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Bahn(hofs)bilder IX

Heute bin ich ziemlich unkonzentriert und hin und her gerissen. Ich möchte dringend etwas schreiben, aber alles endet in Tippfehlern.

(das ist mir beim Kommentieren und Mailschreiben und so aufgefallen, war ständig am Zurückgehen und Korrigieren)

Deshalb also lieber Bilder als viele Worte.

Wie praktisch, dass diese Serie noch nicht zu Ende ist. Vor diversen Tagen war ich beim Buchstaben L und nun .. mal sehen, welche Dateinamen noch kommen.. da überrasche ich mich selbst. Es ist dann mitunter auch schwierig, mir pfiffige (?) Bildunterschriften einfallen zu lassen.

Schon "R" wie Radebeul, oha - dort war ich verwirrt am Bahnsteig und rätselte mit Passanten über die verschiedenen Historienzugvereine vor Ort. Dann entschied ich mich gegen die Fahrt mit der Historischen, weil ich Schiss hatte, das Kind würde in einer hektischen Bewegung übers Verdeck klettern.


Passt faszinierend gut zum letzten Artikel, Fremdenfeindlichkeit in Ost-Anhalt.

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Bahnhofsbilder VIII

Immernoch der Buchstabe L !
Immernoch keine kreativen Texte zu dieser Serie. Aber jetzt ziehe ich sie mal durch, so ein paar wenige Teile kommen noch, dann vielleicht mal witzigere Dinge !

Kaufen Sie diesen Bahnhof zum Preis einer Packung Milch !


Der Mecklenburger ist ein bescheidener character, ihm reicht ein Lübzer und ein Campingstuhl.

Bahnhofsbilder VII

Heute zwei Bilder aus Bahnhöfen, deren Städte mit L anfangen:
Eine Frage und eine Feststellung.

Wer weiß was über diese beige-blau lackierten Waggons ?


Lichterfelde ist nicht Lichtenberg. Ein Pils bleibt aber ein Pils.

Fickpieschen und die Vorurteile

„Hier ist neulich mein Bekannter hingezogen, ans Rathaus Fickpieschen.“, hatte der Freund gesagt. „Und jetzt fickt er den ganzen Tag ?“, fragte meine arglose Laune. „Hahaha, genau !“, sagte mein Gegenüber.

Den Spruch mit Fickpieschen kannte ich schon ein oder zwei Jahre, den Freund schon sieben Jahre. Es war also nicht von ungefähr, dass ich so arglos und unreflektiert reagiert hatte.

„Aber“, so hatte ich beim Schauen auf die Pieschener Straßen überlegt, „stimmt dieses Klischee eigentlich noch, dass die Einwohner von Pieschen so gelangweilt wären, dass ihnen nur die ‚Freuden des kleinen Mannes‘  blieben ?“ – dass nur Sex, Schnaps und Schlager für den Pieschener erschwinglich wären ?

Ich konnte es mir nicht vorstellen. Eigentlich sahen die Häuser sehr bürgerlich und mittelschichtig aus, auf den Gehwegen befanden sich nicht übermäßig viele Kinder.

Die ortskundige Bekannte hatte am Vortag gesagt, dass die Gentrifizierung viele Neustadt*bewohner in Richtung Pieschen verdrängt hätte. Auch das passt nicht ins Bild des „kleinen Mannes, der in Pieschen all day long fickt“, denn der Neustadtflüchter an sich hat zwar auch zu wenig Geld, interessiert sich aber für Punk statt Schlager oder für vegane Soljanka statt Schnaps. Die Weltbevölkerung um fünf oder zwölf Leute zu erhöhen, liegt nicht in seinem Sinne.

Deshalb, so wurde mir schmerzlich bewusst, hatte ich wohl ob eines überkommenen Vorurteils gescherzt und gelacht. Und das ist ja eigentlich etwas, was ich vermeidenswert finde. Aber eben nur eigentlich.

*: gemeint ist Dresden-Neustadt, das ist gleich neben Pieschen.

Fabuliertes Hinterhausgetier

Im Prospekt zur Dresdner Ausstellung über die „Neue Sachlichkeit“ sprang mir dieses bemerkenswerte Gemälde ins Auge:

„Hinterhäuser in Dresden“ (1931) von Franz Radziwill

– weil es Platz für viele Blicke lässt, nicht nur für den ersten und den zweiten. Und weil sich mein Goldgaul von neulich dort wohlfühlen würde:

Irgendwo dazwischen würde auch dieser putzige Geselle sitzen:
Und vereinter Kräfte würden sie sich wünschen, einem solchen Schauspiel beiwohnen zu können:


Ja. Das muss man sich mal vorstellen.

Von Holzwesen bedroht

Im Leben muss mensch sich gegen viele Holzwesen behaupten.

Manche bedrohen einen amöbenhaft:


Andere aggregieren in bekannten Formen, um den Mensch zu erschrecken:


Allen gemein ist, dass sie einen zu Kleinholz verarbeiten wollen, um die Menschen zu assimilieren.

Schläft dann auch noch die Beschützerin, so gibt es keine Rettung.
Schade.

schwarz-weiße Postkarten 1: Idylle und Verklärung

Teil 1 meiner kleinen, unprofessionellen Ansichtskarten-Edition knüpft da an, wo der vorherige Artikel aufhörte, beim zeitlichen Zurückblick auf vermeintlich unkompliziertere Leben.

Bauernhaus in der Dübener Heide

Diese Karte ist nur als Andenken gekauft worden, also unverschickt („ungelaufen“). Man sieht jede Menge Angestellte und Bewohner, weil ja das Landleben viele Leute brauchte, einen Farbeimer, einen Hund oder eine Decke (unten rechts), sowie einen Jugendlichen, der fröhlich ein Gewehr hält. Nun bedauere ich es, keine vertieften volkskundlichen Kenntnisse zu haben.

Darum zu etwas propagandistisch Durchschaubarerem :

Diese Karte ist eine Art Benefizveranstaltung, wie es das heute noch gibt („kauf einen Kasten Krombacher und 2 Cent gehen an den Regenwald“), denn sie war „zum Besten der Kriegskinderspende deutscher Frauen“ und zeigt die „Kronprinzessin Cecilie“. Damals gekauft für 10 Pfennige, wobei mindestens 7 Pfennig, laut Rückaufdruck, für den „Rheinischen Kriegskinder-Spendentag Oktober 1916“ verwendet wurden. Möglicherweise war die Käuferin vom Motiv angetan oder wollte nur die Spende machen, jedenfalls ist auch diese Karte ungelaufen.

Oberhof. Waldkaffee Untere Schweizerhütte. Touristenheim der Leipziger Verkehrsbetriebe

Deshalb als letztes noch eine gelaufene Karte. Sie ist wesentlich später gedruckt worden, nämlich 1955, aber auch sehr idyllisch. Absender war ein Herr mittleren Alters, der an Frau und Kinder schreibt, die nämlich zu Hause bleiben mussten. „Meine liebe E. , Von einem sehr schönen Nachmittags-Ausflug nach umstehender Hütte mit einem Kollegen aus dem Eisenbahnerheim, welchen ich schon in Bitterfeld im Zuge kennenlernte, sende ich Euch herzl. Grüße ! Der Kollege ist etwas älter, aber sonst gut zu mir passend. Heute habe ich, ohne Antwort von Dir abzuwarten, 6 DM an Dich abgesandt. […]“

Erwähnte ich schon meine nahezu morbide Faszination für Schriftstücke Verstorbener ? Und wie mich die Vorstellung begeistert, in einer telephonlosen Welt zu leben ?