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Monarchiekitsch

In Potsdam muss mensch in diesem Jahr viel schmissige Musik hören, um nicht im Monarchiekitsch zu ersaufen. Ich schlage Westernkitsch zur Ablenkung vor.

Aber eigentlich begann das mit der allgegenwärtigen Monarchie schon im letzten Jahr. Da wollten wir einen Ausflug mit einer befreundeten Familie machen, so ganz peacig bürgerlich und im Grünen. Wir verabredeten uns an der Fährstation zur Pfaueninsel und waren voller naiver Vorfreude. Aber Fortuna ist selten auf der Seite der Uninformierten und informiert waren wir wahrlich nicht. Luise überraschte uns, sie hatte den Eintrittspreis geschwind verdoppelt und sich einige Kunst-und Schnick-Stelen auf die Insel stellen lassen. Oha, sagten unsere Freunde, das ist nicht in unserem Budget. Naja, sagten wir, sicher braucht das ungebildete Volk die königliche Inspiration und manchmal ist ein bisschen Dynastie- und Diplomatieklatsch ja auch ganz unterhaltsam.
Dann gingen wir in einen nahen Biergarten und ließen Luise Luise sein.

Doch das nächste Jahr fing sofort kaiserlich an:

Dann kam Ostern und wir beschäftigten uns mit Politik:

Die Monate vergingen, die Kinder kletterten auf einem riesigen Friederisiko-Schriftzug rum, diverse uninformierte Touristen ließen sich von mir beraten – „Was können wir denn jetzt hier machen, in diesem Park ? Gibt’s denn hier keine Bimmelbahn ?“, ich wollte in die Friederisiko-Ausstellung gehen, aber es kam nicht dazu, stattdessen las ich fast täglich in der Tageszeitung, was halbprominente Potsdamer täten, wären sie König. Das war mitunter unterhaltsam, aber nicht so lustig, wie manche Kinderbücher, die ich mir monarchiepausierend reinzog:

Dann kam der Sommer. Die regionalen Medien und Diskussionen hatten mich mittlerweile soweit beeinflusst, dass ich zwei Gitarrenakkorde lernte, um nicht ganz so proletarisch zu sein. Immerhin, was diese MonarchInnen alles konnten, da will die Bürgerin nicht ganz so weit hinten anstehen.

Friedrich II wurde mein großes Vorbild und ich versuchte verkrampft, eine aufgeklärte und gebildete Preußin zu werden: Trieb mich in Galerien rum und diskutierte antike Philosophien. Aber es half alles nichts. Fritzens Glanz wollte nicht auf mich herabscheinen.

Ich flüchtete in das provinzielle Umland und widmete mich Proletarischem. Sammelte Mut für eine Begegnung mit dem Monarchie-Merchandise.

Und dann war es soweit, ich ging in den Monarchiemerchandisepavillon. Unvermittelt hatte mich der Herr Bathurst reinmotiviert und ich guckte wahrscheinlich so:

In meinem Kopf lief unter anderem das ab:

3 Alpträume in 10 Stunden

„Ich bin zu spät. Habe verschlafen. Zehn Stunden geschlafen. Hätte auch drauf verzichten können.“
Chef: „Weil du dann auch die Kinder zu spät in die Kitas gebracht hast?“
ich: „Nee, die wurden schon weggebracht. Aber mich hat danach keiner geweckt, sodass ich noch einen dritten Alptraum haben konnte.“
Chef: „tsss.. Hilf doch erstmal Frau Huhn beim Laubharken.“

Gemacht. Dass Frau Huhn eine der most charming persons ever ist, hatte ich schon mehrfach erwähnt. Es gelingt mir, sie neidlos zu bewundern.
Ich vergaß meine Traumschrecken eine Weile. Aber es war alles so intensiv, dass ich trotz zu spätem Aufstehens erstmal eine Tasse Kaffee und 20min. Zeitunglesen brauchte, um in die Realität zu kommen.
Den zweiten Traum habe ich vergessen, aber er war mindestens so schrecklich wie der erste und der dritte. Jedoch ist das Menschenhirn so gestrickt, dass es primär den Anfang und das Ende abspeichert und erinnert – das habe ich als Grundschülerin in einem Zauberkasten gelernt, da stand im Beiheft, man solle die besten Zaubertricks deshalb am Anfang und am Ende machen.

