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„Komm erste ma an, Ronny!“

Die ganze Woche prokastriniert. Immer gedacht: ich mach es, wenn ich vorher mal lachen konnte. Leider amüsierte mich einfach nichts, also blieb nur die Verschnarchheit. Heute dann war ich so verzweifelt, einem Humortipp nachzugehen, der über Dritte zu mir gelangte. Es handelt sich angeblich um eine Metalband aus dem Mansfelder Land, aber offenbar machen die Typen nicht nur Musik, sondern überhaupt Comedyzeug. Ist nicht neu, die Idee, aber manchmal doch ganz gut, das Dialekt-Synchroniseren.
Minute 1 ist drög, aber nach dem Vorspann, doch ja.. ich musste mitunter grinsen.

Sich über kleine Dinge freuen, Teil x

Mein kleines Spießerglück ist perfekt:

es gibt seit kurzer Zeit ein Bäckercafé mit Kinderspielecke im Viertel. Endlich gibt es einen Ort, an den ich ohne Verkehrsmittel gelangen kann und der auch sonntags offen hat. Langweilige Sonntagnachmittage sind nun nicht mehr ganz so trübe. Wär zwar fetziger, wenn es so ein Hipstercafé wäre, wo ich ohne zu zögern ein WLAN mit dem Notebook nutzen könnte, aber so ohne Technik unter adretten Rentnerinnen, das ist ja auch schon mal was. Ich könnte mir Romane mitnehmen oder Rezensionsexemplare anfordern, die ich dann dort durchläse, weil mich zu Hause das Internet zu sehr lockt. Ja, man muss sich die Urlaubsgedanken auch in die beginnende Herbstdepression holen. Jetzt noch ein Sommerurlaubsbild von vor zehn Jahren, als wir (auch irgendwie spießig) die Straße der Romanik mit der Bahn abklapperten.

Bockwurstvoyeurist

(aus der Reihe „Unangenehme Reisemomente“. Beim Zettelsortieren gefunden.)

Der Senf ist scharf, der Wurstdarm hart;
Der Bockwurstvoyeurist Minuten starrt.
Er grinst, wie nur die Alten lächeln
und wenn ich hinsehe, sieht er peinlich berührt weg.


Ein Familienanstarrer, sicher selbst einsam.
Geht er auch auf Spielplätze starren?


Wie eine feuchte Eichel glänzt das Wurstfleisch
und das Kind bekleckert sich mit [..?] und Senf
und der Bockwurstvoyeurist kichert
und sein Goldzahn glänzt.


Der B-V setzte sich extra gegenüber, der Zug ist leer.
Er ist distanzlos und sagt doch nichts.

Haikuversuche aus der 13.Klasse

Bei einem Stadtfest stand ich einst im Rathaus und suchte nach einem bestimmten Ausstellungsraum, da sah ein Mitglied der angereisten Haiku-Gesellschaft meine Verwirrung und man zog mich in die Veranstaltung. Ich war 15 und schwer beeindruckt von dem Kreis gediegener Leute, die dort, gitarrenaufgelockert, Verse vortrugen. Noch nie zuvor (und auch danach eher selten) weilte ich bei so einem dezidiert kulturwilligen Ereignis.
Darum gab ich diesem Silbengefuchtel auch eine Chance, ein paar Jahre später. (das fiel mir jetzt wieder ein, nachdem ja bei dem Emil und Arnold auch darüber geschrieben wurde) Metrisch und inhaltlich sind sie alle schnarch, aber es ist ein Zeitspiegel. Oder sowas. Also :

(I) schneeflocken im glas
japaner im computer
frühabend im advent
(II) glühwein 50 cent
die aula ist überfüllt
auf der treppe skat
(III) verregnete stadt
mit namen boskovice
und judenghetto
(IV) kinder laufen bunt
kaum rebellen dazwischen
fast realschüler
(V) mit mantel durch frost
resigniert, unanimiert
eil ich zur schule
(VI) grau und kulturflach
industrie und grünflächen
kuriose Stadt
(VII) chemie und bergbau
reservierte menschen
so ist meine heimat
(VIII) Norwegische Wälder
finnische Seen
Osteuropa oder Wien

Bahn(hofs)bilder IX

Heute bin ich ziemlich unkonzentriert und hin und her gerissen. Ich möchte dringend etwas schreiben, aber alles endet in Tippfehlern.

