fröhliche Zeit während der Zusammenarbeit mit Balaschus hatte.
Das Vorwort der Herausgeberin schliesst mit der berühmt gewordenen Formel „OM shanti“, die auch alsbald in der eigentlichen Einleitung des Buches wiederkehrt. Der Leser hat zu dem Zeitpunkt, da er das zweite Mal „OM shanti“ liest, bereits Bekanntschaft mit dem großen Wunsch der Buchschaffenden gemacht, eine Welt von allumfassender Weisheit, Friede und Gutmütigkeit zu kreieren.

Für Menschen, die nicht an die prinzipielle Möglichkeit einer von allen Übeln befreiten Welt glauben, lohnt es sich allenfalls das Buch kurz anzulesen, denn man erfährt, wie und warum sich manche Mitmenschen ins Esoterische und / oder Fernöstliche flüchten, nachdem sie bemerkten, dass der Individualisierungswahn dem „natürlichen“ menschlichen Wesen widerspricht.
Der Mensch, so führt Balaschus aus, sehnt sich instinktiv danach, etwas für ein größeres Ganzes zu tun, für „die Gesellschaft“ oder „das Göttliche“. Viele suchen an diesem Punkt nach einem Lehrer, um sich selbst zu verbessern – eine Suche, zu der der Autor keine Alternative aufzeigt. Die Hingebung zu einem Guru scheint unumgänglich. Mir erscheint sie aber auch gefährlich, denn Machtmissbrauch ist auch durch angeblich Erleuchtete und Inder möglich.

Wenn die Tat wichtiger ist, als der Lohn dafür, nennen indische Lehren das „absichtsloses Tun“, der stinknormale Deutsche würde sagen: „der Weg ist das Ziel“ und fast jeder Erwachsene hat schon irgendwann mal erlebt, wie er in einer Tätigkeit vollkommen aufging und sich sehr wohl dabei fühlte.

Balaschus bringt dem Leser anschaulich und und schlüssig gegliedert indische Weisheiten und Geschichten näher. Der Wechsel von Theorie und Anekdote sorgt für einen relativ lockeren Lesefluss. Man darf beim Lesen allerdings nicht abgelenkt sein oder zu viele kleine Pausen machen, denn die angespannten Wortgruppen („spiritueller Weg“, „vollkommene Hingebung“) verlangen eine gewisse Konzentration. Die „Yoga-Geschichten“ sind keine leichte Lektüre und von daher ein Buch für Alleinwohnende und Kinderlose.

Stutzig macht, wie der Autor zwar jede Menge Selbstkritik übt (im Sinne von „damals war ich jung, unerfahren und ungeduldig“), aber kritiklos und ohne das im Klappentext angekündigte Augenzwinkern alles Indisch-Religiöse glorifiziert.

Am Ende des Buches wird ein Guru zitiert, welcher rät, nur das zu glauben, was nach eigener Erfahrung und Untersuchung und mit dem eigenen Verstand stimmen kann. Dies scheint mir ein sehr versöhnlicher Satz zu sein, dennoch stimmt es mich traurig, dass für die im Buch erwähnten Alltagsweisheiten und Menschenkenntnisse von vielen Menschen erst fernöstliche Ratschläge eingeholt werden müssen.
Warum dieses Misstrauen in die heimischen Menschen und deren Überlieferungen ? Wenn alle Götter eins sind und alle Menschen im Grunde gleich fühlen, egal wann und wo sie leb(t)en, warum muss dann erst die heiße Sonne von Goa auf gewisse deutsche Individuen fallen, damit sie auf „das größere Ganze“ vertrauen können ?

Dies beantwortet mir das Buch nicht, auch wenn es noch so einfühlsam in Wort und Farbe gestaltet ist.

p.s.: Vielen Dank an bloggdeinbuch.de für die Vermittlung.