In Traum 1 machte ich eine Schulfahrt und wusste längst, dass die verwendete Zugstrecke großer Murks ist, schließlich war die Endstation noch 7km von der Zielstadt entfernt. Wir gingen zwischen zwei Bahndämmen entlang, als von rechts Gefahr kam. Die meisten kletterten den linken Damm hoch, wo oben Gleise und Stromleitungen waren. Ich stand beobachtend, bis irgendwie Feuer ins Spiel kam, dann kletterte ich auch hoch und riss mir die linke Hand halb auf. An so Dornenranken und an der Handstelle, wo ich seit ein paar Echttagen einen Grind habe, von irgendeiner Lapidalienverletzung.
Um mich herum nur Panik und Verletzungen, weil eben Zeitdruck und Ratlosigkeit durch die nachrückende Gefahr war.
Aber ich erlebte auch noch mit, wie Krankenwagen und Feuerwehr kamen und die schwerer verletzten Mitschüler abtransportierten. Puh.

Im dritten Traum musste ich Hunger und Durst leiden, weil ich zu langsam und zu leise sprach – sehr leicht zu entschlüsseln.
Da war so eine Gasthoftante, die von mir eingeschnappt war, weil ich sagte: „Dann nehme ich eben KEINEN Kaffee, sondern…“ und sie schon EINEN Kaffee machte, weil sie mich schlecht verstand und der Satz zu lang war. Darum gab es für mich gar nichts mehr, bis ich nach 24 Stunden vor Durst und Hunger so jammerte, dass es diese Pensionsfrau erweichte. Das Ganze war auch wieder eine Fahrt, diesmal aber aber auch mit Familienmitgliedern..

Naja. Jedenfalls erwähnte ich am Nachmittag, dass ich Alpträume gehabt hatte und meine Tochter wandte dann astrein die Strategie an, die ich bei ihr versuche, wenn sie ungünstige Angewohnheiten hat oder sich in irgendwas reinsteigert: „Vergiss doch die Träume einfach, guck mal lieber hier und denk da dran!“ – ich sah auf ihre Zeichnungen. Mädchen mit langen blonden Haaren. Mädchen mit langen blauen Haaren. Rosa Wiese, weil kein Grün da war. Aha. Viel bunter als schlechte Erinnerungen, in der Tat.

Lieber eine gute Erinnerung:
gestern hat sich echt einer gefreut, mich wiederzuerkennen. Bei mir machte es aber lange nicht Klick, weil er damals (Anfang März) eine Kapuze aufhatte, die sein lustiges Zöpfchen verbarg. Damals dachte ich: ey, voll der subversive Eigenbrötler, spricht bestimmt nicht viel mit Leuten und so.
Gestern stellte er sich als Asta-Sozialpolitik-Referent vor und redete viel und entschlossen. Na, zumindest das ’subversiv‘ stimmte ein bisschen. Der hatte so einen Style, der ausdrückte: „gegen die heteronormative Geschlechterdualität“. Das sprach mich an, da hat mensch weibliche Niedlichkeit gepaart mit männlicher Entschlossenheit.
Ich lieh mir sogleich eine Emma Goldman – Biografie aus.

Fruchtbare Tage

Kann mensch das so schreiben, gibt es alle verwendeten Wörter ?
Und was, seufz, was bloß soll Pia tun ?

Pia sieht langgliedrige Finger, große Hände an einem zierlichen Körper. Große Hände, zu dem Schluss ist sie mittlerweile gekommen, sind sehr wichtig an Männern. Der Rest vom Körper braucht gar nicht so mächtig sein, hauptsache die Finger sind schön lang und vielleicht sogar ein bisschen eckig. Der eigentliche Körper darf gern schmal und fragil sein, das findet Pia auf künstlerische Art anziehend.