(das ist mir beim Kommentieren und Mailschreiben und so aufgefallen, war ständig am Zurückgehen und Korrigieren)

Deshalb also lieber Bilder als viele Worte.

Wie praktisch, dass diese Serie noch nicht zu Ende ist. Vor diversen Tagen war ich beim Buchstaben L und nun .. mal sehen, welche Dateinamen noch kommen.. da überrasche ich mich selbst. Es ist dann mitunter auch schwierig, mir pfiffige (?) Bildunterschriften einfallen zu lassen.

Schon "R" wie Radebeul, oha - dort war ich verwirrt am Bahnsteig und rätselte mit Passanten über die verschiedenen Historienzugvereine vor Ort. Dann entschied ich mich gegen die Fahrt mit der Historischen, weil ich Schiss hatte, das Kind würde in einer hektischen Bewegung übers Verdeck klettern.


Passt faszinierend gut zum letzten Artikel, Fremdenfeindlichkeit in Ost-Anhalt.

den Drehort irgendwie wiedererkennen

Jüngst sah ich einen Film, zu dem ich im Vorfeld nur heftig positive Rezensionen gelesen und gesehen hatte.  Es war immer die Rede davon, dass der Handlungsort irgendeine „ostdeutsche Kleinstadt“ sei.

Ein Beispiel für so einen Filmtipp kann man beim MDR sehen.

Bzgl. nationalistischer Tätowierungen und Jugendschlägereien war ich durch die konsumierten Filmtipps vorgewarnt. Sogar mit dem fast vollen Kinosaal hatte ich gerechnet, steht doch die Neonazi-Szene zur Zeit wieder im besonderen Interesse der Bürgerlichen.

Womit ich aber nicht rechnete, waren die Autokennzeichen, die im Film vorkommen. Angesichts der Brisanz des Spielfilminhaltes wäre es m.E. klug gewesen, Fantasiekennzeichen zu verwenden, um keinen Landkreis zu stigmatisieren.

Aber nein : unter den Motorhauben mit den nationalen Aufklebern befanden sich BTF-Kennzeichen.  Und einmal auch ABI, das Kürzel von nach der Kreisgebietsreform.

Ab diesem Erkenntnismoment achtete ich besonders auf die Schauplätze – und siehe da: die vertrauten hellblauen Bushaltestellen. Die Plattenbauten von Wolfen-Nord. Die Sowjetkasernen: vielleicht die zwischen Dessau und Oranienburg.

Ich war leicht geschockt, wobei es sich besonders gut geschockt sein lässt, wenn man von Rechtsrock beschallt Leinwandblut sieht – und zischelte zu meinem Begleiter: „Na, des hädden die ja ooch anners machen könn’n !“ (der Leinwanddialekt hatte auch den meinigen wiederbelebt.) Aber der Begleiter nuschelte nur: „hm, hm…“

Am nächsten Morgen war ich noch immer aufgekratzt und konnte mich nicht auf den Kostenfinanzierungsplan konzentrieren. Ich trug daher meinem Chef den Umstand vor und der meinte, weil er ein großer Kulturoptimist ist, dass das doch auch ein positives Zeichen für die Region sein könne.

Und so sehen das anscheinend auch die lokalen Medien:

die Gegend zur Verfügung zu stellen zeuge von Zivilcourage und man müsse keine Angst haben, nun als Rechtsextremenhochburg wahrgenommen zu werden.

Der braune Pullover ist doch kein Zufall ?!

Quellen:

http://www.wochenspiegel-web.de/wisl_s-cms/_wochenspiegel/7359/Bitterfeld_Wolfen/23871/_Kriegerin__kommt_ins_Kino.html

http://www.rbwonline.de/kultur.php?id=40196

http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1321007897849

Bahnhofsbilder VI

Dieses Mal sind wir bei H wie Hochsommer und J wie Jena. Es wird wieder viel Warten gezeigt, denn warten müssen Menschen wie Mülltonnen.