In einem Zimmer voller subversiver Plakate und neoarchitektonischer Fotos sitzen Pia und Adam am Schreibtisch: sie arbeiten einen Demonstrationsaufruf aus. Im Grunde immer für „die gute Sache“, hatte sich Pia zu einem linksalternativen Arbeitskreis begeben und sich sogleich bereit erklärt, mit diesem tief- und hellblickenden Burschen die stilistische Textüberarbeitung zu übernehmen.

Dabei ist Pia keine besonders gute Texterin, sie rät nur manchmal zur Verwendung von Doppelpunkten und Streichung von Kommata. Die überwiegende Zeit lässt sie Adam tippen und giert seine Hände an. Ob dieses Knistern im Raum liegt oder nur in ihrem Blick ? Pia wird das nie erfahren, wenn sie einfach abwartet. Schließlich ist in diesem Milieu männlicher Aktionismus herzhaft verpönt. Zu groß ist wahrscheinlich die Angst, als Chauvinist zu gelten.
Pia muss irgendwas tun, um in den Genuss der langgliedrigen Finger zu kommen. Aber was bloß ?

Grübeln über Wesenszüge: Mensa-Man

Heute morgen wollte ich mir ein belegtes Brötchen in der Mensa kaufen, geriet aber in eine peinliche Konfrontation. Und ins Grübeln, was für ein psychisches Problem der Hauptprotagonist wohl hat.

Ich war also zehn Minuten vor Öffnung des Ausgaberaumes vor Ort, was ich aber erst im Mensa-Saal stehend bemerkte. Verwundert blieb ich in der Leere stehen und überdachte meine Optionen, da sprach mich einer von der Seite an. Und sprach und sprach und achtete nur selten auf meine Augen.

Also sprach wie auswendig gelernt in politisch besänftigend-neutralem Ton. Ich ließ mich darauf ein, da zum Einen eine Lücke im Zeitplan war und zum Anderen ich immer an kleinen östlichen Ländern interessiert bin – und er Werbung für einen Themenabend machte, bei dem vier Aserbaidschaner reden sollten.

Er redete also ohne Scheu. Ich warf ein paar Sachen aus meinem löchrigen Geografie/Politik-Wissen ein und er antwortete in der Art „ja, es ist natürlich kein Land ohne Probleme, aber es soll nicht so ein Kritik fokussierter Abend werden“, wobei er völlig ignorierte, dass ich gewisse Begriff unkorrekt brachte („Berg Karrasch“ statt Karrabach z.B.) .

Jedenfalls hatte ich den Eindruck, es mit einer 30-jährigen Jungfrau zu tun zu haben, der kein Wässerchen trübt und am liebsten unter Gleichgesinnten ruhig über Fakten und Strategien plaudert.

So gut, so lahm.

Dann aber ging die Tür auf und zwei sportlich-hippe Menschen kamen rein, einer weiblich, einer männlich, beide locker-erfolgreich wirkend. Der mögliche Sportstudent setzte sich auf den Tisch, auf dem der mögliche Politikstudent seine A2-Format-Plakate platziert hatte.

Und das war zu viel für Mensa-Man. Abrupt wendete er sich von mir ab und herrschte die Hippen an: „Das ist ein Tisch ! Stühle sind zum Sitzen da ! Aus welchem Institut kommt ihr ? Hä ? Sprech ich chinesich oder was ?! Aus welchem Institut…“

Die Hippen sahen ihn entgeistert an. Ich sagte: „Du musst dich doch nicht so aufregen…“ und er fluchte weiter: „Ihr seht doch, dass ich hier Werbung verteile ! Was soll das ?? *grummel, keif, brüll*“

Die Sportlichen fingen an zu grinsen, ich beschloss meine restliche Wartezeit auf dem Klo zu verbringen. Ganz so viel Fremdschämen muss ja nicht sein.

Als ich wiederkam, standen schon 4-7 Zuschauer um Mensa-Man, der immernoch in Aufregung war, und feixten. Mensa-Man fehlte anscheinend die Möglichkeit der realistischen Selbsteinschätzung. Er glaubte sich wohl als Authorität und bemerkte nicht, dass er sich nur zum Gespött machte.

Warum nur ? Was ist sein Grundproblem ?

Ein Eindruck nach dem Zirkus

„Wir leben in einer sehr modernen Welt, jeder kann sich mit Büchern, Internet und Fernsehen informieren.“, hatte die Zirkusmoderatorin gesagt. „Aber die echten Erfahrungen, die sind doch sehr viel mehr wert als trockene Fakten – deshalb verpassen Sie nicht die Chance, großen Tieren mal ganz nah zu kommen. Sie können alle anfassen und streicheln, außer natürlich die Tiger.“
Die ganze Vorführung über streute sie ab und an Reden ein, die die hohen Eintrittspreise rechtfertigen („wir sind nicht subventioniert, wie in anderen Ländern, wir müssen in jeder Stadt satte Vorleistungen erbringen“), die die Panik vor einem Verbot von Wildtierauftritten widerspiegelten („unsere Tiere sind von so und so viel Experten überwacht“) und überhaupt gegen die Ahnung ankämpfen sollten, dass es sich um eine überkommene Institution handelt, die in dieser Form schon bald aussterben wird, so wie die Völkerschauen des letzten Jahrhunderts.


Als Kind fand ich Zirkusaufführungen großartig, damals langweilten mich allenfalls die langen Nummern stets ähnlicher Artisten. Damals hatten die Pferde noch Püschel auf dem Kopf und die Elefanten so bunte Decken auf dem Rücken. Es wurde noch nicht so krampfhaft versucht, Zusatzeinnahmen zu generieren.


Dieses Jahr starrten die Kinder sich neidisch auf Zuckerwatte, Popcorn, Gummibärchen und Lichtschwerter, die Konzentration hielt bei vielen nicht bis zum Ende der Vorstellung – vielfach wurde geklettert, gesungen und mit Schwertern und Zuckerwattestäbchen gefuchtelt.
Im Vorfeld sagte ich noch in einem Smalltalk über die aktuelle Diskussion in der Politik: „Ach, das ist doch ein Randproblem. Wer hat schon ein Nashorn in einem Zirkus. Habe das noch nie gesehen, kommt doch nicht mehr vor, kann sich eh keiner leisten.“
Und dann erschien kurz nach den Tigern (deren Knurren und Gepeitschtwerden mir falsch vorkam) ein Nilpferd. Dann ein Nashorn. Ungeschmückt gingen sie im Kreis umher und stiegen für einen Apfel auf einen Hocker.

Lohnt das den Transport dieser Tiere ? Das Blenden mit den Scheinwerfern ? Ist das denn sinnvoll vom Kosten-Nutzen-Aspekt her ?

Würdet ihr nicht auch auf dem Basar der Erfahrungen „einmal ein Nilpferd angefasst haben“ tauschen wollen gegen:
einen achtfachen Orgasmus ? einen Drogenrausch ohne Nachwirkungen ? eine natürliche, mäßig schmerzhafte Geburt ? einen Kampfrausch ?

Der NovemberNerd sagt: Ja !

Das rundenbasierte Strategiespiel "Imperialismus" hatte mich schon vor zehn Jahren über alle Maßen begeistert. Es ist ursprünglich von 1997. Und jetzt endlich bin ich im CD-Besitz !

Liebe Genossen: ich weiß auch nicht, was ihr..

Die SPD, ich und der Wandel der Zeit:

(inspiriert von diesem Beitrag.)

als kichernd-reflektierender Juso-Beobachter

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als ratlose Schwangere. "Die Zukunft ... ??"